Als...
Mutter
Vater
Kind
Liebespartner
Lohnarbeiter
Steuerzahler
Konsument
Freund
Der Zwang zur lebenslangen Selbstentfremdung und die Hingabe zur konsumorientierten Identitätsproduktion gelten als gesunder Geisteszustand. Wer nicht mehr mitmachen kann oder will, wer auf die ureigenen Bedürfnisse hören und nicht mehr primär für die Interessen anderer Leute instrumentalisiert werden möchte, sei krank und brauche psychiatrische Behandlung. Frei und authentisch im Neoliberalismus ist, so zu sein, wie andere Dich haben wollen und nicht, wie Du gerne sein möchtest! Kultiviertes Doppeldenken als soziale Norm und Alltags-Realität.
Das hat letztens eine Frau zu mir gesagt, die das völlig ernst meinte. Sie sah absolut keinen Widerspruch zwischen den eigenen Bedürfnissen, Interessen und individuellen Charaktereigenschaften und dem, was andere, primär Unternehmen, Politik und die Familie von einem wollen, fordern und verlangen. Authentisch sei heute demnach, so zu sein, wie andere einen haben wollen und nicht, so zu sein, wie man wirklich ist. Oder noch besser: nur derjenige ist wirklich authentisch, der sich ohne Widerstand formen und biegen lässt. Selbstentfremdung sei Selbstverwirklichung. Ja, sind denn alle verrückt geworden? :wtf:
Wir sind zu passiven Zuschauern unserer eigenen Vernunft geworden. Marktkonforme Konsum-Sofa-Tiere, die sich den ganzen Tag von diversen Verstandableiter-Gimmicks verblödspaßen und von sog. »Experten« die alternativlose Wahrheit eintrichtern lassen. Die Vollzeit-Konsumierung mit Sinnsuche und Glück verwechseln. Lämmer, die Vergnügen für Freude und Stille für eine Plage halten. Gefühlsamöben, die ökonomisch unverwertbare Gedanken und Ideen als sinnfreien Intelligenzsalat diffamieren, anstatt die Liebe zur Weisheit als menschlichen Fortschritt zu begrüßen. Denn nur wer heutzutage als Marktheld im Konsum der
Es ist schon ein wenig pseudoelitär und selbstreferentiell, wenn man behauptet »fremd« zu sein. So als wollte man sich unbedingt von anderen Menschen abgrenzen, etwas »besonderes« sein, so ganz individuell und anders als alle anderen. Heute behaupten viele, sie seien »verrückt«, also kreativ, witzig, einzigartig. Dabei machen alle das Gleiche, besitzen das Gleiche und denken das Gleiche.
Wie ist es möglich, dass in einer Kosten-Nutzen-orientierten Gesellschaft Kinder existieren? Schließlich kostet der Nachwuchs doch viel Geld, verursacht Dreck und Lärm, belastet die eigenen Nerven, erfordert eine Menge Zeit und Geduld. Sie bringen also viele persönliche Nachteile mit sich. Die Antwort darauf ist meist: der Fortpflanzungstrieb, die Instinkte und die Emotionen sind dafür verantwortlich. Es ist halt Liebe. Die gängige Antwort von infantilen Gefühlsamöben, für die Emotionen stets auch Argumente sind. Ich behaupte dagegen: Kinder werden häufiger aus ganz anderen Gründen ‑und eher selten aus uneigennütziger und romantisch verklärter Liebe- in die Welt gesetzt, als Mann und Frau ehrlich zugeben wollen. 