Presseblick (70)

meedia.de vom 22.02.2018

meedia.de vom 22.02.2018

Wenn es gegen Putin und/oder Russland geht, wird alles genommen. Das Satire‐Magazin »Titanic« hatte die BILD‐Zeitung mit gefälschten Informationen hereingelegt und behauptet, dass der Juso‐Vorsitzende Kevin Kühnert mit russischen Internettrollen Kontakt hätte. Die BILD hielt das natürlich für echt und machte eine große Schlagzeile: »Schmutzkampagne bei der SPD.« Als das ganze aufflog, schrieb BILD‐Chefredakteur Julian Reichelt eine E‐Mail an sein Team. Jakob Augstein wird peinlich: »Ich erkenne das aufklärerische Interesse nicht. Das ist reine Destruktion.« Richtig, wenn es gegen Putin und Russland geht, gibt und darf es niemals Aufklärung geben. :JAJA:

Bildung
»Wie werde ich glücklich? Wie bekomme ich meinen Traumpartner und Traumjob? Wie bleibe ich gesund? etc. etc.« In Buchhandlungen und Bibliotheken gibt es mittlerweile immer weniger Fachbücher in den Bereichen Psychologie und Philosophie, dafür aber umso mehr ichbezogene und narzisstische Lebensratgeber. Die Leute wollen das und es verkauft sich wie geschnitten Brot. Leider reiht sich der von mir sehr geschätzte Pädagogik‐Experte Remo Largo nun auch hier ein: »Seinen Weg zu finden ist kein Ziel — sondern, wie man ja auch sagt, ein Weg. [...] Wenn es nicht anders geht, muss man Kompromisse machen.« Echt jetzt? Für solche Banalitäten soll ich jetzt sein neues Buch kaufen? :NENE:

Politik
Die SPD fällt laut Forsa‐Umfrage auf rund 16 Prozent. Ein Umdenken innerhalb der Partei bewirkt das natürlich nicht. Ich höre schon die Floskeln bei den nächsten Landtagswahlen: »Wir können mit unserem Ergebnis zufrieden sein!«

Die World Socialist Website (wsws.org) hat sich den Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD einmal genauer angeschaut. Ihre Analyse: Krieg, Polizeistaat und Sozialabbau. Schönen Dank auch, Mutti! :NENE:

Jeder, der immer noch an das Märchen glaubt, Deutschland sei eine Demokratie, dem sei der Beitrag »Strukturelle Antidemokratie« von Patrick Münch auf rubikon.news vom 2. Februar 2018 ans Herz gelegt. Und auch in der Ukraine sind die »proeuropäischen Kräfte« alles andere als lupenreine Demokraten:

Junge Welt vom 10. Februar 2018

Junge Welt vom 10. Februar 2018

Armut
Timo Reuter hat auf zeit.de einen Ratgeber veröffentlicht, wie man Obdachlose ganz konkret helfen kann. Systemimmanente Ursachen von Obdachlosigkeit werden freilich nicht thematisiert. Konkrete Hilfestellungen wie Notunterkünfte, Kältehilfe, Notarzt rufen oder Nachfragen gehören aber beispielsweise dazu. Der Artikel hat rund 800 Kommentare und viele davon bringen es auf den Punkt. »
Dr. Econ« (Kommentar‐Seite 4 von 40) schreibt beispielsweise:

»Wenn eine Gesellschaft systematisch Hilfsbedürftigkeit verursacht, so besteht eine Hilfspflicht der Gemeinschaft bzw. des Systems und nicht des Einzelnen. Alles andere führt zu moralischer Überforderung und unzureichender Hilfe. Bei ca. 500.000 Obdachlosen in einem Land mit 80 Mio Einwohner ist das Problem wohl mehr als systematisch...«

Krieg
Auch wenn unsere liebe NATO‐Presse aus allen Rohren für den Krieg feuert, so ist es doch erfrischend zu sehen, dass in der Kommentarsektion (sofern diese nicht schon längst abgeschaltet ist) immer häufiger heftiger Widerstand gegen Kriegseinsätzen besteht. Bei »Von der Leyen will Bundeswehrmissionen um ein Jahr verlängern« auf zeit.de gibt es rund 120 Kommentare, die starke Kritik an Deutschlands Kriegseinsätzen üben.

Spiegel Online vom 4. Februar 2018 (allein diesen Artikel hier zu verlinken ist schon Antisemitismus!)

Spiegel Online vom 4. Februar 2018 (allein diesen Artikel hier zu verlinken ist schon Antisemitismus!)

Arbeitsmarkt 
Svenja Hofert schreibt auf ihrem Karriere‐Blog über die digitalen Möglichkeiten und Methoden potentielle Bewerber auszuspionieren und ihre vermeintliche Persönlichkeit durch allerlei Tools und Datenkraken zu definieren. Letztlich folgt das dem digitalen Trend, dass der Mensch nur das Ergebnis seiner Daten(spuren) sei. Emotion, Erfahrung und Intuition wird man mit digitalen Tools aber nur schwer abfragen können.

Medien
Für Aufmerksamkeit, Reichweite und Klick sind sich viele Kauf‐ und Vertriebsmedien für nichts mehr zu schade. Da wird sich dem Boulevard‐ und BILD‐Niveau angenähert, wo es nur geht. SEO sei dank! Mega‐Meldung bei gamestar.de vom 24.01.2018: »Mann beißt iPhone‐Akku — Explosion im Elektronikladen.« Immerhin lassen sich rund 100 Leute dazu herab, diesen Nonsens zu kommentieren. Katzen, Hunde, Star Wars und Iphones gehen wohl immer.


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6 Gedanken zu “Presseblick (70)

  1. Jakob Augstein wird peinlich

    Nu ja, bitte nicht das Clowns‐Ping‐Pong vom Kobi und dem Nikki
    in der öffentlich‐rechtlichen Mini‐Sparte Phönix vergessen.

    Das war glaube ich gar nicht anders zu erwarten, als das der Herr
    Augstein seinen Bild‐Buddies zur Seite springt.

    lg

  2. »Jeder, der immer noch an das Märchen glaubt, Deutschland sei eine Demokratie,...«

    Natürlich ist Deutschland keine Demokratie. Das findet man im Grundgesetz. Deutschland ist eine (Bundes)Republik. Das Wort »Demokratie« (exakt mit dieser Schreibweise) oder dessen Definition kommen im Grundgesetz nicht vor. In einigen Artikeln liest man das Attribut »demokratisch«. Das war es.

    Trotz vieler Erklärungen und Theorien ist DIE »Demokratie« nicht definiert. Die parlamentarische/repräsentative »Demokratie« (Oxymoron), gern auch als »marktkonforme Demokratie« bezeichnet, soll eine »Demokratieform« sein. Also eine Form von etwas, was nicht definiert ist. So kann sich jeder »Demokrat« nennen. Hitler meinte, dass er die Demokratie nicht beseitigt hätte, sondern vereinfacht. Von Goebbels stammt das Zitat: »Bei uns herrscht die wahre Demokratie, sonst könnte die Führung es nicht wagen, das Volk an die Wahlurne zu rufen.«
    Dazu sollte man anmerken, dass Wahlen gerade kein Alleinstellungsmerkmal für eine »Demokratie« sind. Auch der Papst wird gewählt und Aktionäre wählen Aufsichtsräte. Schaut man in die Historie, stösst man darauf, dass die »Erfinder« der Demokratie Wahlen als undemokratisch einstuften.

    Heute ist »Demokratie« eine ideologische Sprechblase. Wer kapitalistische Staaten als »Demokratien« betrachten möchte, kann es tun. Wer nicht, unterliegt ebenfalls keinem Irrtum. Im Übrigen war die »Demokratie« zu keiner Zeit der Geschichte, weder sinngemäß noch inhaltlich, eine »Volks«herrschaft.
    Mit diesem Blickwinkel sind die beobachteten Entwicklungen zur Bildung, zur Politik, zur Armut, zum Krieg, zum Arbeitsmarkt und zu den Medien logisch nachvollziehbar.
    Mir fällt es im Moment unsagbar schwer, dem missbrauchten Begriff »Demokratie« etwas Sinnvolles abzugewinnen.

  3. @Ich bin kein Roboter

    Ähmm.....öhhmmm...nichts genaues weiß man nicht! Miau!

    @Carlo

    »Dazu sollte man anmerken, dass Wahlen gerade kein Alleinstellungsmerkmal für eine »Demokratie« sind. Auch der Papst wird gewählt und Aktionäre wählen Aufsichtsräte.«

    Guter Hinweis! Besonders, wenn dann in Afghanistan oder im Irak -nachdem diese Länder im Namen der Freiheit zerbombt wurden‐ Wahlen abgehalten werden, soll das regelmäßig ein Indikator für demokratische Tendenzen sein. :KICHER:

  4. @epikur

    Ja, es ist so paradox, dass genau das, was am wenigsten mit der klassischen Demokratie zu tun hat, von deren Vertretern sogar als aristokratisch angesehen wurde, als Indikator für die repräsentative Demokratie fungiert.
    Demokratie nach Madison, Hamilton und Jay (Federalist Papers) ist meiner Meinung nach die größte Lebenslüge der bürgerlichen Gesellschaft.

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