ZG‐Rückblick: Retro‐Games

ZG-RückblickSpiele‐Neuauflagen bzw. die Fortführung von längst vergessenen Game‐Franchise überfluten gerade den Spielemarkt. Ob die Baldurs Gate — Enhanced Edition, Schicksalsklinge HD, Might and Magic X, Tomb Raider oder das kommende Age of Wonders 3 und Thief 4 — was ist da nur los? Ist das Kickstarter‐Phänomen dafür verantwortlich? Werden PC‐Spieler emanzipierter und wollen sich nicht länger mit Spielen abfertigen lassen, in denen der Spieler zum passiven Zuschauer mutiert? Oder hängt das damit zusammen, dass Marketing‐Experten erkannt haben, dass die Macht der Kindheitserinnerungen vieler Gamer nicht unterschätzt und somit profitabel verwertet werden sollte?

epikur
Zunächst einmal hat sich die Spielerschaft mittlerweile in zwei große Blöcke aufgeteilt: die sog. »Casual Gamer« (Gelegenheitsspieler) und die »Core Gamer« (Hardcore Spieler). Während die »Casual Gamer« Spiele bevorzugen, die einen leichten Einstieg, eine gute Inszenierung, schnelle Erfolgsgefühle und eine Grafikpracht bieten, möchten die »Core Gamer« sich intensiv mit einem Spiel beschäftigen und legen weniger Wert auf Grafik, als vielmehr auf Story, Spieltiefe und Gameplay. Traditionell besteht der Massenmarkt vor allem aus den Gelegenheitsspielern, d.h. die großen Firmen wie EA, Ubisoft und Blizzard konzentrieren sich vor allem auf diese Zielgruppe. Nun haben aber der kommerzielle Erfolg von Spielen wie Skyrim und Dark Souls bewiesen, dass man die Core Gamer nicht vernachlässigen sollte.

Insofern ist die Retro‐ und Reboot‐Welle ein Indikator dafür, die »alten Hasen« und darüber hinaus neue Kunden zu erreichen. Schließlich sorgen die Oldschool‐Zocker für ein nicht zu unterschätzendes virales Marketing und verhelfen womöglich, in Zeiten in der die großen Studios keine finanziellen Risiken mehr eingehen wollen, alten Marken zu neuer Größe. Das alles sagt natürlich noch rein gar nichts über die Qualität der Spiele aus. Denn das was man bisher sehen konnte, war meist eher mäßig bis schlecht (z.B. Tomb Raider, Schicksalsklinge HD).

jtheripper
Nun die Remakes der Retro‐Titel ist ja nur ein weiterer Weg eben kein Risiko einzugehen und somit evt. einige Retro‐Gamer abzugreifen. Ich werde mir z.B. kein Baldur’s Gate (2) HD holen, da ich das Spiel genau in seiner Zeit gespielt und geliebt habe. Und wenn ich es jetzt noch mal spielen würde, würde ich mir die schöne Erinnerung doch nur kaputt machen (Außerdem soll die Umsetzung wohl ziemlich schlecht sein, Bugs und so). Ich glaube, der Gedanke der Retro‐Games ist heute viel eher bei den Indie‐Titeln zu finden. Hier wird man eher die Inovationen finden und meist setzten die Spiele entweder auf eine gute/außergewöhnliche Geschichte oder auf ein gutes Gameplay. Denn für ein Grafikblender haben die ja meist nicht das Geld oder die Zeit (wobei einige Indie‐Titel schon sehr gut aussehen). Und das ist auch der Grund, warum Microsoft und Sony mit der nächsten Konsolengeneration starkt auf Hobby‐Entwickler setzten. Bei beiden wird es ein Shop‐System und entwickler Kit geben, was die Entwicklung und Veröffentlichung vereinfachen soll.

Und wer mir nicht glaubt kann sich ja mal die Gamescon‐Folge von GameOne anschauen: Folge 255. Happy Gaming.

todesglupsch
Remakes alter Spiele und Fortsetzungen langer nicht fortgeführter Reihen sind keine Retrogames im eigentlichen Sinne. Retrogames sind an sich Spiele die aufgrund nostalgischer und spielerischer Erwägungen darauf verzichten technisch aktuelle Systeme voll auszureizen. Die beiden Genres haben vermutlich die gleiche Zielgruppe, nämlich erfahrene Coregamer, die schon gespielt haben als »Retrogames« noch keine Retrogames waren.
Natürlich bietet sich dieser Markt für Indieentwickler an, da der Entwicklungsaufwand vergleichsweise überschaubar ist und womöglich ist für manch einen vor allem die Budgetüberlegung der Haupgrund ein Retrogame zu entwicklen. Ansonsten sind Retrogames aber ein zweischneidiges Schwert. Ähnlich wie bei Lizenztiteln, die nicht durch die Lizenz gut werden, ist ein Spiel nicht automatisch gut, nur weil es nostalgische Gefühle weckt.
Mit dem steigenden Alter derjenigen die schon seit den 80er und 90er Jahren spielen, ist die Nachfrage nach Retrogames auf einem vemutlich bisher unerreichten Höchststand. Aber auch wenn Retrogames sicherlich eine gute Sache sein können, glaube ich nicht das sie einer kreativ stagnierenden Branche den richtigen Impuls geben können. Ich befürchte sogar, dass bei steigender Nachfrage, die großen Entwickler und vor allem Publisher sich dem Thema verstärkt annehmen könnten und inwiefern das eine gute Sache ist oder nicht bleibt abzuwarten.

4 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Retro‐Games

  1. Wie jtheripper schon bemerkt hat, setzen Sony und Microsoft verstärkt auf den Indiemarkt, der dank Filmen wie »Indie Game The Movie« ja doch stark zugenommen hat.
    Ich bin eigentlich sehr froh über diese Entwicklung, da ich jahrelang nichts mehr gespielt habe, bis ich den Film gesehen hatte. Dann wurde gleich wegen FEZ eine Xbox gekauft und inzwischen sind einige weitere Indiespiele wie Super Meat Boy oder The Cave dazu gekommen.
    HD‐Remixe von irgendwelchen alten Spielen halte ich aber für sinnlos, weil Spiele wie Monkey Island oder Baldurs Gate tendenziell eher die alten Hasen ansprechen und die die Spiele in der Pixelgraphik gewohnt sind (und wahrscheinlich auch genauso pixelig lieben).

    PS: Anstatt neue Grafikmonster wie Gothic 14 rauszuhauen, sollten sie lieber Gothic 1 mit einer verbesserteren Steuerung rausbringen :)

  2. Retro? Was für’n neumodischer Schnickschnack. Icke hab immer noch ne alte PSOne. Das ... ist Retro. (Jemand Interesse an Tomb‐Rider III ) in der Originalfassung? :PFEIF:

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