Alles Verschwörungstheorie?

überwachung_titelEin beliebter Vorwurf von Rechten, Konservativen, (Neo-)Liberalen, Bürgerlichen und Fatalisten gegenüber linker Wirtschafts‐, Politik‐, Medien‐ oder Gesellschaftskritik, ist die sogenannte Verschwörungstheorie. Sie soll jedwede Theorie, These und Argumentation lächerlich machen und als realitätsfremde Übertreibung diffamieren. Viele werden jedoch ganz schnell still, wenn sich vermeintliche Sachverhalte, die teilweise seit Jahren von linken Kritikern angemahnt wurden, plötzlich als wahr herausstellen. Mittlerweile überholt sogar die Realität fast jede Satire. Aber selbst dann werden diese Ereignisse relativiert, verharmlost oder schlicht ignoriert. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Einige Beispiele.

Bankenmacht
Seit Jahren behaupten linke Kritiker, wie beispielsweise das globalisierungskritische Netzwerk Attac, die Banken hätten in Wahrheit die Macht. Sie agieren global kriminell und würden die Politik am Nasenring durch die Manege führen. Alles Übertreibung, wie aus einem schlechten Film oder Thriller‐Roman, behaupten dagegen die eigentlichen Realitätsverleugner, die sich dann gerne als Liberale oder Konservative bezeichnen. Dann wurde den Banken 500 Milliarden Euro vom Steuerzahler für ihr selbstverschuldetes Verhalten geschenkt. Sie hinterziehen in MIlliardenhöhe Steuern, betreiben Geldwäsche für kriminelle Organisationen und spekulieren mit Rohstoffen und Lebensmitteln. Die Deutsche Bank beispielsweise wird in den USA ständig wegen gesetzeswidriger Aktivitäten zu Rekordsummen verklagt, zuletzt wegen dem Libor‐Skandal. Der ehemalige Deutsche Bank Chef, Josef Ackermann, war während seiner Amtszeit Dauergast im Bundeskanzleramt und bei Angela Merkel. Die Mitverursacher der europäischen Bankenkrise werden weiterhin als politische Berater oder gleich im Finanzministerium eingesetzt, wo sie direkt die Gesetzentwürfe für die Finanzindustrie erarbeiten. Nicht zu vergessen: der Fall Gustl Mollath.

Überwachungsstaat
Jahrelang hat die Mainstream‐Presse die Staatssicherheit der DDR als das böse Musterbeispiel für die Überwachung der Bürger angeprangert und damit gleichzeitig die Linkspartei diskreditiert. Nachdem nun durch Edward Snowden heraus gekommen ist, dass der US‐Geheimdienst NSA den weltweiten E‐Mail‐Verkehr, Skype‐Gespräche und das Internet als Ganzes überwacht (Prism und Tempora), sind solche Artikel auf einmal gänzlich verschwunden. Nicht zu vergessen: die Mitarbeiter‐E‐Mail‐und‐Video‐Überwachung von Lidl, der Deutschen Bahn, der Telekom und anderen großen Unternehmen. Auch hier gibt es seit Jahren linke Organisationen, wie beispielweise die »Freiheit statt Angst–Bewegung«, die auf die Datensammelwut von Behörden und Konzernen sowie auf den zunehmenden Überwachungsstaat aufmerksam machen. Behauptungen wie, dass Datenschutz im digitalen Zeitalter zu einer reinen Floskel verkommt, weil große Internet‐Riesen, wie Google, Facebook und Amazon, die persönlichen Daten ihrer Kunden an Werbefirmen verkaufen, wurden stets als Übertreibung gebrandmarkt. Außerdem habe man ja eh nichts zu verbergen.

Medienpropaganda
Die Massenmedien sind ein Gewerbe und insofern finanziell abhängig von ihren Anzeigenkunden, also von Unternehmen und Konzernen. Für sie zählen vor allem Auflage, Quote, Leserzahlen und Reichweite, weil diese Daten die Werbepreise und damit die Einnahmen bestimmen. Die werbefinanzierte Meinungsfreiheit sorgt dafür, dass sie eben nicht als vierte Vermittlungs‐ und Aufklärungs‐Gewalt fungieren können, sondern ständig gezwungen sind, ihren Geld‐ und Informationsgebern gerecht zu werden. Eine objektive Presse und ein Journalist, der monatelang an einem Thema recherchiert: beides gehört mittlerweile zum gängigen Mythos und ins Fabelreich. Redakteure müssen beständig produzieren und Artikel wie am Fließband raushauen. Die Folge ist ein massenhaftes Um‐ und Abschreiben von Nachrichtenagentur‐Meldungen (dpa, Reuters etc.), von Wikipedia sowie von oft nicht gekennzeichneten PR‐Meldungen (Advertorials). Wer zu kritisch ist, nicht gehorsam vorauseilt, seine redaktionsinterne Kopfschere nicht kultiviert, die vorgegebenen Tabu‐Themen nicht meidet und nicht für Aufmerksamkeit, Verkaufszahlen und Klick‐Raten sorgt – der fliegt irgendwann raus. Auch wenn es hier und da kleinere Ausnahmen bzw. mutige Redakteure gibt, so ändert das leider nichts am allgemeinen Zustand der Massenmedien.

In letzter Zeit wird nicht mal mehr der Versuch unternommen, halbwegs sachlich oder objektiv zu berichten. Stattdessen gibt es eine ausufernde Hofberichterstattung, Lügen, Verzerrungen, Halbwahrheiten, Agenda Setting, Framing, Bild‐Propaganda, Meinungs‐ und Stimmungsmache, eine kultivierte Doppelmoral, Infotainment, inszenierte Diskurse, Falschdarstellungen, Gleichschaltungstendenzen und so weiter. Auch diese Entwicklung wird seit Jahren von linken Kritikern, wie beispielsweise von Bildblog oder Indymedia (und von vielen Bloggern) kritisiert. Wer diese Zustände jedoch öffentlich thematisiert, gilt sofort als Verschwörungstheoretiker, Spinner und Übertreiber.

Nach allem was in den letzten Jahren an die Oberfläche gekommen ist -darunter befindet sich mit Sicherheit noch viel mehr Dreck, der nur vertuscht wird‐ sollten alle, die sofort die Verschwörungstheorie‐Keule schwingen, mal ganz schnell die Klappe halten.

4 Gedanken zu “Alles Verschwörungstheorie?

  1. »[...]Nach allem was in den letzten Jahren an die Oberfläche gekommen ist –darunter befindet sich mit Sicherheit noch viel mehr Dreck, der nur vertuscht wird– sollten alle, die sofort die Verschwörungstheorie‐Keule schwingen, mal ganz schnell die Klappe halten[...]«

    @epikur

    Mich anschließ ;)

    Ich hielt die Moral‐Keule von der Verschwörungstheorie sowieso für unhaltbar, von Anfang an seitdem im im Netz surfe.

    Ich schrieb einmal, vor Jahren in einem Forum, »und was ist mit realen Verschwörungen, z.B. den Anschlag auf das WTC in New York — läßt man mal die Verschwörungstheorien dazu beiseite ist allein der us‐juristische Tatbestand »der Verschwörung« (den gibt es tatsächlich in den USA, und zwar schon ewig) erfüllt, wenn sich Terroristen zusammensetzen und einen Anschlag planen.....«

    Anyway, auf die Antwort des damaligen Mitdiskutanten warte ich noch heute — wohl sprachlos geworden

    .....ebenso wie diejenigen du du hier vortrefflich auseinandernimmst.....

    Grüße
    Bernie

  2. Banken‐Medien‐Überwachung. Eine interessante Diagnose. Es scheint zumindest der größte Bereich des Politischen erfasst. Diese drei Bahnen gestalten das Meiste. Die Rammpflöcke unserer liberalen Oligarchie. Gegen diese prägnante Diagnose kann die herrschende Lehre von der Politik kaum ankommen. Sie ist größtenteils eine Verdoppelung des Bestehenden in derselben Sprache oder einer Nischensprache. Kaum greifende Erfassungen.
    Die Wirtschaft, ein Handlungssektor der Banken,
    die Menschen, Handlungssektor der Medien und der Überwachung,
    die Politik, Handlungssektor der Banken, der Medien und der Überwachung.
    Für die Oligarchen: Banken als Verreichungsmittel, Medien als Diskursmittel, Überwachung als Sicherheitssmittel. Man kann schon viel kombinieren. Leichter ist Kombinationstreffer zu treffen, als leer zu kombinieren.

  3. »Jahrelang hat die Mainstream‐Presse die Staatssicherheit der DDR als das böse Musterbeispiel für die Überwachung der Bürger angeprangert «

    ...und die Propaganda — Mechanismen der DDR zur gleichen Zeit hemmingslos übernommen , wenn auch in einer verfeinerten , westlichen Variante , und natürlich im Namen des »Endes der Geschichte«.

  4. pauschal Kunden für die Propaganda der Medien veranwortlich zu machen ist irreführend und als Beihilfe einzustufen. Es sind die »Eigentümer« welche bestimmen was für Lügen zu schreiben sind. Hier wären Namen und Strukturen wirklich treffender. Noch besser mit Adressen.
    Herzlichen Dank auch für nicht zu tief gehende Aufklärung. Auch unsereins nöchte überleben.
    Die besten Wünsche an alle Wahrheitssucher.
    Konrad Till

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