Neulich in der U‐Bahn...

...saß mir eine etwas ältere Frau gegenüber, als sie plötzlich einen jüngeren Herren wieder erkannte. Daraufhin folgte ein Dialog zwischen den Beiden, der in Sachen Sklavenmoral und Arbeitsfetischismus fast schon repräsentativ war:

Sie: »Wie gehts Dir? Haste endlich Arbeit?«
Er: »Gut. Ne, keine Arbeit.«
Sie: »Ach komm, so richtig Bock haste eh nicht, wah? Gibs zu, bist bissl faul?«
Er: »Ich will ja arbeiten, finde aber nix. Ich such auch schon....« (es folgt eine große Rechtfertigungsrede)

Vielleicht hätte er sagen sollen: »Ja, ich bin stinkend faul, ernähre mich von Chips, Pizza und Cola,  sitze nur vorm Fernseher, werde immer fetter und will sowieso nicht arbeiten«. Ob die Ironie eine Wirkung gezeigt hätte? Oder wäre die Antwort dann: »Wenigstens bist Du ehrlich« gewesen?

5 Gedanken zu “Neulich in der U‐Bahn...

  1. Das Problem ist, dass ein Teil der älteren Generation sehr gerne glaubt das früher alles besser war. Schließlich gehörten sie zu dem früher. Dementsprechend glauben sie auch, dass das schlimme heute selbst verschuldet ist von der jüngeren Generation. Denn sie selbst haben sich das gute früher aufgebaut, da muss das schlechte heute ja auch jemand aufgebaut haben.

  2. Diese Rückwärtssicht der Älteren, d.h. sich gar nicht mehr mit der realen Umgebung auseinander zusetzen, wie sie chriwi beschreibt, entspricht meiner Ansicht nach der generellen egozentrischen Sicht der meisten mittleren und älteren Jahrgänge. Vom Unvermögen einzusehen, das es ja gerade diese Jahrgänge waren, die den momentanen Status erst verschuldet haben, bis zum Zustand einfach die Schuld den Jüngeren abzugeben ist der Schritt relativ klein. Aber die Konfrontation von hilflos arbeitssuchenden Jüngeren mit bornierten Älteren kennen wir ja auch schon aus der Vergangenheit. Schon vor mehr als drei Jahrzehnten, haben wir bereits schon Filme in der Schule ansehen können, wo sich Jüngere ob dieses gesellschaftlichen Missverhältnisses aus dem Fenster gestürzt haben. Da hat sich wenig verändert, — nur erweitert.

    (Kennt noch jemand diesen Schwarzweißfilm, wo sich ein Jugendlicher genau deshalb aus dem Fenster stürzt, aber seine Armbanduhr vorher aufs Fensterbrett legt ? Weil diese Uhr im Gegensatz zu ihm einen Wert dartstellte ?
    Ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern. )

  3. Das Problem liegt darin, daß wir es als normal ansehen, daß jeder 8 Stunden am Tag für jemananden anders abeitet. Viele können sich nicht vorstellen, daß es vielleicht auch andere Lebenslieder gibt. Mir ging es immer am Besten, wenn ich nicht mehr als 20 Stunden in der Woche (für andere) gearbeitet habe. Da hatte ich mein Auskommen mit meinem Einkommen, genug Zeit, mich um meine Familie und Interessen zu kümmern und konnte in den paar bezahlten Stunden richtig vom Leder ziehen (es waren etwa 80% der Leistung einer normalen 40 Stundenwoche).
    Wir müssen unser Selbstwertgefühl von der bezahlten Arbeit abkoppeln. Das bedeutet aber einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, der gerade Konservativen sehr schwer fallen wird. Andererseits leben wir heute in einer Gesellschaft, der nicht mehr für alle bezahlte Arbeit anbieten kann.

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