»Bioware«

Mit der Mod »Baldur’s Gate Trilogy« könnt Ihr Baldurs Gate 1+2 mit allen Add-ons zu einem großen Spiel machen.

Die Volks- und Bürgerverachtung, und damit einhergehend der massive Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust, findet nicht nur in Politik und Altmedien statt, sondern auch in der Unterhaltungsindustrie. Wenn »Botschaften«, »Diversity« und »Haltung« wichtiger sind, als die tatsächlichen Bedürfnisse der Konsumenten — beiben die Kunden irgendwann weg. Manche nennen das auch »go woke, go broke«.

Gerade bei Unterhaltungsformaten will man abschalten oder bestenfalls Eskapismus betreiben und nicht ständig »erzogen« werden (»Kurtzman-Trek«). Nun wird wohl »Bioware«, eines der weltweit bekanntesten Video-Rollenspielstudios, nach über 30 Jahren geschlossen. Auch das hätte nicht sein müssen, wenn man mehr auf seine Kunden gehört hätte.


»Modernes Publikum«
Wer schon mal was von »Baldurs Gate«, »Neverwinter Nights«, »Star Wars: Knights of the Old Republic« (Kotor), »Mass Effect« oder »Dragon Age« etwas gehört hat — weiß, wie prägend und wichtig »Bioware« in der Geschichte der Video-Rollenspiele war und ist. Auch meine Wenigkeit ist damit aufgewachsen.

Nachdem »Dragon Age 4« (»the Failguard«) einen nonbinären Transgender-Charakter, eine Comic-Grafik sowie sehr dümmliche Dialoge hatte, vermutlich um sich dem »modernen Publikum« anzubiedern, gab es schon viel Kritik an Bioware. Zudem war der Titel ein großer finanzieller Flop für den Mutterkonzern Electronic Arts.

Aber so wie Wählerbeschimpfung Zeitgeist ist, weil die blöden Bürger einfach nicht das Richtige wählen wollen, so beschimpft man heute auch seine Kunden, wenn sie das Produkt nicht gut finden. Lisa Ludwig im Spiegel: »Wer dieses Spiel zu woke findet, hat Rollenspiele nicht verstanden.« Evaluation? Lernprozess? Selbstreflexion? Gibts nicht. Wir sind doch die Guten!



»Access Media«
Die »Gamestar« (sowie viele andere Spielemagazine) indessen, lobte das Spiel natürlich trotzdem in den Himmel: »Dragon Age: The Veilguard im Test: Biowares bestes Rollenspiel seit über 10 Jahren.« Als Spielemagazin, dass abhängig von »frühen Zugängen«, Presseveranstaltungen, Werbegeldern und dem Wohlwollen von großen Spielefirmen ist, wird sich mit fundierter Kritik erfahrungsgemäß sehr zurückgehalten.

Überhaupt: die »Gamestar«. Seit einigen Jahren framen sie jede Kritik an »Ringe der Macht« oder »Dragon Age: Veilguard« als rechts, schalten präventiv die Kommentarfunktionen unter den entsprechenden Artikeln ab und gehen auf konstruktive Kritik überhaupt nicht mehr ein. Auch sie verachten offensichtlich andersdenkende Leser.

Es spielt auch keine Rolle, ob sie sich ständig gegen den Strohmann »Ihr seid alle gekauft!« wehren, oder ob die Strukturen und Sachzwänge sie dazu nötigen, unkritische Jubelperser zu werden. Das Ergebnis ist das Gleiche. Spieleredakteure, die nicht frei, unabhängig und eigenständig agieren und schreiben können, sondern den PR-Abteilungen der großen Spielefirmen nach dem Mund reden sollen. Denn ansonsten könnte es Sanktionen geben.


RPG-Eskapismus
Geholfen hat das alles wenig. Der RPG-Ruf von Bioware hat, in den letzten Jahren, starke Kratzer abbekommen. Meine Wenigkeit war schon bei »Dragon Age: Inquisiiton« und spätestens bei »Mass Effect: Andromeda« raus. Die Dialoge waren infantil und jede Minute wurde gequasselt. Man merkte sofort, dass die alten Rollenspieler nicht mehr die erste Zielgruppe sind. Zwischen »Dragon Age:Origins« und den letzten Bioware-Spielen liegen Welten.

In die Fußstapfen sind »Owlcat«, »Larian« und »CD Project« getreten, die ihre Spieler ernst nehmen und wie Erwachsene behandeln. Die Pathfinder-Reihe, »Baldurs Gate 3« oder die Witcher-Reihe (»Witcher 1«!) sind hervorragend geeignet, um Eskapismus betreiben zu können.

Übrigens: die »Banner-Saga-Reihe« wurde von den drei ehemaligen Bioware-Mitarbeitern entwickelt (Alex Thomas, Arnie Jorgensen, John Watson), die das Studio bereits 2011 verlassen haben. Das merkt man »Banner Saga« sofort an. Auch diese Spielereihe ist eine Empfehlung.

Mein Traum: ein »Kotor 3« im »Andor-Stil«.

Ein Gedanke zu „»Bioware«“

  1. Je mehr Zeit verstreicht und je mehr Schrottrollenspiele auf dem Markt auftauchen, desto mehr sehne ich mich nach der alten Zeit zurück, als man noch mit seinen Kumpels um den Tisch herum gesessen hat und mit Stift und Papier (und Blubberwasser, Knabberkrams und Lieferpizza) seiner Phantasie einfach freien Lauf lassen konnte.

    Was Computerspiele angeht sind die Spielezeitschriften komplett raus.
    Erst wird bei Steam gestöbert, und wenn da was interessantes aufleuchtet, dann wird bei youtube so lange informiert, bis ein Urteil getroffen werden kann.

    Wenn die ehemaligen Platzhirsche aufgrund ausbleibender Kundenschaft irgendwann platzen, dann ist das halt so.
    Vielleicht hat es ja für die anderen Hersteller eine erzieherische Wirkung.

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