Jobcenter Willkür

Andreas von Duckhome hat mich auf die interessante Video‐Sammlung der Dresdner Sozialwacht aufmerksam gemacht. Diese zeigen deutlich, wie menschenunwürdig die Jobcenter mit ihren »Kunden« umgehen. Jede Willkür, Schikane und Drangsalierung ist erlaubt. Hartz4 soll Angst machen und diejenigen, die noch Lohnarbeit haben, eine deutliche Warnung sein. Hier ein Beispiel (von vielen!):

9 Gedanken zu “Jobcenter Willkür

  1. Kannte den Film schon länger – bin aber noch genauso erschüttert
    und empört wie beim 1. Anschauen! Da muss ich als chronisch
    psychisch Kranker ja doppelt und dreifach um mein weiteres
    Leben in relativer Freiheit fürchten!

    Gräßlich – eines der vielen Mosaikbausteinchen von H IV zu
    Aktion T 4 2.0 (?) – natürlich ohne sofortige Vernichtung, sondern
    in Richtung »Resteverwertung«.

    Ebenso scheußlich der Kommentar der Lebenshilfe‐Tante von
    wg. Behinderung und Stigmatisierung. Na klar, Nachschub für den
    eigenen Laden ist immer gut, egal woher und mit welchem Recht.
    Profitdenken eben. Ekelhaft.

  2. Der eigentliche Skandal hinter solchen Meldungen ist doch, dass, obwohl im öffentlich‐rechtlichen Fernsehen publik gemacht, es zu keinerlei Konsequenzen führt. Im Gegenteil, auf der Basis solcher (weniger) kritischer Berichterstattung legitimiert sich doch das gesamte verlogene System, nach dem Motto: Seht her: Wir klären doch über Missstände auf. Seit der »Wiedervereinigung« sehe ich mir solche Sendungen an und kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie zu nichts anderem taugen sollen, als zu demonstrieren, dass wir in einem funktionierendem System leben, in dem Kritik erlaubt ist und nicht verfolgt wird — nichts als Alibihandlungen, um davon abzulenken, dass 90% der Meldungen und Berichterstattungen die alternativlose Politagenda wiederkäuen. In Gesprächen, in denen ich Kritik an den öffentlich‐rechtlichen Medien anbringe, muss ich immer wieder erfahren, dass solche Sendungen als Paradebeispiel unserer funktionierenden Demokratie und Meinungsfreiheit angeführt werden. Dabei gibt es doch bereits genügend Beispiele, wo die Staatsmacht gewaltsam gegen nicht genehme Meinungen vorgeht, europaweit.
    Natürlich ist es lobenswert, dass auch im gezeigten Beispiel erwähnt wird, dass das kein Einzelfall ist, dennoch wird es in der Öffentlichkeit so wahrgenommen (dann eben einige Einzelfälle) und von der Politik verkauft. Wahrscheinlich wird der betroffenen Person, deren Schicksal öffentlich gemacht wird, geholfen werden. Aber es können nicht alle Betroffenen an die Öffentlichkeit gehen. Und die menschenverachtende Ideologie hinter der Agenda wird so weder revidiert noch offen gelegt.
    Ich erinnere mich an Diskussionen über die Ausbürgerung eines Wolf Biermann in der ehemaligen DDR und die vorherrschende Gleichschaltung der Medien. Der offizielle Tenor damals lautete: Warum sollten man denn die kritikwürdigen Einzelbeispiele in den Vordergrund der Berichterstattung stellen, wo es doch viel mehr Positives zu berichten gebe in der gesellschaftlichen Entwicklung? Die eingeschlagene Richtung sei doch die (alternativlos) richtige. Negativberichterstattung würde nur demotivieren und den Blick nach vorne verhindern.
    Außer der Tatsache, dass es um andere »Werte« ging, die scheinheilig verteidigt und verkündet wurden, sehe ich kaum einen Unterschied zu heute.
    Also mich macht das krank.

  3. »… dass sie zu nichts anderem taugen sollen, als zu demonstrieren, dass wir in einem funktionierendem System leben, in dem Kritik erlaubt ist und nicht verfolgt wird …«
    Liebe Frau Lehmann – das ist ja die Crux: Kritik darf artikuliert
    werden, aber ihr wird nicht nachgegangen i.S.v. Miss‐ständebehebung: sie wird doppeldeutig im Wortsinn nicht
    verfolgt.

  4. @ Frau Lehmann

    »Also mich macht das krank.«
    Sie haben die grundsätzliche Problematik klar erkannt! Die « kritische« Berichterstattung bleibt gesellschaftlich ohne Folgen.

    Diese Berichterstattung erweckt noch den Eindruck, als gäbe es in der deutschen Gesellschaft so etwas wie ein kritisches Potential, was den schlimmsten Auswüchsen der Menschenverachtung eine Schranke setzen könnte.

    Wenn wir nicht darauf verzichten wollen, einen nur « nachlässigen «
    Blick auf die deutsche Vergangenheit zu werfen, dann müsste eigentlich auffallen, dass die deutsche Bürokratie, und dies auch ohne besonderen Auftrag, schon immer sehr erfindungsreich war
    seinem Herrn die entscheidenden Anregungen zu liefern, die das System noch effizienter machen.

    Was mich auch nicht krank macht, sondern eine Befreiung ist, ist die Trennung von unseren deutschen Bekannten aus dem »sozialen Milieu«. Die haben es voll drauf, alles zu rechtfertigen! Denen darf ich noch nicht einmal einen kritischen Einwand bringen, ohne dass sie versuchen mich dann voll abzubügeln.

  5. Im Gegenteil, auf der Basis solcher (weniger) kritischer Berichterstattung legitimiert sich doch das gesamte verlogene System, nach dem Motto: Seht her: Wir klären doch über Missstände auf.

    Genau so ist es. Solange nichts wirklich verändert wird, solange der Status Quo bestehen bleibt, kann berichtet, erzählt, gebloggt und kritisiert werden, was will. Völlig egal. Erst wenn die Profite der oberen zehn Prozent massiv einbrechen, müssen »Reformen« her. Und wie die dann aussehen, mag ich mir gar nicht vorstellen.

  6. Diese Masche mit der »geistigen Behinderung« habe ich schon in den 80ern und 90ern bei drei, Mitte der 60er geb. Männern die ich persönlich gut kannte, mitbekommen. — Alle 3 hatten einen mittl. Bildungsabschluß,
    einen dementsprechenden abgeschlossenen Beruf — doch weil sie nicht so »funktionierten« wurden sie systematisch psychiatrisiert.

    Mein jetziger Kenntnisstand dieser drei ist: sie leben alle in Behindertenwohnungen und arbeiten in Behindertenheimen.

    Einen von ihnen traf ich vor einem Jahr auf einer Familienfeier, war über alles erschrocken, wie man den mit Psychopharmaka über
    Jahre ruhig gestellt hat. Ich hatte ihn noch als sportlichen, lebhaften,
    ja sogar selbstbewußten jungen Mann in Erinnerung. Die beiden anderen hat man wohl ähnlich psychiatrisiert und somit aus dem
    gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.
    In meinen Augen sind sie seelisch und zum Teil auch körperlich ver‐
    nichtet worden.

  7. @Eike
    Das glaube ich nicht mal. Es ist vielen vielleicht schlicht egal, sie wollen oder können nicht verstehen und schon gar nicht reflektieren. Muss ja immer weiter gehen irgendwie, was man hat, hat man und »muss« es ja doch bewahren. Anpassen, mitlaufen, verdrängen, sich fügen, am Ende vielleicht resignieren — das ganze Leben geht doch inzwischen »alternativlos« in eine Richtung. Mir sind wenige bekannt, die tatsächlich »Hurra« schreien bei den Schweinereien.

  8. Empfehlenswerte Informationen und weiterführende Links:
    https://linksunten.indymedia.org/de/node/89681
    Aktenführung des Sozialpsychiatrischen Dienstes
    Berlin
    https://linksunten.indymedia.org/de/node/89263
    Wird jetzt bald jeder 5. Berliner unter
    der Kontrolle des
    Sozialpsychiatrischen Dienstes gestellt?

    Eine annähernde Netzwerkerei in Sachen Grund‐rechte gibt es nicht zu vermelden. Im Lebens‐
    alltag, Arbeit, Wohnen, Versorgung, sind Grund‐
    rechte nichtmal sporadisch auszumachen. Die
    schlimmen Übergriffe auf wohnende Menschen
    werden nur dann thematisiert, wenn ein Skandal‐
    bericht sich gerade gut in einem Zeitungsum‐
    bruch macht. Übrigens werden in Berlin Tag
    für Tag rund zwanzig Zwangsräumungen durch‐
    geführt (Mietermagazhin 1114).

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