Neulich in der Bahn (2)

ubahn_titelIn einer vollen U‐Bahn steuert eine hochbetagte, ältere Frau auf einen ausländisch aussehenden Mann zu. Sie bleibt vor ihm stehen, ohne etwas zu sagen. Er fragt sie höflich, ob sie sich setzen möchte und steht dabei auf. Sie setzt sich hin, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Dann murmelt sie vor sich hin: „Ja, wir sind ja auch in Deutschland!“

Pegida, die AfD und Trump sind und waren niemals das Problem. Der tief sitzende Schrebergarten‐Rassismus „Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...“ findet hier nur seinen öffentlichen Ausdruck. Ebenso im Sarrazin‐Satz „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. Die verinnerlichte und gelebte Menschenverachtung –auch gegenüber Erwerbslosen, Behinderten und Obdachlosen‐ ist kein Phänomen einzelner Politiker oder Parteien, sondern systemimmanenter Habitus. Oder auch: wer von Inklusion und Integration sprechen will, sollte vom Neoliberalismus nicht schweigen.

» Neulich in der Bahn (1)

Geschichtenerzähler

»Ein spannender Tag für die Schüler der Mierendorff‐Grundschule: Rüdiger Grube, Chef der Deutschen Bahn, brachte am 14. September drei rote Koffer voller Geschichten mit. [...] Die darin enthaltenen Geschichten wecken das Verständnis für andere Kulturen und helfen den Kindern beim Erlernen der deutschen Sprache. [...] Rüdiger Grube ließ es sich nicht nehmen, gleich die erste Geschichte vorzulesen.«

- Punkt3. Das Berliner S‐Bahn Blättchen der Deutschen Bahn. Ausgabe 182015

Leider hat die Redaktion wohl die erste Geschichte zensiert:

»Es war einmal die Deutsche Reichsbahn. Sie war mitverantwortlich für die Deportation und Vernichtung von Millionen Juden. Diese logistische Meisterleistung...« Bahnchef Grube hielt kurz inne und lächelte charmant die Migranten‐Kinder an: »Ups, falsche Geschichte.«

Eine ganz normale Bahnfahrt

bahn_titelIch steige ein, blicke mich um und suche einen freien Sitzplatz. Neben den Dummlaber‐Proleten oder den Ich‐bin‐so‐schön‐und‐wichtig‐Tussis? Nein danke. Ah, da hinten ist noch ein Platz frei. Neben der Frau im mittleren Alter, die ein Buch liest. Ein seltener Anblick heutzutage. Menschen, die in der Bahn ein Buch lesen. Hingepflanzt. Ich schaue mich kurz um. Alle sehen weg. Dutzende portionierte Menschen auf engstem Raum, die unentwegt darum bemüht sind, den Blicken ihrer Mitmenschen auszuweichen. Stattdessen vergraben sie sich in ihren smartphones. Eingestöpselt, abgeschirmt und isoliert, versinken sie in der All‐Inclusive‐Berieselung. Lassen sich rundum verblödspaßen. Spielen Beziehungssimulator. Streicheln ihr Tamagotchi. Wovor haben sie Angst? Vor der Stille? Den eigenen Gedanken? Ihren Mitmenschen? Vor Nähe? Weiterlesen

Wer rettet die Berliner S‐Bahn?

Nachdem die Berliner S‐Bahn ab dem 3. Januar 2011 ihren Notfahrplan zu einem Super‐Notfahrplan umgestaltet hat (was soviel bedeutet wie: ab jetzt fährt noch viel weniger als vorher!) hat sie endlich Konsequenzen aus dem Chaos gezogen: pünktlich zum Jahresbeginn hat die Berliner BVG samt S‐Bahn die Fahrpreise erhöht! Schließlich bedeuten weniger Züge und höhere Wartezeiten, mehr Service für die Fahrgäste: sie müssen sich nicht in vollen Bahnen drängen, sondern  können gemütlich auf den Bahnhöfen frieren! Da es aber immer noch Schwarzseher, Nörgler und Pessimisten da draußen gibt, muss ein S‐Bahn‐Retter her! Wer könnte dieser Aufgabe gewachsen sein?

ZG Rückblick Juli: »S‐Bahn Debakel in Berlin«

Die Behörden haben in Berlin einen Großteil der S‐Bahn‐Züge aufgrund eklatanter Wartungsmängel aus dem Verkehr gezogen. Es mag auf den ersten Blick zwar weniger von überregionalem Interesse sein, wenn in Berlin ein paar Züge ausfallen, aber mag das ganze nicht nur ein Symptom von größeren Problemen, möglicherweise struktureller Art sein? Die S‐Bahn GmbH als Betreiber steht zwar medial in der Kritik und die Politik denkt über eine Neuauschreibung für den Betrieb des S‐Bahn Netzes nach, aber gibt es wirkliche Möglichkeiten Probleme in der Verkehrsinfrastruktur zu vermeiden, welche durch Rationalisierungsmaßnahmen entstehen und wenn ja, werden diese genutzt? Weiterlesen