Neulich in der Bahn (2)

ubahn_titelIn einer vollen U‐Bahn steuert eine hochbetagte, ältere Frau auf einen ausländisch aussehenden Mann zu. Sie bleibt vor ihm stehen, ohne etwas zu sagen. Er fragt sie höflich, ob sie sich setzen möchte und steht dabei auf. Sie setzt sich hin, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Dann murmelt sie vor sich hin: „Ja, wir sind ja auch in Deutschland!“

Pegida, die AfD und Trump sind und waren niemals das Problem. Der tief sitzende Schrebergarten‐Rassismus „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...“ findet hier nur seinen öffentlichen Ausdruck. Ebenso im Sarrazin‐Satz „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. Die verinnerlichte und gelebte Menschenverachtung –auch gegenüber Erwerbslosen, Behinderten und Obdachlosen‐ ist kein Phänomen einzelner Politiker oder Parteien, sondern systemimmanenter Habitus. Oder auch: wer von Inklusion und Integration sprechen will, sollte vom Neoliberalismus nicht schweigen.

» Neulich in der Bahn (1)

6 Gedanken zu “Neulich in der Bahn (2)

  1. epikur: Es gibt auch einen Alltagsrassimus, der eigentlich ins Auge springen müßte, aber niemandem auffällt, weil er zur Norm geworden ist. Das Beispiel dafür ist der Film »Willkommen bei den Hartmanns«.

    Der schwarze Hauptdarsteller wird im Kopf des Filmplakates garnicht erwähnt. Nur mit der Lupe findet man ihn ganz unter im Abspann.

    http://www.suedwatch.de/blog/?p=12502

    Jetzt warte ich mal auf den ersten Kommentar, der sagt, dass sei doch völlig in Ordnung, weil den Mann niemand kennt.

  2. Menschenfeindlichkeit ist wesentlich für Gesellschaften, welche auf Ausbeutung beruhen. Der sogenannte »Neoliberalismus«, den ich als Faschismus bezeichne, ist nur eine spezielle, zugespitzte Form der Unterdrückung. Die vermeintlichen Machthaber (Gewaltausübende) empfinden, trotz aller andersartigen öffentlichen Bekundungen, menschliches Miteinander als störend und bedrohlich. Deshalb sind die oben beschriebenen Erscheinungen, für die moderne Gesellschaft, als »normal« zu betrachten.

  3. @Carlo

    Sie, die »herrschenden Eliten« haben erkannt, dass Solidarität die Wurzel allen Übels ist, die ihre Macht bedrohen könnte. Also gilt es, die Menschen wo irgendwo möglich gegeneinander auszuspielen und aufeinander zu hetzen. Dvide et Impera.

  4. Das,was wir in der Welt so sehen ist eben zum System erhobener Egoismus...
    Was wir so zB in Bezug auf die Politik und die Gesellschaft erleben,ist nur ein größeres Bild dessen,was in jedem Einzelnen von uns auch abläuft.
    Im Prinzip kann es in der Welt gar nicht anders laufen,solange das Ego (das ist jetzt zwar nur ein Wort,aber darunter fällt ja ganz »viel«..) hier das Sagen hat.Is einfach so!

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