Mut zur Stille

stille_titelEs wird geplappert, gechattet und gelabert was das Zeug hält. Hunderte Millionen E‐Mails, SMS, WhatsApp‐ und Facebook‐Nachrichten werden täglich in Deutschland verschickt. Geschreibsel ohne Ende. Ganz nach Gottfried Ben lautet heute die Devise:

»Kommt reden wir zusammen. Wer redet ist nicht tot.«

Nur was heute alles als Kommunikation bezeichnet wird, grenzt teilweise schon an Körperverletzung. Quasselstrippen, Labertaschen und Ruhe‐Vernichter ergießen sich im selbstreferentiellen Marketing‐ und Inszenierungssprech, lechzen nach Bestätigung und Aufmerksamkeit und ergötzen sich an ihrem nervtötenden Dramaqueen‐ und Soap‐Gesabbel. Die Kultur des Schweigens geht heute vielen Menschen völlig ab. Dabei ist die Angst vor der Stille, letztlich nur die Furcht vor sich selbst.

Das Schweigen der Lämmer

schweigen

  • Als man meinen Lohn und meine Rente gekürzt hat, habe ich geschwiegen.
  • Als man mich zur Ein‐Euro‐Zwangsarbeit verdonnert hat, habe ich geschwiegen.
  • Als man die Miet‐, Strom‐ und Lebensmittelpreise erhöht hat, habe ich geschwiegen.
  • Als man die Bevölkerung wegen den Zocker‐Banken enteignet hat, habe ich geschwiegen.
  • Als man mich abgeholt hat, habe ich geschwiegen.

Reden ist Silber. Schweigen ist Gold.

Schweigen ist Volk

»Sie verstehen, qualifiziert, das heißt im rechten Moment, freiwillig zu schweigen. […] Sobald Sie etwas zu sagen haben, geht es nur noch darum, möglichst raffiniert zu verschweigen, was Sie zu sagen hätten, wenn Sie wirklich etwas zu sagen hätten.«

-Michail Krausnick, »Die Sache Mensch«, Rowohlt Verlag, Hamburg 1985. S 7

Anmerkung: Wer Karriere machen will, muss lernen, anständig zu schweigen. Zu sagen, was man denkt und fühlt, das kann doch jeder! Betriebs‐, Geschäfts‐ und Betrugsgeheimnisse wahren, das Unternehmen durch ein Engagement im Betriebsrat oder der Gewerkschaft nicht in Verlegenheit bringen, und den Chef nicht mit der Wahrheit konfrontieren — das macht einen qualifizierten Mitarbeiter aus.