Auch Selbstzensur ist Zensur

»Es ist halt ein fruchtbarer Boden für die Zensur, wenn man als Journalist eine Familie mit zwei Kindern ernähren muß und auf Basis von Zeitverträgen arbeitet. Irgendwann ertappt man sich bei der Selbstzensur – weil man seinen Job behalten will.«

- Anonymer Redakteur des deutschen Auslandssenders Deutsche Welle (DW) im Interview mit der Jungen Welt am 15. Mai 2014

Anmerkung: Wenn von Zensur gesprochen wird, ist fast immer die von außen einwirkende Unterdrückung gemeint. Die subtile, sich selbst zwingende Zensur, ist jedoch weitaus effektiver und kostensparender, denn sie benötigt keine permanente Überwachung und damit weniger Ressourcen.

Menschelnde Unternehmen

Konzerne, Marken und Unternehmen werden in den Massenmedien als handelnde Lebewesen, als schöpferische Menschen mit Ängsten, Wünschen und Hoffnungen inszeniert und personalisiert. Ganz so, als sei eine Firma ein in sich geschlossenes System. Als sei sie eine Schöpfung Gottes, dass auf äußere Reize reagiert, Bedürfnisse hat und Gefühle empfindet. Die kalte Fratze des profitorientierten Geschäftsgebarens von neoliberalen Leistungslügnern, die Lohnarbeiter nur als Mittel zum Geld-Zweck betrachten, wird dadurch versteckt. Zur Verdeutlichung meiner These hier einige Beispiele. Weiterlesen →

Presseblick (6)

Auf faz.net wird behauptet, dass Unternehmen um die Gunst von Familien buhlen würden. Es gebe bereits 584 Betriebskindergärten und jedes dritte Unternehmen unterstütze seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung, sagt Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Die Lügen-Propaganda der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat jedoch einen Freud’schen Versprecher: »Bestehende Hindernisse für eine stärkere Berufstätigkeit beseitigen, sei in jedem Fall ein wichtiges Ziel, betonte Hundt«. Kinder als »Hindernisse«, die »beseitigt« werden müssen.

Auf gamestar.de wird über die kommende Fortsetzung der Thief-Reihe geschrieben. Der Producer Stefan Roy erklärt: »Wir müssen eng mit dem Marketing zusammenarbeiten um sicherzugehen, dass die Botschaft des Spiels klar ankommt«. Genau das ist das fundamentale Problem der mangelnden Qualität vieler PC- und Konsolenspiele sowie vieler anderer (Medien-)Produkte: statt in die Produktentwicklung zu investieren und auf sie zu hören, wird in die Werbung und in die Öffentlichkeitsarbeit Geld gepumpt. Es ist eben nicht wichtig, ob das Produkt qualitativ hochwertig ist, wichtig ist, es als »gut« verkaufen zu können. Weiterlesen →

Und täglich grüßt die DPA-Gleichschaltung!

Es gibt wohl immer noch Menschen, die nicht wahrhaben wollen, wie gleichgeschaltet unsere Medien sind. DPA gibt vor und alle anderen schreiben ab und manchmal sogar um. Meistens wird selbst der Titel komplett übernommen. Von einer Medienpluralität oder gar einer Pressevielfalt in Deutschland zu sprechen, ist naiv und pure Realitätsverweigerung. Ob TAZ, Welt, SpiegelOnline, Fokus, Stern, BILD, Handelsblatt und so weiter – die Deutsche Presseagentur ist ihr Informationsgott. Kennt man eine Zeitung, kennt man alle. Natürlich übertreibe ich, bin populistisch und ein Verschwörungstheoretiker. Alternativ schaut Ihr euch folgende screenshots an, die ich am 25. April gemacht habe (alles DPA-Meldungen im Original-Wortlaut): Weiterlesen →

Das Medium ist die Botschaft

zeni666 via flickr.com

Die Massenmedien in Deutschland werden täglich von einer handvoll Nachrichtenagenturen mit Beiträgen beliefert. Diese werden dann massenhaft ab- und umgeschrieben, um zu suggerieren, als hätte man eigene Artikel verfasst. Die inhaltliche Gleichschaltung ist hierbei offensichtlich. Im folgenden die typischen Strukturen und Rahmenbedingungen der Massenmedien im Überblick. Weiterlesen →

Liebe Massenmedien...

...seit einiger Zeit beklagt Ihr euch über den Rückgang an Lesern und den damit verbundenen finanziellen Verlusten durch weniger Kioskverkauf und Anzeigen. Die Frankfurter Rundschau hat Insolvenz angemeldet, die Financial Times ist pleite und auch der »Spiegel« will Personal abbauen. Zudem hat der Berliner Verlag (»Berliner Zeitung«, »Berliner Kurier«) einen Abbau von bis zu 86 Stellen angekündigt.

Ihr gebt vor allem dem Internet und der hiermit unterstellten »Gratismentalität« die Schuld dafür. Ihr betont, eure wichtige Rolle als sog. »vierte Gewalt«, als Meinungs- und Bildungsmedium. Mitleid mit euch sollte man dennoch nicht haben. Ihr habt es schon lange aufgegeben, den Bürger ernst zu nehmen und ihn umfassend zu informieren und aufzuklären.

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Quelle: Internet-Video

In den letzten Wochen ist mir in der Tagesschau um 20:15 Uhr aufgefallen, dass sie bei Beiträgen über Syrien als Quelle »Internet-Video« angeben. Bei mindestens drei verschiedenen Beiträgen an drei verschiedenen Tagen hat die ARD das als Quelle angegeben. Sucht man ähnliche Beiträge in der Online-Mediathek landet man letztendlich bei youtube. Aber auch das dürfte eine reichlich dünne Quelle sein, schließlich kann fast jeder sein Video bei youtube hochladen. Ich dachte immer, die Tagesschau sei die TV-Sendung schlechthin? Mit sachlicher Recherche, einwandfreien Quellenanangaben usw.? Können die Beitragbastler selbst nicht einmal den Ursprung zurückverfolgen oder wollen sie womöglich die Quelle einfach nicht nennen? Weiterlesen →

Echter Medienpluralismus

Nachdem der werte Herr Epikur desöfteren von einer Gleichschaltung der Medien gefaselt hat und damit ‑in traditioneller verschwörungstheoretischer Perspektive- unterstellen wollte, es gäbe in Deutschland keine Medienvielfalt mehr, wird er heute eines Besseren belehrt. Weit von der Behauptung entfernt, die Massenmedien würden nur von den großen Nachrichtenagenturen (Reuters, dapd, APA, dpa etc.) abschreiben, beweist uns die tägliche Berichterstattung wie vielfältig sie in Inhalt, Darstellung und Aussage ist. Ein Portfolio vom 4. April 2012. Weiterlesen →