Die Matrix ist der Fehler

»Selbst ein Kapitalismus mit mehr Einkommensgerechtigkeit wird in der Katastrophe enden, wenn er weiterhin auf Konsumsteigerungen und kurzfristiges Wachstum setzt.«

- Chandran Nair. »Die Mutter allen Kapitals«. Le Monde Diplomatique. Ausgabe Juli 2014. S. 3

Anmerkung: Viele Alt‐Sozis, Gewerkschafter und SPD‐Anhänger glauben daran, den Kapitalismus zähmen zu können. Eine vermeintlich bessere Verteilung von Brotkrumen der Reichen, führt jedoch nicht zu einem besseren gesellschaftlichen Entwurf, sondern verfestigt nur die ohnehin schon vorhandenen Ungerechtigkeiten (Konsum als Lebenszweck, Ausbeutung von Menschen und der Natur, Umwelt‐ und Klimaverschmutzung etc.). Was wir wirklich brauchen, sind Alternativen zum menschlichen Abgrund. Und wer die liefern will, wird lächerlich gemacht.

7 Gedanken zu “Die Matrix ist der Fehler

  1. Zur Anmerkung kann nicht mit einem klaren Jaein antworten. Erst einmal muss definiert werden, was dieser Kapitalismus ist. Fragt man 100 Menschen aus verschiedenen Strömungen erhält man 100 Antworten. Ein Liberaler der österreichischen Schule würde abwinken, wenn du behauptest wir lebten im Kapitalismus. Er würde sagen, wir leben faktisch im Sozialismus.

  2. @ chriwi

    Was kapitalismus ist läßt sich gut definieren. Was das ist, steckt in dem wort selbst drin: das wirtschaftssystem, das dem kapital dienlich ist. Das ist unabhängig von irgendwelchen geschmäcklerischen definitionen.

    Wenn ein »Austrian« den Mülltonn Friedman als »sozialist« bezeichnet, weil der die banken halt etwas staatlicher wollte, reicht es völlig zu hinterfragen, ob die aussage denn stimmt. Wollten die »Chicagoboys« irgendetwas anderes als freies unternehmertum zwecks kapitalmehrung? Nein.

    Also sind solche behauptungen unsinn.

  3. Natürlich werden diese Menschen bekämpft, weil sie unsere gesamte Lebensweise hinterfragen, all die Selbstverständlichkeiten unseres Alltags, Privilegien welche der große Rest der Menschheit nicht genießt — von der täglichen warmen Dusche bis zum stets mit Nahrung aus allen Ecken der Erde gefüllten Bauch.

    Dass wir in den Industriestaaten viel mehr Ressourcen verbrauchen als unser eigener Grund und Boden bereitstellen kann, also seit Generationen auf Kosten anderer Völker schmarotzen, ist eine unangenehme Wahrheit, der sich fast niemand stellen will. Denn dann würde es unbequem, wir müssten anfangen, unsere Rolle als Konsument zu hinterfragen, uns womöglich zugunsten anderer Menschen gar von Privilegien trennen, die wir Heute noch wie selbstverständlich in Anspruch nehmen.

    Da ist es bequemer, weiter den Kopf in den Sand zu stecken und darauf zu setzen, dass die unvermeidliche Sturmflut erst kommt, wenn Du selbst schon unter der Erde liegst.

    Die Elite welche das Sagen hat ist Heute 50, 60 und noch älter, die werden nicht wie meine Generation bis Ende des Jahrhunderts leben. Denen können Klimaerwärmung, überfischte Ozeane, Desertifikation, Ende des Ölzeitalters und andere Herausforderungen egal sein, weil sie dann nicht mehr da sein werden, um mit den Auswirkungen ihrer eigenen Entscheidungen zu leben.

  4. Apropos Alternativen: jeder weiß, es gibt momentan keine. Das Groß des menschlichen Denkens ist damit beschäftigt, konform zu sein. Das beste Beispiel liefert zweifellos der Zustand der Philosophie. Immerhin eine Angelegenheit, in der das Denken sich per Definitionem nicht gemütlich auf ein paar Denkaxiomen ausruhen kann und daher immer das Ganze in der Frage steht, freier Weltbrocken befragt werden können und die Antworten einen Selbstwiderspruch erzeugen, wenn sie nur das Bestehende duplizieren. Nun, nichtsdestotrotz ruht man heute. Das erste Axiom ist das solideste: philosophiere so, dass das Philosophieren nichts zu tun hat mit der Welt, in der du lebst. Die restlichen Axiome schenken wir uns, weil sie ohnehin schon Interna sind. Vielleicht noch das zweite: Die westliche Anordnung von Gesellschaft mit Staat, Wirtschaft, Recht und dem Ding Indivuduum kann getrost zum blinden Fleck geschoben werden. Darüber braucht nicht mehr nachgedacht zu werden. Allenfalls Details müssen noch justiert werden. Dazu gibt es internationale Debatten.
    Denn wo sollte sonst noch gedacht werden? Die Erfolgszeiten des Denkens in Lyrik und Literatur sind zumindest in der ersteren definitiv vorbei. Die große Strahlkraft materialistischer Forschung, die immer das Ganze auch mit im Blick hatte, ist erloschen. Heute gibt es positivistische Einzeldetailwissenschaften. Der Politikwissenschaftler kann nicht mehr sagen, ob Kapitalismus herrscht, denn er beschäftigt sich möglicherweise nur mit der Entscheidungsfindung in den ständigen Ausschüssen des EU‐Parlaments. Der Soziologe verharrt etwa in Organisationsmanagment. Der Ethnologe erforscht die letzten Amazonasbewohner. Was der Wirtschaftswissenschaftler treibt, will vermutlich niemand nicht einmal mehr wissen. Rezepte für Verarmung, Stressanhäufung und Ausbeutung sowie Verreichung der Superreichen werden dort nach der naturwissenschaftlichen Methode aus dem Forschungsobjekt angeblich heraus gelesen. Der Literaturwissenschaftler grast altvordere Poeten nach den enthaltenen Geschlechterbildern ab und repliziert auf eine jahrelange Debatte, ob in einem Buch eine Aussage so oder anders zu verstehen sei und beginnt im Sog der Texte schon die Fiktion mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Sonach dekonstruiert man die Welt vom Schreibtisch aus, erzeugt textuelle Differenzen, die nur im sinndichten Elfenbeinturm vernehmbar sind und zu Paukenschlägen auftariert werden. Der Feminsit applaudiert und räsoniert über die Wechselwirkung von sexueller Lust und textuellem Geschlechterbild, natürlich gerade, wie sonst, im Wandel.
    Wo sollen heute Alternativen herkommen? Niemand weiß das. Es scheint, es kann auch niemand Gedanken haben, die alternativ wären. Jeder kann nur das bestehende Denken. Auch hier wird nun das Bestehende geschrieben und gelesen. Es besteht sozusagen alles schon. Ein weiterer Bestand ist nicht absehbar.

  5. Kapitalismus ist zuvörderst Krieg, und Frieden nur die Atempause zwischen zwei Konflikten.
    Ansätze von Gerechtigkeit enstehen in dem kurzen Zeitraum zwischen diesen Polen und werden nach jedem Unterwerfungsakt neu verhandelt.

  6. Es gibt immer Alternativen. Diese auch nur zu denken, ist heute jedoch schon ein Sakrileg. Wer davon spricht, Geld abschaffen zu wollen, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen oder Eigentum zu vergesellschaften — wird lächerlich gemacht, als Träumer und Spinner abgestempelt. Und da es sehr kräftezehrend ist, ständig gegen die ignorante Mauer der Angepassten anzurennen, lässt man das alternative Formulieren gleich ganz sein.

  7. Von der Sklaverei zur Zinswirtschaft

    »Du wurdest wie alle in die Sklaverei geboren, und lebst in einem Gefängnis, das du weder anfassen noch riechen kannst. Ein Gefängnis für deinen Verstand.«

    Morpheus (Matrix)

    Es ergibt sich die nur auf den ersten Blick erstaunliche Tatsache, dass die Ausbeutung im Laufe der Jahrtausende ihrem Wesen nach gänzlich gleich geblieben ist. Es ist grundsätzlich dasselbe, ob in der Vergangenheit der Sklave als Arbeitsmotor infolge seiner persönlichen und daher wirtschaftlichen Unfreiheit unmittelbar für seinen Herrn fronen musste; oder ob im heutigen Privatkapitalismus der Arbeitende vorwiegend infolge des Geld‐ und Bodenmonopols – also infolge einer unfreien Wirtschaft – nur einen um den Zins verkürzten Arbeitsertrag erhält oder ob schließlich in dem von den Marxisten gepredigten Staatskapitalismus, der sich fälschlich als Sozialismus ausgibt, infolge der Monopolisierung nahezu der gesamten Wirtschaft durch den Staat der Grundsatz der wirtschaftlichen Unfreiheit zur höchsten Potenz erhoben, die Ausbeutung also auf die Spitze getrieben wird, wobei der Zwangsarbeiter zusehen muss, was – nach Befriedigung der Ansprüche der herrschenden Bürokratie und des riesenhaft aufgeblähten Staatsapparates, die begreiflicherweise den Vorrang genießen – zuletzt für ihn übrig bleibt. In allen drei Fällen ist das Ausbeutungsprinzip dasselbe geblieben, bedingt das Monopol die Einschränkung oder gar den Ausschluss der Konkurrenz und damit zugleich die Ausbeutung.

    Nur in der Technik der Ausbeutung besteht ein Unterschied.

    War es früher erforderlich, Sklaven, das heißt persönlich unfreie Menschen, zu halten, um sie auszubeuten, so bringt die Zinswirtschaft das Kunststück fertig, den Menschen sämtliche persönlichen und politischen Freiheiten zu gewähren und sie trotzdem auszubeuten. Obgleich Zinsnehmer und Zinszahler (angeblich) rechtlich einander gleichgestellt und ebenbürtig sind, vermag der eine sich die Früchte der Arbeit des anderen anzueignen. Diese legalisierte Ausbeutung beruht, wie gesagt, auf dem Vorhandensein von Monopolen. An die Stelle des Sklavenhalters ist im modernen Rechtsstaat der Zinsbezieher, an die Stelle des Sklaven der Zinszahler getreten. Die Ausbeutung erfolgt nicht mehr unmittelbar durch die Aneignung der Arbeit des Sklaven, sondern mittelbar durch das Monopol. Es ist begreiflich, dass die Sklaverei für die Ausbeuter uninteressant wurde, seitdem man die wirtschaftliche Unfreiheit der Auszubeutenden – diese einzige Voraussetzung einer jeden Ausbeutung – anstatt durch persönliche Freiheitsberaubung durch die Monopole zu erzielen vermochte:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/marktgerechtigkeit.html

    Die erste vollständige Theorie zur Herstellung absoluter Marktgerechtigkeit wurde bereits im Jahr 1906 veröffentlicht – konnte aber vom »Normalbürger«, der sich gedanklich eben nicht in der Realität, sondern noch immer im »Programm Genesis« befindet, bis heute nicht verstanden werden:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/11/einfuhrung-in-die-wahrheit.html

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