Afghanistan, Irak, Libyen — wo ist sie hin? Die Demokratie?

»Wir kamen, wir sahen, er starb.«
US‐Außenministerin Hillary Clinton nach dem Tod des libyschen Diktators Gaddafi

Alle drei Länder wurden vom US‐Militär mithilfe von geheimdienstlichen »verdeckten Operationen« sowie ihren willigen Helfern in die Steinzeit gebombt. Sie wurden befreit. Nun gibt es mangelhafte medizinische Versorgungen. Keine funktionierenden Sicherheitsstrukturen. Durch Uran‐Munition verseuchte, radioaktive Gebiete und somit stark ansteigende Krebs‐Infektionen. Bürgerkriegsähnliche Zustände, in denen Milizen und Warlords regieren. Zerbombte Häuser, Straßen, Schulen und Krankenhäuser. Kaum Strom oder sauberes Wasser, geschweige denn genug Lebensmittel. Wo sind sie denn nun, die Demokratie, der Frieden und der Wohlstand, die man mit Bomben herstellen wollte?

Die inflationäre Bezeichnung »Failed States« unterschlägt regelmäßig die Hauptverantwortung von imperialistischen Aggressoren, die Länder ohne Rücksicht auf das Völkerrecht in die Steinzeit bomben und dann anschließend behaupten, es gebe vor Ort Bürgerkriege, Misswirtschaft und Korruption. Sie seien also »Failed States«.

»Der Krieg gegen den Terror hat allein im Irak, Afghanistan und Pakistan zu 1,7 Millionen Todes‐Opfern geführt.«
IPPNW‐Report »Body Count — Opferzahlen nach zehn Jahren Krieg gegen den Terror«

Das vergessene Libyen

»Die auftrumpfende Sprache der führenden Nato‐Staaten, die sich nach der Eroberung von Sirte und Gaddafis Tod zu ihrem Sieg beglückwünscht haben, lässt ein tiefes Desinteresse am Schicksal des libyschen Volkes erkennen, das sie durch ihre Bomben angeblich schützen wollten«

- Patrick Haimzadeh, »Versöhnung und Erpressung«, Le Monde diplomatique, Dezember 2011, Seite 5

Anmerkung: Was ist eigentlich mit dem Irak, Afghanistan oder Libyen? Wie geht es den Menschen dort? Wie sind die politischen Verhältnisse? Nachdem Saddam Hussein, Osama Bin Laden und Gaddafi tot sind, kehrt nun Frieden ein? Wohl kaum. Nur unsere lieben Medien berichten nicht mehr darüber. Es gibt keine großen Persönlichkeiten, keine bekannten Bösewichter mehr, die man medial aufbereiten kann. Erst wenn wieder mehr als 10 Tote bei einem Anschlag oder einem Zwischenfall zu verzeichnen sind, wird es einen Bericht über diese Länder geben. In Libyen indessen gibt es Konflikte zwischen verschiedenen Clans und Stämmen. Die Rivalitäten und der Kampf um Macht, Prestige, Geld und Einfluss ist in vollem Gange. Ähnlich wie in Afghanistan und dem Irak, wird es auch in Libyen auf absehbare Zeit keinen Frieden geben.

Öl? Verschwörungstheoretiker!

Der päpstliche Nuntius in Tripolis, Bischof Innocenzo Martinelli, erklärte am Donnerstag gegenüber dem Deutschlandfunk, das einzige Ziel des Kriegs um Libyen sei es, »die besten Förderstellen zu sichern (und) Libyens Gas‐ und Ölvorräte auszubeuten«. Es tue ihm leid, das »so unverblümt« sagen zu müssen, »aber der Egoismus der beteiligten Länder ist unübersehbar«.

- Junge Welt vom 26. August 2011

Anmerkung: Selbst Bischöfe fallen jetzt auf linke Spinner und Verschwörungstheoretiker rein. Unglaublich! Die Massenmedien haben Recht. Es geht um Menschenrechte, Frieden, Demokratie und Freiheit in Libyen! SpiegelOnline, die Tagesschau, die Welt, die TAZ, die FAZ, die Süddeutsche — ja, alle berichten und schreiben dass der böse, grausame und unmenschliche Diktator, Despot, Tyrann Gaddafi, der neue Hitler ist! Saddam Hussein und Osama Bin Laden sind ja schon öffentlichkeitswirksam hingerichtet worden. Die Welt besitzt einfach zuviele Hitlers, dass in deren Ländern zufällig Öl ist, dafür können wir ja nichts, oder?

Warum Libyen‐Krieg?

Viele werden sich durch die bürgerlichen Massenmedien nicht ausreichend informiert fühlen und werden sich fragen, warum die NATO so verdammt scharf darauf ist, in Libyen einzugreifen und zu bomben? Vor allem, weil Assad gerade in Syrien auf seine Bevölkerung losgeht, die internationale Gemeinschaft aber keinen Finger rührt. Das Geschwafel um Menschenrechte, die eine humanitäre Intervention nötig machen, haben wir schon oft genug gehört. Nicht selten entpuppte es sich als dreiste Lüge, um Interessenspolitik zu kaschieren und ungehindert Krieg führen zu können. Davon abgesehen greift die internationale Gemeinschaft in Darfur seit Jahren nicht ein, obwohl es dort einen systematischen Völkermord gibt. Hier ein Erklärungsversuch, warum auch gerade Frankreich so verdammt heiß auf Libyen sein könnte:

Zum Beispiel ist das libysche Rohöl von exzellenter Qualität, und seine Fördergebiete liegen in kostengünstiger Entfernung zu den europäischen Raffinerien. Gegenwärtig macht das libysche Erdöl rund 15 Prozent des Verbrauchs in Frankreich aus und knapp unter 10 Prozent des Gesamtverbrauchs der Europäischen Union.

- Jean‐Pierre Sereni, »Am Anfang war der Rote Scheich«, Le Monde Diplomatique, Ausgabe April 2011, Seite 5