Seit bald zehn Jahren schreibe ich gegen den ständigen Wahnsinn an. Gegen die installierten Narrative, gegen den massenmedialen Konsum-Zeitgeist, gegen Sprachpropaganda, gegen Kulturimperialismus, gegen pseudo-pädagogische Dogmen, gegen Medienverblödung und Lohnarbeitsfetischismus. Aber wofür schreibe ich eigentlich? Für Empathie, Nächstenliebe und Solidarität. Solche Werte sind heute völlig wertlos geworden. Schlimmer noch, sie werden im sozialen und pflegerischen Bereich für Profite instrumentalisiert: »ein Lächeln als Bezahlung ist doch mehr wert als eine anständige Entlohnung, nicht wahr?« Nichts und Niemand entkommt heute der marktradikalen Verwertungs- und Funktionslogik. Eine Weihnachtsrede, die keine sein kann. Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Gedanken
»Klugscheißer!«
Die immer größer werdende Ablehnung gegenüber sachlichen und rationalen Argumenten ist kaum noch zu übersehen. Es wird eigentlich fast nur noch skandalisiert, boulevardisiert und emotionalisiert. Trash-TV, Casting-Shows, Cat Content auf Facebook oder Promi-Todesfälle: alles muss irgendwie Unterhaltung sein, ja unterhaltend wirken. Deshalb finden sachliche Auseinandersetzungen im öffentlichen sowie im privaten Raum immer seltener statt. Wir sind zu Konsum-Entertainment-Robotern konditioniert und degradiert worden. Da machen Analysen von strukturellen Gewalten, Skandalen, Affären, Korruptionen, Kriegshetze, Medienpropaganda und Selbstentfremdungs-Mechanismen einfach keinen Spaß.
In weiten Bevölkerungsteilen herrscht zudem eine regelrechte Verachtung gegenüber Akademikern und Intellektuellen. Diese Besserwisser, Klugscheißer und Möchtegerns halten sich wohl für etwas Besseres? Daher ist es nur folgerichtig, wenn arbeitslose Akademiker oder Doktoranden in Call Center-Jobs oder Lagerarbeiten gepresst werden. Damit sie endlich mal sehen, was echte Arbeit ist! :jaja:
Bouldern
»Im Jahre 1989 gab es in ganz Deutschland laut Deutscher Alpenverein (DAV) gerade einmal 20 Kletterhallen mit über 100 Quadratmetern Kletterfläche. Elf Jahre später waren es bereits 180 und 2015 schon 440.«
Ich war jetzt schon einige Male in einer Turnhalle an Felswänden klettern. Es ist durchaus nett und macht Laune. Dabei könnte man es schon belassen und diesen Beitrag hier schließen. Warum aber gerade dieser Sport zu so einem starken Trend geworden ist, verwundert mich absolut nicht. Denn er beinhaltet und symbolisiert alles, was unser neoliberale Zeitgeist ausmacht: Fitness-Selbstoptimierung. Ich gegen den Rest der (Natur-)Welt. Sozialdarwinismus. Den (Karriere-)Gipfel erstürmen. Leistung durch eigenverantwortliche (Muskel-)Kraft. Disziplin. Fleiß. Kein Mannschafts‑, Gruppen- oder Solidaritätsdenken, sondern nur der Ich-bezogene Wettbewerbsgedanke. Nicht zuletzt unterstützt der Sport die tief verinnerlichten Selbstbetrug-Narrative: »Du kannst alles schaffen im Leben, wenn Du es nur wirklich willst! Vom Tellerwäscher zum Millionär! Auf Deine Einstellung kommt es an!« Natürlich interpretiere ich hier wieder viel zu viel hinein. Es geht doch nur um ein bisschen klettern! :jaja:
Bigotterie. Doppelmoral. Scheinheiligkeit.

- Warum kritisieren alle Trump, weil er eine Mauer zwischen den USA und Mexiko bauen will, aber keiner sagt etwas zu der israelischen Mauer um den Gazastreifen (52 Kilometer), der israelischen Sperranlage im Westjordanland (759 Kilometer) oder der Frontex-Mauer um die EU?
- Weshalb redet alle Welt immer nur von Antisemitismus und Antiamerikanismus, aber niemals von Antirussismus oder Antiiranismus?
- Warum gibt es keine Eigenverantwortung für Banken und Konzerne? Warum werden diese häufig gerettet und/oder dauerhaft subventioniert, während die gemeine Bevölkerung bis in die Obdachlosigkeit sanktioniert wird?
- Warum dürfen die USA, Indien, Russland, Frankreich, Israel, Pakistan und Großbritannien Atombomben besitzen, aber Nordkorea und der Iran nicht?
- Weshalb gibt es eine so große Kritik an der AfD, der NPD oder am Rechtspopulismus allgemein, aber niemand schert sich weiter um die Aufklärung des NSU-Sumpfes oder thematisiert die Zusammenarbeit der deutschen Bundesregierung mit der rechtsextremen Ukraine-Regierung?
- Warum sind Demonstrationen in China, Iran oder Venezuela Anzeichen einer demokratischen Gesinnung, in Deutschland seien das jedoch regelmäßig Extremisten und Chaoten?
- Wie ist es zu bewerten, dass die NATO-Massenmedien jahrzehntelang jede Kritik an der US-Regierung als antiamerikanisch diffamiert hat und nun selbst die größte antiamerikanische Trump-Bashing-Propaganda seit dem Zweiten Weltkrieg betreibt?
Erfolgsorientierter Verwertungszwang
Wenn ich mich mit Freunden, der Familie oder mit Arbeitskollegen über Menschen wie beispielsweise Daniela Katzenberger, Dieter Bohlen oder Verona Pooth unterhalte, kommt irgendwann die Floskel, dass die alle ja doch irgendwie klug und clever seien, weil sie es schließlich geschafft hätten, irgendwie Geld zu machen. Echte Kenntnisse in Literatur, Musik, Kunst, Wissenschaft oder Kultur spielen bei der Bewertung von Menschen scheinbar nur noch insofern eine Rolle, wenn dieses Wissen irgendwie nützlich zur Geldvermehrung, im Beruf oder für den persönlichen Vorteil verwertet werden kann. Intelligent sei, wer sich oder irgendeinen Mist verkaufen kann. Ansonsten ist es per se unnützes Nerd-Wissen oder Klugscheißerei. Hierbei stelle ich mir folgende Fragen:
- Heißt das etwa auch, schlau ist, wer clever-kriminell ist? Wer Steuern hinterzieht, kreative Buchhaltung betreibt oder mit Finanzprodukten krumme Geschäfte macht?
- Jubelt die Bevölkerung etwa Kriminellen zu? Sind sie die neuen und/oder echten Vorbilder? Sind Uli Hoeness und Tony Soprano unsere heimlichen Helden?
- Sind Tricksereien, Menschenfeindlichkeit und Korruption etwa die eigentlich anstrebsamen Werte? Weil man damit mehr Geld machen kann?
- Wenn der Ehrliche der Dumme ist, ist dann der Lügner der Schlaue?
- Ist das eine Welt, in der wir wirklich leben wollen? Und wie verlogen erziehen wir dann eigentlich unsere Kinder?
» »Marktintelligenz«
» »Nutzklugheit und Marktintelligenz«
» »Wertlose Schöpfungen«
»Jeder ist seines Krankheit Schmied!«

© epikur
Das neoliberale Eigenverantwortungs-Dogma hat mittlerweile jede Pore des gesellschaftlichen Lebens vergiftet. Strukturelle Bedingungen, äußere Einflüsse oder umweltbedingte Faktoren werden so systematisch ausgeblendet und ignoriert. »Vom Tellerwäscher zum Millionär!«, »Du hast nur die falsche/negative Einstellung!« oder »Du kannst alles schaffen im Leben, wenn Du es nur wirklich willst!«, sind die typischen Leitsätze, die tief verinnerlicht wurden. Gesetzliche, umweltbedingte, neofeudale und finanzielle Rahmenbedingungen werden komplett ausgeklammert.
Ähnlich verhält es sich bei dem Thema Krankheit und Gesundheit. Krankheiten werden zunehmend nur noch mit Eigenverantwortungs-Floskeln verargumentiert: zuwenig Sport, falsche Ernährung, genetisch bedingt, zuviel Stress, zuwenig Prävention und Vorsorge, zuviel Alkohol und/oder Zigaretten und so weiter. Natürlich haben diese Faktoren einen erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit. Aber gibt es überhaupt noch schulmedizinische Ärzte die von Lebensmittel- und Kosmetikgiften sprechen? Von Krankenhaus-Keimen? Raffinade-Zucker? Gifitger Stadtluft? Verseuchte Böden und Pestiziden? Chemischen Schadstoffen in unserer Umgebung? Von Medikamenten-Nebenwirkungen? Oder sind das nur Verschwörungstheorien von linken Stalin-Steinzeit-Kommunisten? :pfeif:
Sinn im Unsinn
Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Oder: einfach mal radikal die eigene Perspektive wechseln, vielleicht erscheinen einem dann manche Ereignisse nicht nur in einem anderen Licht, sondern machen dann durchaus auch Sinn. Oder eben auch nicht. Einige verquere Gedanken.
1.) Viele Menschen ärgern sich zu Recht über Angela Merkel’s Satz »Uns geht es gut!«. Vielleicht ist mit »uns« aber auch einfach nur die reiche und vermögende Oberschicht gemeint? Denn seit wann hat unsere Bundeskanzlerin die Interessen der Bevölkerung im Blick? Weiterlesen
Vom Geld-Selbstwert
Armut und Arbeitslosigkeit machen krank und depressiv. So lautet das allgemeine Narrativ und das öffentliche Dogma. Und das heißt eben auch: wer arm und/oder krank ist, soll möglichst nicht glücklich und zufrieden sein. Denn das würde ja Stillstand und mangelnden Veränderungs‑, Ehrgeiz- und Verbesserungswillen bedeuten, so der industriell-neoliberale Habitus. Immer in Bewegung sein, unendlich viele Bedürfnisse haben und niemals mit dem Ist-Zustand zufrieden sein, erzeugt jedoch chronisches Unglücklichsein. Und nein, das bedeutet freilich nicht, politisch erzeugte Massenarmut als fatalistisches Schicksal bedingungslos und devot zu akzeptieren.
Die eigene innere Zufriedenheit und das Selbstwertgefühl sollen an eine Lohnarbeit-Selbstverwertung und an den eigenen Kontostand gebunden sein. So will es der moderne Zeitgeist. Und so wollen es die Eliten aus Politik und Wirtschaft. Sie produzieren damit ‑neben ökonomischen und strukturellen Abhängigkeiten- auch eine mental-emotionale Hörigkeit. Ich halte es für elementar, das Selbstwertgefühl eben nicht an vergängliche Konsumgüter, an das eigene Aussehen oder an die eigenen Finanzen zu knüpfen. Das erzeugt langfristig nur Depressionen.
Und ja, ich höre schon die Einwände: natürlich sollten elementare Grundbedürfnisse, wie Wohnen, Essen oder auch mal Urlaub, stets gedeckt sein. Es ist für das eigene, langfristige Wohlbefinden jedoch deutlich gesünder, seine innere Zufriedenheit aus den eigenen Leidenschaften, Interessen und kreativen Ideen ‑jenseits von monetärer Verwertung- zu ziehen.
Nutzlosigkeit
Überflüssige Ballastexistenzen
Fruchtlose Zusammenarbeit
Ungeeignete Methoden
Sinnlose Maßnahmen
Verschwendete Zeit
Unproduktive Arbeit
Vergebliche Mühe
Unnützes Wissen
Unnütze Esser
Wertlose Ideen
Wohlfühlthemen

Sport: heute kaum noch Selbstzweck oder Spaß, sondern Selbstoptimierung und Selbstinszenierung. (Bildquelle: pixabay.com)
Zwangsoptimismus, Weltverleugnung und Fassadenharmonie sind nicht nur die Leitmotive kleinbürgerlicher Biedermeier-Besitzstandswahrer, sondern auch effektive Herrschaftsinstrumente. Das Ausblenden von Reizthemen, wie beispielsweise die Flüchtlingskrise, neofeudalen Arbeitsbedingungen, Banken-und-Konzern-Skandale, Sozialabbau und Massenarmut oder Überwachungs- und Zensurgesetze wird nicht nur von vielen Menschen im Alltag subtil gefordert, sondern auch sozial kultiviert. Wer es dennoch wagen sollte, die mentale Bequemlichkeitszone zu überschreiten, muss mit sozialer Isolierung und/oder Stigmatisierung rechnen: Querulant. Störenfried. Pessimist. Schwarzseher. Klugscheißer. Lieber unterhält man sich ausgiebig über folgende Themen: Weiterlesen