TINA lebt

Ich spreche von der Ansicht, es gebe keine Alternativen zum Monopolkapitalismus, zum sozialdemokratischen oder sowjetischen Sozialismus oder zum technokratischen Faschismus mit lächelndem Gesicht. Die Popularität dieser Ansicht ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, dass kaum der Versuch unternommen wurde, die Möglichkeiten einer Verwirklichung völlig neuer Gesellschaftsmodelle zu untersuchen.

– Erich Fromm, „Haben oder Sein“, dtv, München 1976, Seite 22

Anmerkung: Der überzeugte Humanist Fromm formulierte dies bereits vor über 35 Jahren. Heute ist das TINA-Prinzip (there is no alternative) zur Marktwirtschaft bzw. zum Kapitalismus oder wie auch immer man das Profite-vor-Menschen-System bezeichnen mag, allgegenwärtig. Bis weit in die Linke hinein herrscht eine „Alternativlosigkeit“ zum Kapitalismus vor. Ja man weigert sich sogar vom „Kapitalismus“ zu sprechen und benutzt Euphemismen wie die „soziale Marktwirtschaft“ oder spricht von einer Marktwirtschaft mit menschlichem Antlitz (SPD-Jargon).

4 Gedanken zu “TINA lebt

  1. Spricht mir voll aus der Seele. Ein eigener kleiner Hint sei noch zum Umstand gelegt, dass Fromm auch andernorts, als Humanist nicht von Systemen, sondern von Modellen spricht. Systemdenken und Modelldenken, sind zwei grundverschiedene Dinge mit vollkommen unterschiedlichen Flexibilitäten, – und nur letzteres beinhaltet auch die Möglichkeit der visionären Kreation. Eigentlich müsste es im Analogon zur Gesellschaft heißen, – TINA lebt nicht, denn sie ist eine Maschine.

  2. Pingback: 04 Februar 2012 | CrimsonClyde

  3. Der Begriff „Soziale Marktwirtschaft” stammt von dem Freiwirtschaftler Otto Lautenbach, der im Januar 1953 die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM) gründete. In enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Wirtschaftsminister und späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard sollte erstmalig eine „freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus” (echte Soziale Marktwirtschaft) verwirklicht werden. Im Juli 1954 verstarb Otto Lautenbach, die ASM zerfiel im Streit (eine Organisation gleichen Namens existiert heute noch, sie verfügt aber über keinerlei makroökonomische Kompetenz mehr). Für die makroökonomische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wurde ein von der so genannten „katholischen Soziallehre” beeinflusstes Konzept von Alfred Müller-Armack übernommen, eine „sozial gesteuerte Marktwirtschaft” (kapitalistische Marktwirtschaft mit angehängtem „Sozialstaat”), für die sich später der Begriff „soziale Marktwirtschaft” einbürgerte.

    http://www.deweles.de/globalisierung/mut.html

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