Presseblick (78)

Wie diskreditiert man jede Form von Medienkritik? In dem man nicht die Botschaft angreift, sondern den Sender der Botschaft unglaubwürdig macht. Nur weil ein paar vermeintlich rechte Deppen »Lügenpresse« schreien (Wie? Die BILD sagt immer die Wahrheit?), bedeutet das eben nicht, dass jede Form von (auch linker) Medienkritik Populismus, Verschwörungstheorie, Antisemitismus, Fake News oder braune Nazi‐Scheiße ist. Aber genau so einfach machen es sich viele Journalisten in den LeiDmedien. Stefan Niggemeier bringt es auf den Punkt: »Was in der Wahrheitspresse steht, kann ja gar nicht falsch sein!« Und wieder was gelernt. :JAJA:

Armut
In Jedem Winter erfrieren Menschen in Deutschland: »Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) zufolge sind zwischen 1991 und 2017 mindestens 289 Obdachlose erfroren.« Und wen interessiert das? Turbo‐Egoismus und Narzissmus wohin man nur schaut. Nach Ursachen wird gleich gar nicht gefragt. Sozialabbau oder katastrophale Wohnungssituation? Ach quatsch! Alle selbst schuld! Nehmen ja Drogen! Können doch arbeiten gehen oder Hartz4 kriegen! So einfach macht es sich die Mehrheit der Bevölkerung! Derzeit sind schätzungsweise 860.000 Menschen obdachlos. Und: »13,7 Millionen Deutsche unterhalb der Armutsschwelle.« Aber hey: »Deutschland geht es gut!« :JAJA:

Medien
Wie sachlich, objektiv und neutral unsere bürgerlichen NATO‐Medien berichten, kann man auf tagesschau.de, vom 2. Dezember 2018 zum Beitrag »Krawalle in Frankreich: Krisentreffen und ein Gesprächsangebot«, beobachten. Der Artikel trieft und tropft aus allen Poren pure Verachtung gegenüber den Demonstranten in Frankreich:

»Die Ausschreitungen der »Gelbwesten« erschüttern Frankreich.«
»Die verstörenden Bilder der Gewaltexzesse.«

»Ich empfinde Ekel, Traurigkeit und Bestürzung angesichts der Gewalt.«
»Ich bin dafür, die Armee einzusetzen. Man muss den Randalierern das Handwerk legen.«

Wieso? Weshalb? Warum es so einen großen Protest in Frankreich gibt? Weshalb die Menge so aufgebracht ist? Oder mal nach Ursachen oder Inhalten fragen? Nein, das wäre zu viel journalistische Recherche‐Arbeit und würde den linksgrünen Mittelschicht‐Spießer‐Biedermeier‐Veganer‐Schrebergarten‐Öko‐Schnösel nur beunruhigen (und dem Chefredakteur nicht gefallen)! Weitere Meldungen zum Thema:

»Kämpfer in Zivilkleidung misshandeln und verschleppen im Auftrag des französischen Staates Demonstranten.«
»Die Welt wirft Macron Kapitulation vor dem “gelben Mob” vor«

Übrigens: die paar Kommentare wurden bei dem betreffenden Artikel auf tagesschau.de alle wieder gelöscht.

Habe ich schon geschrieben, dass wir Inhalte längst überwunden haben? Also wer »Star Wars 8« kritisiert (vor allem auch und gerade inhaltlich), ist entweder ein Rechtsextremist oder ein Frauenfeind. Zumindest will das eine »Twitter‐Studie« herausgefunden haben. Wer Handlung und Dialoge im »Ghostbusters Remake« grausam findet, ist in Wahrheit ein Sexist und Frauenhasser. Viele öffentliche Web‐Diskurse entsprechen Kindergarten‐Niveau: »Die Anderen waren es! Ich nicht!« Oder: »Der ist böse, weil er mich nicht mag!« Wen interessieren heute schon Argumente oder Analysen? Das sprengt doch jeden Twitter‐Rahmen! :JAJA:

Arbeitsmarkt
Viele deutsche Job‐ und Recruiting‐Websites seien mangelhaft, hat eine Umfrage von HR‐Tech‐Unternehmen Talents Connect ergeben. Zuviel Eigenlob, PR‐, Marketing‐ und Selbstdarstellungs‐Geschwurbel von Unternehmen, inklusive vorgefertigter Plastik‐Sprechhülsen, und kaum echte oder greifbare Informationen. Ich kann dem nur zustimmen: statt eine zentrale Anlaufstelle, gibt es dutzende ja hunderte Portale, Datenbanken und Anzeigen‐Seiten, die alle ihr eigenes Süppchen kochen wollen. Und während jeder Bewerber, die absolut‐kreative Mega‐Bewerbung schreiben soll, werden Job‐Sucher mit emotionslosen Textbausteinen abgespeist, die häufig mehr Eigenwerbung als Information enthalten.

Banken
Bundesfinanzminister Olaf Scholz betont: »Niemand im Bundesfinanzministerium hat schlaflose Nächte wegen der Deutschen Bank, auch ich nicht.« Joa, warum auch. Sie ist weltweit in fast 8.000 Prozessen verwickelt, wird weltweit verklagt und musste bis heute über zwölf Milliarden Euro an Strafen bezahlen. Ab wann spricht man von organisierter Kriminalität?

Nun denn. Ich verabschiede mich für einige Tage in den Weihnachtsurlaub und bin im Januar in (hoffentlich) alter zynischer Frische wieder für euch da! Prost! Und ja, treibt es wild! Solange Ihr noch könnt! :KAFFEE: :ROCK: :PFEIF:

Ach...eins noch! Zum Thema »Qualitätsjournalismus«: »Melania ist jetzt blond – was hat das zu bedeuten?« Habt Ihr auf diese weltpolitische, tiefschürfende Frage eine zufriedenstellende Antwort?


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» aufgelesen und kommentiert
» kurz und dreckig

2 Gedanken zu “Presseblick (78)

  1. Melania Blond...Das kann nur eins bedeuten.....
    chrkrcktrschrik
    Laut der Trump schen Erlässe zu Haaren darf kein Normalsterblicher sich über Melanias Haare äussern!

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