ZG‐Rückblick: Demokratie im Informationszeitalter

Da kommt ein unbedeutender Whistleblower daher und verröffentlicht ein paar Informationen zu der ein oder Anderen verdachtsunabhängigen Datenerhebung und dann sowas: An allen Ecken und Enden wird man mit neuen Abkürzungen für ehemals geheime Spionageprogramme bombardiert. Die Regierung der Vereinigten Staaten will scheinbar an Bradley Manning ein Exempel statuieren und potenziellen, zukünftigen Whistleblowern schon im Vorhinein den Wind aus der Trällerpfeife nehmen. Die europäischen Regierungen reagieren geradezu lethargisch auf das neue Hobby der Amerikaner. Ein Schelm wer denken könnte, dass dies womöglich damit zusammenhängt, dass dies ein Hobby sein könnte was sie teilen. Sind das einfach normale Vorgänge im noch jungen Informationszeitalter? Muss sich das ein wenig einschleifen? Oder erleben wir hier das Aushöhlen von unserer viel gelobten Demokratie?

todesglupsch
Womöglich ist es ein normaler Vorgang, dass im Informationszeitalter die Demokratie zum Spielball der Regierungen degradiert wird. Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass wir im Übergang zum Infomationszeitalter einen neuen Umgang mit unseren Daten lernen sollten, aber vor allem von den Herrschenden einen anderen Umgang mit unseren Daten einfordern sollten. In jedem Fall halte ich es für bedenklich, wenn Whistleblower vor der Macht von Regierungen zurückschrecken würden. Es wäre essentiell, ein Klima zu verhindern, welches Whistleblowing unterdrückt.

epikur
Seltsam, man liest dieser Tage so wenig von der Stasi‐Keule in den Massenmedien. Schließlich ist doch Wahlkampf und die Linke wurde damit regelmäßig zu Wahlkampfzeiten diffamiert. Womit das wohl diesmal zusammenhängen mag? Es wäre schlicht lächerlich und absurd. Denn die Stasi‐Überwachung (nicht die Folter!) scheint tatsächlich im Vergleich zu PRISM, Facebook, Tempora, NSA, Google und so weiter, Kindergarten gewesen zu sein. Vielleicht haben es manche schon vergessen, aber die Bahn, die Telekom und Lidl haben ebenfalls die E‐Mails und die Umkleideräume ihrer Mitarbeiter überwacht. Und das sind nur die Unternehmen bei denen es »unglücklichweise« rausgekommen ist.

Datenschutz wird heute nicht stiefmütterlich behandelt, sondern komplett missachtet. Und das nicht nur von Geheimdiensten, der Regierung, Werbefirmen oder Amazon. Was wären sie alle nur ohne Facebook? Die dreiste Lüge Facebook und Google seien kostenlos für die User, hält sich bis heute in den Köpfen der Menschen. Dabei zahlt man nur nicht mit Euros, dafür aber mit seinen Daten. Das ist die neue Währung im Informationszeitalter.

jtheripper
Wobei man trotzdem noch unterscheiden sollte zwischen Facebook und Co und der NSA/Regierungen. Denn wenn etwas kostenlos ist, dann ist man oft nicht der Kunde, sondern eben das Produkt. Das geschieht aber noch freiwillig. Bei der Monopolstellung von Google ist das schon etwas anders, da ist es schwierig oder aufwendig Alternativen zu finden, besonders wenn andere Webseiten eben auch die Dienste in Anspruch nehmen. Eine globale Überwachung aller Internetdaten ist dann schon eine andere Liga. Und das Seltsame ist eben, dass das die Leute nicht so richtig begreifen wollen. Die aktuellen Ereignisse sollen wohl laut einer dieser Umfragen das Wahlverhalten vieler Deutscher nicht beeinflussen. Wenn man die Pro‐USA Politik von Frau Merkel betrachtet dürfte aber klar sein, was eine Stimme bei der CDU bewirkt. NSA I like +1. Whistleblower -1.

2 Gedanken zu “ZG‐Rückblick: Demokratie im Informationszeitalter

  1. Demokratie bedeutet auch, daß man sich z.B. öffentlichen Blogs äußern kann. Wenn man das aber kritisch tut, dann wird man gesperrt. Hier die Antwort von ZEIT ONLINE, nachdem ich über die Gründe meiner Sperrung nachgefragt hatte:
    »Ihr Kommentar ist im Kontext eines Artikels, der rechtsnationalistische Gewalt gegen Homosexuelle zum Thema hat, ausgesprochen zynisch und relativierend. Da Sie bereits des öfteren Kommentare verfasst haben, die eher destruktiv in der Debatte gewirkt haben, haben wir uns dazu entschieden, von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen und Sie aus weiteren Debatten auf ZEIT ONLINE dauerhaft auszuschließen.
    Mit freundlichen Grüßen
    David Schmidt
    Community‐Redakteur ZEIT ONLINE«
    (Ich hatte u.a. das Recht Russlands betont, seine eigenen Gesetze zum Schutz einer traditionellen Familienform zu erlassen. Und, daß das Gesetz nicht von Putin — wie im Artikel beschrieben, sondern von der Duma erlassen wurde. Aber das war wohl zu viel Wohlwollen zu Gunsten des erklärten Bösewichts Putin.)

  2. »Die dreiste Lüge Facebook und Google seien kostenlos für die User, hält sich bis heute in den Köpfen der Menschen. Dabei zahlt man ...«

    Die Freiwilligkeit der Datenangabe ist gefährlicher als der Zwang der Totalüberwachung, weil dort viel Naivität vorherrscht , niemand aufpaßt und die Überwachung durch die Hintertür etabliert werden kann , Überraschung statt lautstarkes Poltern.

    Daß die Demokratie das quasi natürliche Opfer der digitalen Möglichkeiten werden muß , mit Verlaub , das ist ein Argument für diese PC‐Spacken , denen das am Ende noch gefallen dürfte.

    Die Demokratie muß sich halt jetzt bewähren , und sie wird es immer wieder tun müssen , von Zeit zu Zeit , gegenüber verschiedensten Bedrohungen , das ist normal und an sich noch kein Grund zur Panik.

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