Digitale Premiumexistenzen

social_titelNachdem ich mich bereits ausführlich über die sogenannte »Shitstorm-Bewegung« ausgelassen, sowie die These aufgestellt habe, das Social Web bedeute eben nicht zwingend ein mehr an qualitativer Kommunikation und Vernetzung, sondern sei vor allem eine Plattform zur Selbstinszenierung und Selbstbestätigung (gebt mir Likes!) – so möchte ich mich heute mit den Inhalten auseinandersetzen. Also  damit, was die Facebook-Jünger so gerne tausendfach teilen. Und was sie komplett ignorieren. Weiterlesen →

Alles verboten

verboten5Freiheit bedeutet Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung im Interesse der internationalen Finanz-Oligarchie. Frei ist der, der die Verbote, Regeln und Gesetze festsetzt und sie gleichzeitig umgehen kann. Für alle anderen ist Freiheit: Anpassung, Konformität und Unterordnung. Weiterlesen →

Neulich bei Hugendubel

Als ich vor einigen Tagen zufällig bei der Buchhandlung »Hugendubel« war, ist mir aufgefallen, dass die Abteilung zum Bereich »Philosophie« nun innerhalb von einem Jahr schon wieder kleiner geworden ist. Ganze zwei Ebenen eines Bücherregals werden hierfür nur gebraucht. Mehr nicht. Es gibt dort zwar ein paar Klassiker von Platon, Schopenhauer, Arendt oder sogar Adorno, aber auch den nervigen Hirschhausen.

Gleichzeitig nehmen die Bereiche »Spiritualität« und »Lebensratgeber« kontinuierlich zu. Zusammen nehmen sie im ersten Stock mittlerweile einen recht großen Bereich ein. Dort stehen dann Wegweiser-Bücher von C‑Promis, die billige Seelenklempnerei (»So werden Sie glücklich!«), statt authentisches Selbstdenken propagieren. Die Menschen scheinen nicht mehr auf der Suche nach Weisheit oder echter Horizont-Erweiterung zu sein, sondern nach Götzen, die ihnen die Sinnsuche und die eigene Vernunft abnehmen.

Multi-Millionär: Endlich sorgenfrei!

reich_titelAuf einmal war ich reich. Sehr reich. 10 Millionen Euro schwer. Es hieß, machen Sie einfach mit, finden Sie die Antwort auf die Frage, tragen Sie ihre Daten dort ein und schicken sie den Brief ab. Natürlich dachte ich mir nichts dabei. Ich hatte gerade nur nichts Besseres zu tun und vergaß die Hoffnung auf ein glückliches Leben. Vier Wochen später hatte ich Post: »Sie haben 10 Millionen Euro gewonnen«. Ich glaubte nicht daran. Schon wieder einer von diesen Spam-Briefen, die nur meine Daten abfischen wollten. Ich zerriss ihn und warf ihn weg. Zwei Tage später klingelte es am Telefon: »Guten Tag, spreche ich da mit Herrn Vollack?« »Ähm ja, was gibt es?«, antwortete ich leicht genervt, da ich annahm mal wieder von diesen Callcenter-Pseudo-Umfrage-Deppen gestört zu werden. »Steubing, mein Name. Wir hatten Sie bereits vor zwei Tagen kontaktiert und ihnen mitgeteilt, dass Sie 10 Millionen Euro gewonnen haben.« Von da an war alles anders. Weiterlesen →

Denkdemenz und Bildverödung

Was unsere Zivilisation so besonders gern glaubt: dass alles, was wir nicht sehen können, uns nicht wehtun kann, ja dass es wahrscheinlich kaum existiert.

- Naomi Klein. »Machen wir Halt: Der Kampf unseres Lebens«. Blätter Ausgabe Juli 2014. S. 59.

Anmerkung: Sweatshops, hungernde Kinder, Schlachthöfe, Ausbeutung, Kriegstote, Folter – solange wir diese Dinge nicht mit unseren eigenen Augen sehen, existieren sie auch nicht aktiv in unserem Bewusstsein. Womöglich schafft es sogar ein TV-Beitrag uns kurzzeitig zu berühren — aber nur solange bis die Timeline oder die Daddelkiste fertig geladen hat.

Der Gratis-Schwindel

gratis_titelIst man noch relativ jung, sagen wir, so unter 10 Jahren, spielt das Thema Geld nicht zwingend die Hauptrolle im Alltag. Familie, Freundschaften, gemeinsame Spiele und Unternehmungen, Schule und Hobbys sind meist deutlich wichtiger. Mit zunehmendem Alter ändert sich das radikal. Partys, Kino- und Restaurantbesuche im Jugendalter erfordern Kohle. Sobald man das Elternhaus verlassen hat, sieht man dann das Leben vor lauter Kosten nicht mehr: Miete, Strom und Gas, Lebensmittel, Telefon und Internet, Kleidung, Kosmetik, Haushaltsgeräte und Möbel, Versicherungen, Bus- und Bahnfahrkarte oder Auto, Rundfunkgebühr und so weiter. Die Geldbeschaffung wird zum zentralen Thema der eigenen Existenz. Umso verführerischer werden dann die ständigen Versprechungen von: kostenlos, gratis und umsonst. Weiterlesen →

Presseblick (30)

Auf bernerzeitung.ch gibt es einen interessanten, philosophisch-soziologischen Artikel über »die Vergottung des Selbst«. Der vermeintliche Individualismus sei »Selbstdesign und spätmoderner Seelenersatz«. Der Ich-Kult, Egoismus und die Selbstliebe seien Ersatzbefriedigung für authentisches Glück geworden. Im Grunde wird hier nichts fundamental neues für fleißige ZG-Leser erzählt (z.B. Massenindividualität), aber dennoch ist der Beitrag gut geschrieben und zusammengefasst: »Der Mensch scheint irreversibel abhängig von den digitalen Selbstverlängerungen und Hilfsorganen seiner Techniken und Medien, seiner medialen Verortung und Selbstdarstellung.«
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Mentale Maulkörbe

»Um zu erfahren, wer über dich herrscht, finde einfach heraus, wen du nicht kritisieren darfst.«

- Voltaire (1694−1778)

Anmerkung: Politiker und Abgeordnete werden von den Massenmedien, von Unternehmen, Verbänden und Nicht-Regierungsorganisationen, der Wissenschaft und letztlich von der Bevölkerung in großem Umfang kritisiert. Sie sind der Boxsack, an dem sich Wut, Frust und Ohnmacht entladen darf. Aber sie haben nicht die Kontrolle, wenn man nach Voltaire geht. Wen wir nicht in Frage stellen dürfen, sind unsere Geldgeber, »Arbeitgeber«, Anzeigenkunden, Sponsoren, Investoren und Förderer. Alle, von denen wir ökonomisch abhängig sind. Da halten wir komplett die Schnauze. Sie sind es, die über uns herrschen.

Scheiss Zucker!

zucker_titelEssen war und ist für mich, im Angesicht von knapp einer Milliarde hungernden Menschen auf der Welt, ein Luxus-Thema. Dennoch kotzt mich die Lebensmittelindustrie zunehmend an. Es gleicht der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen, wenn man in einem gewöhnlichen Supermarkt etwas ohne mindestens 30 Prozent Zucker- und/oder Fettanteil, ohne Glutamate, Zusatz- oder Konservierungsstoffe kaufen will. Und es genügt auch nicht, einfach nur in einen Bioladen zu gehen und mehr Kohle auf den Tisch zu legen, das beruhigt zwar das eigene Gewissen und man kann sich als Besser-Esser-Bio-Öko-Grün-Gutmensch inszenieren, aber auch im Bioladen lauern viele Gesundheitsfallen und Etikettenlügen. Weiterlesen →

»Mit Massenmedien ist eine Demokratie nicht möglich«

...behauptet Volker Pispers und widerspricht damit jedem Lehrbuch. Er begründet seine These, dass die Massenmedien einzig und allein nach Quote und Auflage schielen und somit jedem »Furz«, jeder Nichtigkeit und jedem Nichtwissen ihre Aufmerksamkeit widmen. »Die Freiheit des Ignorierens hat uns die Diktatur des Boulevard genommen!« Der Clip ist zwar etwas älter, aber immer noch hochaktuell.