Liebe Erwachsenen...

brief_titel...Ihr seid überzeugt davon, zu wissen, was das Beste für uns ist. Ihr schreibt uns vor, was wir essen, wofür wir uns interessieren und womit wir spielen dürfen. Unternehmen und Wirtschaftsverbände wollen in der Schule Wirtschafts‐Unterricht einführen und stellen einseitige Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Kultus‐ und Bildungsminister bestimmen die Rahmenlehrpläne, Werbe‐ und Marketingagenturen wollen uns (und unsere Eltern)  dazu bringen, bestimmte Produkte zu kaufen. Disney möchte uns die Welt erklären (den »American Dream« einimpfen) und uns ein Markenbewusstsein beibringen. Natürlich werden wir Kinder bei all dem nicht gefragt. Wir seien ja noch klein, dumm, naiv und unerfahren, also halbfertige Menschen.

Nehmen wir beispielsweise das Thema (Lohn-)Arbeit. Bevor wir in die Grundschule kommen, wollt Ihr uns schon darauf »vorbereiten«. Ihr schickt uns zum Fremdsprachen‐Unterricht oder fragt uns, was wir denn später einmal werden wollen. Wenn wir darauf überhaupt eine Antwort finden sollten, dann ist das meistens eher eine Momentaufnahme für das, was uns gerade beschäftigt. Das kann sechs Monate später schon wieder ein ganz anderes Thema sein, denn für uns bietet das Leben mehr, als ausschließlich monotone Lohnarbeit. Spielen zum Beispiel. Aber das belächelt ihr als kindisch, unreif, naiv oder Ihr wertet es als zweck‐ und zielloses Hobby ab. Dabei ist das Spielen für uns alles: wir reflektieren unseren Alltag, verarbeiten unsere Erfahrungen, probieren uns aus, werden kreativ, üben und trainieren unsere motorischen, kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten und ja, wir haben Lebensfreude dabei. Aber genau die entdecken wir bei nur wenigen Erwachsenen.

Deshalb verstehen wir auch nicht, warum Ihr ständig über eure Lohnarbeit klagt, jammert und stöhnt, aber gleichzeitig unbedingt wollt, dass wir bestens darauf vorbereitet werden. Sie macht euch nur selten glücklich und zufrieden, warum sollen wir Kinder sie dann als das Wichtigste im Leben betrachten? Ja, sie ist notwendig, um Geld für Miete, Essen, Kleidung und vieles andere zu haben, das verstehen wir ja. Aber sie ist Mittel zum Zweck, nicht Lebenszweck.

»Erwachsene sagen oft, die Jugend trinkt zu viel Alkohol, spielt zu viele Ballerspiele, hockt zu oft an der Glotze, fängt zu früh mit dem Rauchen an, nimmt zu viele Drogen, blablabla. Aber von wem denn kommt der viele Alkohol, wer produziert denn die gewaltverherrlichenden Computerspiele, wer macht das Fernsehen, wer verkauft die Zigaretten an Unter‐16‐Jährige und dealt mit Hasch und Koks? — Das sind doch die Erwachsenen!«

- stupidedia.org

Auch vergleicht Ihr uns ständig mit anderen Kindern. Wie weit beispielsweise unsere Sprache entwickelt, wie unser Sozialverhalten und unser sportliches Können schon  entwickelt seien. Ständig stehen wir unter Beobachtung, werden bewertet, verglichen, gemaßregelt, gefördert und gefordert. Warum lasst Ihr uns nicht einfach so sein wie wir sind? Warum vertraut Ihr unserer eigenen Entwicklung nicht? Stattdessen werden wir von euch in bestimmte Richtungen gedrängt, geschubst und gestoßen, Ihr nennt das Erziehung, wir empfinden das aber oft genug als Gängelung. Dabei überschätzt Ihr euch und eure Wirkung auf uns maßlos. Ihr vergesst viel zu häufig, dass jedes Kind, unabhängig von Vererbung und sozialer Prägung, seinen eigenen Charakter mitbringt. Nehmt beispielsweise drei einjährige Kinder von den gleichen Eltern, mit der gleichen Erziehung und Ihr habt trotzdem drei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten. Ja, wir brauchen Struktur, Regeln und Werte, um uns entfalten zu können, aber bitte nehmt euch dabei nicht zu wichtig.

Und ja, wir freuen uns über was Süßes und über neues Spielzeug. Da sind wir, zugegeben, einfach gestrickt. Aber wir freuen uns noch viel mehr, wenn Ihr euch Zeit für uns nehmt. Wir verzichten gerne auf neues Spielzeug, wenn Ihr mit uns spielt, euch mit uns hinsetzt, etwas mit uns zusammen aufbaut oder mit uns gemeinsam ein Buch anschaut. Manche von euch, besonders die Väter, sind den ganzen Tag auf Arbeit, abends total müde und nehmen sich, wenn überhaupt, eigentlich nur am Wochenende für uns Zeit. Als Ausgleich werden wir dann beschenkt, damit Ihr euer schlechtes Gewissen reinigen könnt. Wir vermissen euch! Ist das wirklich nicht anders möglich? Gibt es keine andere Möglichkeit?

Es wird manchmal für, häufig über und viel zu oft gegen unsere Bedürfnisse entschieden. In Wahrheit wollt Ihr Erwachsenen viel zu oft nicht das Beste für uns, sondern das, was euren Bedürfnissen und euren Interessen entspricht. Ihr benutzt uns nur dafür.

Herzlichst,
Eure Kinder

5 Gedanken zu “Liebe Erwachsenen...

  1. » Wahrheit wollt Ihr Erwachsenen viel zu oft nicht das Beste für uns, sondern das, was euren Bedürfnissen und euren Interessen entspricht. Ihr benutzt uns nur dafür.«

    Genau so muss dat! Wo kommen wir sonst hin?

  2. Liebe Kinder!

    An Eurem intellektuellen Gerede kann man gut erkennen, wie sehr die weise führende Hand von Eltern fehlte. Tatsächlich ist eine große Zahl Eltern nicht mehr in der Lage, ihren Kindern Halt und Liebe zu schenken, auf daß diese, also Ihr, sich gesund zu selbstbewußten Menschen entwickeln könnten. Ihr werdet von Schule und Kindergarten verfrüht intellektualisiert, so daß Eure leibliche und seelische Entwicklung zu kurz kommt. Euch wird Meinungsfreiheit und Demokratie eingeredet, statt daß Ihr Hinschauen lernen dürft. Durch Frühsexualisierung und Homo‐Propaganda werdet Ihr gezielt aus der familiären Geborgenheit gerissen. Nicht wir als Eltern, die durch ihre eigene Entwicklung Vorbild und Halt anbieten, sondern Systeme und Konzepte aller Art sind die Feinde des Menschen, also auch die Euren. Wir stehen auf derselben Seite, auch wenn wir Euch festhalten werden, ehe Ihr unbedacht auf die Straße lauft. Wir halten Euch den Rücken frei und müssen in dieser verrückten Gesellschaft hier dafür selbst den Kopf hinhalten. Und wir tun es trotzdem jeden Tag. Habt Vertrauen in uns, denn wir bemühen uns darum, aus Euch heraus handelnd stellvertretend zu entscheiden, bis Ihr das selbst übernehmen könnt. So werdet Ihr nach und nach Eure eigenen Wege gehen können und dabei die Kraft haben, eine neue Welt zu bauen.

  3. Wer braucht eine nue Welt, wenn man in der jetzigen töten kann, Fellatio auf jede Art und Weise begehen, mit dem Atuo ein paar Idioten ummähen und wenn sich sonst nichts findet Drogen nehmen kann? Ganz ohne dafür etwas gelernt haben zu müssen. Das ist doch ein Paradies.

  4. Ich schätze den Beitrag von Epikur als pädagogische Fachkraft als sehr wichtig und positiv ein. Im Mittelpunkt stellt der Beitrag klar heraus, wie wichtig es ist Kinder in und mit ihren Bedürfnissen wahrzunehmen und ernst zu nehmen und dem Kind Halt dadurch zu geben. Halt und Sicherheit, Verlässligkeit und Zuverlässigkeit in liebevollem Rahmen einem Kind zu bieten, bedeutet für mich gleichzeitig das Kind mit sich wahrzunehmen. Ja, ich trage als pädagogische Kraft die Verantwortung für die mir anvertrauten Kinder, und jedes Kind ist in seinen Bedürfnissen individuell, und es ist sehr wichtig, zu erkennen, wann man die eigenen (unerfüllten) Bedürfnisse in die des Kindes hineininterpretiert, um dann die Verantwortung dafür im eigenen Handeln übernehmen zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.