»Eine Flasche Luft bitte!«

frischluft_titel

RT Deutsch vom 17. Dezember 2016

Und wieder holt die Realität jede Satire ein. Was womöglich einige unprofessionelle Filterblasen‐Echokammer‐Verschwörungstheoretiker‐und‐ Populisten‐Blogger vor einigen Jahren als Satire formuliert haben (»Sauerstoff privatisieren!«), ist in China nun bitterer Alltag. Durch die ungebremste Industrialisierung und Privatisierung des Landes, ist die Luft in den großen Metropolen eine einzige giftige Kloake. Innovative Start‐Up‐Unternehmen riechen natürlich sofort das dicke Geschäft. Überall da, wo es menschliches Leid und Elend gibt, kann man die Menschen finanziell ordentlich schröpfen und auspressen: »Der Preis von 23 Euro pro Flasche entspricht ungefähr dem 50‐fachen des Preises einer Flasche Mineralwasser in China.«

6 Gedanken zu “»Eine Flasche Luft bitte!«

  1. Hier sieht man doch ganz wunderbar, was der Markt alles leistet.
    Kaum gibt es ein Bedürfnis bei den Menschen, schafft es der Marktmechanismus, dass dieses auch gestillt wird.
    Einfach wunderbar!

  2. Das Grundrecht auf Wasser beansprucht ja schon Nestlé für sich alleine. Dass irgendwann auch mal jemand das Grundrecht auf Sauerstoff für sich selbst beansprucht — Bayer vielleicht? — oder einer auf die Idee kommt, Atemluft zu versteuern — kostet ja schließlich, die sauber zu halten — liegt doch in der Natur der Dinge. Mich wundert langsam gar nichts mehr.

  3. Die »Privatisierung« der Luft / des Windes hat ja mit der ach so »grünen« Windenergieindustrie auch so richtig Fahrt aufgenommen. Da »investieren« also wieder mal ein paar Unternehmen, Banken und Leute mit Geld in (oft großzügig subventionierte) Propeller, stellen damit ganze Landschaften (gegen Widerstände von Anwohnern und Naturschützern) zu — und planieren dafür auch gerne mal ganze Wälder... Sonst bei anderen Energieformen kritisierter Lobbyismus / Korruption interessiert da auch keinen so wirklich...

    Am Ende wird im Kapitalismus dann halt auch aus natürlichen Luftbewegungen (Wind) Energie — und wegen der Besitzverhältnisse an den »Produktionsmitteln« durch Verkauf dieser Energie somit auch: massenhaft Geld...!

  4. Da hilft immer ein Blick in die ökonomische Irrlehre.
    Gabler Wirtschaftslexikon:
    http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/knappes-gut.html
    »knappes Gut: wirtschaftliches Gut, Wirtschaftsgut; Gut, das nicht zu jeder Zeit und an jedem gewünschten Ort in der gewünschten Qualität und Menge zur Verfügung steht (verfügbare Gütermenge < Bedarfsmenge).

    Gegenteil: freies Gut.
    Definition: Güter, die überall und mit der gewünschten Qualität in hinreichendem Umfang vorhanden sind, um die Bedürfnisse aller Individuen einer Volkswirtschaft zu einem gegebenen Zeitpunkt zu befriedigen. In einer Marktwirtschaft hat ein freies Gut einen Preis von Null, z.B. Luft.«

    Im Klartext bedeutet dies, dass nur ein knappes Gut ein Wirtschaftsgut sein kann und man nach einer Bedarfsdeckung mit dem Gut kein Geld mehr verdient. Aber um das Geldverdienen geht es in der »Ökonomie«. Güter müssen deshalb verknappt werden; so auch das Geld. Bedarfsdeckung und Überfluss für die Menschen sind keine »Forschungsgegenstände« der Ökonomie, denn dann wäre sie überflüssig. Wonach »forscht« man in der ökonomischen »Wissenschaft« — wie man (mehr) Geld verdienen kann.
    Das soll eine der »wissenschaftlichen« Grundlagen der modernen Gesellschaft sein. Welch ein Irrsinn.

  5. @Carlo

    »Bedarfsdeckung und Überfluss für die Menschen sind keine »Forschungsgegenstände« der Ökonomie, denn dann wäre sie überflüssig.«

    Es geht doch noch viel weiter! Es wird fleißig in der Marketing‐Psychologie geforscht, wie man Bedürfnisse erst »wecken«, also künstlich erzeugen kann (insofern sind unglückliche/unzufriedene Menschen auch immer die besseren Kunden!) und wie man Produkte nach einer vordefinierten Zeit sich selbst zerstören lässt (»geplante Obsoleszenz«). Das hat alles überhaupt nichts mehr mit den natürlichen Bedürfnissen von Menschen oder mit einer echten Wissenschaft zu tun.

  6. @ epikur

    Da hast Du völlig recht. Ich wollte den Rahmen nicht platzen lassen ;)
    Die Ökonomie (Lehre) ist nichts weiter als ein Regelwerk zur Machterhaltung der Wohlhabenden und keine empirische, ergebnisoffene Wissenschaft. Das Schlimme ist, dass die Politik auf diese Räuberpistole setzt und sich wundert(?), warum man nicht aus dem Hamsterrad heraus kommt.

    Zum Thema — geplante Obsoleszenz — , welche man ebenfalls nicht als Konzept zur Bedarfsdeckung sehen sollte, erlaube ich mir noch einen Link zu Prof. Dr. Christian Kreiß
    http://menschengerechtewirtschaft.de/wp-content/uploads/2016/02/Geplante-Obsoleszenz-Nov-15.pdf

    Und ich bremse mich schon wieder.

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