Bildungssprache

Die »Bildungssprache« wird als Abgrenzung zur Alltagssprache in der Sprachpädagogik definiert. Die These ist, dass vor allem in Bildungs‐Institutionen, in Politik und Wissenschaft eine eigene Sprache mit spezifischen Fachbegriffen gesprochen werde, die nicht jeder Schüler gleich gut verstehen und erlernen könne. Besonders Kinder aus »bildungsfernen Familien« sowie mit »Migrationshintergrund« (sind damit auch Schweizer, Spanier und Amerikaner gemeint?) hätten hier große Schwierigkeiten, so die pädagogischen Experten.

Ist es nicht grundsätzlich fragwürdig, Bildung als das Auswendiglernen und Anwenden von Fachbegriffen zu verstehen? Begriffs‐Fetisch und Begriffs‐Dropping als primäre Merkmale von Wissenschaft, Intellekt und Bildung?


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6 Gedanken zu “Bildungssprache

  1. Die Lehnwörter aus alten Sprachen sind ja eher gemütliches altes Mobiliar und können schnell als Vokabeln verstaut werden ;)

    Schlimmer sind die Neologismen (Denglisch, was dazu führt dass
    seine Anwender irgendwann sowohl Deutsch als auch Englisch verlernen; und neoliberal gewendete, kontaminierte Propagandafloskeln, s. das ekelhafte >Chancengerechtigkeit< etc.) …

  2. @ert_ertrus

    Der Fachbegriffs‐Fetisch ist leider überall anzutreffen: in den Naturwissenschaften, den Sozialwissenschaften, Jura, Pädagogik, Psychologie etc. etc. Überall geht es den Forschen, Professoren und Wissenschaftlern doch vor allem darum »neue Begriffe« innerhalb des akademischen Dunstkreises zu etablieren, damit man endlich zitiert wird. Schüler und Studenten sind darum überall angehalten, diese Vokabeln zu verwenden (»Bildungssprache«). Es soll sogar etliche Dozenten geben, die ihre Klassenarbeiten nur nach den Fachbegriffen »scannen«. ;)

    »Chancengerechtigkeit«: wir wollen für gerechte Chancen sorgen, aber eben nicht für Gerechtigkeit. Selbst Ersteres ist utopisch, weil Kinder aus akademischen/gutvermögenden Kreisen immer bessere Chancen haben werden, als Kinder aus finanziell schwachen Kreisen. Ist alles schon untersucht und festgestellt worden. Hindert das neoliberale Pack dennoch nicht daran, diese Propaganda‐Märchen aufzumachen und sogar in Kita‐Bibeln zu packen (»Berliner Bildungsprogramm«).

  3. @ert_ertrus
    Ist wahrscheinlich eine Frage von persönlicher Wahrnehmung, aber aus meiner Sicht tummelt sich von diesem »Altmobiliar« schon genug in den Wissenschaften herum, was der Nicht‐Insider erst mal zu dechiffrieren lernen muss.

    Die Neologismen aus dem englischsprachigen Dunstkreis der Wissenschaften (um nicht zu sagen: dem amerikanischen Dunstkreis ;) ) und das falsche English aus den hiesigen Kreisen kommt da noch oben drauf. (z. B. sprachlich bekloppte Begriffe wie »gender mainstreaming« — stammen die eigentlich überhaupt aus der englischen Sprache selbst oder sind die nicht hier erfunden worden? :WTF: Sprachlich klingt es nämlich ziemlich falsch, wie irgendwas, was die Briten/Amerikaner so nie als Begriff verwenden würden. :P )

  4. »Die unheilvolle Neigung, über die Dinge nicht mehr nachzudenken, sobald sie nicht mehr zweifelhaft sind, hat die Hälfte aller menschlicher Irrtümer zu verantworten.«
    Blaise Pascal

    Ich denke, wenn man sich wirklich intensiv mit Grundbegriffen wie Freiheit, Recht (Menschenrecht), Menschenwürde, Wert, »Gerechtigkeit«, »Gleichheit«, Weisheit, Demokratie oder auch Geld auseinandersetzt, kann man sich das Lernen vieler neuer, aber auf ihnen basierenden Begriffe sparen.

    Man kann sich regelmäßig daran erinnern, dass Politik, Juristik, Pädagogik ... Ökonomie keine empirischen Wissenschaften sind. Ihre Vertreter können nicht sagen woher wir unterschiedlichen Menschen kommen oder warum der Planet Erde mit seinen vielfältigen Bewohnern existiert oder warum wir leben. Sie wollen uns aber erklären, was jeder Einzelne in Zeit zwischen Geburt und Tod zu tun und zu lassen hat. (In wessen Interesse?) Ein Widerspruch.

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