Weniger Geld bei Krankheit

»Wenn Arbeitnehmer den berühmten, berüchtigten gelben Zettel einreichen, dann haben wir erstmal davon auszugehen, dass die Menschen anerkannt arbeitsunfähig erkrankt sind, wir wissen aber auch, dass der Blaumacher diesen gelben Zettel vorlegt. Und dann ist die Differenzierung wiederum schwierig.«

- Torsten Bökenheide, Personalmanager PVG (Pinneberger Busgesellschaft) in der Kontraste‐Sendung vom 14. januar 2010

Über sog. »Aktivprämien« werden diejenigen finanziell entlohnt, die weniger krank sind und diejenigen finanziell bestraft, die öfters krank sind im Jahr. Diese neue Lohnregelung umgeht ganz gezielt die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Busgesellschaft und viele andere Unternehmen wollen mit dieser Regelung »Blaumacher« erwischen. Sie führt aber vor allem dazu, dass viele Lohnarbeiter krank zur Arbeit gehen, damit sie kein Geld abgezogen bekommen.

5 Gedanken zu “Weniger Geld bei Krankheit

  1. Diese Aktivprämie müsste doch gegen mehr als ein Gesetz verstoßen. Erst einmal diskriminiert sie älteren Arbeitnehmer, auch Eltern (die wegen Kindern zu Hause bleiben) und chronisch Kranke. Das kann nicht im Sinne der Gleichstellung sein.

    Des Weiteren verstößt sie in meinen Augen gegen den Schutz der restlichen Angestellten. Denn die Ansteckungsgefahr ist da. Solche Aktivprämie könnte man als Förderung zur fahrlässigen Körperverletzung auslegen.

  2. Krankheit als Verbrechen, das trifft es. Wie weit ist die Menschheit letztlich gekommen, wenn sie heute Krankheit wieder mit Schuld verbandelt, so wie damals, als die Kacke noch aus dem Fenster, direkt in die Gasse, gekippt wurde? Krankheit ist Not, ist Pein — Pein, englisch pain, kommt von poena. Poena, die Schuld. Dahin gehen wir wieder. Der Kranke wird kriminalisiert — irgendwann fragen wir wieder nach der Schuld des Kranken. Dann ist ein Tumor wieder die Strafe für Ehebruch oder Faulheit... das moderne Mittelalter bricht an.

  3. Sehr beruhigende Vorstellung, daß der Busfahrer vielleicht 39° Fieber hat, und nur hinterm Steuer sitzt, weil er sich »Krankfeiern« nicht leisten kann.

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