Warum Libyen-Krieg?

Viele werden sich durch die bürgerlichen Massenmedien nicht ausreichend informiert fühlen und werden sich fragen, warum die NATO so verdammt scharf darauf ist, in Libyen einzugreifen und zu bomben? Vor allem, weil Assad gerade in Syrien auf seine Bevölkerung losgeht, die internationale Gemeinschaft aber keinen Finger rührt. Das Geschwafel um Menschenrechte, die eine humanitäre Intervention nötig machen, haben wir schon oft genug gehört. Nicht selten entpuppte es sich als dreiste Lüge, um Interessenspolitik zu kaschieren und ungehindert Krieg führen zu können. Davon abgesehen greift die internationale Gemeinschaft in Darfur seit Jahren nicht ein, obwohl es dort einen systematischen Völkermord gibt. Hier ein Erklärungsversuch, warum auch gerade Frankreich so verdammt heiß auf Libyen sein könnte:

Zum Beispiel ist das libysche Rohöl von exzellenter Qualität, und seine Fördergebiete liegen in kostengünstiger Entfernung zu den europäischen Raffinerien. Gegenwärtig macht das libysche Erdöl rund 15 Prozent des Verbrauchs in Frankreich aus und knapp unter 10 Prozent des Gesamtverbrauchs der Europäischen Union.

- Jean-Pierre Sereni, »Am Anfang war der Rote Scheich«, Le Monde Diplomatique, Ausgabe April 2011, Seite 5

12 Gedanken zu “Warum Libyen-Krieg?

  1. Und nicht zu vergessen, daß vor Lybiens Küste noch reiche Erdölvorkommen in der Tiefsee vermutet werden!
    Ich ging von Anfang an davon aus, daß gerade Frankreich ein großes Interesse am lybischen Öl hat und deshalb versucht, das Regime zu entfernen. Dann könnte man neu verhandeln. Gaddhafi hatte sich in der Vergangenheit als geschickter Taktiker gezeigt, der die westlichen Ölkonzerne wunderbar gegeneinander ausspielen konnte und so hohe Profite herausschlug.

    Es geht also um Öl und darum, einen neuen Verhandlungspartner zu finden, mit dem man leichter umspringen kann! Es geht »nicht« um Menschenrechte und Demokratie!

  2. Nicht allein das Öl macht die NATO scharf, auf Nachdenkseiten stand folgendes zu lesen:

    »[...]Kontenkrieg gegen Libyen.
    Weitestgehend unbeachtet von den Medien hat in den letzten Wochen eine Hand voll Länder libysche Vermögenswerte im Volumen von rund 50 Milliarden Dollar eingefroren. Obgleich die Eigentumsfrage an diesen Vermögenswerte völkerrechtlich umstritten ist, wachsen dies- und jenseits des Atlantik bereits die Begehrlichkeiten. Während man in den USA und der EU noch taktiert, haben einige afrikanische Staaten kurzerhand die Besitztümer des ehemaligen Vorreiters eines politischen und wirtschaftlichen Panafrikanismus still enteignet. Je länger der Bürgerkrieg in Libyen dauert, desto größer wird auch das völkerrechtliche Dilemma rund um das eingefrorene Vermögen. Jens Berger[...]«

    Quelle und ganzer Text:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=9218

    ...dazu fällt mir, ganz ohne Gaddafi und seinen Clan verteidigen zu wollen nur folgender Begriff eines US-Ökonomen, der dies in einem anderen Zusammenhang äußerte ein:

    »R ä u b e r s t a a t «

    James K. Galbraith äußerte dies über die USA unter George W. Bush — Der Kriegspräsident Obama ist da auch nicht besser.

    Übrigens, ich witzelte noch vor einiger Zeit man sollte in Gaddafis Libyen eine Bank überfallen, denn der Filmklassiger »Stoßtrupp Gold« zeigt, dass ein solcher Überfall schon immer ohne Konsequenzen war — man raubt eine Bank im Bereich eines brutalen Diktators aus, und ist hinterher steinreich. Ich mach keine Witze mehr über solche Themen! Die Realität ist einfach schlimmer als jeder Film mit Clint Eastwood und Telly Savalas.

  3. Noch was:

    Wenn das Beispiel Schule macht, dann fürchtet euch Diktatoren dieser Welt, euer Vermögen wird euch unterm sprichwörtlichen Arsch weggebombt. Wer ist der Nächste? Sicher gibt es noch genug US-Nichtverbündete zum Ausplündern — Wie wäre es mit Kuba, Bolivien oder Venezuela — oder gar Nordkorea? Dem Iran? Rußland? China?

    Die Zeit wird es zeigen, wo diese

    R ä u b e r s t a a t e n

    demnächst einfallen werden, die nicht nur auf Rohstoffe, sondern auch auf das Vermögen der besetzten Länder (was geschah eigentlich mit dem irakischen und afghanischen Vermögen? Hat das auch die USA?) scharf sein dürften.

    Antik Römische Verhältnisse lassen da grüßen

    Kein Wunder, dass die USA sich — in Zeiten des Bush-Größenwahns — als Nachfolger des Sklavenhalter- und Plünderstaates Rom sahen.

    Zorniger Gruß
    Bernie

  4. »Wie wäre es mit Kuba, Bolivien oder Venezuela — oder gar Nordkorea? Dem Iran? Rußland? China?«

    Liest man den Text von Ihnen, kommt man unweigerlich zu dem Schluß, das in allen diesen Staaten Ihrer Meinung nach Despoten herrschen würden.

    So einfach ist das nicht. Auch wenn Staatskonstrukte untereinander wie Raubtiere agieren, die sich dauerhaft umschleichen und jedem bei jeder Gelegenheit mit der Rasiermesserscharfen Tatze eins überbraten und bei jeder Verletzung des Anderen vor Freude aufheulen, obwohl das so ist, kann man nicht einfach jeden Staat weil er mit Gewalteinsatz herrscht zum Despoten erklären.

    Mal ganz allgemein Fragen an die Moralisierungsfront:

    Ich hätte ja gerne eine Erklärung wie ein Staat ohne Gewalteinsatz bzw. Androhung von Gewalt seine Rolle als Ordnungsmacht wahr nehmen soll.
    Ein Problem wird es erst dann, wenn ein Staat zu oft zu leichtfertig und zu viel Gewalt einsetzt.
    Übrigens eine weitere Frage: Was ist schlimmer? Wenn ein Staat die Gewalt nur gegen Menschen anderer Staaten einsetzt oder wenn er sie gegen seine eigene Bevölkerung einsetzt? Was ist hier moralisch verwerflicher? Und wenn ein Bürger gegen den Staat kämpft, ist er dann überhaupt noch Bürger dieses Staates? Ist es ein Verbrechen wenn die Polizei und das Militär gegen Aufständische vorgehen, die den Staatsumbruch mit Gewalt durchsetzen wollen?

    Nur mal so gefragt.

    MFG

  5. »[...]Mal ganz allgemein Fragen an die Moralisierungsfront:[...]«

    Danke für die Blumen — Moral ist also nichts mehr wert? Soll man Sie so verstehen?

    Wie meinte doch Thomas Hobbes im »Leviathan« — die Bürger sind Ungeheuer, die im Kampf aller gegen alle toben, und die nur ein »Leviathan« bändigen kann — Schönes vorgestriges Bürgerkriegs- Menschenbild, dass Neoliberale da haben.

    »[....]Ich hätte ja gerne eine Erklärung wie ein Staat ohne Gewalteinsatz bzw. Androhung von Gewalt seine Rolle als Ordnungsmacht wahr nehmen soll[....]« Ja, Mahatma Gandhi ist schon lange tot, dass stimmt *grins*

    »[...]Ein Problem wird es erst dann, wenn ein Staat zu oft zu leichtfertig und zu viel Gewalt einsetzt[...]«

    Aha? Gewalt ist also perse nicht schlecht, und das ausplündern anderer Länder sowieso nicht — Hab ich Sie da mißverstanden?

    »[...]Übrigens eine weitere Frage: Was ist schlimmer? Wenn ein Staat die Gewalt nur gegen Menschen anderer Staaten einsetzt oder wenn er sie gegen seine eigene Bevölkerung einsetzt? Was ist hier moralisch verwerflicher? [...]«

    Sie sitzen wohl auch der NATO-Propaganda auf, die meint, dass Gaddafi seine »eigene Bevölkerung« massakrieren läßt? Serbien läßt grüßen, oder der Irak, da gab es auch so eine gewisse »eigene Bevölkerung«, die vom jeweiligen Diktator massakriert wurde — Jahre später kam heraus, dass diese »eigene Bevölkerung« von diversen Geheimdiensten für die Propagandalügen bezahlt wurde. Moralisch verwerflich ist für mich die Begründung »humanitärer Einsätze«, und der Mißbrauch des Holocaust/der Gulags der Sowjets für moderne Kriegspropaganda, und zwar egal ob es gegen Libyen, oder einst gegen Serbiens Milosevic, ging. Die Auswitz-Opfer hätten auch nicht gedacht, dass dieses Menschheitsverbrechen einmal als Kriegsbegründung herhalten müßte, Fischer belehrte diese eines besseren — in seiner olivgrünen Schäbigkeit. Reale Völkermorde, wie im Sudan werden hingegen ignoriert, von der westlichen Wertegemeinschaft, die für mich jegliche moralische Autorität verspielt hat, da die bei Völkermorden nicht eingreift, aber wenn es um Cash und Rohstoffe geht schon.

    [...]Und wenn ein Bürger gegen den Staat kämpft, ist er dann überhaupt noch Bürger dieses Staates? Ist es ein Verbrechen wenn die Polizei und das Militär gegen Aufständische vorgehen, die den Staatsumbruch mit Gewalt durchsetzen wollen?[...]«

    Ich denke einmal, dass die libyschen Rebellen schon noch Bürger von Libyen sein dürften — Oder bist du da besser informiert als wir »Moralisten« hier? Ich denke, da hast du die typische westliche Doppelmoral beschrieben, die immer mehr um sich greift — Man unterstützt, nach Lust und Laune, den jeweiligen verbündeten Diktator (z.B. Saudi Arabien), während man den anderen mit allen Mitteln bekämpft (z.B. Libyen).
    Übrigens, in der Hochzeit der Weltfinanzkrise predigte Schäuble ja immer vom Bundeswehreinsatz im Innern — Fazit: Libysche Verhältnisse mitten in Deutschland.

    Übrigens, die staatliche Gewalt, so habe ich es einmal gelernt, resultiert ja auch einem Gewaltverhältnis heraus — Frag mal die Opfer, die zur dt. Staatsgründung 1871 beigetragen haben — all die Süddeutschen und Österreicher, die 1866 gemordet wurden, ganz zu Schweigen von den Dänen damals, und den Franzosen, damit ein dt. Kaiserreich entstehen konnte....nur ein Beispiel aus der dt. Geschichte, dass zeigt, die Unterscheidung in »Polizei«; »Militär« und »Aufständische« ist/war nie so einfach wie du die gerne hättest. Wäre die Geschichte anders gelaufen, und Preußen wäre von der Landkarte verschwunden, dann wäre es noch offensichtlicher, dass Staaten auf Gewalt/Mord und Krieg aufgebaut sind.

    Ausnahme: Indien, aber leider wurde Mahatma Gandhi ja viel zu früh aus dem Leben gemordet.

    Wäre doch einmal interessant nachzuhaken was Mahatma Gandhi (Gandidschi) über die heutige Welt denken würde....

    Ich sag’s mal als Kriegsdienstverweigerer.

    Sicher nichts positives ;-)

    Gruß
    Bernie

    Nur mal so gefragt.

  6. Ohne Sie beleidigen oder angreifen zu wollen, ist Ihr Kommentar ein schönes Beispiel für einen Wahrnehmungsfilter, der Ihnen erzählt, was Sie hören wollen bzw. in paranoider Erwartungshaltung den schlimmsten Feind immer und überall hinter jeder Person, jedem Gedanken und jeder Erzählung vermutet.

    Sie haben die ganze Intention meiner Fragen nicht verstanden, meinen neutralen Standpunkt und die Denk-Aufgabe genauso wenig bemerkt.

    Macht aber nix, ich bin wohl manchmal nicht einfach zu lesen. Das weiß ich.

  7. @Hannzi
    Einfach, — ist es niemals. Es ist ja auch nur ein Erklärungsversuch. Und man verteilt nicht Denkaufgaben an andere Menschen, die selber zum Denken anregen wollen. Das ist kontraproduktiv. (Und, sorry, — ein wenig überheblich)

  8. Also dürfen sich untereinander Menschen nicht mehr inspirieren, wenn beide bereits Denker zu sein scheinen? Wenn ja schon beide zum Denken anregen wollen, darf der eine dem anderen mit Denkaufgaben nicht mehr auf die Sprünge helfen, einmal die Dinge von anderer Seite zu sehen?

    Was ist der Sinn von Gedankenaustausch eigentlich?

    Das jeder seine fertige Meinung zu Protokoll gibt? Oder das man in einen Dialog mit dem Anderen tritt? Und wozu Dialog? Dient der nicht gerade den gegenseitigen Denkanregungen?

    MFG

  9. @Hannzi
    Nimm dies bitte nicht zu persönlich. Sagen wir einfach ....
    ......manchmal nicht einfach zu lesen.
    Da sind oft einfach Dinge manchmal direkt nebeneinander, gleichbedeutend aber trotzdem gegensätzlich. Ein kleines Beispiel;

    Ohne Sie beleidigen oder angreifen zu wollen, ist Ihr Kommentar ein schönes Beispiel für einen Wahrnehmungsfilter,....

    Dies ist zwar schwer diplomatisch, aber aequevalent zu der vorwurfsvollen Frage, was der Sinn von Gedankenaustausch ist. Wenn ich natürlich jemanden einen Wahrnehmungsfilter unterstelle, unterstelle ich ihm eine mangelnde Wahrnehmung. Dies erhebt mich selber zu demjenigen, der sich selber eine bessere Wahrnehmung bescheinigt. Dass, soll er aber nicht als Beleidigung auffassen. (?) Erkläre aber trotzdem hinten dran, dass es vielleicht doch daran liegt, dass man schwer zu lesen ist. Ich achte die Unsicherheit dahinter. Also, bitte nicht zu persönlich nehmen.
    Es bleibt einfach dabei.

    ......manchmal nicht einfach zu lesen.
    Außerdem, — steh ich auf schwer zu lesende Sachen ;-)
    Und Unsicherheit, ist mir lieber als das Statement des Alleswissers.
    (Was aber leider auch, wieder dicht nebeneinander liegt. .... Das ich jetzt ähnlich geschrieben habe, — brauch ich nicht zu erwähnen ?)

  10. Sorry, wenn jemand meinen ganzen Posting nicht einen Satz so verstanden wie ich es meinte und auch relativ deutlich herauszulesen ist, dann ist es schlicht eine Tatsache, das ich dieser Person solche Fragen stelle. Sein Wahrnehmungsfilter ist nicht eine Erfindung von mir, sondern liegt einfach nahe, da alle meine Sätze einfach seinem Denken unterworfen wurden.

    Wenn es also schlicht offensichtlich ist, was ich schrieb, wird deutlich das ich einfach die Wahrheit über seinen Posting schrieb.

    Wer paranoid reagiert, darf auch so bezeichnet werden.

    Ich stehe nicht auf die dauernde »HonigumdenBartschmierenkomödie«.

    Ein offenes ehrliches Wort ist mir allemal lieber. Das verstört aus verständlichen Gründen, werde ich aber nicht ändern.

  11. @hannzi

    Ein offenes ehrliches Wort ist mir allemal lieber

    Wenn Du das schon so ansprichst, dann sei folgendes angemerkt:

    Wir vom ZG-Team würden es sehr begrüßen, wenn in den Kommentaren eine sachliche Auseinandersetzung zum jeweiligen Artikel stattfindet. Konstruktive, kritische Meinungen und Ansichten sind durchaus erwünscht. Provokationen, die zu Offtopic-Diskussionen bzw. Dialogen führen, haben in der Regel einen eher geringeren Mehrwert für unsere Leser und sind daher nicht erwünscht.

  12. Das Problem entsteht doch schon in der Annahme, man könnte eine Aussenseiterposition wie ich sie öfters vertrete, in Form einer kritischen Meinung äußern, ohne das diese als Provokation bei vielen Lesern verstanden wird.

    MFG

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