Arbeitslose dürfen nicht glücklich sein!

Arbeitslosigkeit und Glück dürfen nicht zusammengehören. Wer arbeitslos ist, hat sich zu schämen, zu ducken, muss unglücklich und unzufrieden mit sich und seinem Leben sein. Da sich jedes Individuum in Deutschland über Lohnarbeit zu definieren hat, müssen folglich alle Erwerbslosen unglücklich und unzufrieden sein. Freunde, Liebesbeziehung, Familie,  ehrenamtliche Arbeit, Sport, Reisen, Bücher, Musik sowie sonstige Hobbys und Leidenschaften dürfen nicht zufrieden und glücklich machen. Das darf nur die Lohnarbeit. Schließlich stellt sie einen Wert an sich dar, völlig unabhängig von Art und Inhalt der Tätigkeit.

Folglich sind arbeitslose Menschen, die für sich reklamieren zufrieden und glücklich zu sein, Schmarotzer und Parasiten. Ballastexistenzen, die allen Menschen die Lohnarbeit haben, metaphorisch ins Gesicht spucken. Schließlich zeigen Erwerbslose, die für sich reklamieren glücklich zu sein, den Lohnarbeitern in aller Dreistigkeit auf, dass sie sich nicht der Sklavenmoral unterwerfen. Und genau das muss doch jeder aufrechte Deutsche tun: sich dem Zwang der Lohnarbeit unterwerfen, Mobbing und Ausbeutung ertragen sowie sich eine Sklavenmoral des »Hauptsache Arbeit — welche ist egal!« zu eigen machen, oder nicht?

P:S: Nach meinem Studium war ich einige Monate arbeitslos und trotzdem nicht groß unzufrieden. Ab Mitte April absolviere ich eine sechsmonatige Fundraising‐Fortbildung. Nach herrschender Ideologie darf ich dann wieder allen zeigen, dass ich glücklich bin.

39 Gedanken zu “Arbeitslose dürfen nicht glücklich sein!

  1. genau das ist die crux. wenn alle‐ oder jedenfalls ganz viele‐ arbeitslose so wie die »glücklichen arbeitslosen, berlin« offensiv in die öffentlichkeit gingen, der dämlichen masse und den die werte bestimmenden »echten sozialschmarotzern« zeigen würden, daß ein von erwerbsarbeit befreites leben, sinnvoller ist als zwangsweise schrott zu produzieren oder schwachsinnige dienstleistungen anzubieten, nur dann könnte ein umdenken in der gesellschaft einsetzen. logo natürlich, daß zeitgleich auch immer ein adäuates einkommen, welches zur teilnahme am leben ausreichen muss, eingefordert wird.

  2. Woher kommt diese Einstellung? Wird diese Denke nicht von den Medien geschürt? An jeder Ecke wird über den Asozialen Harz4 Empfänger berichtet. Im kompletten »Mittagsprogramm« werden die Menschen als die größten Asozialen hingestellt mit der Bildunterschrift. »Schorsch (45) arbeitslos«. Fakt ist doch, wir haben nicht genügend Arbeitsplätze und nicht jeder ist auf jeden Arbeitsplatz vermittelbar. Meiner Ansicht nach bleibt als Lösung nur ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dafür braucht man sich auch nicht zu schämen. Jeder bekommt es...

  3. Pingback: Womblog

  4. @jtheripper

    Nene. Ich mach bei dem Aprilscherz‐Gebaren nicht mit. Ist mir viel zu »lustig«...*hust*.

    @landbewohner

    Ich hab irgendwo mal einen schönen Satz aufgeschnappt, der so ging: Abstrahiert von der Notwendigkeit der Einkommenserwirtschaftung: wer die notwendigen geistigen Fähigkeiten und die Selbstdisziplin zur Eigengestaltung des Lebens hat, für den ist Arbeitslosigkeit immer eine Erlösung und kann niemals Bestrafung sein.

  5. Tach, zusammen !

    Genau aus diesen Gründen benutze ich auch meist das Wort »Erwerbslosigkeit« und nicht »Arbeitslosigkeit«. Wer erwerbslos ist, muss noch längst nicht arbeitslos sein, oder ? Meine Tage sind jedenfalls mit sehr viel Produktivität und nützlichen Dingen ausgefüllt. Aber dennoch würde mich eine gute und faire Arbeit glücklicher machen.

    Herzliche Grüße und schöne Ostern wünscht
    Julie

  6. Ich wohne an einem schönen Platz in Hamburg — Altona. Genau gegenüber steht ein großes Bürogebäude. Jeden Tag sitzen dort diese Leute von morgens bis abends in ihren Zellen. Ich kann sogar die Küchen sehen, an denen sie sich mittags aufhalten und ihr Essen herunterschlingen. Es ist unbegreiflich für mich, der auch oft erwerbslos, aber sehr glücklich, nicht zum Arbeitsamt deswegen gehend, das so ein Leben überhaupt möglich ist. Daß dies immer noch der Standart ist, nach dem man zu Leben hat, kann ich nicht verstehen. auch wenn man es mir erklärt. Ich verstehe es nicht. Keine Ahnung wie man sich zum Sklaven von Banken machen lassen kann. Was hat den ein Mensch von einem Haus, welches eine Million gekostet hat, wenn man nie die Möglichkeit hat, sich darin aufzuhalten. Ich fühle mich einfach sehr unzugehörig und zum Glück habe ich eine Partnerin der es genauso geht und die auch danach lebt. Es ist schier unmöglich überhaupt Menschen zu treffen, die meine Auffassung von der Bedeutung »Leben« überhaupt teilen. Kurioserweise trifft man die eher im Internet, wie in diesem Blog, als im »wirklichen« Leben. Selbst in der »Kunst«, in der ich zuhause bin, wird fast alles nur nach ökonomischen Prinzipien beurteilt. Arbeit, Arbeit über alles. Was für »verschenkte« Leben und Träume. Welche Verzweiflung muß in diesen Menschen stecken.
    BTW: Viel Glück für dein Fortbildung. Ich lese diesen Blog sehr gerne.

  7. Pingback: Mein Politikblog

  8. @ Peter

    Hast mir aus der Seele gesprochen. Hast wieder einen gefunden,dem es genauso geht. Bin nur von diesen Job und Praktikium Zombies umgeben, die Arbeit mit Sinn verwechseln.

    Apropos Zombies, ich flaube diese Flut von Zombie‐Filmen ist die unterbewsste Verarbeitung unseres seelenlosen Wertesystems, dass nur das vertilgen und verbrauchen von aasigen Konsumgütern belohnt. :)

  9. Noch besser sind (TV)Berichte, in denen rauchende und Alkohol trinkende und nach Arbeit suchende Menschen präsentiert werden. Ein Lohnabhängiger Angestellter darf nach diesem Verständnis rauchen und Alkohol trinken, da er ja einer geregelten Arbeit nachgeht!? Durch den Tabak‐ und Alkoholkonsum bringt derjenige allerdings seine Arbeitskraft in Gefahr. Nach dieser Logik dürfte eigentlich niemand rauchen oder trinken. Und der Staat keine Milliarden an Steuern einnehmen. Das übersteigt aber das Verständnis der meisten Zuschauer derartiger Berichte. Übrigens übersteigt allein die Anzahl der ALG I Empfänger deutlich die Anzahl der vorhanden Stellen auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt! Nach aktuellen Zahlen gab es im März 1.294.544 ALG I sowie 5.015.824 erwerbsfähige ALG II Empfänger. Weiterhin 395.00 Nichtleistungsempfänger und 890.000 Kurzarbeiter. Ohne Kurzarbeiter sind somit 6 Millionen 705.368 Menschen auf der Suche nach einer Existenzabsichernden Erwerbstätigkeit. Quelle: http://statistik.arbeitsagentur.de Entwicklung des Arbeits‐ und Ausbildungsmarktes im März 2010 — Seite 2051
    Für Gesamtdeutschland hat das IAB nach aktuellen Zahlen ein Stellenangebot für den ersten Arbeitsmarkt von 764.000 freien Stellen angegeben.
    Quelle: http://doku.iab.de/grauepap/2010/os0904.pdf
    Abzüglich von Scheinangeboten (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,403459,00.html) und später zu besetzenden Stellen bleiben ca. 480.000 Stellenangebote auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt, für über 6,7 Millionen nach „Arbeit“ suchender Menschen! Von denen wird bereits ein großer Teil in Arbeitsgelegenheiten oder Weiterbildungsmaßnahmen „beschäftigt und therapiert“. (z.B. 1,57 Millionen in einer von Bund oder Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme / 288.700 Personen in einer Arbeitsgelegenheit nach § 16d SGB II auch Ein‐Euro‐Jobs genannt / 3.600 Personen in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme‐Seiten 6÷32÷33 aktueller Monatsbericht der BA)
    Im BA Jargon bedeutet sinkende Arbeitslosigkeit im Übrigen „Unterbeschäftigung“. 4 Millionen 731.000 waren im März in einer entlastenden Weiterbildungsmaßnahme oder einfach nur krank geschrieben. Und als Konsequenz nicht mehr als arbeitslos gezählt. (Seite 17 aktueller Monatsbericht)

  10. Da fällt mir immer die Szene aus dem 2. Coen‐Film »Arizona Junior« ein, in dem einer der Freunde zu Hi sagt: »Mensch Hi, du bist jung, du bist gesund. Was willst du mit einem Job?«

  11. Das Problem ist nicht allein, dass du völlig richtig siehst, dass Arbeitslose nicht glücklich sein dürfen, d.h. dass die Menschen in Deutschland sich mit Lohnarbeit allein identizifieren. Ich erlebe es selbst im nächsten, alltäglichen Umfeld: Für manche ist jede Tätigkeit, auch ohne Geld dafür zu erhalten, sofort Arbeit. Es wird wohl noch Jahre gehen bis die Arbeitsreligion in Deutschland besiegt ist — Man denke nur daran wie lange sich echte Religionen halten, um die Dimensin der, typisch deutschen, weltlichen Religion der »Arbeit« zu sehen. Arbeitslose sind Ketzer, und was man mit Ketzern in echten Religionen gemacht hat, dass ähnelt fatal der Vorgehensweise gegen KritikerInnen der typisch dt. Arbeitsreligion, und Ketzer wie Arbeitslose: Man spricht ihnen zunächst das Lebensrecht ab, alles andere folgt dann.....

    Waren eigentlich unsere Vorfahren, die »freien Germanen« auch schon solche Arbeitsfanatiker? Oder haben die Recht, die die »freien Germanen« wohl eher als Anarchisten des frühen Mittelalters sehen wollen?

    Interessante Fragen: Nicht wahr?

    Ich meine sogar im »Schwarzbuch Kapitalismus« — von Robert Kurz — gelesen zu haben, wie im Kapitalismus Menschen sich selbst als Arbeitssklaven züchten, und darauf sogar, dass perverseste überhaupt, stolz sind.

    Waren frei nach Nietzsche nicht die ersten Arbeitsformen Tätigkeiten für Sklaven? Die Sklavenmoral, die uns in Deutschland angezüchtet wurde, hat wohl hier ihren Ursprung?

    Frägt sich
    Bernie

  12. Sehr schöner Beitrag. Finger in die Wunde gelegt. Genau das ist es, was mich bedrückt und krank macht — mit der Erwerbslosigkeit nicht glücklich sein zu dürfen.
    Ich nutze die Freiheit für die für mich wichtige Bildung, lese und versuche die Welt zu verstehen. Ich habe jeden Tag viel zu tun und trauere den Tagen hinterher, die mich nicht ein Stück weiter gebracht haben. Genau genommen, habe ich für Erwerbsarbeit gar keine Zeit. Während dieser könnte ich nicht an MIR arbeiten und meine Erkenntnisse anderen vermitteln.

    Leider ist in dieser Gesellschaft der schnöde Mammon wichtiger als die Entwicklung des Einzelnen und ich darf mich über meine Erfolge nur insgeheim (oder hier in der Anonymität des Internets) freuen.

  13. Jeder Mensch darf glücklich sein... Aber Sklavenmoral stimmt‐ absolut. Das merkt man schon am schulischen Druck, da fängt das an, und das zieht sich das ganze Leben hindurch vermute ich... Was soll´s... Man muss für sein Glück kämpfen und darf sich nicht ausbeuten lassen!
    Wenn es sein muss kämpfe ich dafür, dass ich frei bin...

  14. Hi,
    ich weiss mein Text kommt weit nach den letzten Datum des letzten Schreibers und es besteht somit die Gefahrl dass das hier offtopic ist.

    Nur ich möchte an dieser Stelle bemerken dass es ein sehr sehr interessanter Text ist.

    Ich für meinen Teil bin leider inzwischen 2 12 Jahre mit unterbrechungen arbeitslos. Ich habe alles mögliche schon versucht um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen und muss jeden Tag in den Medien die Hetze gegen Arbeitslose mitertragen. Ich werde de Facto gleichgestellt mit denen die nicht einmal anseitzweise den Antrieb besitzen einen Job zu suchen.

    Was das Glücklich angeht, so bin ich es nicht. Seit langer Zeit plagen mich schwere Depressionen und »Du hast versagt« Gedanken, ich weiss auch nicht wie es möglich sein soll Glücklich zu sein. Die jenigen die es Schaffen trotz Arbeitslosigkeit Glücklich zu sein und nicht in ein Schwarzes Loch zu fallen sind richtige Überlebenskünstler.

    Die allgemeine Denkensweise der Gesellschaft »ein arbeitsloser darf nicht glücklich sein da er de facto nicht das anrecht darauf hat wie ein arbeitender« ist mit den obigen Text sehr faszinierend dargelegt.

    Ich kann mich nicht erinnern bisher einen so interessanten Text über das betreffende Thema gelesen zu haben.

    Zuletzt dennoch eine Sache,
    sollte ich es jemals schaffen aus dieser Scheisse rauszukommen,
    dann werde ich auch glücklich sein,.... ob mit oder ohne Erlaubnis der Gesellschaft.

    Grüsse,
    Chris

  15. Ich bin zwar nicht der Autor, aber trotzdem Danke für dein sehr ehrliches ontopic‐Kommentar. Ist doch schön, wenn ein so guter Beitrag+Kommentare auch noch Monate später gefunden wird.

    Glücklich kann man nur durch eigenen Antrieb werden, aber bei Depressionen sollte man auf jeden Fall Hilfe von anderen Personen suchen. Ich hoffe, die bekommst du...

  16. @Chris

    Freut mich, dass der Beitrag noch Beachtung findet :)

    In unserer Gesellschaft wird Glück eng mit der Lohnarbeit verbunden: vermeintliche Beschäftigung und Sinnerfüllung, Möglichkeit zu Konsum, eingebunden sein in unternehmerische Strukturen usw. — alles bullshit und Propaganda‐Scheiße sage ich! Schau Dir die Menschen an, wie sie täglich zu ihrer Lohnarbeit schleifen, wie sie ächzen, stöhnen, klagen, jammern — sehen so glückliche Menschen aus?

    Die Menschen rennen einer Illusion und einem Phantom nach, in der Hoffnung, irgendwann werde das Glück schon von alleine eintreffen. Was aber ohne eigenens Handeln nicht geschehen wird.

    Insofern ist es wichtig, sich jenseits der Lohnarbeit eigene Glücksfaktoren zu schaffen: Freunde, Familie, Sport, Leidenschaften, Hobbys, Musik usw.

  17. Soll ich jubbeln oder heulen?

    Ich bin definitiv über diesen Blog und das was bei rausgekommen ist begeistert. :d

    Nicht weil ich froh bin in so einer Welt zu leben, sondern, weil ich neben interessanten Filmen, Dokus und Berichten endlich mal Worte lese, die mir persöhnlich öfters durch den Kopf gehen.

    Neben dem was über diese, an Orwellsche Kontrollmechanismen erinnernde, uns einschüchternde und lähmende Arbeitsmoral und politik geschrieben wurde stimme ich vor allem dem zu, was über das Schulsystem gesagt wurde.

    Kurz zusammen gefasst (meine Interpretation): du bist umgeben von Konkurrenten, die du nur mit bestmöglichen Noten, eventuell!!!, ausstechen kannst

    Und der Klassiker schlecht hin ist für mich: »DU lernst nicht für uns/die Schule, sondern für dich.« -> könnt ich mich jedesmal wegschmeißen

    ????Was bleibt zu sagen????

    Schlimm ist es was mit Deutschland geschieht... wie heißt es noch gleich?

    »Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.«

    Danke an alle beteiligten, werde den Bog ab sofort im Auge behalten :d

  18. Pingback: Algen e.V. » Blog Archiv » »Bürger, bettelt um Lohnarbeit!«

  19. In 5 Monaten Arbeitslosigkeit gab es gute und schlechte Tage. Ich war glücklich nach einer Einladung zum Vorstellungsgespräch und wieder unglücklich nach der Absage. Rückblickend muss ich leider sagen: Arbeitslosigkeit konnte mich persönlich nicht glücklich machen. Die Momente, in denen man die Arbeitslosigkeit vergissst, einzig in diesen Momenten, konnte ich Glück empfinden. Was mir geholfen hat: Es gibt für Jeden eine Chance! Das habe ich als fleißiger trauriger resignierender und wieder Hoffnung schöpfender Bewerber gelernt.

  20. Kann mir bitte jemand erklaeren, warum Arbeitslosigkeit ungluecklich machen soll? Solche Leute wie »Trauriger Bewerber« verstehe ich nicht!

  21. @Madelaine80

    Es vergeht kein Tag, in dem nicht irgendwo (TV, Zeitung, Stammtisch, Wissenschaft etc.) die These verbreitet wird, dass Erwerbslosigkeit depressiv, einsam und unglücklich machen würde.

    Wer erwerbslos sei, der könne nicht an der »Gesellschaft teilhaben«, so heißt es immer wieder. Er sei »außen vor«, denn nur wer Teil der Lohnarbeitswelt sei, sei auch ein Teil der Gesellschaft, der sei »integriert«. Damit spielen auch Arbeitgeber‐Lobbyisten, indem sie bei dem Vorwurf von Niedrig‐ und Dumpinglöhnen behaupten, es sei erst einmal wichtig, dass man überhaupt Arbeit habe. Denn nur so gehöre man dazu. Der finanzielle Lohn sei zweitrangig. Wichtig sei der »soziale Lohn«.

    Diese Dauerpropaganda hat sich tief in die Köpfe und Herzen der Menschen eingegraben, sodass viele bereit sind für Hungerlöhne zu arbeiten, weil sie sich durch ihre Lohnarbeit Anerkennung, Respekt und soziale Aufmerksamkeit versprechen.

    Erwerbslosigkeit »darf« somit nicht glücklich machen. Damit würde das Weltbild von Millionen Menschen zusammenbrechen.

  22. Nicht nur ein lesenswerter Text, sondern auch tolle Kommentare. Der Autor epikur hat interessante Gedankengänge genannt und mich in meinem Denken bestätigt. Danke.

  23. Es lebe das Internet, es lebe dieser Thread. Herrlich, dass man die Wahrheit hier mal aussprechen darf. Also:

    Ich sag es euch direkt: Ich hasse Lohnarbeit, ich hasse sie wirklich wie die Pest und zwar jeder einzelne Aspekt von ihr! Schon das Aufstehen ist meist eine Qual, weil die innere Uhr erst viel später zum Aufwachen gerufen hätte als der Wecker. Danach ab in die überfüllten S‐Bahn, mit den anderen armen Schweinen, die sich ebenfalls vom Geld versklaven lassen. Dann rein in die Bude, eine kaffeeähnliche Brühe runterstürzen und sich dann den ganzen Tag rumhetzen, unterbrochen nur von zwei bis drei viel zu kurzen Pausen die man dazu nutzen muss, irgendeinen Mikrowellenfrass oder ein Sandwich runterzudrücken. Abends dann wieder in der überfüllten S‐Bahn, ein bisschen Glotze und schon ist wieder ein Tag Lebenszeit verpfändet worden, an dem man eigentlich etwas Sinnvolleres hätte machen können.

    So sahen meine Tage aus, bevor ich aufgrund einer »Restruturierung«( dem Chef haben zweimal Luxusferien im Jahr wohl nicht gereicht) entlassen wurde. Zuerst war ich sauer, heute bin ich ihm dankbar, denn jetzt sehen meine Tage ungefähr so aus: Morgens gegen halb elf wecken mich die Sonnenstrahlen, die auf mein Dachfenster treffen. Langsam erwachen, dann Kaffee kochen, Croissants und zurück ins Bett, frühstücken und ein wenig fernsehen. Später ein wenig Mails checken, nachmittags etwas Sport machen, kleinere Pendenzen erledigen und chillen. Abends dann mal mit Freunden weg, Fussball kucken, Bierchen zischen oder ein wenig darten. Oder auch, wenn es sich ergibt, mal eine Lady mit nach Hause nehmen und ein wenig Spass haben :MRGREEN: Und schon ist wieder ein schöner Tag vorbei, ohne jeglichen Stress.

    Ich liebe die Erwerbslosigkeit, leider ist es wohl auf Dauer finaziell nicht machbar das durchzuziehen, deshalb mache ich auch brav eine Weiterbildung nebenbei. Aber ich werde jeden einzelnen Tag, den ich mir noch ohne Job gönnen kann, in vollen Zügen geniessen.

    Wünsche allen hier die ohne Job sind eine glückliche Erwerbslosigkeit und hoffe, ihr könnt es genauso geniessen wie ich.

    Gruss

  24. Dieser Text ist so wahr und es tut gut ihn zu lesen.

    Ich habe studiert und eine Ausbildung gemacht. Seit acht Monaten bin ich arbeitslos. Es gibt Tage, da bin ich glücklich. Ich habe gute Freunde, Familie, viel Zeit, um mich zu bilden und für meine Hobby. Wenig Geld zu haben ist die meiste Zeit recht erträglich. Doch wenn ich beim Amt wieder vorsprechen musste, kommen sie wieder, diese nagenden Selbstzweifel und schlaflosen Nächte. Diese unerträgliche Gefühl nicht dazu zu gehören. Und dieses schlechte Gewissen vom Geld der anderen arbeitenden Mitmenschen zu leben. Sehr unangenehm.
    Vor einer Woche fragte mich die Frau vom Amt, warum ich glaube noch arbeitslos zu sein. Ich vermutete, dass es daran läge, weil ich Geisteswissenschaftler sei. Die haben es ja oft sehr schwer.
    Darauf erwiderte die Arbeitsvermitterlin: »Ich glaube, sie sind den Arbeitgeber zu schlau. Sie haben gelernt kritisch zu denken, Dinge zu hinterfragen. Kein Arbeitgeber will einen Arbeitnehmer der Widerworte gibt. Hätten sie nur eine Ausbildung gemacht, hätte man sie zu einem folgsamen Arbeiter erzogen.«
    Glauben sie mir, die Kinnlade ist mir heruntergefallen.
    Es wäre schön, wenn mein Betrag hierzu auch noch etwas Gehör finden könnte.

  25. @Kanfeta

    Da war Deine Sachbearbeiterin aber direkt und ehrlich, so etwas ist schon selten ;) Hinzu kommt ja die strukturell bedingte Erwerbslosigkeit. Auf ca. 1 MiIllion offene Stellen folgen ca. 5–6 Millionene Erwerbslose (ungeschönt). Das ist so gewollt, um die Arbeitnehmer stets fügsam zu halten und unter Druck zu setzen: jeder ist sofort ersetzbar und die Unternehmen können sich aus dem Heer der Arbeitswilligen ihre passende (Arbeits-)Ware heraussuchen und die Löhne drücken. Wo kämen wir denn da hin, wenn Unternehmen auf jeden Arbeitnehmer angewiesen wären und er Bedingungen stellen könnte?

    Auch wenn alle Medien und das soziale Umfeld Dir einreden wollen, es liege an der mangelnden Bewerbung, zuwenig Fremdsprachen‐Kenntnissen, das falsche Studium/falsche Ausbildung, zuwenig Auslandserfahrungen, mangelnde Eigeninitiative und so weiter und sofort — Nein! Es liegt nicht an Dir! Die Massenerwerbslosigkeit ist gewollt und systembedingt!

  26. Guten Morgen,

    scheinbar ein Thread der nicht « tot zukriegen« ist. Was soll ich sagen!? Ich bin seit 10 Tagen arbeitslos und zerbreche mir den Kopf darüber, was man wohl von mir hält. Mittwoch werde ich meinen Antrag auf ALG 1 stellen und habe ein schlechtes Gewissen nun »auf Kosten anderer« leben zu müssen. Allerdings frage ich mich auch, warum die Medien einem nicht mal vor Augen halten, dass man Jahrzehnte in eine Arbeitslosenversicherung einzahlt...dieses Geld also, für den entsprechenden Fall, selbst zur Seite gelegt hat. Würde der Staat mir die Summe auszahlen, welche ich monatlich in 17! Jahren Erwerbstätigkeit angespart habe, könnte ich ohne erniedrigende Gänge zum Amt eine Zeit lang gut leben! Trotzdem ich noch nicht mal Leistungen erhalte, wurde mir schon mit der Einbehaltung der selben gedroht, falls ich den »Informationsfluss« unterbreche und dem Amt etwas vorenthalte....wie kommen die Damen und Herren darauf? Ich weiß nicht, ob ich als Erwerbslose glücklich sein kann, allerdings war ich das in den letzten Jahren, als Erwerbstätige, auch nicht! Trotz Ausbildung, voller Flexibilität und gleichbleibend hoher Motivation, reichte das Gehalt zwar für alles Notwendige, aber nicht für einen Urlaub oder ein Auto...die Löhne fallen, fallen, fallen, der Arbeitswille soll ungebrochen bleiben.

  27. Diesen Thread habe ich komplett durchgelesen, weil er mich von Anfang an begeistert hat. Ich hasse Lohnarbeit, vor allem wenn sie über die 35h‐ Grenze hinausgeht. Dann kam es mir vor, als lebte ich nur noch für die Firma. Wenn ich dann meine Stempelkarte unter das Lesegerät hielt und dieses ein helles Piepen von sich gibt, weiß ich: Es ist aus mit der Freiheit. Dann kann ich nicht mehr dahin gehen, wohin ich gehen will, nicht mehr das tun, was ich tun will.
    Deshalb habe ich das getan, was getan werden musste. Ich habe gekündigt, ohne einen anderen Job zu haben. Das war vor drei Jahren. Jetzt bin ich 29.
    Der Eintritt in die Erwerbslosigkeit ist nur unangenehm, wenn man nicht sich nicht vorher die richtigen Strukturen aufgebaut hat und in das Loch der anerzogenen Tatenlosigkeit und Kreativlosigkeit fällt. Ich habe mich darauf gut vorbereitet.
    Meine größte Charakterstärke ist meine Selbstdisziplin. Es wird das getan, was getan werden muss. Mein innerer Chef treibt mich jeden Morgen dazu an um Punkt 6:30 aufzustehen und meinen Tagesplan abzuarbeiten. Ich versuche meine laufenden Kosten immer weiter zu reduzieren, wohne in einer kleinen Wohnung, baue bei meinem Onkel im Garten Obst und Gemüse an, sammle Pilze im Wald, halte als gelernter Elektroniker sehr viel von „Nachbarschaftshilfe“, repariere alles selber und kaufe wenig neu, und mache das mit, was das Jobcenter verlangt, …. Ich bin sehr gut ausgelastet. Mir wird selten langweilig und das Geld reicht. Es gibt Möglichkeiten aus der Tretmühle herauszukommen. Die erste Veränderung findet im Kopf statt, dann geht es weiter.
    Und wenn mir Leute vorhalten, dass ich ein Schmarotzer bin, frage ich sie, ob sie eigentlich wissen, für WEN sie arbeiten.

    „Freiheit wird dir nicht gegeben, du musst sie dir nehmen“

    LG Andy :d

  28. Ich habe vor einer Woche meinen Job freiwillig gekündigt, ohne einen neuen gefunden zu haben. War 2,5 Jahre unbefristet und top bezahlt in einer großen Firma angestellt, kaum jemand in der reellen Umgebung wird es verstehen können. Aber es ist eine Erlösung. Nicht mehr 7 Stunden am Tag vor dem PC sitzen mit zwei halbtoten Menschen im Büro, die an nichts anderes denken als »Gott sei dank, ich habe einen Job!«. Der Mensch braucht so wenig an materiellen Dingen! Und alles was mich glücklich macht, kostet fast gar nichts, weil das alles entweder Sport oder Selbstentwicklung ist. Mein Gott, was kostet denn ein Tag im Freibad? oder in der Eishalle im Winter? was kostet es, im Park inlinern zu gehen (wenn man die Inliner einmal gekauft hat)? was kostet es, im Wald joggen zu gehen? Bücher zu lesen? sich mit Menschen zu unterhalten? ich sage, was das kostet: Das braucht die Fähigkeit und den Willen, sich zu bewegen, aktiv zu sein, nachzudenken, sich körperlich anzustrengen und zu perfektionieren (ich meine Sport). und das braucht Freizeit. aber am wenigsten braucht es Geld. und die blöden smartphones, fernseher, autos brauche ich nicht. Die Leute haben sich selber zu Sklaven gemacht, die sitzen dann im Büro und beschweren sich, dass sie nicht das tolle Wetter da draußen genießen dürfen, weil sie arbeiten müssen. Na, selber schuld. Dann sitze halt in deinem stinkenden Büro, das Gehirn von der Angst paralysiert »bloß nicht meinen Job verlieren, bloß nicht!«, und erwirtschafte dir das Geld, um es am nächsten Tag für unnütze Dinge auszugeben. Und ich gehe lieber schwimmen.

    Ich bin 30, habe ausstudiert, dann nach der Uni paar Monate von Hartz IV gelebt, bis ich den viel beneideten Job gefunden hatte. Nur nach ein paar Wochen stellte ich damals fest, dass ich mit HartzIV gesünder und glücklicher war, als mit dem tollen Gehalt und dem Gedanken, endlich mal in die erfolgreiche Gesellschaft integriert zu sein. Hatte dann angefangen, wie verrückt Sachen zu kaufen. Kaufen, kaufen, kaufen. Denn ich konnte nicht verstehen: Wo bleibt das versprochene und erhoffte Glück, was mit der tollen Erwerbstätigkeit eintreten sollte? Warum bin ich so niedergeschlagen, habe so ungesunde Farbe im Gesicht, und sehe keinen Sinn mehr im Leben, hatte ich mich damals gefragt. Und kaufte noch mehr, in der Hoffnung, das Glück kommt mit den Klamotten und teuren Parfums. Hatte nach einem Jahr sogar ein berufsbegleitendes Zweitstudium angefangen (für noch mal 350 Euro im Monat!!!) (also bloß nicht den Job verlieren! jetzt doch ganz bestimmt nicht!), weil ich dachte, ich wäre schuld daran, dass ich seit dem Arbeitsantritt keinen Sinn mehr im Leben sehe, weil ich das falsche Fach studiert hatte. Da wurde ich erst richtig krank, schon nach drei Wochen dieses Marathons....
    Jetzt bin ich arbeitslos und werde meine Zeit in den Bauchtanz investieren. Vielleicht wird was aus mir auf diesem Terrain. Und wenn nicht, dann genieße ich zumindest jeden Tag, den mir das Leben schenkt.

  29. @Acquario

    Ich habe vor einer Woche meinen Job freiwillig gekündigt, ohne einen neuen gefunden zu haben. War 2,5 Jahre unbefristet und top bezahlt in einer großen Firma angestellt, kaum jemand in der reellen Umgebung wird es verstehen können. Aber es ist eine Erlösung.

    Respekt. Den Mut werden nur die Wenigsten haben. Richtig ist, wie es Andy oben schon beschrieben hat, dass man viel Selbstdiszipin braucht, wenn man nicht in ein »tiefes Loch« fallen will. Wieder zu lernen, dass man für sein Leben und seine Freizeitgestaltung selbst verantwortlich ist, ist nicht einfach. Keine Furcht mehr vor der Freiheit haben. Und sich nicht von den nachgeplapperten Phrasen gegenüber Erwerbslosen einschüchtern lassen.

  30. Habe den Thread auch mit viel Interesse gelesen. Bin auch seit einem halben Jahr arbeitslos und es geht mir gut dabei. Mir ist überhaupt nicht langweilig, habe Hobbies, lese Bücher usw. Bewerbe mich aber fleissig, denn dies habe ich ja in der Vereinbarung mit dem Arbeitsamt unterschrieben. Jedoch habe ich auch schon ein paar Angebote von Zeitarbeitsfirmen abgelehnt, da es schlechte Angebote waren.

    Vorher war ich in einem Call Center beschäftigt. Übelste Arbeitsbedingungen, Magenschmerzen waren die Folge.
    Die meisten Arbeitnehmer, die ich kenne, definieren sich leider über ihren Job, es ist das, was sie ausmacht. Sie wollen »auf keinen Fall arbeitslos sein«.
    Mit dieser Einstellung riskieren sie aber, alles für einen Job zu machen und sich ausbeuten zu lassen.

  31. Ein Stück Prosa, das meine Befindlichkeit im Rahmen meiner letzten Erwerbsarbeit gut zusammenfasst:

    —-

    Spiegel‐Tage

    Die grausame Stille in der unerträglichen Zwischenwelt Büro lässt die Zeit still stehen. Schweigen ist hier Kommunikation – eine ewigwährende, gegenseitige Ermahnung zur Pflicht. Die Finger müssen in Bewegung bleiben und geschäftig auf die Tasten hacken um den Schein zu wahren.

    Eine Lüge, die wir zu leben gezwungen werden. Den Arbeitsvertrag mit unserer Zeugung unterzeichnet, aus dem Mutterleib gepresst, bereit zum Einsatz. Alternativloses Anti‐Leben. Im Marschschritt mit dem Trott der Anderen zur Produktionsstätte marschieren und ausgesaugt nach fester Taktung wieder in die Ladestation zurück.

    Dummheit tanken im TV, Gifte konsumieren zur Beruhigung, Pläne machen die der Alltag bremst, nicht lieben können was man hat und neues Spielzeug suchen, das uns weiter an die Pflichten bindet.

    Das Herz pumpt aufgeregt im Bett, weil es heute gern gelebt hätte.

    —-

  32. Wow die Prosa hat’s in sich. Leider trifft sie bei der Masse der Arbeitnehmer zu. Kann jedem Kommentar nur zustimmen. Mich hat das Büro mental krank gemacht. Die lange Pendelei, keine Anerkennung, stumpfsinnige Tätigkeit. Bore‐Out bekommen. Dann immer die dummen Sprüche wie Hauptsache Arbeit, mir macht es auch keinen Spass, so ist es eben. Man müsste schon verdammt viel verdienen um dafür die Lebenszeit zu opfern. Hab die Ausbeutung satt gehabt, suche jetzt nach einem Erwerb wo man Mensch sein darf und gleichzeitig ein wenig Sinn in der Tätigkeit hat. Damit fallen 99 % aller »Jobs« weg. Bleibt noch die Selbstständigkeit, bewundere jedenfalls jeden der sein oder ihr eigener Chef ist. Macht mehr Sinn wie sich an nen Konzern/ Firma zu verkaufen und als Hamster irgendwann umzufallen.

  33. Nicht arbeiten ist das was normal ist. Arbeit ist eine Erfindung des Menschen.
    Menschen beuten sich auf diese Art und Weise gegenseitig aus und erzeugen solche perversen Systeme wie wir es seit langer Zeit haben.
    Vor langer Zeit galt die Nichtarbeit als Status der Reichen und wer arbeitete war eben nur ein Diener oder Sklave.

    Heute ist die Arbeit unser Dogma.
    Man hat den Menschen schleichend beigebracht und später dann automatisch von Generation zu Generation vorgelebt, dass Arbeit eine Grundvoraussetzung zum Leben ist.
    Wer nicht arbeitet soll auch nichts essen, sagte ein Politiker unserer Zeit.
    Man definiert also die Arbeit als praktisch unumstößlichen Teil des Seins.
    Aber warum wurde auf einmal die Arbeit so toll und galt nicht mehr (zumindest offiziell) als Sklaventum und Dienerdasein.
    Das hat etwas mit der Wandlung der Systemgrundlage zu tun.
    Früher war der Mensch selbst die Energie und Kraft. Er Nutze Tiere die er auch zur Arbeit versklavte, aber er musste selbst viel tun. Damals war ja auch Skalverei normal und man besaß eben welche als »Höhergestellter«, der natürlich nicht arbeiten musste.

    Seit ein paar hundert Jahren arbeiten aber die Menschen in Fabriken und die Kraft und Energie kam nun künstlich, genutzt durch die Ressourcen der Erde.
    Diese Ressourcen sind am Ende nichts weiter als die Kraft der Sonne. Gespeicherte Energien in Form von Kohle, Erdöl/Gas und anderen Formen, auch z.B. nachwachsender Rohstoffe, die durch Sonnenkraft entstehen.
    Jetzt entnimmt der Mensch, ohne sich der Tragweiten bewusst zu werden, der Erde diese gespeicherten Energien und muss selbst viel weniger tun, theoretisch zumindest.

    Also da nun Maschinen und aktuell ja der technologische Fortschritt für uns arbeitet, musste dem Menschen klar gemacht werden, dass Arbeit an sich für Glück, Wohlbefinden und Wohlstand sorgen und nicht mehr nur Mittel zum Zweck sind.

    Dahinter steckt noch immer eine Dienerdasein und Sklaverei durch Zwang. Es ist nur gut getarnt und das Denken entartet worden, dass der Michel der jeden Tag sich zur Arbeit schlepp und auf die Rente zufiebert, glaubt ohne Arbeit würde er etwas verbotenes tun.

    Aber warum ist dem so? Warum werden Menschen nicht einfach jetzt befreit und immer mehr von der Zwangsarbeit gekoppelt, wenn schon Technik und Maschinen die Arbeit selbst erledigen?

    Weil dahinter ein Verteilungssystem steckt und eine Gewaltenteilung.
    Denn genau wie damals gibt es noch immer reiche Menschen und die breite Masse der armen Menschen.
    Warum wohl arbeiten unsere gewählten Volksvertreter nur soweit für ihre Auftragsgeber, also uns, wie nötig, aber tun alles um eine Wirtschaft inkl. Banken/Großkonzernen usw. stetig den Hintern mit Seide abzuwischen?
    Eigentlich ist unser System völlig verdreht. Deswegen geht es uns auch nicht wirklich gut und deswegen muss die Arbeit über allem stehen.
    Wir, die meisten Menschen, stehen ganz unten in einem Pyramidensystem und dienen allem was darüber steht stetig und praktisch ohne eine echte Alternative, die mit der Zeit zusätzlich immer mehr weggenommen wird, wie man aktuell ja spüren kann.

    In einem klugen System, würde die breite Schicht Menschen aber über allem anderen stehen und das System würde so ausgelegt sein, dass es uns allen dient und nicht wir dem System dienen.

    Wir haben aktuell eine Wirtschaft, inkl. Staat, Banken, Pharma, Rüstungskonzerne, Versicherungen und alle diese Institutionen samt Lobbyvereine, EU Politiker usw. Die dem eigentlichen Sinn ihres Daseins unterdrücken und sich zur herrschenden Klasse erhoben hat.
    Sie sollen dienen und den Menschen befreien.
    Es läuft aber nicht so ab.
    Sondern man macht die Wirtschaft (genannte Vereinigungen) zum Herrscher. Somit müssen wir dieser kleinen Gruppe dienen und hier kommt die Arbeit ins Spiel.
    Früher gab es offiziell Skalven und Skalvenhandel, heute gibt es den Arbeitsmarkt und den verstecken Skalvenhandel.
    Arbeit ist etwas das man am Ende bemessen kann und einen Wert zuteilen und der auch Werte erzeugt. Der Mensch und seine Kraft ist eine Größe die etwas erzeugen kann und das man dann verteilen kann.
    Nur wird es nicht fair verteilt, sondern einfach abgeschöpft und umverteilt.
    Die Menschen arbeiten und arbeiten und werden durch Maschinen und Technik, Know How und Fortschritt immer produktiver und müssten für einen gewissen Lebensstandard viel viel weniger tun.
    Wir haben ein stetiges Wachstum, immer mehr Reichtum, aber es kommt nicht bei den vielen Menschen an, sondern bei wenigen, die davon stetig profitieren und ihre Macht durch Geld dazu nutzen, das es so bleibt und sogar forciert wird.

    Dem »einfachen« arbeitenden Menschen wurde statt der Peitsche des Sklaventreibers früherer Tage, nun etwas mehr Freiraum gegeben, damit er seine verzwickte Lage der Nötigung und des Zwangs nicht erkennt und Kriterien in die Welt geschrieben, dass Arbeit nunmal notwendig und absolut verpflichtend sei.

    Es war also praktisch die Skalverei abzuschaffen und durch einen goldenen Käfig zu ersetzen, der Freiheit und Glück vorgaukelt, aber eigentlich die Menschen zu freiwilligen Nutztieren macht, die sich selbst auch noch unterjochen, wenn man diese Ketten sprengen will.
    Also muss auch logischerweise die Nichtarbeit als etwas schlechtes dargestellt werden.

    Klar wenn man viel Geld hat, darf man auch nichtarbeiten, daher wollen wir auch alle immer viel davon, aber es wird künstlich in Knappheit gehalten, denn ohne die breite Masse der Nutztiere die wir darstellen, gibt es keine Reichen mehr.

    Reichtum basiert immer auf der Ausbeutung vieler. Auch wenn jetzt der Fortschritt uns befreien könnte, werden Mittel und Wege gesucht, die Ketten nicht aufzulösen.
    BGE sind tolle Ideen, aber solange die Herrschende Klasse des Pyramidensystems davon nicht als Gewinner hervor geht, solange wird es diese Dinge nicht geben.
    BGE sind deswegen toll, weil sie uns in die Lage versetzen NEIN zu sagen. Wir müssen ja nicht mehr.
    Natürlich muss trotzdem Wasser erzeugt werden in den Werken, Strom fließt auch nicht einfach so aus der Wand.
    Es gibt also ein Mindestmaß an Arbeit die getan werden muss, wenn es die Maschinen nicht kann.
    Daran wird keiner zweifeln, aber wieviel ist das denn noch?

    Für ein einfaches Leben auf 50–60 m², ohne Auto, ohne groß Luxusgüter, bei natürlicher Ernährung und kleinem Stromverbrauch für die nötigen Dinge wie einen Kühlschrank, vielleicht einen PC, hin und wieder dem Staubsauger und noch einem kleinen Hobby?

    Wieviel muss der Mensch noch tun für einen kleinen Teil Energie den er verbraucht, bei der heutigen Technik und der Menge an Menschen die sich gegenseitig dabei unterstützen könnten?

    Wenn jemand meint er muss ein 500 PS Auto fahren, braucht ein Koi‐Aquarium in der Eingangshalle seiner Luxusvilla, viel Land und den edlen Pelzmantel in der üppigen Einrichtung seines Kleiderzimmers, dann muss er dafür auch die ganze Woche jeden Tag arbeiten, um diese Güter zu erzeugen.

    Das wäre normal...Aber unser verdrehtes System schliesst hier den Kreis.
    Wir alle werden durch unsere geleistete Arbeit um den Lohn betrogen, da es nur umverteilt wird.

    Wenn ein Konzernchef von Bayer, Apple, Microsoft neben seinen Grundgehalt von ein paar Millionen bis ja schon Milliarden im Jahr, noch einen Bonus braucht, weil das Geschäftsjahr sehr gut lief, dann erkennt man sehr leicht wie umverteilt wird.

    Die riesigen Milliardengewinne haben alle Mitarbeiter zusammen erarbeitet und auf der anderen Seite durch viel zu hohe Preise geschaffen.
    Aber werden diese Milliarden auf alle Mitarbeiter gerecht aufgeteilt, jeder erhält also den selben Anteil?
    Nein... man bindet die Masse an Knebelverträge und lässt sie rund um die Uhr arbeiten, so ergeben sich viele Werte, weit über den eigentlichen nötigen Wert den der Mensch für sein kleines Leben braucht. Der Rest fliesst in die Hand von wenigen Menschen und wird weiter verteilt an die Gehilfen wie Politiker und Lobbyverbänden, damit das alles so bleibt.

    Das ist die Wahrheit dahinter.

    Jeden Tag erleben wir das. Bei jeder Wahl sehen wir, dass wir immer die falschen wählen und das die Zügel enger gezogen werden, um mehr aus uns herauszuholen, um unsere Schulden bei der Reichenfraktion abzubezahlen über die Arbeit. Daher der stetige Wachstumsgedanken der durch Zinseszinseffekt nur um so größer wird.
    Wohin fliessen denn die unglaublich hohen Steuergelder?
    Wir bezahlen bei allen Dingen die wir kaufen im Geschäft mittlerweile ca. 40% Unternehmensschulden. Vor ein paar Jahrzehnten waren es noch 10%.. Wir stellen die Dinge selbst her, die wir dann im Laden kaufen müssen und bezahlen darauf Steuern und tilgen Schulden.
    Diese Gelder fleissen dann als Schuldgeld zurück zu den Gläubigern.. nur wer ist das? Privatbanken und dahinter private Personen und deren Gehilfen..
    Die ganze Privatsierung ist am Ende nur ein Ausverkauf unserer Freiheit und der Transfer zukünftiger Skalvenarbeit für ein paar Ausbeuter.

    Unsere Politik gibt ja gebetsmühlenartig was von Arbeit ist Freiheit wieder, Wachstum und Vollzeitbeschäftigung ist das Ziel..

    Man muss sich nur die Frage stellen, wer wirklich etwas davon hat.

    Wer erstmal eine Weile (Jahre) ohne Arbeit leben durfte, völlig frei, ohne Druck. Der erkennt sehr schnell, dass dadurch das echte Leben erst erblüht.
    Erkenntnisse, Reife, Gutmütigkeit, Sensibilität, Zufriedenheit, innerliche Ruhe und Stärke, ganz anderes Verständis zum Leben entsteht und so unglaublich viel mehr.

    Wer dann nach diesen Jahren zurück in dieses Zwangssystem muss, wird an sich selbst erkennen wie er langsam aber stetig verkümmert und immer mehr kaputt gemacht wird, seine Werte verliert und zum verdummten Arbeitsroboter dahinsiecht, mit wenig Freude, kaum innere Kraft für die Liebe, Güte und Energie für das Leben. Wie er verzweifelt mit sich ringt und aus diesem Käfig ausbrechen will. Wir er wieder gierig wird, voller Unzufriedenheit ist und einer Sehnsucht nach Freiheit.

    Arbeiten ist lebensfeindlich und eine künstliche Sache erzeugt vom Menschen, um die Menschen durch Hilfsmittel wie Geld auszubeuten und zu trennen voneinander.

    Die Nichtarbeit ist unser aller Ziel. Wir reden hier nicht von Taten generell die man von sich aus gerne, für sich oder andere tut. Wir reden von der Zwangsarbeit für ein Ausbeutersystem, was in uns nichts übrig lässt als Zorn, Trauer und den Wunsch nach Befreiung.
    Am Ende werden wir selbst zum Ausbeuter und verlieren unsere Werte, nur um über Geld unsere Freiheit zurückzugewinnen.

    Aber ich sage euch was... Wenn ihr soweit seit, wenn ich euch in diese Untiefen begeben habt, euch selbst zum Monster gemacht habt, seit ihr ein anderer Mensch. Wenn man dann das viele Geld hat, ist man nur noch ein Schatten seines wahren Seins. Nicht wegen des Geldes selbst, sondern wegen dem Weg den man gehen musste, um es zu bekommen.. (Ausnahmen wären ein Lottogewinn, aber zählt 5 Leute auf die ihr kennt, die es so geschafft haben...)

    Man ist wie der kleine Gollom aus Herr der Ringe.. Man hat den Schatz, aber man hat auch alles verloren und ist gebrochen..

    In dem Sinne...lasst uns das System ändern, dann ändert sich auch unser Denken und unsere Welt..

    Wie ändern wir es? In dem wir Menschen finden und für uns sprechen lassen, die die Wirtschaft(inkl. Banken und alle diese Institutionen) wieder unterordnen und die Diener zu Dienern machen und die jetzige Sklavenarmee somit befreit..
    Wenn wir uns von Geld lösen und erkennen das wir einfach verteilen und nicht vorenthalten die Reichtümer.
    Wenn wir lernen das nicht das Neue toll ist, sondern das Bestehende zu erhalten und zu pflegen. Wenn wir unseren Kindern nicht den Wettkampf lehren, sondern den schwächeren zu helfen und zu geben.
    Wenn wir andere nicht negativ bewerten, sondern an uns selbst arbeiten, unseren Geist zu zügeln und unser nimmersattes Ego zu beherrschen..
    Vor allem die Kinder sind es, die andere Werte und einen anderen Sinn im Leben lernen und ganz normal vorgelebt bekommen müssen.
    Denn diese werden dann ganz normal damit umgehen, wenn jemand nicht arbeitet, sie werden die Arbeit als etwas sehen, dass m an los werden will und man dafür die richtigen Dinge tut..

    Viele Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.