Arbeitslose dürfen nicht glücklich sein!

Arbeitslosigkeit und Glück dürfen nicht zusammengehören. Wer arbeitslos ist, hat sich zu schämen, zu ducken, muss unglücklich und unzufrieden mit sich und seinem Leben sein. Da sich jedes Individuum in Deutschland über Lohnarbeit zu definieren hat, müssen folglich alle Erwerbslosen unglücklich und unzufrieden sein. Freunde, Liebesbeziehung, Familie,  ehrenamtliche Arbeit, Sport, Reisen, Bücher, Musik sowie sonstige Hobbys und Leidenschaften dürfen nicht zufrieden und glücklich machen. Das darf nur die Lohnarbeit. Schließlich stellt sie einen Wert an sich dar, völlig unabhängig von Art und Inhalt der Tätigkeit.

Folglich sind arbeitslose Menschen, die für sich reklamieren zufrieden und glücklich zu sein, Schmarotzer und Parasiten. Ballastexistenzen, die allen Menschen die Lohnarbeit haben, metaphorisch ins Gesicht spucken. Schließlich zeigen Erwerbslose, die für sich reklamieren glücklich zu sein, den Lohnarbeitern in aller Dreistigkeit auf, dass sie sich nicht der Sklavenmoral unterwerfen. Und genau das muss doch jeder aufrechte Deutsche tun: sich dem Zwang der Lohnarbeit unterwerfen, Mobbing und Ausbeutung ertragen sowie sich eine Sklavenmoral des »Hauptsache Arbeit – welche ist egal!« zu eigen machen, oder nicht?

P:S: Nach meinem Studium war ich einige Monate arbeitslos und trotzdem nicht groß unzufrieden. Ab Mitte April absolviere ich eine sechsmonatige Fundraising-Fortbildung. Nach herrschender Ideologie darf ich dann wieder allen zeigen, dass ich glücklich bin.

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17 Antworten zu »Arbeitslose dürfen nicht glücklich sein!«

  1. jtheripper sagt:

    April, April, war schon tot… Oder doch nicht?

  2. landbewohner sagt:

    genau das ist die crux. wenn alle- oder jedenfalls ganz viele- arbeitslose so wie die »glücklichen arbeitslosen, berlin« offensiv in die öffentlichkeit gingen, der dämlichen masse und den die werte bestimmenden »echten sozialschmarotzern« zeigen würden, daß ein von erwerbsarbeit befreites leben, sinnvoller ist als zwangsweise schrott zu produzieren oder schwachsinnige dienstleistungen anzubieten, nur dann könnte ein umdenken in der gesellschaft einsetzen. logo natürlich, daß zeitgleich auch immer ein adäuates einkommen, welches zur teilnahme am leben ausreichen muss, eingefordert wird.

  3. thinkJD sagt:

    Woher kommt diese Einstellung? Wird diese Denke nicht von den Medien geschürt? An jeder Ecke wird über den Asozialen Harz4 Empfänger berichtet. Im kompletten »Mittagsprogramm« werden die Menschen als die größten Asozialen hingestellt mit der Bildunterschrift. »Schorsch (45) arbeitslos«. Fakt ist doch, wir haben nicht genügend Arbeitsplätze und nicht jeder ist auf jeden Arbeitsplatz vermittelbar. Meiner Ansicht nach bleibt als Lösung nur ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dafür braucht man sich auch nicht zu schämen. Jeder bekommt es…

  4. Womblog sagt:

    Arbeitslose dürfen nicht glücklich sein!…

    Von Epikur | ZG Blog |- Arbeitslosigkeit und Glück dürfen nicht zusammengehören. Wer arbeitslos ist, hat sich zu schämen, zu ducken, muss unglücklich und unzufrieden mit sich und seinem Leben sein. Da sich jedes Individuum in D…

  5. epikur sagt:

    @jtheripper

    Nene. Ich mach bei dem Aprilscherz-Gebaren nicht mit. Ist mir viel zu »lustig«…*hust*.

    @landbewohner

    Ich hab irgendwo mal einen schönen Satz aufgeschnappt, der so ging: Abstrahiert von der Notwendigkeit der Einkommenserwirtschaftung: wer die notwendigen geistigen Fähigkeiten und die Selbstdisziplin zur Eigengestaltung des Lebens hat, für den ist Arbeitslosigkeit immer eine Erlösung und kann niemals Bestrafung sein.

  6. Julie sagt:

    Tach, zusammen !

    Genau aus diesen Gründen benutze ich auch meist das Wort »Erwerbslosigkeit« und nicht »Arbeitslosigkeit«. Wer erwerbslos ist, muss noch längst nicht arbeitslos sein, oder ? Meine Tage sind jedenfalls mit sehr viel Produktivität und nützlichen Dingen ausgefüllt. Aber dennoch würde mich eine gute und faire Arbeit glücklicher machen.

    Herzliche Grüße und schöne Ostern wünscht
    Julie

  7. Peter sagt:

    Ich wohne an einem schönen Platz in Hamburg – Altona. Genau gegenüber steht ein großes Bürogebäude. Jeden Tag sitzen dort diese Leute von morgens bis abends in ihren Zellen. Ich kann sogar die Küchen sehen, an denen sie sich mittags aufhalten und ihr Essen herunterschlingen. Es ist unbegreiflich für mich, der auch oft erwerbslos, aber sehr glücklich, nicht zum Arbeitsamt deswegen gehend, das so ein Leben überhaupt möglich ist. Daß dies immer noch der Standart ist, nach dem man zu Leben hat, kann ich nicht verstehen. auch wenn man es mir erklärt. Ich verstehe es nicht. Keine Ahnung wie man sich zum Sklaven von Banken machen lassen kann. Was hat den ein Mensch von einem Haus, welches eine Million gekostet hat, wenn man nie die Möglichkeit hat, sich darin aufzuhalten. Ich fühle mich einfach sehr unzugehörig und zum Glück habe ich eine Partnerin der es genauso geht und die auch danach lebt. Es ist schier unmöglich überhaupt Menschen zu treffen, die meine Auffassung von der Bedeutung »Leben« überhaupt teilen. Kurioserweise trifft man die eher im Internet, wie in diesem Blog, als im »wirklichen« Leben. Selbst in der »Kunst«, in der ich zuhause bin, wird fast alles nur nach ökonomischen Prinzipien beurteilt. Arbeit, Arbeit über alles. Was für »verschenkte« Leben und Träume. Welche Verzweiflung muß in diesen Menschen stecken.
    BTW: Viel Glück für dein Fortbildung. Ich lese diesen Blog sehr gerne.

  8. Roberto J. De Lapuente sagt:

    Bist Du heute wieder negativ, Markus. Du solltest über die Legionen glücklicher Menschen berichten, die jeden Tag für ihr Glück und ihre Freiheit arbeiten dürfen. Solche Glücklichen, die in ihrer Individualität kaum mehr zu unterscheiden sind…

  9. Mein Politikblog sagt:

    Arbeitslose dürfen nicht glücklich sein!…

    Von epikur | Zeitgeist Blog | – Arbeitslosigkeit und Glück dürfen nicht zusammengehören. Wer arbeitslos ist, hat sich zu schämen, zu ducken, muss unglücklich und unzufrieden mit sich und seinem Leben sein. Da sich jedes Individuum in Deutschland …

  10. algore85 sagt:

    @ Peter

    Hast mir aus der Seele gesprochen. Hast wieder einen gefunden,dem es genauso geht. Bin nur von diesen Job und Praktikium Zombies umgeben, die Arbeit mit Sinn verwechseln.

    Apropos Zombies, ich flaube diese Flut von Zombie-Filmen ist die unterbewsste Verarbeitung unseres seelenlosen Wertesystems, dass nur das vertilgen und verbrauchen von aasigen Konsumgütern belohnt. :)

  11. Rainer Wenk sagt:

    Noch besser sind (TV)Berichte, in denen rauchende und Alkohol trinkende und nach Arbeit suchende Menschen präsentiert werden. Ein Lohnabhängiger Angestellter darf nach diesem Verständnis rauchen und Alkohol trinken, da er ja einer geregelten Arbeit nachgeht!? Durch den Tabak- und Alkoholkonsum bringt derjenige allerdings seine Arbeitskraft in Gefahr. Nach dieser Logik dürfte eigentlich niemand rauchen oder trinken. Und der Staat keine Milliarden an Steuern einnehmen. Das übersteigt aber das Verständnis der meisten Zuschauer derartiger Berichte. Übrigens übersteigt allein die Anzahl der ALG I Empfänger deutlich die Anzahl der vorhanden Stellen auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt! Nach aktuellen Zahlen gab es im März 1.294.544 ALG I sowie 5.015.824 erwerbsfähige ALG II Empfänger. Weiterhin 395.00 Nichtleistungsempfänger und 890.000 Kurzarbeiter. Ohne Kurzarbeiter sind somit 6 Millionen 705.368 Menschen auf der Suche nach einer Existenzabsichernden Erwerbstätigkeit. Quelle: http://statistik.arbeitsagentur.de Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes im März 2010 – Seite 20/51
    Für Gesamtdeutschland hat das IAB nach aktuellen Zahlen ein Stellenangebot für den ersten Arbeitsmarkt von 764.000 freien Stellen angegeben.
    Quelle: http://doku.iab.de/grauepap/2010/os0904.pdf
    Abzüglich von Scheinangeboten (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,403459,00.html) und später zu besetzenden Stellen bleiben ca. 480.000 Stellenangebote auf dem ersten, ungeförderten Arbeitsmarkt, für über 6,7 Millionen nach „Arbeit“ suchender Menschen! Von denen wird bereits ein großer Teil in Arbeitsgelegenheiten oder Weiterbildungsmaßnahmen „beschäftigt und therapiert“. (z.B. 1,57 Millionen in einer von Bund oder Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme / 288.700 Personen in einer Arbeitsgelegenheit nach § 16d SGB II auch Ein-Euro-Jobs genannt / 3.600 Personen in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme-Seiten 6/32/33 aktueller Monatsbericht der BA)
    Im BA Jargon bedeutet sinkende Arbeitslosigkeit im Übrigen „Unterbeschäftigung“. 4 Millionen 731.000 waren im März in einer entlastenden Weiterbildungsmaßnahme oder einfach nur krank geschrieben. Und als Konsequenz nicht mehr als arbeitslos gezählt. (Seite 17 aktueller Monatsbericht)

  12. Frank sagt:

    Da fällt mir immer die Szene aus dem 2. Coen-Film »Arizona Junior« ein, in dem einer der Freunde zu Hi sagt: »Mensch Hi, du bist jung, du bist gesund. Was willst du mit einem Job?«

  13. Bernie sagt:

    Das Problem ist nicht allein, dass du völlig richtig siehst, dass Arbeitslose nicht glücklich sein dürfen, d.h. dass die Menschen in Deutschland sich mit Lohnarbeit allein identizifieren. Ich erlebe es selbst im nächsten, alltäglichen Umfeld: Für manche ist jede Tätigkeit, auch ohne Geld dafür zu erhalten, sofort Arbeit. Es wird wohl noch Jahre gehen bis die Arbeitsreligion in Deutschland besiegt ist – Man denke nur daran wie lange sich echte Religionen halten, um die Dimensin der, typisch deutschen, weltlichen Religion der »Arbeit« zu sehen. Arbeitslose sind Ketzer, und was man mit Ketzern in echten Religionen gemacht hat, dass ähnelt fatal der Vorgehensweise gegen KritikerInnen der typisch dt. Arbeitsreligion, und Ketzer wie Arbeitslose: Man spricht ihnen zunächst das Lebensrecht ab, alles andere folgt dann…..

    Waren eigentlich unsere Vorfahren, die »freien Germanen« auch schon solche Arbeitsfanatiker? Oder haben die Recht, die die »freien Germanen« wohl eher als Anarchisten des frühen Mittelalters sehen wollen?

    Interessante Fragen: Nicht wahr?

    Ich meine sogar im »Schwarzbuch Kapitalismus« – von Robert Kurz – gelesen zu haben, wie im Kapitalismus Menschen sich selbst als Arbeitssklaven züchten, und darauf sogar, dass perverseste überhaupt, stolz sind.

    Waren frei nach Nietzsche nicht die ersten Arbeitsformen Tätigkeiten für Sklaven? Die Sklavenmoral, die uns in Deutschland angezüchtet wurde, hat wohl hier ihren Ursprung?

    Frägt sich
    Bernie

  14. neanada sagt:

    Sehr schöner Beitrag. Finger in die Wunde gelegt. Genau das ist es, was mich bedrückt und krank macht – mit der Erwerbslosigkeit nicht glücklich sein zu dürfen.
    Ich nutze die Freiheit für die für mich wichtige Bildung, lese und versuche die Welt zu verstehen. Ich habe jeden Tag viel zu tun und trauere den Tagen hinterher, die mich nicht ein Stück weiter gebracht haben. Genau genommen, habe ich für Erwerbsarbeit gar keine Zeit. Während dieser könnte ich nicht an MIR arbeiten und meine Erkenntnisse anderen vermitteln.

    Leider ist in dieser Gesellschaft der schnöde Mammon wichtiger als die Entwicklung des Einzelnen und ich darf mich über meine Erfolge nur insgeheim (oder hier in der Anonymität des Internets) freuen.

  15. G. G. sagt:

    Ein sehr schöner Text. Wider der alltäglichen Volksverdummung und Massenpropaganda. Danke!

  16. Susi sagt:

    Jeder Mensch darf glücklich sein… Aber Sklavenmoral stimmt- absolut. Das merkt man schon am schulischen Druck, da fängt das an, und das zieht sich das ganze Leben hindurch vermute ich… Was soll´s… Man muss für sein Glück kämpfen und darf sich nicht ausbeuten lassen!
    Wenn es sein muss kämpfe ich dafür, dass ich frei bin…

  17. peter sagt:

    ich bin für mich persönlich der glücklichste mensch wenn ich endlich vom amt weg bin ;)

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