Über den gemeinen Erwerbslosen

Ist nicht im Regelbedarf enthalten: Rostbratwurst

Ist nicht im Regelbedarf enthalten: Rostbratwurst

Das mediale sowie gesellschaftliche Bild vom Erwerbslosen in Deutschland ist negativ besetzt. Vorurteile, Klischees sowie offene und unterschwellige Diffamierungen bestimmen die Berichterstattung und das soziale Miteinander. Wer erwerbslos ist, hat wenig soziales Kapital, gilt in vielen Frauenaugen als schlechte Partie und befindet sich stets in einer Rechtfertigungs‐ und Defensivhaltung. Nicht nur gegenüber den Behörden, sondern vor allem auch im sozialen Umfeld. Wieso, weshalb, warum man denn arbeitslos sei? Was man denn effektiv tun würde, um dieser Misere zu entkommen? Und ob man womöglich nicht doch irgendwie (also auf jeden Fall!) selbst daran schuld sei, sind die ständigen subtilen Anklagen, denen erwerbslose Menschen ausgesetzt sind.

»Du hockst den ganzen Tag nur Zuhause rum.«

Anmerkung: Das ist eine typische Diffamierung, die besonders gern erwerbstätige Menschen vorbringen. Damit befindet sich der Erwerbslose sofort wieder in der Rechtfertigungs‐ und Defensivfalle. Nein, er mache ja auch sinnvolle Sachen, wie Sport, kümmere sich um seine Kinder, bewerbe sich und so weiter. Ja, es gibt mit Sicherheit viele Erwerbslose, die auch im Müßiggang verharren bleiben. Es gibt aber mindestens genauso viele, die keine anständig bezahlte Lohnarbeit finden. Davon abgesehen gibt es immer mehr Menschen, die im Home Office arbeiten und damit auch nur Zuhause sitzen. Und auch in vielen Büros und Behörden wird ordentlich Sitzfleisch abgesessen.

»Wer arbeitslos ist, ist nur zu faul zum Arbeiten!«

Anmerkung: Dieser Vorwurf bedient, unterstützt und trägt das neoliberale Dogma der »Eigenverantwortung«. Er negiert strukturelle Gewalt, Zwänge sowie Ungerechtigkeiten und gibt nur dem Individuum die Schuld für seine Erwerbslosigkeit. Seien es Massenentlassungen bei großen Konzernen, damit die Aktionäre zufrieden sind, ein ständiger Abbau des öffentlichen Dienstes, weil man dem neoliberalen Fetisch vom Kürzen und Sparen verfallen ist, der Altersrassismus auf dem Arbeitsmarkt, bei dem über 50jährige kaum noch eine Chance haben sowie die ständig fortschreitende Automatisierung durch Roboter und Maschinen: das sind (unter anderem) die eigentlichen Gründe für die Massenerwerbslosigkeit. Hinzu kommt, dass bei diesem Vorwurf suggeriert wird, als sei Erwerbsarbeit -völlig unabhängig von Art und Bezahlung‐ ein Wert an sich. Massenerwerbslosigkeit ist primär ein strukturelles und kein individuelles Problem.

»Du liegst doch dem Staat nur auf der Tasche!«

Anmerkung: Ja, man erhält staatliche Hilfeleistung für eine (oft) unverschuldete Erwerbslosigkeit. Und weil diese lächerlich gering ist, muss man das Geld fast zu 100 Prozent wieder in die heimische Binnenwirtschaft versenken (Lebensmittel, Strom, Miete, Kleidung etc.) und muss so gezwungenermaßen die heilige Kuh des Kapitalismus füttern: Wirtschaftswachstum. Im Gegensatz dazu gibt es etliche große Unternehmen, Banken und Konzerne, die großzügig vom Staat alimentiert und subventioniert werden, das Geld aber gleichzeitig der Wirtschaft entziehen und es in der Finanzindustrie verballern. Von Steuersenkungen, Steuerhinterziehungen und der Bankenrettung, wo mal eben 500 Milliarden Euro rausgefeuert wurden, ganz zu schweigen. Dem Staat wirklich auf der Tasche liegen Konzerne, Banken, Versicherungen und Abgeordnete, die sich alle reichlich an unseren Steuergeldern bedienen. Das sind die eigentlichen Schmarotzer.

jobcenter

»Diese Verachtung der Armen ist die ideologische Rechtfertigung dafür, dass der reichere Teil der Gesellschaft weiter auf Kosten des ärmeren leben kann. Denn so gerät viel zu oft aus dem Blick, dass die Ungleichheit weiter wächst und sich in Deutschland 10 Prozent der Haushalte auf 52 Prozent des Nettovermögens ausruhen können.«

Sebastian Dörfler und Julia Fritzsche. »Die Verachtung der Armen«. Blätter. Ausgabe März 2016. S. 79

»Jeder der Arbeit finden will, findet auch Arbeit. Daraus folgert, Du willst gar nicht arbeiten oder Du bist zu wählerisch!«

Anmerkung: Auch hier wird dem Fetisch Arbeit gefrönt. Hauptsache Arbeit. Niedriglohnjob, Mini‐Job, prekäres Beschäftigungsverhältnis, Leiharbeit – ganz egal, Hauptsache, man tut irgendetwas noch so sinnentleertes, etwas, wofür man bezahlt wird. Auch wenn es nur Brotkrümel sind, wovon niemand (über-)leben kann. Eine vorauseilende Lohnarbeiter‐Sklavenmentalität, zum einzigen, gesellschaftlich akzeptierten Ideal von Selbstbestimmung und Glück zu verklären, ist das Gegenteil von Freiheit. Selbstentfremdung durch Lohnarbeit kann niemals individuelle Selbstentfaltung bedeuten. Die in den Menschen tief verankerte absurde Schizophrenie von Lohnarbeit=Selbstbestimmung=Glück gehört mit zum größten Erfolg der Industriepropaganda im 20. Jahrhundert.

»Arbeitslose rauchen, saufen, gucken den ganzen Tag RTL und Trash‐TV, spielen Online‐Games (WoW) und stopfen Chips in sich hinein.«

Anmerkung: Dies ist der typische Versuch, Erwerbslose, nicht nur als unproduktive, überflüssige und ungebildete Menschen abzustempeln, sondern sie im gleichen Atemzug auch als Drogen‐ und/oder Spielsüchtige zu diskreditieren, die sich um ihre Gesundheit keinerlei Gedanken machen würden. Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland erhalten Arbeitslosengeld 2. Sie alle als unwertes Leben zu erniedrigen ist der Versuch, prekäre Beschäftigungsverhältnisse als gesellschaftliche Normalität zu verkaufen. Was anderes außer in Drecksjobs arbeiten, können die ja schließlich nicht. Weil sie ja selbst Dreck sind. So ungefähr funktioniert hier die soziale Konstruktion.

»Hartz 4 – Empfänger sind sozial schwach und kommen aus bildungsfernen Schichten!«

Anmerkung: Ob Rentner, Akademiker, Kranke, Diplomierte, Alleinerziehende – Hartz 4 kann jeden treffen. Und zwar schneller als man glaubt. Ein Jahr ALG 1 und dann folgt die Enteignung per Gesetz. Es ist belanglos, wie viele Jahre man geschuftet hat, egal wie viel Wohlstand man angehäuft hat oder welchen Studienabschluss man vorzeigen kann: ALG 2 ist verordnete Massenarmut und nimmt keinerlei Rücksicht auf irgendwelche akademischen, individuellen oder intellektuellen Leistungen. Hinzu kommt, dass vor allem der Begriff sozial schwach eine zusätzliche Diffamierung von Erwerbslosen impliziert. Der Begriff suggeriert, dass jeder, der finanziell schwach ist, auch gleichzeitig asozial und bildungsfern, also dumm sei. Dabei haben sich in den letzten Jahren gerade Reiche und Vermögende als die eigentlich sozialresistenten Schichten erwiesen. Beispiele für Skandale, Affären, Lügen, Steuerhinterziehung, Korruptionsfälle, völkerrechtswidrige Kriege und so weiter, gibt es mehr als genug.

»Bis zu einem Bäcker habe ich es noch nicht gebracht. Das ist ausgezeichnet, dann können Sie anfangen, sagte Antonio darauf. Wenn Sie nämlich wirklich Bäcker wären oder etwas vom Backen verstünden, dann wäre nichts zu machen.«

B. Traven. »Die Baumwollpflücker«. Rowohlt Verlag. Hamburg 1962. S. 45

19 Gedanken zu “Über den gemeinen Erwerbslosen

  1. »Du hockst den ganzen Tag nur auf deiner Arbeit, trinkst dabei dauernd Kaffee, tratschst mit der Kollegin, surfst bei facebook und hörst Radio.«

    »Wer arbeitet, ist ansonsten zu faul zum Denken.«

    »Du liegst doch deinem armen Chef nur auf der Tasche; du solltest umsonst für ihn arbeiten.«

    »Jeder, der über was Bedeutendes nachdenken oder etwas hinterfragen will, kriegt es normalerweise auch hin. Daraus folgt: Du willst gar nicht Nachdenken. Du bist zu faul. Du verschanzt dich bequem hinter deiner Ignoranz.«

    »Arbeitende rauchen, saufen, gucken erschöpft von der Arbeit den ganzen Abend totalitäre Leistungsträger‐Anpassungspropaganda wie DSDS oder GNTM, holen sich auf die Demütigungen oder die zahlreichen Sozialpornos einen auf ihre vermeintliche Überlegenheit einen runter — und stopfen sich dabei Chips rein und sedieren ihr Gewissen ansonsten mit hirnloser rumsurferei bei fratzbuch & Co.«

    »Die meisten Arbeitenden sind im besten Fall auf eintönige Arbeiten spezialisierte, vollkommene aus‐, also entbildete, sozial inkompetente Fachidioten, die im sonstigen Leben mit diesem »Wissen« nichts anfangen können.«

    Allgemein gibt es da ja dann aber auch wieder Unterscheidungen — wenn die Arbeitenden dann über andere Arbeitende herziehen, die nicht so viel arbeiten wie sie. Z. B. Malocher in der Werkhalle werfen den Büroleuten vor, sie würden nix schaffen. Und beide zusammen werfen dann den Beamten pauschal vor, die würden ja alle nix arbeiten. Um was geht es also? Um Abgrenzung; sich selbst als »Helden der Arbeit« darstellen.

    Insgesamt braucht man sich aufgrund dieser Gesellschaftlichen Stimmung dann aber doch auch nicht fragen, warum sich in diesem Land nichts zum Besseren wenden kann...!? DAS hier ist nun mal die Mitte; die Normalität, der Alltag. In einer der bedeutendsten Fragen zu unserer Gesellschaftsordnung. In der irgenwelche Menschen sich selbst allein durch ihre »Arbeit« überhöhen; selbst adeln — und anderen gleichzeitig jegliche Würde absprechen. Jene Leute wählen vorwiegend zu zig Mio die Partei des »wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen« oder ihre katholische Bruderschaft. Ich bleibe dabei: Hartz IV ist purer, menschenverachtender Faschismus! Und in dieser scheinheiligen und brechreizerregenden Mitte der Gesellschaft ist und war er schon immer zuhause!

    HIER müsste man wenn überhaupt mit einer »Revolution« ansetzen...

  2. Hm... Da ergibt sich ein Déjà‐vu...
    Ich weiß nicht, ob ich mich damit zu weit aus dem Fenster lehne — da klingt immer, als wenn du dir das sehr zu Herzen nehmen würdest, epikur.
    Ich weiß auch, in manchen Gegenden ist der Maxime leichter zu folgen als in anderen, weil man von Snobs oder von anderen armen Leuten umgeben ist, aber — versuch einmal, genau das nicht zu tun. Mach dich frei davon. Wende es nicht selbst als Bewertungsmaßstab auf dich selbst an.
    Wenn man sich viel darüber beschwert, sagt es doch nur aus, dass es einen persönlich sehr beschäftigt, oder nicht? Und genau das ist es ja eigentlich, laut Wortlaut, was es nicht werden sollte.
    Gab da mal einen, der drückte es mit dem Kürzel »S.A.A.R.T.« aus, ausgeschrieben »Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod«. Die Sache endete nicht gut, hat sich selbst umgebracht und wollte noch ein paar andere mitnehmen — richtig die große Nummer spielen.
    Geblieben ist davon nichts. Die Welt dreht sich immer noch weiter...
    Was aber beachtlich an dieser sehr einfachen Ausdrucksform ist — mit seinen noch nicht mal 20 Jahren hat er schon etwas verstanden gehabt, wofür andere häufig mindestens die doppelte Lebenszeit brauchen, inklusive um zu sehen, dass sie dieser Lebensweise aufgesessen sind.
    Was noch meine Erweiterung der Sache wäre: Du kannst etwas feststellen und dich dazu entschließen, es zu beherzigen, nicht zu leben, so wie es andere tun, und dein Kreuz dafür zu tragen.
    Du kannst deine Zeit auch damit verbringen, dich darüber auszulassen, deinen Hass über der Welt auszugießen, und heimlich dich dann doch fügen, weil man es dir beigebracht hat, so zu handeln.
    Was das heißen soll: Erinnert ein bisschen an diesen Kampf, was definiert die Gesellschaft als »normal« und was als »nicht normal«. Der »normale« Weg wäre, sich in das Erwerbsleben einzufügen — so wie es das von einem verlangt. Wenn solche tiefsitzenden Erkenntnisse wie genannt — und wie du es auch selbst hast — kommen, dann ist dieser Weg an und für sich versperrt. Es geht dort nicht mehr weiter.
    Es erfordert aber auch eine gewisse Menge Mut, den anderen Weg zu gehen. »Nicht normal« sein sagt sich leicht, der Sache aber auch nachzufolgen, erfordert eine Menge »Selbstbewusstsein« (wie man es nennt) und eine Menge Beharrlichkeit. Man wird von vielen dafür gescholten werden und wird stellenweise vielleicht auch gern aus der Haut fahren wollen. Es wird einen eventuell auch ein paar Freunde kosten, insofern die vorher zahlreich vorhanden sind.
    Gerade deswegen muss man wissen, ob man diesen Weg beschreiten will oder nicht.
    Psychologisch ist es aber das, was man daraus machen kann — und das ist am Ende die Aussage.
    Du kannst dich entscheiden, weiterhin verzweifelt dem »normalen« Weg nachzugehen, auch wenn dieser mit deinem Gewissen bereits nicht mehr zu vereinbahren ist; du kannst es aber auch versuchen, den anderen Weg zu gehen und dir einige Dinge, die von anderen Leuten kommen, egal sein zu lassen.
    ...Wenn das zu viel Appell auf persönlicher Ebene war, Bescheid geben.

  3. @matrixmann

    Ja, eigentlich ging es mir hier vor allem darum, die typischen Erwerbslosen‐Klischees zu entkräften, zu dekonstruieren bzw. zu untersuchen, was wirklich dran ist. »Betroffen« ist davon letztlich jeder Erwerbslose. Mehr oder weniger. Und eine »Selbstreinigung« bzw. »Therapie« ist nicht nur dieser Artikel, sondern der ganze Blog für mich ;)

  4. Naja, jedem das seine, wie weit es ihn betrifft und ihn mitnimmt — wäre nur mein Gedanke, irgendwann haben gewisse Fragen ihre Antworten und wenn dann noch jemand in Erscheinung treten will, der einem etwas erzählen will, dann gibt es die Rückantwort »Kennst du den Durchzug
    Ist was anderes, wenn ich meine, etwas neu auszuloten.

  5. Ich will ja nicht langweilen, aber dazu paßt auch, dass Kündigungsgründe — zumindest bei Eigenkündigungen — weitgehend ausgeblendet werden, und der Riß durch ganze Familien geht wenn ein Familienmitglied das Pech hatte mal öfters als »normal« arbeitslos zu sein, da keine Firma ihn einstellen wollte.

    Ich weiß von was ich schreibe, da ich es seit Jahren durchmache.

    Auf Kritik kommt dann von manchem schon immer berufstätig‐glücklichen Geschwisterteil:

    »Werd‹ endlich mal erwachsen!«.

    Tja, wenn zum Erwachsen werden gehört, dass man den eigenen Bruder verstoßen will, die demente Mutter nicht richtig pflegt (soll alle 3 Monate eine polnische »Pflegehilfskraft« erledigen), da man ja berufstätig ist (Bei den Christen als Pfarrsekretärin — Wie war das nochmal mit dem »Heuchler vor dem Herrn!« bzw. »Da weiß ich wieder warum ich Atheist bin!«) bzw. alles beim Bruder ablädt, der genau aus diesem Grund nicht richtig ans Bewerben gehen kann und bei Eigenkündigung sofort auf Hartz IV fällt usw. usf. dann will ich NIE erwachsen werden — im neoliberalen Merkel‐Deutschland.

    Zynischer Gruß
    Bernie

  6. Zu den neoliberalen Mythen (Arbeitslose sind selbst schuld, etc...) hat sich mal einer der führenden Neoliberalen geäußert, diese seien lediglich »notwendige Illusionen«, also Lügen:

    Hayek verweist darauf, dass die Menschen trotz allem davon ausgingen, dass Unterschiede in der Entlohnung und Unterschiede in den Verdiensten in etwa miteinander korrespondierten – Leistung sich also lohne. Diese Überzeugung treibe, so Hayek, zu Effizienz und Anstrengung an, sie entspreche aber keineswegs der Realität. Leistungsgerechtigkeit ist damit eine notwendige Illusion. Dies könne durchaus Frust und Enttäuschung bei denen auslösen, die trotz hoher Anstrengungen nicht am kollektiven Wohlstand teilhaben. Hier besteht ein Dilemma, das Hayek offen benennt: Wie weit sollte eine Gesellschaft ihre Mitglieder fälschlicherweise glauben machen, dass persönliche Anstrengung zu Erfolg führt – und wie weit solle die Gesellschaft ehrlicherweise zugeben, dass viele scheitern werden, obwohl sie das Scheitern nicht verdienen?

    http://www.annotazioni.de/post/1354

  7. Unbedingt spannend, die Kommentare bei diesen Elitepartnern.

    Arbeitslosigkeit ist definitiv keine Situation für Partnersuche. Das schließt sich aus!

    Das kriegt der aber immer noch geschlechtsneutral hin. Das ist ihm wichtig. Man kann das aus zwei Seiten betrachten, aber ganz unabhängig wie er’s meint, — es ist und bleibt ein Kalkulativ. Erstaunlich, was den Opfern des Systemdenkens so an wichtigem übrig bleibt.

  8. @Eb

    Der Name sagt doch eigentlich schon alles?

    !!!»Elite«!!!-Partner

    Mehr nicht dazu...

    Obwohl? Gibt es auch »Unterschichts«-Partner-Börsen?

    Frägt sich
    Bernie

  9. @Bernie
    Da gibt’s mit Sicherheit Leute, die sind so marktverballert, dass die das glatt fertig bringen würden. Der Beschäftigung mit glorreichen Ideen z.B. wie man mit HARTZ‐IV Empfängern Geld verdienen kann (oder zeitgemäßer ausgedrückt, — entsprechende Geschäftsmodelle) bin ich selber mal begegnet. Es gibt Menschen, für die gibt es keine Menschen, — denen gibt man irgendein Muster, und die machen daraus, ohne wenn und aber, — ein Knetemodell. Lässt sich elitärer Dünnpfiff noch mit Akademikergehabe, Wissenschaft und Astrologie verquicken, und das bringt Profit, — machen die das (siehe diese Elitefritzen) Lässt sich das Leid von Menschen in Kohle verwandeln, — machen die das. Das ist das wirklich Erschreckende, — und der Rest, baut sich darüber willig seine eigenen Konditionierungen.

  10. @Eb

    »[...]Es gibt Menschen, für die gibt es keine Menschen, — denen gibt man irgendein Muster, und die machen daraus, ohne wenn und aber, — ein Knetemodell[...]«

    Stimmt, und wie es der Zufall so will hatte ich heute mit so einem Menschen Kontakt, über SPAM.

    Ich hab mich Online‐Arbeitsuchend gemeldet, und prompt kam ein unseriöses, evtl. sogar ziemlich kriminelles, Angebot.

    Ich könnte — mit nur 6 h Arbeit in der Woche pro h 4.400,– Euro verdienen.

    Der Haken, der gute Mann will mir, natürlich nach Abgabe meines Lebenslaufes, und meiner Bewerbung, mein privates Girokonto mit massig viel Geld auffüllen, dass dann ein anderer abheben darf, zu einem bestimmten Prozentsatz — ich meine es waren 20%....und der andere....

    Na ja, unseriös eben....und Geldwäsche.... und evtl. sogar kriminell...Wie bereits erwähnt ich hab’s einer Anti‐SPAM‐Organisation gemeldet — Mal sehen ob was passiert?

    Kopfschüttel...kontrollieren die eigentlich wer sich auf ein Stellengesuch meldet, dass man bei der Online‐Plattform der BA reingestellt hat? Oder pennen die?

    Frägt sich
    Bernie

    PS: Oben geschriebenes kann ich nur aus der Erinnerung wiedergeben, da ich unseriöse Angebote prinzipell lösche.

  11. @uepsilonniks
    Einer von vielen Gründen, die mir sagen, dass Psychologie bei den Theorien über gesellschaftliche Systeme, politischen Ideologien und Massensteuerung kein unrelevantes Thema ist. Denkfehler und Schwächen der menschlichen Psyche auszunutzen hält die Maschinerie aufrecht. (»Das einzigste was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe war, das ich ein Verlierer bin.« — auch so ein Zitat von dem, von dem das SAART‐Kürzel stammt. Will nicht wissen wie viele in dem selben Alter seinerzeit offen als auch heimlich solchen Aussagen beigepflichtet haben. Aktuell wird das verdeckt, weil die gegenwärtige Generation technologisch überbegütet ist und deswegen verblendet ist. Auf wen das nicht zutrifft, die reisen aktuell in den Nahen Osten. Es dürfte aber irgendwann wieder eine Zeit kommen, in der das nicht der Fall ist — weil sich solche Phasen im Laufe der Zeit immer wieder abgewechselt haben. Der grundlegende Gegenstand der Sache wird schließlich auch nicht behoben.)

  12. @Bernie
    Stimmt. Über die Jobvermittlung der BA werden einem teilweise auch Vorschläge zugestellt, bei denen jeder mit ein wenig Fähigkeit zum verstehenden Lesen feststellt, dass dies unseriöse Angebote sind.
    Keine genauen Angaben zum Arbeitsort, eventuelle Versprechen von Dienstwagen, ungenaue oder auf dich fachlich nicht zutreffende Berufsbezeichnungen — wenn jemand das privat machen würde und Leuten solche Angebote zustellt, den würden sie wegen kriminellen Verhaltens dafür belangen. (Aber das ist ja nicht das erste Mal, dass der Staat etwas darf, was man selbst privat nicht darf.)

  13. Eine übersichtliche Sammlung der effektivsten 194 Tipps
    Hartz‐IV / Das Kompendium / ULTRA Pack Version 3.8 (complete)
    (Release Date 04.03.2016 10:34:52 Uhr MEZ)

    ++++++ Release Notes ++++++

    Es gibt nur zwei Methoden Ärger aus dem Weg zu gehen : Die intelligentere durch Sanktions‐Vermeidung (extrem effektiv) oder die weniger intelligentere über die Sozialgerichtsbarkeit (sehr ineffektiv). 95 Prozent des ULTRA Packs beschäftigt sich mit der intelligenteren Form der Sanktions‐Vermeidung, daß heißt trotzdem:

    Nie wieder Massnahmen !!!
    Nie wieder 1‐Euro‐Jobs !!!
    Nie wieder Sanktionen !!!
    Nie wieder Zeitarbeit !!!

    Hartz‐IV / Das Kompendium ULTRA Pack Version 3.8 (complete)

    Überlegenheit in ihrer reinsten Form, nämlich durch überlegen.

    ++++++ another fine rip by TEAM Aufgewachter ++++++

    Just read and have fun! ***

    *** Ich gebe keine Rechtsberatung, sondern die o.g. Informationen entsprechen meiner Ansicht, welche auf gegenwärtigem Recht beruhen und ich nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt habe. Alle Angaben ohne Gewähr. Irrtümer bleiben vorbehalten.

    https://aufgewachter.wordpress.com/best-of-hartz-iv-tipps-nie-wieder-massnahmen-nie-wieder-1-euro-jobs-nie-wieder-sanktionen-nie-wieder-zeitarbeit/

  14. Ergänzen möchte ich noch, dass nicht nur Männer im Hartz Vier Bezug sich als Partner disqualifizieren. Ich habe als Frau ebenfalls ebenfalls erlebt wie anfängliches Interesse meines Gegenübers verschwand, sobald ich meine Lage offenbarte. Daraufhin verhielten sich die Männer mir gegenüber plötzlich respektlos, boten mir Geld für »gewisse Dienstleistungen« an und verstummten auf meine Frage ob sie einer erfolgreichen Akademikerin auch so ein Angebot unterbreiten würden. Mittlerweile schauen Männer bei einer Frau genauso aufs Konto und die Marktkonformität, das Ideal ist die Karrierefrau. Auch mein Angebot, mich um einen kränkelnden Mann zu kümmern wurde bislang nie angenomen, dafür gab es umso mehr Druck »mir einen Job zu suchen«. Männer die an einer Familiengründung Interesse hatten erwarteten auch, dass gefälligst beide Elternteile arbeiten gehen und das Kind in die Kita kommt, was für mich auch inakzeptabel gewesen wäre, dafür bieten unsere Kitas zu wenig Raum für Individualität. Kurzum: Der Arbeitsfetisch macht uns Frauen auch zu schaffen.
    Ich schätze Deinen Blog wirklich sehr und würde häufiger kommentieren, wenn sich mein Browser und Captcha besser vertragen würden (ich weiß, Du kannst nix dafür)...

  15. @ epikur

    Wenn man den ersten Teil Ihres Textes negiert, kommt dabei folgendes heraus :

    Über den freundlichen Unternehmer

    Das mediale sowie gesellschaftliche Bild des Unternehmers in Deutschland ist positiv besetzt. Lob, keine Klischees sowie überhaupt gar keine offenen oder unterschwelligen Diffamierungen bestimmen die Berichterstattung und das asoziale Miteinander. Wer unternehmerisch ist, hat viel asoziales Kapital, gilt in vielen Frauenaugen als gute Partie und und befindet sich niemals in einer Rechtfertigungs– oder Defensivhaltung. Nicht nur gegenüber den Behörden, sondern vor allem auch im asozialen Umfeld. Wieso, weshalb, warum man denn Unternehmer sei? Was man denn effektiv tun würde, um diesem Glück beizutragen? Und ob man womöglich doch irgendwie (also auf keinen Fall!) selbst daran schuld sei, sind die selten offenen Lobpreisungen, denen Unternehmer ausgesetzt sind.

    »Ich arbeite den ganzen Tag in der Firma.«

    Anmerkung: Das ist ein typisches Lob, das besonders gern erwerbstätige Menschen vorbringen. Damit befindet sich der Unternehmer nie in der Rechtfertigungs– oder Defensivfalle. Ja, er mache nur sinnvolle Sachen, wie arbeiten, kümmert sich aber nicht um seine Kinder, stelle dafür hauswirtschaftliche Unterstützungskräfte ein und so weiter. Nein, es gibt auf keinen Fall viele Unternehmer die im Müßiggang verharren bleiben. Es gibt aber maximal genauso wenig Unternehmer, die einen anständigen Lohn zahlen.

    »Wer unternehmerisch tätig ist, ist nur zu faul, um selber zu arbeiten!«

    Ist das nicht komisch?

  16. @Molly Bloom

    »Ich schätze Deinen Blog wirklich sehr und würde häufiger kommentieren, wenn sich mein Browser und Captcha besser vertragen würden (ich weiß, Du kannst nix dafür)...«

    Danke. Ja, das ist der Spamschutz. Ansonsten haben wir das Kommentieren aber so unkompliziert wie möglich gemacht. ;)

    @Aufgewachter

    Die Umkehrung hat was. ;) Überraschen tut mich das alles nicht. Wir werden seit einigen Jahrzehnten auf Marktkonformität getrimmt und geimpft. Die Medien gehören großen Unternehmen/Verlagen und berichten stets wohlwollend über die »Branche« ihrer Besitzer. Das merkt man dann besonders stark, wenn es große Streiks gibt, wie beim GDL‐Streik. Die Einseitigkeit der Berichterstattung tropfte aus allen Poren.

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