Mut zur Stille

stille_titelEs wird geplappert, gechattet und gelabert was das Zeug hält. Hunderte Millionen E‐Mails, SMS, WhatsApp‐ und Facebook‐Nachrichten werden täglich in Deutschland verschickt. Geschreibsel ohne Ende. Ganz nach Gottfried Ben lautet heute die Devise:

»Kommt reden wir zusammen. Wer redet ist nicht tot.«

Nur was heute alles als Kommunikation bezeichnet wird, grenzt teilweise schon an Körperverletzung. Quasselstrippen, Labertaschen und Ruhe‐Vernichter ergießen sich im selbstreferentiellen Marketing‐ und Inszenierungssprech, lechzen nach Bestätigung und Aufmerksamkeit und ergötzen sich an ihrem nervtötenden Dramaqueen‐ und Soap‐Gesabbel. Die Kultur des Schweigens geht heute vielen Menschen völlig ab. Dabei ist die Angst vor der Stille, letztlich nur die Furcht vor sich selbst.

6 Gedanken zu “Mut zur Stille

  1. Zum einen kommt noch hinzu, was sich »Rechtschreibung« nennt. Die Schreibfehler, die gemacht werden, werden nicht gemacht, weil man auf die falschen Tasten gerutscht ist, sondern aus Nicht‐Wissen. Jeder schreibt nur noch so wie er spricht.
    Zum anderen, außer der Selbstdarstellung und im Mittelpunkt stehen, die aus dem amerikanischen Raum übernommene Vorstellung von Redefreiheit. Jeder schreibt alles, was er denkt, ohne auszufiltern, ohne eventuell einmal auf den Gedanken zu kommen, dass es Kommentare gibt, die man sich einfach spart, oder die man aus den Gründen ungeschrieben lässt, weil es eventuell negative Konsequenzen in ein paar Jahren haben könnte, weil dieser Kommentar immer noch öffentlich zugänglich existiert und die eigene Person nicht gerade von einer positiven Seite zeigt.

  2. @Dani

    Erich Fromm hat mit der »Kunst des Liebens«, mit »die Furcht vor der Freiheit« und mit »Haben oder Sein« schon vor über 50 Jahren unsere heutige Gesellschaft perfekt beschrieben.

  3. Den ollen Selektionsknüppel, Rechtschreibung,
    jibt’s oach‹ noch ?
    Tauglich auch, Obrigkeitsanbetung, Recht, Ord‐
    nung, Disziplin, Leistungskontrolle, durchzu‐
    setzen. Aber auch, mit Überlegenheitsritualen
    einzuschüchtern, zu demütigen, Menschen zum
    Schweigen zu bringen, das Oben und das Unten
    gesellschaftlich einzubleuen, als ständig be‐
    gleitendes Alarmbewußtsein, abrufbare Verhal‐
    tenspräsenz zu produzieren. Anpassungsgerecht,
    jederzeit, lebenslang abprüfbar, sortierfähig.
    Die ständige Modernisierung befindet sich of‐
    fensichtlich auf alten, ausgelatschten Pfaden,
    eher ein Popanz, nicht wenigstens lebenswirk‐
    liches, menschenzugetanes Projekt ?
    Ewigliche Kommentare dazu, massenhaft erwünscht.

  4. Pingback: Autophobie. | Red Skies over Paradise

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