Nennen wir es »Sklave«!

»Ein wirklich leistungsfähiger totalitärer Staat wäre ein Staat, in dem die allmächtige Exekutive politischer Machthaber und ihre Armee von Managern eine Bevölkerung von Zwangsarbeitern beherrscht, die zu gar nichts gezwungen zu werden brauchen, weil sie ihre Sklaverei lieben«.

- Aldous Huxley in seinem Vorwort zur »Schönen Neuen Welt«

Oder anders ausgedrückt: früher peitschen uns die Herren, heute peitschen wir uns selbst. Ob es um Lohnkürzungen, Überstunden, Mobbing, Schichtdienste, Akkord‐Arbeiten und vieles mehr geht — wir nehmen alles hin. Der Begriff des »Arbeitskraftunternehmers«, der sich selbst antreibt, bringt dies auf die Spitze. Wo Sklaven früher von der Freiheit träumten, haben wir sie zu unserem ganz persönlichen Lieblings‐Gefängnis gemacht. Wir haben uns mit der Situation abgefunden. Ein Leben ohne Lohnarbeit? Ohne Materialismus, Konsum und Unterhaltung? Ohne Eigennutz und Egoismus? Unvorstellbar!

Die Sklavenmoral ist in Deutschland weit verbreitet. Wer Lohnarbeit hat, ist cool, angesehen, tut was, hängt nicht rum, ist beschäftigt,« liegt niemanden auf der Tasche« — wird an den Stammtischen gern gesagt. Auch wenn die Zustände auf dem Arbeitsplatz unerträglich sind, die Lohnarbeit einen nicht zufrieden und glücklich macht — egal, Hauptsache Arbeit! Denn da die Lohnarbeit für viele per se schon einen Wert besitzt, völlig unabhängig von Art und Inhalt der Tätigkeit, muss ja auch der Lohnarbeiter, der sie brav ausführt, an sich schon einen Wert haben. Denn Erwerbslose dürfen nicht glücklich sein, dass darf nur der Lohnarbeiter. Wer Lohnarbeit hat, ist also  schon ein wertvoller Mensch. Auch wenn er Bomben baut, Medikamente an Menschen testet oder alten Menschen durch Versicherungen das Geld aus der Tasche zieht. Geld adelt den Menschen.

Dabei kann man getrost davon ausgehen, dass wir eine Nation von Selbstlügnern, Heuchlern und Unzufriedenen sind. Den Wenigstens macht ihre Arbeit wirklich Spass, erfüllt sie, macht sie glücklich. Stattdessen wird gejammert und gemotzt, was das Zeug hält. Es ist nachvollziehbar, wenn man tagtäglich immer und immer wieder die gleiche Tätigkeit ausüben muss, einem Roboter oder einer Maschine gleich. Eine wirkliche Veränderung des Status Quo will aber tatsächlich kaum einer, wie man an dem FDP‐Ergebnis der letzten Bundestagswahl gesehen hat. Wer behauptet, Lohnarbeit sei der Sinn des Lebens, mache glücklich und zufrieden, der braucht sich nur mal die Gesichter der Menschen anschauen, wenn sie zur Lohnarbeit gehen oder von ihr kommen. Die Meisten seufzen, stöhnen, haben graue Gesichter. Glückliche und zufriedene Menschen sehen anders aus.

Für einige wird der Begriff »Sklave« hier sicher zu krass gewählt sein: »Wir haben doch Demokratie! Meinungsfreiheit! Rechtsstaat!«. Was von einer Herrschaft des Volkes in Deutschland übrig bleibt, kann jeder in den letzten Jahren beobachten: eine konsequente Politik gegen das Volk. Frei ist die Presse nur für den, dem sie gehört. Und der Rechtsstaat wird seit Jahren Schritt für Schritt demontiert. Wenn Sklaverei Freiheitsberaubung und Nötigung heißt, das Gefühl als Eigentum von Anderen behandelt zu werden sowie  die Ausbeutung der Arbeitskraft umfasst — dann ist der Begriff nicht zu hart, sondern angebracht, um die heutigen Ketten auch beim Namen zu nennen.

Eine andere Welt und Gesellschaftsform als das Diktat der Ökonomie ist möglich!

11 Gedanken zu “Nennen wir es »Sklave«!

  1. »Wer behauptet, Lohnarbeit sei der Sinn des Lebens, mache glücklich und zufrieden, der braucht sich nur mal die Gesichter der Menschen anschauen, wenn sie zur Lohnarbeit gehen oder von ihr kommen. Die Meisten seufzen, stöhnen, haben graue Gesichter. Glückliche und zufriedene Menschen sehen anders aus.«

    Jeden Tag sehe ich sie in der U‐Bahn, jeden Tag in meiner Familie, jeden Tag in meinem Freundeskreis. Es macht mich traurig! Ich habe Angst auch so zu enden.

  2. Erstklassiger Beitrag!

    »Selbstentfremdung« als Stichwort, hätte ich auch noch ganz gerne gelesen.

    Ich empfinde es sogar oftmals so:
    Es gehört zur Grundausstattung besonders viel und laut über seine Lohnarbeit zu jammern, im Sinne von Fishing for Compliments. Dann hat man(n) es geschafft, dann ist man(n) bei so einem (im Artikel thematisierten) Stammtisch und in der Sport‐Umkleidekabine ganz vorne dabei. Die mit solch einem Jammern angedeuteten Groß‐Taten können auch als Schutzschild (Carte blanche) dienen für so manche kleinere oder größere persönliche Eigenart.

  3. Ich habe eine abschlägige Antwort auf ein Stellengesuch bekommen... unterschrieben mit .

    i.A. Praktikantin sowieso....

    Es ist schon so weit gekommen, dass Praktikanten, also selbst jene ohne Arbeitsplatz, bestimmen wer einen Arbeitsplatz bekommen. In was für einer Welt leben wir? Diesen Brief habe ich übrigens aufbewahrt, um zu zeigen, dass ich keinen Blödsinn erzähle.

  4. @bobo

    Verbreite nicht solchen Unsinn. Die Praktikantin hat sicherlich nicht die Entscheidungskompetenz und -gewalt über die Besetzung von Stellen! Sie hatte in ihrer Funktion als Praktikantin gewiss nur die Absagen zu tippen und zu versenden — auf Anweisung hin.

    Halbwissen oder Nichtwissen zu verbreiten war schon immer brandgefährlich. Es ist mehr als verständlich, wenn du wütend und frustriert bist. Dennoch, was du hier machst ist falsch!

    Zudem stellst du dich selbst nicht gerade als Leuchte dar, wenn ich das mal so formulieren darf. Denk mal darüber nach.

  5. Pingback: Eine individuelle politische Bestandaufnahme (X) « Der AmSeL-Gedanke Plus = Gemeinschaft

  6. @MS
    Dein Einwand ist absolut lächerlich und nicht der Rede wert. Es würde zu lange dauern, und ich habe auch keine dir zu erklären, was es mit Unterschriften und Haftbarkeit (Verantwortung) gesetzlich auf sich hat.

  7. Also ich habe den Eindruck der Artikelersteller hat zuviel Freizeit: Such Dir einen Job :P

    Wie wars denn im Osten?
    Damals, ich hab da nicht gelebt und will auch nicht alles verschönen, aber manchmal habe ich den Eindruck das waren die besseren Menschen.
    Nicht jeder und nicht alles, aber gewisse Aspekte aus deren Kulturkreis. MTV/ VIVA verseuchte Kids zeugen von einem, Konsumgesellschaft geprägten, Alltag welcher als vollkommen natürlich angesehen wird.
    Nieder mit dem Westlichen Fernsehen.

  8. Ich finde den Vergleich mit dem Dasein als Sklave eher unzutreffend. Als Sklave kriegt man in der Regel Kost und Logie gestellt und in vielen antiken Kulturen war es möglich sich freizukaufen.

  9. Pingback: Algen e.V. » Blog Archiv » »Bürger, bettelt um Lohnarbeit!«

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.