Büttel des Kapitals

„Tatsächlich gehört zu den 99 Prozent neben den Verdammten dieser Erde auch eine relativ breite obere Mittelschicht aus Ärzten, Akademikern, Journalisten, leitenden Angestellten, Werbeleuten und hohen Beamten, ohne die sich die Herrschaft des einen Prozents keine 48 Stunden länger halten könnte.“

Serge Halimi. „Die Illusion der 99 Prozent“. Le Monde Diplmatique. August 2017. S. 5

Anmerkung: Die kleinbürgerliche Erzählung, das Glück komme mit Ehe, Haus, Garten, Auto, Urlaub und Kindern von ganz alleine, hält sich weiterhin fest in den Köpfen der Biedermeier-Weltverleugnungs-Bio-Öko-Spießer-Mitte. Dabei muss man sich nur einmal anschauen, wie viele Unterhalts-, Sorgerechts- und Scheidungskriege es mittlerweile gibt. Würde die extreme Mitte nicht ständig nur um sich selbst und um ihren Sozial-Status kreisen, gebe es vielleicht noch Hoffnung auf Veränderung. So bleibt mir nur der Zynismus.

6 Gedanken zu “Büttel des Kapitals

  1. Anders gesagt …

    Zum Zitat aus der Monde Diplomatique:
    „Die Bourgeoisie hat alle bisher ehrwürdigen und mit frommer Scheu betrachteten Tätigkeiten ihres Heiligenscheins entkleidet. Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten, den Mann der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.“

    Zur Anmerkung:
    „Die Bourgeoisie hat dem Familienverhältnis seinen rührend-sentimentalen Schleier abgerissen und es auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt.“

    (Karl Marx)

  2. Es ist leider nicht nur die obere Mittelschicht, die das eine superreiche Prozent stützt; das geht bis ganz runter. Selbst die untere Mittel- bis Unterschicht hat mit dem Prinzip, wonach der Teufel immer auf den größten Haufen scheißt, kein wirkliches Problem. Im Gegenteil, grade dort ist ja der „Stolz“, sich sein bisschen Geld selbst zu „verdienen“ am stärksten ausgeprägt.

    Der einzige, wirklich relevante „Puffer“ bildet die gewaltige „Mitte“, also vor allem die runden 70 bis 90 %, die bei der letzten Wahl wieder das „weiter so“ legitmierten. Die Herrschaft hält; sie hatte wohl auch nie einen festeren Stand als in dieser entmutigenden Epoche des totalen Neoliberalismus…

  3. Dennis: Wieso sollen Reformen nur die ärmeren Bürger, nie die ausführenden Beamten treffen- warum Hartz-4 ohne Reform bei den BA-Bediensteten? Die Wähler verstehen meist nicht, dass sie Altersarmut und Arbeitslsoigkeit treffen kann, da gebe ich dir recht!

  4. Mensch epikur – du hast als Blogbetreiber immerhin auch eine soziale Verantwortung; das Blocken von Beiträgen offensichtlich Besoffener oder geistig Verwirrter ist dann auch nichts anderes, als wenn du einem Betrunkenen die Autoschlüssel wegnimmst; du schützt ihn und andere…! ;)

    Ein letztes Mal noch: Es gab mehr als genug „Reformen“, die ganz normale Durchschnitts-Beamte betreffen; vom gewaltigen Stellenabbau und der Arbeitsverdichtung rede ich da noch gar nicht. Neid nach unten kenn ich halt nicht; wenn ich sehe, dass es jemandem vermeintlich(!) etwas(!) besser geht als mir – dann fordere ich: mehr für mich! Und nicht weniger für den anderen! Das obere Prozent da ausdrücklich ausgenommen. Aber mir ist klar, dass der deutsche Michel das nicht anders kann; deshalb wählt er dann halt immer wieder die gewohnte neoliberale Scheiße, zuletzt in noch härterer Dosierung (AfD).

    Und jetzt lieber epikur – lass doch diesen Klappspaten nicht ständig viele unappetitliche und stinkende Haufen unter deine Beiträge setzen – da hat keiner was von!

  5. Dennis: Ein Streik im Krankenhaus oder bei der Müllabfuhr ist schimmer als bei den Arbeitsvermittlern, wieso hört man da nichts von Dir? Es können gerne alle staalichen Mitarbeiter Beamte sein, wieso heulst Du aber bei den Akten-BA-Mausi, die nie jemanden vermitteln?Ich habe von Dir nie gehört, dass es eine MIndestrente geben muss, Mindestpension gibt es!Beamte ssthen über mir, der Neid geht dort nahc oben, es geht um Gerechtigkeit, Ärzte sind wichtiger als Arbeitsvermittler, auch die Finanämter/Kommunen usw. könnten Sozialgelder auszahlen!Du bist für den Beamtenstreik, demokratietheoretisch hast Du recht, aber dies würde diese zu einer Kaste machen!

  6. Jede Diktatur stützt sich auf erhebliche Teile der Mittelschicht.
    Dennis 82 hat aber recht, diesen servilen Anteil gibt es in allen Schichten.
    Nur sollte davon abgesehen werden, die ganzen jeweiligen Schichten über einen Kamm zu scheren. Auch in der Mittelschicht gibt es jede Menge Leute, die durchaus solidarbereit sind, wenn man die pauschal in die böse Ecke drängt, wird das zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

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