»Hauptsache Arbeit!«

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Mutter: »Endlich hast Du Arbeit gefunden!«

Sohn: »Möchtest Du nicht wissen, was und wo ich jetzt arbeite?«

Mutter: »Och, eigentlich ist mir das fast egal! Nach so langer Zeit bin ich nur froh, dass Du jetzt eine Arbeit hast! Denn das bedeutet, dass Du jetzt Dein eigenes Geld verdienst und finanziell unabhängig bist. Von daher: Glückwunsch!«

Sohn: »Nach dieser Logik könnte ich ja auch Waffen für Kindersoldaten produzieren, Drogen verkaufen oder für die Mafia arbeiten?«

Mutter: »Aber die Mafia tötet Menschen!«

Sohn: »Und Du glaubst, Banken und Konzerne töten keine Menschen?«


» „Wer wirklich arbeiten will, der findet auch eine Arbeit!“
» Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn
» Über den gemeinen Erwerbslosen

10 Gedanken zu “»Hauptsache Arbeit!«

  1. ...na klar...die Mafia ist nicht schlecht, so ehrenwert wie Banker und Konzerne und Politiker sind die allmal......und Drogendealer...
    besser ´ne Hand voll gehandelt, als ein Arm voll gearbeitet.....

  2. ...und finanziell unabhängig bist.

    Finanziell unabhängig — durch abhängige Beschäftigung...! ;)

    Da passt ganz gut: Der Sohn der ältesten Freundin meiner Mutter (und totaler Liebling meiner Omma...) studierte nach einer Banklehre noch »internationales Finanzmanagement« und zog dann irgendwann in die Schweiz, um dort Deutsche beim Steuern-Hinterziehen zu »beraten«. Als wir noch Kontakt hatten, prahlte er förmlich damit, den Reichen dabei zu helfen, ihre »hart verdiente« Kohle am deutschen Finanzamt vorbeizuschleusen.

    Aber wehe, wenn ich mich ab und an mal negativ über ihn und seinen Beruf / seine »Arbeit« geäußert habe... Was kam? »Der hat wenigstens eine Arbeit...!« Toll, da freuen sich nicht nur die Promis, sondern auch die Waffen- und Menschenhändler, deren Geld er wäscht und verwaltet...! :P

    Aber so ist das halt; das Einzige was wirklich zählt, sind »Arbeitsplätze«, seien sie für die Gesellschaft (oder den Einzelnen) auch noch so unnötig oder schlecht. Dann ist halt auch ein Job im Atomkraftwerk, in der Bank, im Jobcenter oder in der Waffenfabrik »besser als gar keine Arbeit«...! Yeah!

    Ich wäre übrigens dafür, den Text der Nationalhymne auf »Arbeit, Arbeit über alles, über alles in der Welt« zu ändern. Alternativ ginge auch »Bück dich hoch«! ;)

  3. @Dennis82

    Der obige Text geht ja zumindest noch von einem Rest-Anstand und Rest-Wertesystem aus. Bei vielen gibt es selbst das nicht mehr. Hauptsache Arbeit. Und Hauptsache Kohle. Egal wie.

    Eine Kollegin hat mir vor kurzem von einem Fall erzählt, wie innerhalb ihrer Verwandtschaft jemand richtig viel Geld mit kriminellen Machenschaften erwirtschaftet hat. Dickes Haus, Auto, Model-Freundin, 5x im Jahr in den Urlaub etc. — er soll innerhalb der Familie/Verwandtschaft sehr beliebt gewesen sein und niemand hat genau nachgefragt, womit er sein Geld verdient hatte. Ist vielen auch absolut egal. Hauptsache Geld, Status Symbole, was zum vorzeigen. Bis er dann tatsächlich erwischt wurde, ins Gefängnis kam und alles weg war. Und dann kamen sie auf einmal alle an, diese verlogenen Heuchler und Moralisten: »Schlimm das!«. »Was der seiner Familie damit antut!« »Ich habs ja schon immer gewusst!« und so weiter.

  4. Statussymbole...! :P ;)

    Stimmt, solange jemand Geld hat, fragt niemand kritisch nach. Man ist, was man hat! Steuerhinterziehung ist ja auch regelrechter Volkssport, vor allem in den Schichten, wo sich das überhaupt nennenswert lohnt. Zumal es ja auch nicht wenige Leute gibt, die wirklich nur von ihren geerbten Vermietungs- oder Kapitaleinkünften (also der Lohnarbeit anderer) leben; da fragt keiner nach, ob die »arbeiten«; es zählt immer nur, was man hat. Ein positiver Aspekt meiner Zeit im Finanzamt: mal schwarz auf weiß zu sehen, wovon der ein oder andere eigentlich lebt!

    Da passt ja auch gut der Fall Hoeneß rein — nur dass da nicht grade wenige für den ja sogar Verständnis haben. Und der Ansicht sind, es sei jetzt mal gut; schließlich habe er »ja so viel für die Allgemeinheit geleistet«...! :d Das ist dann gar noch eine Spur übler als die übliche verlogene Heuchelei, wenn dann doch mal wieder einer so blöd war, sich erwischen zu lassen.

  5. @Dennis82

    Aus deiner Zeit beim Finanzamt kennst du garantiert auch Gegenbeispiele wie folgendes: Der Sohn einer guten Freundin zahlt heute noch Steuern nach für Einkünfte, die er nie hatte, die aber vom Finanzamt nachträglich ›geschätzt‹ wurden. Der Junge hatte sich vor zig Jahren, als Ich-AG’s groß in Mode waren, mal kurz als ›subunternehmender‹ Trockenbauer ›selbständig‹ gemacht, es aber mit der Steuer nicht so genau genommen, weil Aufträge und folglich Einkünfte ohnehin nicht so doll waren.

    Im Fall Hoeneß stellt sich dagegen eher die Frage, mit wessen Geld der tatsächlich ›gespielt‹ hat. Es gab seinerzeit paar Schweizer Bankfachleute, die anzweifelten, dass jemand ohne Insiderwissen derartige Transaktionen abwickeln könnte.

    Aber egal wie man’s auch betrachtet, so war’s eigentlich schon immer, die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.

    @epikur

    Dass der Typ, von dem deine Kollegin berichtet, tatsächlich ›ins Loch gewandert‹ ist, liegt vermutlich mehr an seiner Großkotzigkeit als am Eifer der Steuerbehörde. In der Sphäre der ›Steuerberatung‹ gibt es zwar kaum Heuchler und Moralisten, dafür umso mehr Neider. Und wenn dann einer den Esel macht, der auf dem Eis tanzen zu können glaubt ... :MRGREEN:

  6. @Samson: Wieso »Gegenbeispiel«? Wenn er die Steuern überhaupt bezahlen kann, scheinen ja dann doch noch »Reserven« da zu sein...!? Aber: ohne die Details zu kennen — immer schwierig. ;) Steuerbetrug ist auch bei den (vermeintlich) »Kleinen« Volkssport. Und nicht minder schädlich!

    Aber wer es halt »mit der Steuer nicht zu genau nimmt« — dessen Einkünfte werden dann halt auch mal geschätzt. Die Schätzung steht eigentlich auch am Ende der vielfältigen Möglichkeiten, einen Stpfl. zur Abgabe einer Steuererklärung oder Gewinnermittlung zu bewegen. Mein Mitleid hält sich in diesen Fällen allgemein sehr stark in Grenzen. Geschätzt wird in der Regel also erst sehr spät, also nach mehrfacher Aufforderung zur Abgabe von Steuererklärungen. »Mondschätzungen« sind zudem verboten, ich hab im FA aber auch Fälle erlebt, in denen die Schätzung sogar trotz »Sicherheitszuschlag« zu niedrig war (das kam dann erst bei einer späteren Außenprüfung raus)...!

    Und überhaupt: Ich bleche jeden Monat ohne jedes Einkommen(!) knapp 180 Euro Krankenkassenbeiträge — die auf völlig fiktiven(!) Einkünften basieren. Interessiert aber: kein Schwein. :P

  7. @Dennis82

    Soviel ich mitbekommen habe ging der Schlamassel mit Rechnungen los, auf denen er ›sitzen‹ blieb, d.h. die hat er wohl gestellt, aber nie bezahlt bekommen. Das Finanzamt hat wohl aber hinterher, also Jahre später, aufgrund solcher unbezahlter Rechnungen ein Einkommen nachträglich geschätzt und auf Rückzahlung zuzgl. Zinsen beharrt.

    Da der Junge zwischenzeitlich wieder arbeitslos, dann in Umschulung und danach nur via diverse Zeitarbeitsfirmen ›beschäftigt‹ war, konnte er auch immer nur ›Kleckerbeträge‹ abstottern, die kaum diese Zinsen abdeckten. Von Steuerbetrug würde ich da nicht reden, vielleicht von Naivität, meinetwegen Blödheit. Jedenfalls kann ich verstehen, dass der immer mal wieder drüber nachdenkt, den Bettel hinzuschmeißen, weil ihm ohnehin nicht viel mehr als Hartz bleibt, er dann aber wohl ruhiger lebt ... :BIER:

    Btw, wo hast du den Dukatenscheißer stehen ?? ;)

  8. Zwar zunehmend OT, aber: das mit der Selbständigkeit sollte man sich (grade in D mit seinem Selbständigkeit gezielt verunmöglichenden Sozialversicherungsrecht) halt gründlich überlegen. Das er die nie bezahlt bekam, behaupten viele. Offenbar hat er ja aber das ganze Unternehmen nicht gemeldet...? Wenn da gar erst viele Jahre später was geschätzt wurde? Ob Rechnungen bezahlt wurden oder nicht, lässt sich halt durch sowas wie eine »Buchführung« belegen. Man kann ja z. B. auch überprüfen, ob die Ausgaben beim anderen Unternehmen geltend gemacht wurden. ;)

    Aber ja, in der Tat hat man eine Zeitlang die Leute mittels »Ich-AG« ja gezielt ins finanzielle Verderben geschickt...! Auch nach dem Motto »Besser irgendeine Arbeit als gar keine!«

    Dukatenscheißer hab ich keinen; ich war in »besseren Zeiten« sparsam. Mittels asketischen Lebensstils komm ich mit viel Verzicht so einigermaßen über die Runden. Zwar regen sich immer viele gerne über das FA auf — aber so absurde Sachen wie 180 Euro Beiträge bei nachweislichen Nulleinkünften — gibts im Steuerrecht halt trotzdem nicht...!

  9. Dennis82: Ein Freund von mir, ehemaliger Bankprüfer- zahlt über 500 Euro an die PKV. Jetzt ist er arbeitsunfähig, wird wohl in den Sozialtarif wechseln müssen! Insbesondere Beamte sind die Profiteure, wieso soll jemand, der alles dem Steuerzahler verdankt, selbst Ösis und Italiener verfolgen unfähige Staatsbedienstete, privat versichert sein! Meinst Du mit deiner steuerfinanzierten Gesudnheitsversorgung das nordeuropische Modell- oder etwas Neues?

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