
(An einer Seilbahn. Ein Mann spricht ein Mädchen an.)
Vater: »Du? Könntest Du Dich vielleicht auch hinten anstellen, wie alle anderen Kinder auch?«
Mutter: »Entschuldigung. Wer sind Sie? Wieso reden Sie mit meiner Tochter?«
Vater: »Ich bin der Vater von Lucy, die sich gerade hinten anstellt, um auch Seilbahn fahren zu dürfen. Ihre Tochter hat sich hier gerade vorgedrängelt und ich habe gesehen, dass Sie das auch gesehen, aber nichts dazu gesagt haben! Deshalb habe ich Ihre Tochter darauf hingewiesen!«
Mutter: »Wollen Sie mir etwa sagen, das ich eine schlechte Mutter bin?«
Vater: »Ich möchte nur, dass Ihr Kind sich wie alle anderen Kinder auch hinten anstellt und sich nicht vordrängelt!«
Mutter: »Bitte reden Sie nicht mehr mit meiner Tochter!«
In der Zwischenzeit entfernen sich beide Kinder von der Seilbahn und wollen etwas anderes spielen.

In den ersten 10 Jahren des Lebens (und oft noch darüber hinaus) wird den Kindern beigebracht, ehrlich zu sein, nicht zu lügen, zu stehlen, zu betrügen und Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Lehrer, Erzieher und Eltern arbeiten jahrelang, mit viel Ausdauer daran, dass den Kleinen ‑durch intensive Gespräche, Geschichten und Übungen- ein moralisch-gutes Gewissen sowie humanistische Werte und Normen mitgegeben werden. Auch die Vorstellung, man könne im Leben alles erreichen und schaffen, wenn man nur wolle und sich anstrenge, wird den Kindern eingeimpft. Häufig jedenfalls.
Vor einiger Zeit saß ich im Wartezimmer eines Kinderarztes und las die