Neulich im ZG‐Postfach

In letzter Zeit steigen die kommerziellen Anfragen an ZG. Seien es bezahlte Verlinkungen, SEO‐Geschichten oder redaktionelle Auftragsarbeiten. Ich sehe dies in erster Linie als Erfolg für unsere Reichweite. Beispielsweise erscheint bei der Google‐Stichwort‐Suche »kontaktabbruch zu den eltern« der entsprechende ZG‐Artikel auf der ersten Seite (wenn auch an letzter Stelle). Das ist schon schön. Dennoch wird offenbar selten unser Impressum gelesen. Denn dort steht eindeutig, dass wir keinerlei kommerziellen Nutzen aus der Seite ziehen (wollen). Im folgenden eine Beispiel‐Anfrage.

Sehr geehrte Damen und Herren,

als freiberufliche Redakteurin unterstütze ich namhafte Redaktionen bei der Bekanntmachung interessanter Ratgeber. Auf Ihrer Webseite zeitgeistlos.de habe ich bereits Ihren Artikel entdeckt, von dem aus Sie auf weitere Quellen im Internet verweisen:

zeitgeistlos.de/zgblog/2013/kinder-in-deutschland-teil-26-elternaengste/ (Anmerkung: hier habe ich lediglich ein Zitat von eltern.de verlinkt)

Könnten Sie sich vorstellen, einen neuen Artikel zu einem Thema wie »Verhütung« für Ihre Webseite zu schreiben? Diesen Artikel könnten Sie anschließend mit Quellen wie beispielsweise folgenden bereichern:

familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden
onmeda.de/verhuetung/
mydoc.de/sexualitaet/verhuetung

Für Ihre Arbeit und die Verlinkung kann ich Ihnen eine faire Aufwandsentschädigung zahlen. Zunächst möchte ich in Erfahrung bringen, ob eine Zusammenarbeit für Sie interessant ist. Dafür bitte ich um Ihre Rückmeldung. Im Anschluss werde ich mich mit meinen konkreten Wünschen und einem Angebot bei Ihnen melden. Sie sollen lediglich einen neuen Artikel schreiben und auf zeitgeistlos.de veröffentlichen — es handelt sich dabei nicht um Produktwerbung.  Sollten Sie kein Interesse haben oder sich nicht melden, werde ich Sie selbstverständlich nicht erneut kontaktieren.

Liebe Grüße
Birte Einfeldt

Hier meine Antwort:

Verehrte Frau Einfeldt,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Zunächst ein kurzes Zitat aus unserem Impressum:

»zeitgeistlos.de versteht sich als private Homepage. Wir, die Betreiber, verfolgen keinerlei kommerziellen oder anderen Nutzen aus der Seite. Wir möchten nur unsere Ideen, Gedanken und Ansicht der Welt mitteilen, um sie eventuell zu ändern.«

Dies mag manchen vielleicht antiquiert oder romantisch‐idealisiert vorkommen, aber in Zeiten, in denen sich sämtliches Handeln, Denken und Fühlen, nur noch darum dreht, irgendwie an ein paar Euros zu kommen, finde ich es wichtig, sich Freiräume zu schaffen. Ich gehe einer Lohnarbeit nach, um leben zu können. Das sollte für die persönliche Prostituierung genügen. Zeitgeistlos.de ist für mich ein ganz wichtiger, persönlicher Freiraum, in dem ich schreiben kann, was ich will. Ich habe nicht vor an diesem Zustand etwas zu ändern und werde keine Auftragsarbeiten ausführen.

Beste Grüße
Markus Vollack
(epikur von zeitgeistlos.de)

7 Gedanken zu “Neulich im ZG‐Postfach

  1. So sieht glaubhaft authentische Konsequenz aus.
    (War aber noch eine der wirklich netten Anfragen aus der Sparte Public‐Pushing, — oder?)

  2. Habe die gleiche Anfrage auf meinem Blog bekommen, von der selben Frau, allerdings habe ich das angenommen.
    Warum? Weil Geld! Und zwar gar nicht mal so schlecht.
    Die Frau hat schon Recht, man macht keine Produktwerbung, man soll zB einen Service oder ein Programm testen oder einfach seine(!) Meinung über etwas schreiben und bekommt dafür Geld.
    Ich sehe darin sogar eine Verbesserung meines Schreibens, einfach weil man mehr Motivation hat, ist doch logisch.

    Die Leute die sich über sponsored posts beschweren sind auch die gleichen, die oft nicht einsehen wollen, dass Leute auf Youtube Werbung auf ihren Channels schalten um von Ihren 100+ Stunden die sie im Monat dafür aufbringen mit ein paar »Euro Fuffzig« entloht zu werden.
    Und dann gibts sogar nach eigener Erfahrung noch diejenigen, die auf eben diese paar Euro Fuffzig noch neidisch sind und sagen »na biste jetz was besseres oder wat?!«.
    Das ist so typisch deutsch ...
    Hey, reich wird man mit sowas eh voraussichtlich nicht, aber Geld regiert die Welt. Gefällt euch? Gut. Gefällt euch nicht? Auch gut, bleibt nämlich so.

  3. Nun ja, wenn du das entsprechende Produkt völlig zerreißt, denke ich mal, dass keine weiteren Anfragen mehr kommen. Und wir haben gar kein Problem, wenn jemand mit seinem Blog oder youtube Geld verdienen will. Warum auch nicht. Wir machen es aber nicht, da wir den kommerziellen Faktor einfach nicht auf unserer Seite haben wollen.

    Und es macht eben doch einen Unterschied aus, wenn wir z.B. über Spiele schreiben, dann nur weil wir es selbst wollen und nicht weil wir 1 oder 50 € dafür bekommen haben.

  4. @Nik

    Es geht gar nicht darum, etwas »Besseres« sein zu wollen, um Neid oder sonst ein elitäres Gehabe oder Denken. Du sagst es ja selbst »Geld regiert die Welt«, es steuert die Gedanken, das Handeln und die eigene Perspektive. Es gibt unzählige Beispiele, wie Menschen durch Kohle negativ verändert, beeinflusst und manipuliert werden. Ökonomische Abhängigkeiten disziplinieren die Menschen, bringen sie auf Linie, macht sie zu konformistischen Robotern.

    Umso wichtiger ist es eben, sich genau davon Freiräume zu schaffen! Wir alle sind schon im Alltag die Prostituierten der Konzerne, nuckeln an den Titten der Banken und betteln nach den Brotkrumen der Reichen — hier im Blog können sie mir alle gestohlen bleiben! Hier schreibe ich, was ich denke: kritisches, unbequemes, unkonventionelles. Denn sobald Geld im Blog eine Rolle spielt, beginnt der Rahmen der eigenen Selbstzensur immer enger zu werden.

  5. Die Frau Einfeldt scheint sehr aktiv zu sein. Ich habe sowohl letztes Jahr, als auch dieses Jahr generische Anfragen erhalten — allerdings ohne Anrede, ohne Bezug zum Inhalt und ohne konkrete Themen. Sowas geht für mich gar nicht. -.-«

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