Grüne Illusionen

Letztlich lässt jedes Wachstum, ob öko‐grün oder fossil‐schwarz, den Output aller Güter und Dienstleistungen ansteigen und mit ihm wiederum die Nachfrage nach Energie und Ressourcen.

- Tilman Santarius. »Der Rebound‐Effekt: Die Illusion des grünen Wachstums«. Blätter. Ausgabe Dezember 2013. (S. 73)

Anmerkung: Grüner Öko‐Konsum ist bequem und gibt ein gutes Gewissen. Man darf fröhlich weiter konsumieren und fühlt sich als ein besserer Mensch. Dafür muss man lediglich ein paar Euro mehr ausgeben. Am Wirtschaftskreislauf und dem Wachstums‐Fetisch ändert das aber leider nichts. Um wirklich nachhaltig zu sein, muss man auf Konsum generell mehr verzichten lernen können. Daran führt kein Weg vorbei.

12 Gedanken zu “Grüne Illusionen

  1. Es ist sehr schwer, in unserer Gesellschaft auf Konsum zu verzichten.
    Bei mir ist es inzwischen so, daß ich auf Fleisch aus Massentierhaltung weitgehend verzichte. Ich trinke keine Softdrinks und meide Junkfood.
    Seit einem Jahr bin ich ein Anhänger des intermittierenden Fastens, d.h. ich esse die Hälfte weniger als früher — dafür aber viel bewußter. Mit allem habe ich noch nicht gebrochen, beispielsweise trinke ich noch immer Kaffee,Tee und Rotwein. Für meinen Vitalstoffbedarf esse ich viel Brennessel, Löwenzahn und andere in der Natur frei verfügbare Kräuter in Form von grünen Smoothies. Wenn man erst einmal realisiert hat, daß ein Großteil unserer industriell angebotenen Nahrungsmittel (besser Füllstoffe) biologisch fast wertlos sind, ändert sich auch das Konsumverhalten.
    Elektronische und elektrische Geräte kaufe ich nach Reparaturmöglichkeiten und Qualität.
    Meine Möbel mache ich inzwischen weitgehend selbst.
    Da ich Bücherfreak bin, kaufe ich immer noch viele Bücher — oft einfach aus dem Grund, weil sie wahrscheinlich in Zukunft nicht mehr aufgelegt werden. Aber Romane kaufe ich inzwischen weitgehend als EBooks.
    Wo ich noch dran arbeiten muß, ist meine Kleidung. Hier habe ich noch keine wirkliche Alternative gefunden. Allerdings lerne ich seit einiger Zeit, wie man mit der Nähmaschine umgeht, so daß ich mir einfache Kleidungsstücke selbst machen kann. Ich habe keinen Fernseher mehr, so daß ich auch nicht mehr mit einer nervenden Dauerwerbeberieselung zum Konsum animiert werden kann.
    Ich fahre in der Regel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Nur in Sonderfällen benutze ich das Auto, welches ich mir dann miete.
    Der Vorteil der ganzen Angelegenheit liegt darin, daß ich ungeheuer viel Geld einsparen kann. Da ich nur ca. 15 Tage im Monat esse, fällt für diesen Zeitpunkt schon der Einkauf weg. Gleichzeitig hat das intermitterende Fasten verjüngende, gesundende und gesunderhaltene Effekte, so daß auch meine Gesundheitskosten niedrig sind. Insgesamt muß ich auf nichts verzichten und kann das Leben genießen.
    Für eine auf billigen Konsum ausgelegte Wirtschaft bin ich natürlich kein interessanter Kunde, eher ein Feind.

  2. Manche Leute müssen in unserer Gesellschaft auf Konsum verzichten, denn sie sind arbeitslos.

    Aber diese Sorgen scheint mein Vorredner nicht zu haben,
    Er macht sich vielmehr Sorgen um Massentierhaltung.

    Essen und Trinken ist bei ihm eine Sache der Moral und der Ethik (was unser hungriger Körper übrigens gar nicht kennt).

    Mein Vorredner ist Ernährungsideologe, der dem „Trugschluss der Komposition“ nicht widerstehen kann:
    was im Kleinen möglich ist, müsste doch auch im Großen möglich sein, nicht wahr?

    Dass die industrielle Nahrungsmittelproduktion letztlich den Hunger in unseren Breiten bekämpft hat, für diesen Gedanken ist in der Ernährungsideologie meines Vorredners kein Platz.

    Schon komisch: warum haben die Menschen früher nicht einfach »Brennnessel, Löwenzahn und andere in der Natur frei verfügbaren Kräuter« zu sich genommen, um die Hungersnöte zu überwinden?

    Wieso brauchten wir nur einen Justus von Liebig, den Begründer der Agrochemie, ohne die es nicht möglich wäre, so viele Menschen in Europa zu ernähren?

    Interessant auch: mein Vorredner kann durch seine „asketische“ Lebensweise »ungeheuer viel Geld einsparen“.

    Das ist mir schon öfter aufgefallen: dass nämlich ausschließliche „Pflanzenfresser“ nicht nur oft Darmprobleme haben sondern dass sie auch geizig zu sein scheinen. (Warum müssen die Geld sparen, wo sie es doch eh nie ausgeben wollen?)

    Solche Ernährungsideologen vergessen immer wieder:
    die Konsumgüter werden von Menschen hergestellt, die damit ihr Geld verdienen.

    Würde jeder in Deutschland sich dem gleichen Konsumverzicht unterwerfen wie mein Vorredner, so bedeutete dies auch, dass Menschen ihren Job verlieren.

    Geld sparen heißt also: anderen Leuten die Möglichkeit zu nehmen, Geld zu verdienen.
    Und da es einen Wirtschaftskreislauf gibt, ist man womöglich irgendwann selbst betroffen.

    Aber Hauptsache den Schweinen und Rindern geht es gut bzw. es gäbe sie gar nicht.

  3. In den 90ern war genau das das Thema. Öko attraktiv machen für alle Unternehmen und Modelle anbieten, daraus Kapital zu schlagen. Der Effekt des ganzen sollte angebliche eine ökogerechtere Wirtschaft sein, in der sich der Bürger entsprechend anpasst. Letztlich nicht viel anders, als das alte Motto: Förderung der Arbeitnehmer (bzw. der Gesellschaft), durch Förderung der Unternehmer. Ist nie aufgegangen und wird nie aufgehen. Es kommt nur zu Verlagerung von Märkten, was an den Problemen nichts ändert. Aber das will eigentlich auch keiner. Der deutsche liebt das rumdoktorn an Symptomen — in jedem Lebensbereich.

  4. Was ist denn eine ökogerechte Gesellschaft???????

    Eine menschenleere Welt wäre eine ökogerechte Gesellschaft.

    Und nicht dass dann die Löwen auf die Idee kommen, keine Fleisch mehr zu essen. Von wegen »Öko«.

    Heute schon die tägliche CO2‐Bilanz gemacht?
    Man merke sich: seit 17 Jahren steigt die durchschnittliche »Globaltemperatur« nicht mehr.

  5. Stimmt, wo man hinglotzt, überall nur Erfolge.... Ich wette, der Kommentar wurde bestimmt mit einem Fairphone geschrieben.

  6. Ich kann mich noch gut an die Klimadebatte erinnern. Genau genommen, war es nach Dennis Meadows in den 70igern die No. 2, wo man geglaubt hatte, man könnte das über Märkte regeln. Mit den ganzen marktbewussten Olivettis, Scheichen, Prinzen und Liz Mohns dieser Welt an der Front, — vereint im Club of Rome, zur Gottherrlichkeit der Grünen avanciert. Was dann hierzulande sogar noch zur ultimativen CO2‐Kalkulation von Margarine als Werbegig, und die »mediale« Spaltung einer ganzen Gesellschaft in Klimaskeptiker und Klimaretter geführt hatte. Wusstet ihr übrigens, dass das Projekt »climate change« von nature, exakt im Jahr 2010 mal komplett gestoppt‐, Schweigen war, und danach auf Halbmast wieder restartet wurde? Auch Olive Heffernan, die Chefredakteurin, deren Job es war -, nachdem unser Hysteriker Mojib Latif vom Max Planck Institut doch etwas zu auffällig mit der Creme de la Creme des größten medialen Einflusses in dieser Zeit geflirtet hatte, — die Tests der »Alpha‐Versionen« für die gut 25 Software’s zur Modellierung der Welt und Fütterung des IPCC damit zu überwachen und zu kommentieren, eigentlich nichts mehr darüber erzählt? (Zumindest mal nichts, mit dem irgendeiner was vermarkten könnte) Herausgekommen ist generell »nichts«, — außer dem, — dass wir immer noch nicht wissen was dran ist. Und keinem mehr vertrauen können. Außer vielleicht den alten Feldforschern, wie z.B. dunnemals auf der Alfred Wegener Polarstation. (Die sind nach und nach entlassen worden) Die erst darauf aufmerksam gemacht‐, aber auch immer betont hatten, lasst es uns seriös angehen und auch seriös erforschen, — und das Gleiche immer noch sagen. Ich selber bezeichne die Geschichte zwischen Klimaretter und Klimaskeptiker, als Kampf im Hintergrund zwischen neuen und alten Märkten, bei dem die Wahrheit am wenigsten interessiert hat. Politisch genau so sauber trennbar, wie medial und industriell. Wir waren dabei lediglich nur die Konsum‐Bauern für zwei Fronten. Und wir werden das weiter bleiben. Aber Vorsicht, das ganz normale zeitgemäße Marktgeschehen, — ist natürlich eine einzige riesige Verschwörungstheorie, — und ihr dürft mich jetzt auslachen. Ich bin übrigens auch Vegetarier, und sogar Fernsehhasser. Schon ewig, — ob ich nun arbeitslos war oder nicht. Stricken kann ich nicht, aber ich habe gute Freunde, die Fleischesser sind. Einige davon sind arm, andere nicht. Und wir werden uns nicht mehr spalten lassen.

  7. Ich habe volles Verständnis dafür, wenn Menschen sich gesund ernähren wollen und dafür ihre Lebensgewohnheiten und auch ihr Konsumverhalten ändern. Dafür gibt es ernstzunehmende Gründe.

    Andererseits sollte man nicht aus dem Blick verlieren, das Bio und Öko nur eine weitere Geschäftsidee ist, die vielleicht mal mit edlen Ansprüchen gestartet , dann letztlich aber doch dort gelandet ist, was unsere Gesellschaft als Geschäftsprinzip ausmacht, im Kommerz .
    Als Bio‐Konsument ist man dann noch doppelt zur Kasse gebeten.

    Die Produkte sind meistens überteuert, es scheint da keine Schamgrenze zu geben, und bei Frischkost sind die Waren schnell verdorben, wenn diese länger als zwei Tage aufbewahrt werden.

    Darüber hinaus sollte einem bewusst sein, dass der Konsum notwendige Voraussetzung für die Verwertung des Werts ist, also aus einem Euro zwei Euro zu machen.

    Über Konsumverhalten lässt sich keine Änderung dieses Prinzips erreichen. Unternehmen sind gerne bereit ihre Produkte besser und auch gesünder herzustellen, wenn das nicht ihren Gewinn beeinträchtigt, der Kunde also bereit ist dafür mehr zu bezahlen. Gleichzeitig achten diese aber darauf, sie sind ja der Konkurrenz ausgesetzt, das die höheren Preise nicht dazu führen, dass ihnen die nicht so zahlungskräftigen Kunden verloren gehen und ihre Chancen auf Gewinn schmälern.

    Also wird es weiterhin einen Markt geben für minderwertige Waren und einen für Kunden, die sich eine bessere Qualität leisten wollen und können. Wer seine Waren im Supermarkt kaufen muss, ist schon auf der Seite der Verlierer.

    Zum Arbeitsplatzverlust durch Konsumverhalten:
    Letztendlich ist die Abteilung Kosumproduktion diejenige, die den Preis für die Reproduktion der Arbeitskraft senken soll. Das dort Arbeitsplätze verloren gehen, wird aber nicht durch Konsumverhalten selbst beinflusst, sondern resultiert aus dem Bestreben, die Produktivität zu steigern, mit weniger Arbeitskräften die gleiche oder grössere Menge an Produkten herzustellen.

    Das genau in diesem Bereich der Konkurrenzkampf am härtesten abläuft, die Waren für unsere tägliche Ernährung mit immer schlechteren und vergifteten Zutaten hergestellt werden ist wohl bekannt.

  8. Nun, es gebe eine Möglichkeit per Konsum etwas zu steuern. Schlichtweg gar nix mehr zu kaufen, aber auch da müssten ein paar Milliarden wenigstens für einen Tag mitmachen, sonst wird das auch nix. Auch ›ne prima Aktion wäre, wenn alles an Wohneigentum und Miete zur gleichen Zeit aufgegeben würde. Die Preise würden von 100 auf 0 in den Keller gehen. Das könnte man sogar städteweise machen. Bleibt trotzdem leider utopisch.

  9. Warum wohl ist »Bio« teurer als normales konventionelles Essen?
    Na? Weil »Bio« mehr Ressourcen verbraucht!
    Und deshalb ist auch die »Ökobilanz« von Bio so schlecht.
    Das hören die Pflanzenfresser und Ökogutmenschen natürlich nicht gerne.
    Keiner lässt seine Religion gerne diffamieren.

    Und da Bio mehr Ressourcen verbraucht, wäre auch nicht so viel Platz für die 6 Mrd. Menschen hier auf dieser Erde.
    Schon erklären Umweltschützer, unsere Welt ertrüge nur zwei oder drei Milliarden Menschen., Sie sagen uns allerdings nicht, wie mit mit dem ökounwerten Rest umzugehen ist.

  10. @Brandubh
    « Das hören die Pflanzenfresser und Ökogutmenschen natürlich nicht gerne.«
    Sie sind ja ein richtiger Treppenterrier, so ein wütend um sich beissender Hund. Bei aller berechtigter Kritik finden Sie nicht den Zugang zu den Menschen. Ihnen fehlt einfach das Einfühlungsvermögen. Warum Menschen so handeln wie sie handeln und nach den Gründen dafür zu suchen, das liegt Ihnen fern.

    Ihre Devise lautet einfach: Ich ( Vor)urteile, weil es da etwas in meinem Kopf gibt, was ich nicht verstehen will oder kann.

  11. @Troptard
    Die »berechtigte Kritik« scheint Sie ja richtig getroffen zu haben.
    Was »berechtigte Kritik« aber damit zu tun haben soll, dass ich kein Einfühlungvermögen hätte, bleibt allerdings in Ihrem Beitrag schleierhaft.
    Ich kann aber noch böser sein und besagte Mitmenschen als Spinner bezeichnen, die in ihrem Essverhalten irgendetwas Sinnstiftendes suchen und finden und wissenschaftliche Tatsachen einfach ignorieren.

  12. Letztendlich ist die Abteilung Kosumproduktion diejenige, die den Preis für die Reproduktion der Arbeitskraft senken soll. Das dort Arbeitsplätze verloren gehen, wird aber nicht durch Konsumverhalten selbst beinflusst, sondern resultiert aus dem Bestreben, die Produktivität zu steigern, mit weniger Arbeitskräften die gleiche oder grössere Menge an Produkten herzustellen.“

    Wieso sich jetzt gerade die Abteilung Konsumproduktion von den anderen Abteilungen der Wirtschaft unterscheiden soll, das weiß wohl nur der Autor selbst.

    Sind die anderen Abteilungen bestrebt, mit immer mehr Arbeitskräften eine immer kleinere Menge an Produkten herzustellen? Womöglich sind die anderen Abteilungen sogar bestrebt, ihren Profit beständig zu verringern, nicht wahr!?

    Die von Anhängern der grünen Ideologie so oft bemühte Aussage, dass wir einem Konsumterror ausgeliefert seien, vergisst, dass viele Menschen in Deutschland froh wären, wenn sie sich dem „Konsumterror“ beugen könnten. Sie können es aber nicht, weil sie nicht die finanziellen Mittel
    haben.

    Es bleibt nämlich am Ende des Geldes leider noch viel
    zu viel Monat übrig, was viele saturierte Grünen‐Anhänger gar nicht nachvollziehen können.
    Verdienen die einfach zu viel und wissen die gar nicht, wohin mit der Kohle?

    Ich vermute mal, dass sich auch noch kein Grüner (und übrigens auch die große Mehrzahl der Bundesbürger)
    Gedanken darüber gemacht hat, wie es möglich sein soll, als Arbeitnehmer — und das sind nun mal immer noch die meisten in diesem Land — dafür zu sorgen, dass die Unternehmer Gewinne machen, obwohl die Löhne (und späteren Renten) der Arbeitnehmer doch nichts anderes sind als die Kosten der Unternehmer.

    Gewinn entsteht aber nun mal nur dann, wenn die Einnahmen höher als die Kosten sind.
    Wenn aber die Arbeitnehmerlöhne nur die Kosten sind, können sie nicht gleichzeitig die Gewinne der Unternehmer finanzieren.

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