Presseblick (10)

Auf pressenet.info wird über die »grenzenlose Sexualisierung im täglichen Leben« geschrieben. Wie so oft wird sich moralisch über die »Generation Handyschmuddel« aufgeregt: »Kinder, die Sexualität ähnlich begreifen, wie kurz einen Imbiss nehmen und im reichhaltigen Angebot wühlen, lassen die Empathie für den anderen weit hinter sich zurück«. Treffender Satz, wenn auch ohne tiefergehende Analyse. Die Sexualisierung der Gesellschaft ist untrennbar mit der Kommerzialisierung des öffentlichen und privaten Lebens verknüpft. In Deutschland macht die Sexindustrie ca. 14 Milliarden Umsatz jährlich. Den verantwortlichen Profiteuren ist es dabei völlig wurscht, welche Folgen die grenzenlose Sexualisierung bei unseren Kindern haben könnte. Hauptsache die Kasse klingelt.

Die Wolfsburger Allgemeine berichtet, dass 35.000 Tonnen Schimmel‐Mais, welches zuerst deutsche Höfe aus Serbien bekommen haben, nun in die USA weiter verschifft wird: »nun ist das verseuchte Futtermittel auf dem Weg in die USA. Dort darf der Mais an Tiere verfüttert werden, weil andere Grenzwerte gelten als hierzulande [...] Damit endet das monatelange Gerangel um die Entsorgung des mit dem krebserregenden Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 belasteten Futtermittels«. Das nennt man dann wohl »freie Marktwirtschaft«. Irgendjemand wird sich immer finden, dem wir unseren Dreck verkaufen können.

Während in Griechenland, dank der EU, Merkel und des IWF, radikal Löhne, Renten, Sozialleistungen, Bildungs‐, Gesundheits‐ und Kulturausgaben gekürzt und gestrichen sowie die öffentliche Infrastruktur privatisiert und damit den Profitinteressen von Investoren zum Fraß vorgeworfen werden, schreibt der Kölner Stadt Anzeiger über Sozialbetrug in Griechenland. Der menschenverachtende Titel: »Griechenland: Blinde können plötzlich wieder sehen«. Dem Leser wird zwischen den Zeilen vermittelt, die Griechen seien selbst schuld an der Misere. Sie seien nicht nur faule Schmarotzer, sondern auch Kriminelle, die den Sozialstaat betrügen würden. Und während meiner Uni‐Zeit wurden die Professoren nicht müde, uns einzuimpfen, die EU sei eine Wertegemeinschaft. Lächerlich.

Auf faz.net wird behauptet und zugleich festgestellt: »Wie die Politik die Banken ins Visier nimmt«. Trennbankengesetz, Bankenaufsicht, Basel III und Finanztransaktionssteuer. Uh, da müssen sich die Banken aber warm anziehen, oder? Jetzt werden sie endlich durchkontrolliert und nehmen die Bevölkerungen der Welt nicht mehr als finanzielle Geisel. Dumm nur, dass die Bankenaufsicht (Bafin) von den Banken selbst finanziert wird und in den entsprechenden Entscheidungsgremien vor allem Banker sitzen. Auch in der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FSMA) sitzen Banker, welche die Krise mitverursacht haben. Zudem lässt sich die Bundesregierung regelmäßig von der Deutschen Bank und von Goldman Sachs (vor allem von Christoph Brand) »beraten«. Die Politik entscheidet nicht über die Banken, sondern die Banken über die Politik.

Ein Gedanke zu “Presseblick (10)

  1. »Den verantwortlichen Profiteuren ist es dabei völlig wurscht, welche Folgen die grenzenlose Sexualisierung bei unseren Kindern haben könnte. Hauptsache die Kasse klingelt.«

    Genauso, wie es den Profiteuren in der Lebensmittelindustrie egal ist, welchen Schaden Kinder durch überzuckerte Lebensmittel nehmen...
    Genauso, wie es den Profiteuren bei den Tierarzneimitteln egal ist, ob durch die Verabreichung von hohen Mengen Antibiotika bei der Aufzucht, multiresistente Keime entstehen...
    Etc., etc....

    Im Vergleich hierzu und zu ähnlichen Skandalen sind die folgen der »grenzenlose Sexualisierung bei unseren Kindern« ja wohl eher gering. Aber es läßt sich damit ja wohl plakativer rabulieren :(

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