Kinder in Deutschland; Teil4: Prägung

„Jeder ist durch seine Vergangenheit beeinflusst, aber er wird nicht komplett durch sie bestimmt.“

– Sozialpsychologe Philip Zimbardo

Ohne Zweifel prägen uns unsere Kindheitserfahrungen. Wie stark und in welcher Form, ist aber die eigentliche Frage. Besonders zwei Lebensabschnittsphasen können als zentrale Charakterentwicklungsphasen angesehen werden. Das wäre zum einen die Phase der ersten drei bzw. fünf Lebensjahre und zum anderen die Zeit während der Pubertät. Erlebnisse und Erfahrungen, die wir in dieser Zeit machen, formen unseren Charakter. Dennoch haben wir jederzeit die Möglichkeit uns bewusst zu verändern, sofern der Wille und die Kraft dazu vorhanden sind.

Einige prägende Kindheitserlebnisse, die unser Verhalten mit beeinflussen können, sind folgende:

1.) Misstrauen. Wenn frühe Beziehungen zu den Eltern unzuverlässig waren und keine sichere Bindung vorhanden war, kann das für den Rest des Lebens ein unsicheres Gefühl hinterlassen. Solche Menschen glauben möglicherweise ihr Leben lang, dass anderen Menschen schwer zu trauen ist. Sie halten andere Menschen auf Abstand bzw. Distanz und haben eher Angst vor zuviel Nähe. Schließlich könnten sie ja wieder verletzt werden.

2.) Emotionale Entbehrung. Gab es zu Beginn des Lebens eine mangelhafte oder sogar fehlende Fürsorge, so kann sich ein tiefes Gefühl der inneren Leere im Erwachsenenalter breit machen. Solche Menschen fühlen sich wenig geliebt und wertgeschätzt.

3.) Überzogene Erwartungen. Extremes Leistungsdenken im Alter kann entstehen, wenn man in der Kindheit stark von den Eltern unter Druck stand. Die Eltern verlangten von sich selbst und ihrem Kind stets das Beste und doch hat es nie gereicht, um Anerkennung zu erhalten. Überzogener Perfektionismus an sich selbst und andere kann daraus entstehen.

4.) Anspruchshaltung. Wer in seiner Kindheit keine Grenzen respektieren musste und verwöhnt wurde, kann später als Erwachsener mit den Interessen und Bedürfnissen anderer schwer umgehen. Ein egozentrisches Weltbild kann so entstehen.

Wie gesagt, es gibt keine monokausalen Erklärungen zwischen vermeintlich schlechter Kindheit und Verhalten im Erwachsenenalter. Kindheit prägt, ist aber kein unabdingbares Schicksal.

– inspiriert von „Psychologie Heute“, Heft 25: „die Kindheit“, 2010.

->>> Kinder in Deutschland; Teil1: Kinderfeindlichkeit

->>> Kinder in Deutschland; Teil2: Sachzwang Kind?

->>> Kinder in Deutschland; Teil3: Erziehung

2 Gedanken zu “Kinder in Deutschland; Teil4: Prägung

  1. Das ist jetzt keine Kritik am Artikel. Dem stimme ich vollkommen zu.
    Die folgende Aussage finde ich ebenfalls stimmend;

    Dennoch haben wir jederzeit die Möglichkeit uns bewusst zu verändern, sofern der Wille und die Kraft dazu vorhanden sind.

    Leider fällt dann vielen nichts besseres ein, als sich von einem NLP-Coach dann in die niederen Weihen der Selbstoptimierung einführen zu lassen. Bei manchem davon, hab ich mir bereits schon den guten alten Kerl-oder Frau zurückgewünscht, welche/r sie vorher waren.

  2. Bewusste Veränderung ist möglich. Ja. Allerdings braucht diese auch Zeit und ein Umfeld, dass die Veränderung zumindest akzeptiert. Wille & Kraft ist schön und gut – doch braucht es mehr als das – meiner Erfahrung nach.

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