Presseblick (31)

Windows XP sei eine tickende Zeitbombe, so heise.de. Fast sieben Prozent aller deutschen Rechner würden noch mit dem Betriebssystem arbeiten. Seit Monaten schreiben sich die PR‐Huren von Microsoft in den Leidmedien (Welt, Focus, Handelsblatt etc.) die Finger wund, verbreiten Angst und Panik — alles nur deshalb um die Menschen dazu zu bringen, sich endlich ein neues Betriebssystem, natürlich von Microsoft, zu kaufen. Wer ein ordentliches Antivirus‐Programm hat, gefährliche Seiten und unsichere E‐Mails nicht öffnet, regelmäßig seinen PC entmistet, keine Cookies zulässt, seinen Temp Ordner und Browserverlauf regelmäßig löscht, ccleaner oder spybot nutzt — der braucht sich von der Panikmache auch nicht groß beeindrucken zu lassen. Würde mich nicht wundern, wenn Microsoft bald ein paar Hacker losschickt, welche die weltweiten Win XP Rechner mit einem Virus infizieren sollen, um auch den letzten Rest davon zu »überzeugen« sich ein neues Windows zuzulegen.

Werbeindustrie
Auf horizont.net wird geklagt: »Die Werbeindustrie im Visier von Politik und Verbraucherschutz. Die Politik legt der Werbewirtschaft immer engere Fesseln an Wie wäre es mit einem Gedankenexperiment? Wir schaffen für einen Monat sämtliche gesetzliche Beschränkungen für Werbung, Marketing und PR ab und schauen was dann passiert. Ja? Nein? Keine gute Idee? Warum?

Politik
Zum Thema Freihandelsabkommen verneint cdu.de (kein Link) folgende Fragen:

  1. Stimmt es, dass Schiedsverfahren die deutsche Politik untergraben?
  2. Ist es wahr, dass wir Qualitäts‐ und Sicherheitsstandards aufgeben?
  3. Stimmt es, dass es mit TTIP bald flächendeckendes Fracking in Europa geben wird?
  4. Ist es wahr, dass jetzt Chlorhühnchen und Hormonfleisch nach Deutschland kommen?
  5. Finden die Verhandlungen zu TTIP wirklich im Geheimen statt?

Das alles würde nicht zutreffen, so die CDU. Auch der DGB findet das TTIP nun ganz toll, wie sueddeutsche.de berichtet. Wer immer noch glaubt, wir lebten in einer »Demokratie« in dem das Volk und nicht die Finanzindustrie und das Großkapital regieren würden, dem ist nicht mehr zu helfen.

Medien
Auf futurezone.at wird Arianna Huffington, die Gründerin der Huffington Post interviewt. Das Interview bedient die typischen Klischees und Vorurteile von Journalisten vs. Bloggern. Der große Unterschied zu Bloggern sei, so der Fragesteller mit seinen subversiven Andeutungen, dass Journalisten per se »Qualitätsjournalisten« seien (der Begriff wird vom Fragesteller insgesamt fünf mal verwendet): »Glauben Sie wirklich, dass normale Leser in die Rolle eines Journalisten schlüpfen können und das journalistische Handwerk – Recherchieren, Bewerten und Schreiben – beherrschen können?«

Nein, natürlich nicht. Das können nur »Qualitätsjournalisten«, die von der (Chef-)Redaktion eine Leitlinie vorgegeben bekommen, Selbstzensur üben, weil sie ökonomisch abhängig sind, Presse‐ und PR‐ Mitteilungen kritiklos übernehmen, Dpa‐Meldungen ab‐ und umschreiben, Artikel am Fließband produzieren, weil ihnen keine Zeit mehr für eine ordentliche Recherche gegeben wird (ja, weil die Redaktionen personell zusammengestrichen werden) und ihre persönliche Meinung und Ideologie als objektiven Journalismus verkaufen (Ukraine Konflikt). Blogger kann man diesbezüglich weniger kontrollieren und sind deshalb auch keine »Qualitätsjournalisten«.

Zwei weitere wichtige Meldungen zum Thema »Meinungsfreiheit in Deutschland«:

  1. Zeit.de schreibt: »Ein Polizist des Bundestages war abgestellt, im BND‐Ausschuss den Netzpolitik‐Blogger Andre Meister zu beobachten. Missverständnis?« Natürlich. Der Polizist tat dies aus rein persönlichem Interesse.
  2. Der ARD Programmbeirat gibt seine einseitige Berichterstattung beim Thema Ukraine‐Konflikt zu, wie beispielsweise heise.de berichtet. Aber auch nur ein bisschen. Geändert wird aber freilich nichts. Es herrscht schließlich gebührenfinanzierte Meinungsfreiheit.

Arbeitsmarkt
Die heutige Jugend sei angepasst und opportunistisch, behauptet der Jugendforscher Klaus Hurrelmann in der FAZ. Wo liegt hier das Problem? Schließlich wollen die meisten Firmen und Unternehmen, Mitarbeiter die funktionieren und ansonsten die Klappe halten. Es fehlt eben an ehrgeizigen Führungskräften, so die These. Dennoch: »Sie versuchen, das System von innen heraus zu unterwandern. Und das ist das eigentlich Revolutionäre an dieser Generation.« Klar, wer massenkonform lebt, nichts in Frage stellt und vor lauter Angst um den eigenen Arbeitsplatz sich alles gefallen lässt, verändert und gestaltet.

2 Gedanken zu “Presseblick (31)

  1. Für XP und Firefox: NoScript, AdBlockEdge und Ghostery machen den Rechner dicht. Da braucht es noch nicht mal einen laufenden Virenschutz.
    Ich habe das vor der Umstellung eines Netbooks auf Linux ausgiebig getestet. Ich habe versucht, das Ding kaputt zu surfen und regelmäßig mit betriebssystem‐unabhängigen Tools geprüft, ob da etwas Unerwünschtes passiert ist.

    Nix.

    Fazit: XP mit Verstand genutzt ist sicher. Laufender Virenschatz ist »Schlangenöl« und Systembremse. Größtes Einfallstor für Malware sind E‐Mail‐Anhänge. (Letzte Mahnung! Siehe Anhang! ...oder so in der Art). Da hilft nur brain.exe.

  2. @p3t3r

    Fazit: XP mit Verstand genutzt ist sicher.

    Mein Reden. Alles andere ist PR gesteuerte Panikmache, damit die Leute sich ein aktuelles Betriebssystem von Microsoft kaufen. Und wer heute noch ohne Adblock und NoScript surft, muss eh sehr masochistisch veranlagt sein ;)

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