Im Gedenken an...

Kurt aka Roger Beathacker von »Nebenbei bemerkt«, der 2009 verstorben ist.
Jochen Hoff von »Duckhome« der 2017 verstorben ist.
Charlie vom »Narrenschiff«, der 2018 verstorben ist.

Es war und ist ein seltsames Gefühl, Menschen, die man nicht persönlich kannte, aber mit denen man viele Gedanken geteilt hatte, zu verlieren. In unserer schnelllebigen, digitalen Blog‐Landschaft ist es schwierig, inne zu halten. Ich möchte es dennoch einmal versuchen. Auch ich nehme mir regelmäßig vor, in ihren Archiven zu stöbern, mache es dann aber irgendwie doch nicht. Sorry, Kollegen! Ich hoffe, Ihr verzeiht mir? Das ist aber letztlich nicht nötig, da ich von allen Dreien noch spezielle Gedanken und Beiträge im Kopf habe. Von Kurt beispielsweise seine legendären »Amtsschimmel«-Beiträge, von Jochen seine beißende Kritik an der Vermögensverteilung und von Charlie seine sehr spannenden Buch‐Empfehlungen. Irgendwann müssen wir alle gehen. Aber Ihr habt deutliche Fußabdrücke hinterlassen! Frohes Neues Jahr!

7 Gedanken zu “Im Gedenken an...

  1. Als ehemaliger Gastautor bei Duckhome und dem Narrenschiff möchte ich dann doch zum Thema ein paar Worte sagen.

    Charlie starb am 18.1.2018. Die Ursache ist unbekannt. Polize sagte mir am Telefon: Allgemeiner sehr schlechter Gesundheitszustand. Den Eindruck hatte ich auch bei unseren Treffen. Er wohnte nur 8 km von mir entfernt. Neben vielen anderen Gemeinsamkeiten teilten wir das Faible für Mascha Kaleko und Rick Wakemann.

    In der Anfangszeit meines Interesses an der Bloggerei gab es sogenannte Stamm‐Kommentatoren in Kleinbloggersdorf, die seit Jahren nichts mehr schreiben, sei es, dass sie gesperrt wurden, beleidigt waren oder einfach keinen Sinn mehr in ihrem Tun sahen. Von denen vermisse ich auch den einen oder anderen.

    Zum »Narrativ« linken Bloggens gehört meines Erachtens das noch online stehende Narrenschiff und die gelöschten Blogs vom Duderich, dem Herrn Karl und seinem anknüpfendem Hetzblog sowie der Kiezneurotiker. So wie jetzt ist es für ewig unvollständig.

  2. ...Ich glaube, das ist bestimmt immer etwas komisch, wenn man (gefühlte) Mitstreiter in einer Sache verliert.
    Jedenfalls hat sich dieser Eindruck auf meiner Seite so etabliert in den letzten Jahren — auch wenn ich dabei wahrscheinlich auf ganz andere Leute eingehen müsste, die bestimmt kaum einer offiziell zu seinen »Verbündeten« oder »Seinesgleichen« zählen möchte...
    Es kommt einem so sinnlos vor. So... unnötig verfrüht. Je nach dem wie die Begleitumstände sind — auch »naiv« und »richtig dumm«.
    Für meine Begriffe ist das so das, was überzeugte Kommunisten dir versuchen zu vermitteln, wenn sie mit den Umständen des Spanischen Bürgerkriegs argumentieren. Sie versuchen es dir ›rüberzubringen: »Jungspund, hör‹ auf zu denken, du seist Gott! Tatendrang ohne Strategie bringt dich ins Grab, weil du keine Ahnung hast wie Krieg eigentlich läuft... Auch wenn du denken magst, du musst etwas tun anstatt ›rumzusitzen — indem, dass du bloß impulsiv reagieren willst ohne Sinn und Verstand, nützt du auch niemandem was. Noch dazu — du verlierst sehr schnell dein Leben.«
    Ich glaube wie ging da ein Spruch? »Es ist einfach, in Spanien zu sterben«. Das fußt auf all dem.
    Ich für mich kann diese Gedankengänge nachvollziehen, weil ich meine, dass ich mal mit etwas schematisch nicht ganz unähnlichem Berührung gemacht habe.
    Und wenn da irgendwann die Ersten ihre 10 Jahre tot voll haben, dann blickt man da mit ganz merkwürdigem Gefühl drauf und fragt sich: Musste das sein? Wäre’s nicht besser gewesen, aktiv an was mitzuarbeiten, anstatt sich selbst wegzuwerfen?
    Vor allen Dingen stellt sich nach so langer Zeit auch die Frage »Das, was denn gemacht wurde, hat es denn viel gebracht?«.
    Ich für mich stehe da wortlos daneben und schüttle den Kopf.
    Und selbst wenn man hätte nur was an diesem Zeitalter der krampfhaften Political Correctness aufhalten können — wäre das wenigstens nicht etwas gewesen, im Gegensatz zu diesem anderen »Gar nichts«?
    ...Seit ein paar Jahren gärt das mittlerweile hier herum und ich finde da bisher auch noch keinen stetigen Weg damit wie ich das emotional behandeln soll oder will. Auch ist es vom eigenen inneren Kosmos, in dem man in diesen Tagen lebt, so weit weg.

  3. Das Leben ...Mit Kurt/Roger verlor ich einen guten Freund, mit jochen einen guten ›Kumpel‹. Daß »Charlie« nun auch tot ist, schmerzt mich — zumal wir einst auch miteinander sprachen.

    Schade nur, daß Du Ralf nicht erwähnt hast: Der war ein ›Bruder‹ und kam mal eben so zu mir mit einem Kilo Thüringer Würste und einem Kasten Bier. Er schrieb auch immer interessant in seinem ›SIngapur‐Blog‹.

    Schönes Neues :)
    Frank

  4. Tja, irgendwie stolpere ich ab & an über die Blogs. Bin da auch erst spät — iG zu spät — auf sie aufmerksam geworden bzw. hatte mich erst spät zum Kommentieren hinreißen lassen. Bei Charlie verhielt es sich so, dass er gerne ein paar Beiträge als Gastbeiträge übernahm. Aber auch erst recht spät. Einen Österreich‐Beitrag konnte ich ihm nicht mehr schreiben. Leider!

    Gemocht habe ich insb. Charlie wg. seiner wütenden Schreibe (Schlips‐Borgs usw.), die meinem Geschmack nach vielleicht etwas zu oft ins Vulgäre abglitt, aber letztlich doch — so mein Eindruck — eine gewisse produktive Wut darstellte...

    Offen gestanden: Mir fehlt’s.

    Nachträglich ein gesundes neues Jahr!
    Arbo

  5. Weiß nicht, ob das nun explizit hierhin gehört...
    Mir ist über den Weg gelaufen, den Kiezneurotiker soll es neuerdings wohl wieder geben, jetzt als »Pestarzt«.
    Vom Sehen her war der mir bekannt, ich las den aber nicht — ich wusste nicht einmal, dass der seinen Blog gelöscht hatte. Scheint aber damals sehr wortlos über die Bühne gegangen zu sein, kam für alle Leser überraschend und keiner wusste, warum.

  6. @matrixmann

    Jupp. i know. Deshalb habe ich ihn auch schon wieder länger in der Blogroll. Ist am Schreibstil deutlich zu erkennen. Sind wieder sehr tolle Texte dabei. Er hat das Blog damals wohl gelöscht, weil er nicht mehr »anonym« war. Das sagen zumindest die Gerüchte. ;)

  7. Ist mir nur wo begegnet, wusste von all dem nichts; hat mich gewundert. Zu lang scheint das aber auch nicht zu sein, wenn man mal bei den Archivbeiträgen nachschlägt und auf die Anzahl in den jeweiligen Monaten schaut.

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