Der pädagogische Happen (14)

_happen_

Mutter: „Du, unser Sohn ist gerade bei seinem Freund. Könntest Du bitte alle Spielzeug‐, Holz‐ und die Legowaffen aus seinem Zimmer entfernen? Ich möchte keine Gewalt und keine Kriegsspiele mehr in unserer Wohnung!“

Vater: „Aber er spielt doch so viel damit! Und es ist ihm so wichtig!“

Mutter: „Ich will hier keine Aggressionen mehr haben! Wenn weniger Kinder mit Waffen spielen würden, dann hätten wir auch weniger Kriege auf der Welt!«

Vater: „Ich finde nicht, dass er aggressiv ist, wenn er sich spielerisch austobt. Besser so, als wenn er seine Körperlichkeit unterdrückt und es dann an anderer Stelle herausbricht, wo es womöglich nicht hingehört.“

Mutter: „Immer musst Du mir widersprechen und in meine Erziehung reinreden! Machst Du das jetzt bitte oder soll ich selbst die Spielzeugwaffen entfernen?“

(Bisherige Folgen)

9 Gedanken zu “Der pädagogische Happen (14)

  1. was soll uns dieser kurze Diskurs sagen? Dass die beiden offensichtlich ein Problem miteinander haben und das Kind als Projektsfläche dient?

  2. Ergänzung: Ich meine natürlich »Projektionsfläche«.

    Und am Ende einer solchen Diskussion würde ich (als Mann) wohl die Scheidung einreichen ...

  3. Ok, sagst du ;)

    Aber den kurzen Diskurs finde ich so absurd (nicht, dass es den nicht geben kann/gegeben hat), dass er eine andere Intention als »die Mutter hat aus pädagogischer und beziehungstechnischer Sicht einen an der Waffel; geh da lieber weg« überdeckt.

  4. @woogie

    Du würdest Dich wundern, wie viele Eltern ich bisher kennengelernt habe, die komplett gegen Holzschwerter sind, die Lego‐Waffen heimlich wegwerfen und jegliche Art von kindlicher Stressbewältigung und Kompensation als pööhse Gewalt brandmarken. Ganz besonders welche, die sich selbst als »politisch links« einordnen würden. Ich denke nicht, dass die einfach nur »einen an der Waffel haben«. Das Problem liegt tiefer. Und genau das wollte ich anreißen. ;)

  5. Hört sich gruselig an.
    Da wundert es mich nicht, dass aus den süßen Kleinen irgendwann Psychopathen werden :(

    Kann es sein, dass heutzutage (nicht nur) in Erziehungsfragen ein krasses schwarz/weiß‐Denken herrscht? Ich verstehe nicht, wie man mit so radikalen Positionen ein gutes Vorbild sein kann und wie man eine Partnerschaft leben kann, wenn der Partner so tickt.

    Ich habe ja selbst vier Kinder und streite mit meiner Frau schon über das eine oder andere Erziehungsthema (z.B. beim Umgang mit pubertierende ADHS‐Jungs). Aber die von Dir skizzierte Unterhaltung würde es in dieser Form niemals geben.

  6. Man kann ja — wenn man will — aus fast allem eine Waffe machen! Neuerdings müsste man ja z. B. auch Spielzeuglaster aus den Kinderzimmern verbannen; ich will gar nicht dran denken, wie viele potenzielle »Terroristen« ihre kranken Ideen schon damals entwickelt haben, als sie mit ihrem Legoauto hin und wieder gezielt Legofiguren überfahren haben...! Ich merke rückblickend, dass offenbar sogar in mir ein Solcher schlummert...! ;) Da bliebe der treusorgenden Mutti also nur eine Gummizelle für den Kleinen. Oder besser: für sich selbst...!

    Ich vermute da ein gewisses, unbewusstes Kompensationsverhalten. Die Mutter weiß ja auch, dass das normale Leben in »freier Wildbahn«, also Gesellschaft, Schule, Job im Kern aus nichts anderem als Gewalt und Unterdrückung besteht. Ich zitiere Stromberg: »Büro ist Krieg!« — und kann das auch nur leidvoll bestätigen. Meist ist es aber »nur« strukturell und subtil — aber im Ergebnis sogar schlimmer; weil es eben nicht als Solche wahrgenommen wird. Es gibt da halt keine Symbole wie z. B. »Waffen«. Da entfernen wir doch eben lieber die bösen, gewaltverherrlichenden Spielzeuge aus den Kinderzimmern; wenn’s geht noch diese pöhsen »Killerspiele« auf Konsolen und Computern, die die Kids regelm. zu Massenmördern machen!

    In Form von Playmobil‐Rittern oder Jedi‐Laserschwertern wird aber doch auch nur menschliche Kulturhistorie wiedergegeben; das Kind kann daraus ja auch was lernen. Austoben ist eben wichtig; ich bin gar der Ansicht, dass Gewalt oft auch dadurch ensteht, dass vielen das regelm. notwendige(!) »Austoben« schon von früher Kindheit her aberzogen wurde. Und sie fest eingespannt im beruflichen Hamsterrad auch gar keine wirklichen Möglichkeiten dafür haben. Umso heftiger wird das dann im Erwachsenenalter (ob nun physisch oder vor allem psychisch) nachgeholt...

    Die erste Regel über den Fight‐Club lautet...!? ;)

  7. @Dennis82

    »ich bin gar der Ansicht, dass Gewalt oft auch dadurch ensteht, dass vielen das regelm. notwendige(!) „Austoben“ schon von früher Kindheit her aberzogen wurde. Und sie fest eingespannt im beruflichen Hamsterrad auch gar keine wirklichen Möglichkeiten dafür haben. Umso heftiger wird das dann im Erwachsenenalter (ob nun physisch oder vor allem psychisch) nachgeholt…«

    Genau so ist es! Solche Verbote gehen regelmäßig komplett nach hinten los.

  8. ...was für ein Scheiss.....wir haben als Kinder alles mögliche gespielt...Cowboy und Indianer, Ritter undsogar Krieg....und keiner ist komishcreweise auf die schiefe Bah geraten....

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