ZG‐Rückblick: Politik der Schmerzen

Joachim Gauck wird als »Präsident der Herzen« tituliert, Horst Köhler war ein »Mann des Volkes« — er half die DDR zu zerschlagen, Christian Wulff ist korrupt, Zu Guttenberg hat seine Doktorarbeit abgeschrieben, Gerhard Schröder arbeitet bei Gazprom, nachdem er als Bundeskanzler dem Konzern lukrative Verträge eröffnet hatte, Guido Westerwelle tritt mit Vorliebe Erwerbslose und Angela Merkel ist die fleischgewordene Aufziehpuppe der Mächtigen.

Kann man Politiker noch ernst nehmen? Führt die Politik(er)verdrossenheit womöglich dazu, dass wir so abgehärtet und auf noch viel schlimmeres vorbereitet werden? Kann man irgendetwas tun, um dem ganzen Theater Einhalt zu gebieten? Wenn ja, was?

epikur
Untergangspropheten würden sagen, sie wünschten sich ein reinigendes Feuer, damit der (politische) Phönix aus der Asche entstehen kann. Ich befürchte aber, die Geschichte verläuft in Zyklen und ist mehr ein Kreis, als eine Gerade. Das wir totalitäre und faschistoide Tendenzen in Deutschland wirklich überwunden haben, darf bezweifelt werden (Sarrazin war der Lackmustest). Vermutlich sind wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Uns erwartet wohl noch einiges. Andererseits könnte die erhöhte Aufmerksamkeit auch vom Informations‐ und Internetzeitalter abhängen. Korruption, Klüngelei, Inkompetenz, Worthülsen, Menschenverachtung und Realitätsfremdheit dürften keine Neuzeit‐Phänomene sein. Nur heute bekommen es eben mehr mit.

Zweifellos sind Unternehmen, Banken und Konzerne heute viel zu eng mit der Politik verflochten. Ohne eine grundlegende Entflechtung und Entmachtung wirtschaftlicher Interessen auf die Politik, ist jede Gesetzesinitiative oder parlamentarische Veränderung zum Scheitern verurteilt. Solange den Strippenziehern die Fäden nicht durchgeschnitten werden, ist alles andere nur heiße Luft.

jtheripper
Mit dem Bundespräsidententheater gewinnen sie auf jeden Fall keine Seriösität. Schon gleich nach der Ankündigung von Gaucks Kandidatur schossen die #notmypresident-Tweets über meine Timeline. Ein erster guter Schritt wäre die Abschaffung des Amtes. Denn für was steht es, wenn man sich die letzten drei Präsidenten anschaut. Ein noch viel besserer Schritt wäre, wenn das Präsidentenamt ehrenamtlich wäre. Sicher wäre dann die Suche nach Kandidaten um einiges schwieriger, aber dafür vielleicht ehrlicher.

todesglupsch
Nein, das Theater ist Systemimmanent, nein dem Menschen selbst. Es ist ja auch verständlich, das ein, z.B. das Bundespräsdentenamt eine gewisse Beliebtheit inne hat, wenn man in kürzester Zeit attraktivste Pensionsansprüche erwirbt. Ich bin dafür die Amtszeit der Bundespräsidenten auf  3 Sekunden zu begrenzen um möglichst vielen Menschen die Privilegien des Amtes zugute kommen zu lassen. Wenn man das für andere Ämter ähnlich handhaben könnte, würde man so eine lästige Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen vermeiden, da wir dieses dann de facto eingeführt hätten.

Ein Gedanke zu “ZG‐Rückblick: Politik der Schmerzen

  1. es ist wie in einer tv‐klamotte mit guter buller, böser bulle und das publikum liebt halt eher den bullen der »mit harter hand durchgreift« (selbstjustiz) , bei politikern würde man sagen »unbequem« oder »ein mann der klaren worte« als pos. atribut. ein »liebenswertes« a‐loch eben.

    warum?
    die »mitte« hat übelste komplexe, da sie nicht ihre phantasien ausleben können wie die eliteasis oder einen ruf zu verlieren haben, deshalb sind die meisten möchtegerngängster auch mittelschichtskiddies und aus jedem wackeligen dorfstammtisch wird mal schnell der bürgerbräukeller.
    und das beste: wenn man von einem ekel regiert wird (das die mitte ja angeblich will) dann kann man wieder motzen und in allmachtsphantasien schwelgen; von kalten duschen für hartzler, für hetze und polizeistaat.

    gauck passt zu diesem kaputten volk.

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