Zockerbanken

bankgeld_teaserDie Daumenschrauben der Finanzindustrie werden weiter genüßlich angezogen. Und zwar bei jedem. Ohne meine Zustimmung wurde jetzt beispielsweise mein Girokonto‐Tarif geändert. Ab dem 1. Dezember soll ich für jede Barauszahlung 30 Cent, für die Benutzung eines Kontoauszugsdruckers 60 Cent und für die Einzahlung von Münzgeld 7,50 Euro abdrücken. Ich packe also mein Geld auf die Bank, sie arbeiten, verleihen und verzocken es und dann wollen sie noch übertriebene Gebühren dafür haben? Eigentlich müssten sie mir dafür Geld geben! Ich überlege gerade ernsthaft zu kündigen und die Bank zu wechseln, vermute aber, dass die Tarife sich mittlerweile überall ähneln werden. Warum sollte ich mein Geld eigentlich überhaupt noch zur Bank tragen?

7 Gedanken zu “Zockerbanken

  1. Banken sind systemrelevant.
    Epikur und alle anderen sind das nicht.
    Deshalb zahlen alle auch noch Geld dafür, das sie an ihr eigenes Geld kommen, Rechnungen bezahlen, Überweisungen machen.
    Wer da glaubt, die Idee mit der Bargeldabschaffung sei vom Tisch, der versteht nicht, das bargeldloser Zahlungsverkehr und »Gebühren der Banken« Hand in Hand gehen. Und den Besitzenden noch weitere Vorteile bietet.

  2. Das nennt man »wohl überlegtes Rechnen damit, dass alle nicht ohne einen können«. Ähnlich wie bei den Job‐Centern, die auch nur mit ihren Kunden umgehen können wie sie es tun, weil sie sich der Gewissheit wähnen können, dass sie keine Konkurrenz haben.

  3. Ja, normal müsste man Geld kriegen. Leisten tun die im Grunde ja nix. Das meiste geht automatisiert über den Computer.

    Warum? Weil man halt systembedingt dazu verdammt ist, man ein »Konto« braucht zum Überweisen oder um Geld überwiesen zu kriegen. Kostenlos kriegen es bei vielen Banken ja weiterhin die, die es eher nicht nötig hätten, z. B. bei x‐tausend Euro monatlichem Geldeingang. Kuck mal bei der örtlichen Sparda; zu denen bin ich im Juni gewechselt, nachdem die örtliche Sparkasse (man denke an die Werbung mit dem Knirps: »aber die heißen doch gar nicht Bank«...) die monatliche Grundgebühr von 3 auf 4,50 Euro erhöht hat und als Krönung noch für jede Überweisung auf Papier 1 Euro (am Terminal: 50 Cent) haben wollte; andere kostenpflichtige Buchungsposten eingeschlossen. Ich reg mich an der Stelle auch nicht drüber auf, dass grade diese Sparkasse sich in der Lehman‐Pleite ordentlich verzockt hatte, danach für die Nieten in Nadelstreifen ein teures, neues HQ baute — und im Gegenzug zahlreiche Filialen auf dem Land schloss. Und auch nicht darüber, dass der sich stellenweise darüber empörende Pöbel bei Wahlentscheidungen in Stadt und Landkreis darüber entscheidet, wie der Verwaltungsrat besetzt wird. Denn da kreuzt er dann wieder Union, SPD und neuerdings AfD an. Und auch nicht darüber, dass die meisten Leute am Ende aus simpler Faulheit einfach bei diesem Saftladen geblieben sind... Soviel zum Thema homo oeconomicus...! ;)

    Jahrelang sanken die »Zinsen« auf das klassische Sparbuch, als ich das letzte Mal nachgesehen hatte, bekam man dort sagenhafte 0,5 Promille! So ist das halt im Zeitalter der Nullzinsen. Daran würden nicht nur viele Banken, sondern grade auch »Versicherungen« zugrunde gehen. Würden, aber die sind ja leider »systemrelevant«. Auf die Idee, dass dann vielleicht mit dem »System« was nicht stimmen könnte...!?

  4. den banken bricht durch online und nullzinsen einfach die geschäftsgrundlage weg. daher versuchen die jeden sch...äh... dienstleistung zu geld zu machen.
    was ich daran nicht verstehe ist der umstand, dass sie durch solche maßnahmen ja gerade noch mehr kunden noch schneller verprellen.
    pure verzweiflung?

  5. @mordred

    Da jeder eine Bank, also ein Konto, heutzutage »braucht« und bald alle Banken mit ihren überzogenen Gebühren sich angleichen werden (sie sind ja gerade schrittweise dabei), werden höchstens ein paar Kunden hin und her geschoben. Aber mehr auch nicht.

  6. @Mordred: Bei vielen ist es in der tat pure Verzweiflung, hat man mir bei der Auflösung des Kontos auch mehr oder weniger so geflüstert. Im Grunde ist der derzeitige Bank‐Gebührenwahnsinn aber auch nur die logische Folge der (ja immer noch wütenden) »Finanzkrise« — dass nun Otto‐Normalbürger nicht nur über Nullzinsen indirekt geschröpft wird, sondern dass man nun direkt in die Vollen greift! Im Grunde könnte da die Politik eingreifen und solch Wegelagerei eigentlich verbieten — wenn sie denn wöllte...

    @epikur: Warum so fatalistisch? ;) Wo ist die oft beschworene Macht und der Einfluss des Kunden, der sich doch allem irgendwie verweigern kann, wenn er denn will? Im Grunde greift hier auch die »Marktlogik«: Wenn bei Tariferhöhungen zu viele Kunden abhauen, lässt man eher die Finger davon. Wenn sich alle alles gefallen lassen, ist das natürlich ein Ansporn für den Rest, selber an der Schraube zu drehen.

    Dann musst du dich halt einfach mal ein wenig informieren; ich weiß — ist nervig. Aber auch im dicken B gibt es garantiert noch irgendwo die ein oder andere Bank, die ihre Kunden nicht wie ne Weihnachtsgans ausnimmt. Und dies auch in Zukunft eher nicht oder nur im geringen Maße tun wird. Ich würde mich da grade im Genossenschaftlichen Bereich halt mal etwas umsehen. ;)

  7. ich denke, dass die filialbanken tatsächlich das so machen werden wie du schreibst, epikur. ein erheblicher teil der kundschaft (zb mittelfristig ich selbst) wird aus diesem grund aber zu direktbanken wechseln.
    da werde ich mich auch nicht mehr über den tisch gezogen fühlen als bis dato bei realen bankberatern.

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