- In Würzburg geht ein Attentäter in einer Regionalbahn mit einer Axt auf Menschen los.
- In München tötet ein Amokläufer (hier und hier) neun Menschen in einem Einkaufszentrum.
- Die Türkei wird schrittweise zu einer Diktatur umgebaut. Erdogan geht ohne Gnade innerhalb seines Landes sowie im Irak und in Syrien gegen die Kurden vor.
- In Syrien und im Jemen werden täglich Menschen brutal ermordet.
- Das US-Militär hat bisher mehr als 4.000 Menschen weltweit mit ihren Drohnenangriffen umgebracht und im Irak, in Afghanistan und in Libyen tausende Menschen getötet.
- In Afrika sterben täglich Menschen durch eine neokolonialistische Wirtschaftspolitik des Westens sowie durch die Agrarpolitik von Konzernen, wie beispielsweise Monsanto.
- In Frankreich ist weiterhin Ausnahmezustand und die Bürger revoltieren gegen die Beschneidung von Arbeitsrechten.
- Niemals in der Geschichte der Menschheit hat sich soviel Reichtum in nur so wenigen Händen konzentriert, während die große Mehrheit gar nichts besitzt.
Zwischen all diesen Ereignissen werden keine Zusammenhänge und/oder Korrelationen hergestellt. Stattdessen wird jeder vermeintliche »Anschlag« oder »Terror-Angriff« als Einzel-Ereignis behandelt und gewertet. Auch ich kenne nicht alle Hintergründe. Aber zu glauben, man kann in der Ferne Kriege führen, Waffen in Diktaturen liefern sowie menschenverachtende, neoliberale und verfassungswidrige Gesetze beschließen, die das gesellschaftliche, zwischenmenschliche Klima kälter werden lassen — ohne dass all das irgendwelche Folgen haben wird, zeigt, wie weit die ignorant-biedermeierische Weltvergessenheit in Deutschland bereits fortgeschritten ist.
Natürlich wird es früher oder später auch »Terror-Anschläge« in Deutschland geben, auch wenn das niemand wahrhaben will. Die Folge kann aber nicht sein, den Ausnahmezustand auszurufen, Bürgerrechte abzubauen, das Militär im Innern einzusetzen, die Überwachung auszudehnen und den Rechtsstaat für überflüssig zu erklären, sondern, sich endlich radikal aus der NATO zu verabschieden, eine alternative Wirtschaftspolitik anzustreben sowie sämtliche US-Militärstützpunkte in Deutschland abzureißen! Wieso glaubt man ernsthaft, man könne das Leid der Menschheit durch eine neoliberale Wirtschaftspolitik, Kriege, Hartz4 etc. vergrößern, aber gleichzeitig unbeschadet davon kommen? Ich persönlich habe vor einem radikalen Abbau der (Rest-)Demokratie in Deutschland deutlich mehr Angst, als vor einem Terror-Anschlag.
Seit einiger Zeit bin ich nun unverschuldet erwerbslos. Nun darf, soll und muss ich mich offiziell schämen, ducken, schlecht fühlen, verteidigen und rechtfertigen. Und zwar ständig und überall: in der Familie, bei Freunden und den sogenannten Sachbearbeitern. Warum, wieso und weshalb es nur so weit kommen konnte, wird gefragt. Betroffenheit wird geheuchelt. Verachtung versteckt. Und soziale Überlegenheit empfunden. Man gehöre schließlich noch dazu. Erwerbslosigkeit wird hierzulande nicht als ein vorübergehender Zustand begriffen, sondern als persönlicher Makel. Als Sünde und Ketzerei. Gegenüber dem Gott des (Arbeits-)Marktes und der hart arbeitenden (Rest-)Bevölkerung. Wer sich jedoch nicht primär durch seine Lohnarbeit definiert, der ist auch halbwegs in der Lage ‑selbst in der Erwerbslosigkeit- seine Würde und sein Selbstbewusstsein zu bewahren. Allein das empfinden viele Lohnarbeiter schon als absolute Dreistigkeit. Wer erwerbslos ist, hat depressiv zu werden.
Lohnarbeit, Ernährung, Wohnungseinrichtung, Haus, Garten, Auto, TV-Programm, Selbstoptimierungs-Sport, Facebook, smartphone, Geld, Familien-und-Arbeitskollegen-Getratsche, Kinder, WhatsApp, Alltags-Gedöns — Das sind die Themen, die den Deutschen bewegen. Immer. Überall. Und sowieso. Alles andere ist ja sooo anstrengend. Der radikale Rückzug ins Private, das neue Biedermeier, paart sich mit dem Lohnarbeits-Fetisch, einem vorauseilenden Gehorsam gegenüber dem
Früher war die individuelle Sexualität Privatsache. Teil des Charakters und der persönlichen Selbstbestimmung. Etwas, dass man nur selten offensiv in die Öffentlichkeit getragen hatte. Keine Marke, Image oder ein Franchise. Und damit will ich explizit nicht sagen, dass ich konservative Vorstellungen oder ein neues Biedermeier befürworte, sondern, dass der inszenierte Marketing-Missionseifer bei den Gender-Themen völlig ausgeufert ist. Mit geschlossenen Weltbildern sollen Dogmen, Ismen und vorgefertigte Meinungen in die Köpfe eingehämmert werden. Unternehmen fahren Marketingkampagnen und die Massenmedien freuen sich über die erhöhte Aufmerksamkeit. Dabei nervt das alles nur noch. Einige Beispiele. 