Das Medium ist die Botschaft

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Die Massenmedien in Deutschland werden täglich von einer handvoll Nachrichtenagenturen mit Beiträgen beliefert. Diese werden dann massenhaft ab- und umgeschrieben, um zu suggerieren, als hätte man eigene Artikel verfasst. Die inhaltliche Gleichschaltung ist hierbei offensichtlich. Im folgenden die typischen Strukturen und Rahmenbedingungen der Massenmedien im Überblick.

Bilder werden bearbeitet oder in Szene gesetzt, sodass sie eine bereits im Vorfeld gezielte Botschaft vermitteln sollen. Die Selektion und Auswahl von Fotos und Bilder, durch Redakteure und Chefredakteure, ist eine Wertung über die dargestellten Personen und Sachverhalte. Hinzu kommt, Themen über die es keine Bilder gibt, schaffen es selten in die Zeitung. Online-Medien konstruieren massenweise Fotostrecken, um ihre Klickraten (Page Impression) und damit ihre Werbeeinnahmen zu erhöhen.

Personalisierung. Um den moralischen Zeigefinger zu umgehen und um immer ausreichend Bilder zu haben, werden Themen, Sachverhalte und Ereignisse fast immer auf Personen reduziert. Statt die systemrelevante Funktion von Massenarbeitslosigkeit zu betonen, werden Arbeitslose gezeigt, statt die Ursachen von Politikverdrossenheit zu thematisieren, wird über Nichtwähler berichtet und so weiter. So werden strukturelle Rahmenbedingungen häufig vernachlässigt und Probleme schnell als persönliche Einzelfälle reduziert.

Agenda Setting. Es gibt Themen, Personen und Sachverhalte, die einen hohen Nachrichtenwert aufweisen und welche, über die man weniger berichten kann und will. Die Kriterien richten sich hierbei nach Verkauf, Auflage und Quote, der Möglichkeit der Bebilderung und der Personalisierung von Themen, der Einmaligkeit, nach internen Redaktionsvorgaben und vielem mehr. Naturkatastrophen, Verbrechen und öffentliche Personen haben demnach einen höheren Nachrichtenwert als Obdachlose, Asylheime oder der weltweite Hunger.

Werbefinanzierte Meinungsfreiheit. Viele Zeitungen, Magazine und Online-Portale existieren nur, weil sie anzeigenfinanziert sind. Eine halbseitige Anzeige bei der BILD kostet beispielsweise pro Tag stolze 270.000 Euro. Demzufolge sind die Massenmedien abhängig von ihren Werbe-Unternehmen und werden selten kritisch über ihre Geldgeber berichten (Vorzensur und Kopfschere).

»Das ist in der deutschen Presse gang und gebe, dass Chefredakteure oder Ressortleiter ihren Untergebenen einfach sagen, wie sie zu denken haben. Dass Vorgaben gegeben werden, was sie zu recherchieren haben und was nicht. Und dass viele junge Kollegen daran gehindert werden, kritische Journalisten zu werden, weil ihre Vorgesetzten das einfach nicht wollen.«

- Harald Schumann, investigativer Journalist seit über 20 Jahren.

Vortäuschung von Sachlichkeit. Es wird detailliert aufgelistet, wer an Ereignis oder Konflikt X alles beteiligt ist, wer welche Interessen hat und wie die Personen zueinander stehen. Dann werden Menschen zitiert, deren Aussagen man als Schreiber selbst unterstützt. Es werden Studien oder Forschungen herangezogen, die dem ganzen Beitrag eine bestimmte Botschaft geben sollen. Und alles andere, was für das Thema auch relevant sein könnte, jedoch nicht im eigenen Interesse (Redaktionsvorgaben, Ideologie etc.) steht, wird gezielt ignoriert und weggelassen.

Einfluss der PR. Zusätzlich zu den schon vorhandenen Anzeigen, ist es auch üblich sich mit Pressemitteilungen, Advertorials und getarnten Werbeartikeln (»Porsche entwickelt neues Modell«) beliefern zu lassen oder sie gar selbst zu schreiben. Dies unterstreicht die Abhängigkeit und Voreingenommenheit der Redaktionen und Verlage gegenüber ihren Anzeigen- und Werbekunden.

Reduzierung und Polarisierung. Um eine vermeintlich höhere Lesbarkeit und Verständlichkeit beim Massenpublikum zu erreichen, reduzieren Journalisten oft gnadenlos komplizierte Sachverhalte. Sie bedienen Klischees und Vorurteile, verstecken ihr Nichtwissen hinter Zitaten, Studien und Statistiken, verzerren und ignorieren Details, werten und interpretieren Aussagen öffentlicher Personen, schmeißen mit reißerischen Headlines und Schlagworten um sich und so weiter.

Die journalistischen Mythen von der »vierten Gewalt« und der »objektiven Berichterstattung« halten sich in weiten Teilen der Bevölkerung immer noch hartnäckig. Vergessen wird oft, dass die privaten Massenmedien ein profitorientiertes Gewerbe sind und insofern wenig Interesse an Aufklärung und Wahrheit haben.

2 Gedanken zu “Das Medium ist die Botschaft

  1. Mir ist genau das in den letzten Tagen besonders sauer aufgestoßen und zwar zum Thema der Überwachung von Kranken, die H4 beziehen. In den RTL2 News wurdegezeigt, wie man sich kranke H4-Empfänger so vorstellt. Da sprach irgendein Typ, dass er sich in H4 wohl fühle und wie man am besten einen gelben Schein erhalten könne. Der Typ wurde im Bild anonymisiert dargestellt, was vielleicht Echtheit suggerieren sollte. Alles in allem eine nicht sehr gelungene getürkte Nachrichtenvermittlung für all jene, die sich gern verführen lassen, ihren Kopf ausschalten und nicht nachdenken wollen.

  2. »So werden strukturelle Rahmenbedingungen häufig vernachlässigt und Probleme schnell als persönliche Einzelfälle reduziert.«

    Auch das eine eher subtile Variante der gewollten Strategie der Vereinzelung.

    Das Auftauchen von Nachrichten aus der Wirtschaft ist auch so ein Phänomen , immer wieder erstaunlich , wenn in TV-Nachrichten plötzlich die Namen von Managern oder Vorständen auftauchen , was ist daran interessant ?

    »Vergessen wird oft, dass die privaten Massenmedien ein profitorientiertes Gewerbe sind und insofern wenig Interesse an Aufklärung und Wahrheit haben.«

    Stimmt , und doch sind die Medienmacher in dieser Hinsicht inkonsequent , eine tatsächliche Marktorientierung findet gar nicht statt , sondern wird nur behauptet , quasi als Ausrede.

    Tatsächlich wird sich immer nur an einem bestimmten Marktanteil orientiert , vor allem im Boulevard — Bereich.
    Es gibt aber eben auch eine nicht unerhebliche Nachfrage nach authentischem Journalismus , warum wird die nicht ausreichend bedient?

    Nach dem Prinzip des Marktes müßte es Leute geben , die in diese (Markt-) Lücke stoßen, in der Praxis aber scheinen Propaganda , Herdentrieb und Lobbyismus vorzuherrschen.

    Von wegen freier Markt , und je weniger er existiert , desto lauter wird darüber schwadroniert.

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