Presseblick (3)

Auf taz.de gibt es ein interessantes Interview mit Andrew Feinstein, ehemaliger Politiker aus Südafrika, der sich lange mit dem internationalen Waffenhandel beschäftigt hat: »Die Deutschen zählen zu den Korruptesten in Europa und die Europäer zu den Korruptesten weltweit«. Wie jetzt? Ich dachte immer, sowas denken nur Verschwörungstheoretiker, Pessimisten und Linksextremisten? Wir haben doch eine tolle Demokratie und eine wunderbare freie Marktwirtschaft, oder etwa nicht?

Auf tumblr.com gibt es Fotos vom türkischen Protest. Die Polizeigewalt kennt hier keine Grenzen. Erdogan lässt ohne Gnade auf seine Landsleute einprügeln.

Drei Atommächte rüsten ihr Atomkontingent auf, USA und Russland würden ihre Atomwaffen reduzieren, schreibt welt.de. Dennoch besitzen beide Staaten rund 8.000 Atomsprengköpfe. Eine Reduzierung bedeutet hier wohl eher eine quantitative Ab‐ und eine qualitative Aufrüstung. Fazit: außer Nordkorea und Iran dürfen (fast) alle Atomwaffen haben.

Tom König schreibt auf SpiegelOnline über die schwierige Kita‐Platz‐Suche: »Mein Sohn Toni braucht einen Kindergartenplatz, und die sind schwerer zu finden als preiswerte Altbauwohnungen in Schwabing«. Der ganze Artikel ergötzt sich in einer reinen Zustandsbeschreibung. Über 30 Milliarden Euro jährlich werden für die Bundeswehr ausgegeben und wenn nötig, schenkt man den Banken auch mal 500 Milliarden Euro. Für den Kita‐Ausbau sind knapp 5 Milliarden Euro vorgesehen. Und immer noch fehlen bundesweit knapp 200.000 Kita‐Plätze und Erzieher werden auch in Zukunft nicht besser bezahlt werden.

Die Wirtschaftswoche freut sich, dass Griechenland nun endlich ausverkauft wird: »Es bewegt sich was im Krisenland – endlich [...] Chinesische Logistikkonzerne zeigen Interesse an griechischen Flug‐ und Seehäfen, die demnächst privatisiert werden sollen«. »Endlich« können alle öffentlichen Infrastrukturen, die staatliche Daseinsfürsorge, Bildung, Kultur und Soziales den Haien zum Fraß vorgeworfen werden. Notleidende Menschen interessieren dabei nicht.

Der Chef des Textilkonzerns H&M, Karl‐John Persson, schreibt auf hersfelder-zeitung.de: »Wir wollen unterschiedliche Frauentypen in unserer Werbung darstellen und nicht den Eindruck erwecken, man müsse auf eine bestimmte Art aussehen«. Dabei sind doch gerade die H&M-Plakate typischer Schönheitsfaschismus, setzen vor allem junge Mädchen unter Druck und verursachen bei weniger selbstbewussten Menschen Minderwertigkeitskomplexe. Die gesamte Textil‐, Fitness‐, Diät‐ und Kosmetikindustrie profitiert doch in Milliardenhöhe davon, dass den Menschen Schönheitskomplexe eingeimpft werden. Nichts wäre für sie schlimmer, als wenn alle Menschen mit sich und ihrem Körper halbwegs zufrieden wären.

4 Gedanken zu “Presseblick (3)

  1. Kommt bitte mal runter von eurem Kita‐Trip, Kitas sind schlecht für Kinder, die schwachen Vorteile, bessere soziale Kompetenz, sind die Nachteile nicht wert: Krippe/Kita stellen eine enorme Belastung in den jungen Jahren dar, die einen lebenslangen Schaden generieren, hinzu kommt eine unzureichend aufgebaute Urbindung. Folgen: Alkohol, sozialinduzierte psychische Erkrankungen. Anstatt Urstärke Urschwäche.
    Das ist außerhalb der feministischen »Wissenschaft« gut belegt (Für die Kinderfeinde sind Kinder vor allem eins: Hindernisse für die Frauenkarriere. Deshalb _muss_ man die Kinder in die Fremdbetreuung abschieben und _muss_ man dann auch auf schärfste darauf beharren, dass Krippe/Kita ja so toll ist für die aus dem Weg geräumten.)
    Ein Kitaplatz kostet >1.000€. Dieser Betrag ist an die Eltern auszuzahlen, das würde Freiheit garantieren. Sie könnten sich selbst entscheiden, wie sie es machen, mit Fremdbetreuung und beide Vollzeit, oder einer bleibt zu Hause (ein Job, den Väter übrigens genauso machen können). Aber das ist nicht gewollt, besonders nicht von Feministen, die Hohepriesterin des Feminismus Simone de Beauvoir, die Erfinderin der Gender‐Theorie (»Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht«), deren Vorstellungen also moderne Frauenpolitik sind, dazu:
    »No woman should be authorized to stay at home and raise her children. Society should be totally different. Women should not have that choice, precisely because if there is such a choice, too many women will make that one«

  2. Nachtrag: Dieses Zitat stammt übrigens aus einem Werk mit dem Titel »Geschlechterkrieg«. In diesem Krieg plant sie, die Feministin, also einen Angriff auf die weibliche (Wahl-)freiheit.

    hihi

  3. Bezüglich »Kita’s« komme ich auch ins Schleudern. Bei allem Respekt zu dem sonst‐wie absolut Richtigem. Vielleicht bin ich auch einfach nur noch alt und gleite ins Lager der Konservativen ab. Doch ich bezweifle das. Denn es würde logisch nicht stimmen. Unter Progression, hatte ich immer die Progression einer humanen und sozialen Gegenentwicklung gegenüber der Konservation des Bildes vom Gewinner im Feld dessen vermutet; »Der Vorbereitetste und Stärkste« — gewinnt. Es tut weh, zuschauen zu müssen, wie links‐humane Progressionen einer progressiven Technokratie weichen. Kinder bei ihren Eltern, — sind niemals in der Warteschleife, — wenn sie geliebt werden.

  4. Richtig, für viele sind Kitas nichts anders als Abschiebebahnhöfe, damit Mann und Frau wieder ihrer Lohnarbeit frönen können. Wenn die Kleinen dabei auch noch berufsrelevantes Wissen lernen und ihnen die »Flausen« ausgetrieben werden — umso besser. Leider denken viel zu viele so. Denn auch der Politik geht es beim Kita‐Ausbau genau darum.

    Dennoch können Kitas für Kinder eine Chance sein, die beispielsweise aus vernachlässigten Elternhäusern kommen. Und ich kenne durchaus auch Kinder, die gerne in die Kita gehen, weil sie dort enge Freunde haben und womöglich (auch Lern-)Angebote, die ihnen Zuhause nicht zur Verfügung stehen.

    Abgesehen davon gibt es heutzutage für viele Eltern, in Zeiten von Lohndumping und prekärer Beschäftigung, auch kaum eine Alternative. Und da das volle Elterngeld nur 1 Jahr bezahlt wird und die meisten danach in ALG 2 Bezug fallen würden, kommen die meisten Kinder heute mit einem Jahr schon in die Kita, damit die Eltern wieder lohnarbeiten können. Für Eltern, die ihre Kinder jedoch schon ab dem 3. Monat in die Kita verfrachten, habe ich kein Verständnis. Wenn man Kinder gleich abschiebt, braucht man auch keine in die Welt setzen.

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