Sprache der Liebe (Update)

sprach_liebe_titelNach rund sieben Jahren zum ZG‐Artikel »Sprache der Liebe« gibt es heute ein paar Ergänzungen (weitere Beispiele gerne in den Kommentaren!). Für mich ist es mittlerweile offensichtlich, wie sehr unsere zwischenmenschlichen Beziehungen sowie unsere Sprache von marktwirtschaftlichem Denken geprägt sind (Erich Fromm hat dies in der »Kunst des Liebens« bereits vor über 50 Jahren prognostiziert). Angebot und Nachfrage, Besitz‐, Konsum‐, Haben‐ und Profitdenken, Wettbewerb, Konkurrenz, Egoismus und Eigennutz bestimmen unsere tatsächlichen Vorstellungen von der Liebe. Auch wenn sie in der Unterhaltungsindustrie häufig romantisch‐esoterisch verklärt wird.

  • »Du bist mir echt zu billig
  • »Das Vertrauen hat sich ausgezahlt, wird sich sicher auszahlen
  • »Eine Bilanz von der Beziehung ziehen. Die Beziehungsbilanz
  • »Davon profitieren wir beide!«
  • »Diese Beziehung hat sich nicht mehr gelohnt
  • »Das hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.«
  • »Deine Aussage nehme ich für bare Münze
  • »Das kommt mir teuer zu stehen.«
  • »Ich will ihn/sie haben
  • »Die Zeit mit ihm/ihr war unbezahlbar
  • »Aussehen und Sozial Status bestimmen meinen Marktwert
  • »Kaufst Du ihm das ab?«
  • »Es war eine kostbare Zeit. Und hat mein Leben bereichert. Es war ein Gewinn für mich.«

5 Gedanken zu “Sprache der Liebe (Update)

  1. Hmmm, ja, — ein schönes Thema. Ich finde ja immer diese Kombination aus Kapitalismus, Funktionalismus und den Wunsch nach deren Kalkulierbarkeit so witzig, die unvermeidlich auch an den Randbereichen der Liebe vorbei schleifen müssen und dann so Wortwunder wie z.B. Lebensabschnittsgefährte, Familienmanagerin etc. usw. kreiert. Das bringt dann so Merkwürdigkeiten wie z.B. »Also meine Beziehungsprognose sieht düster aus, wenn du nicht fähig bist ein wenig mehr Romantik im Terminplan unter zu bringen.«

  2. @eb

    Jap. Mein Eindruck aus meiner persönlichen Lebenswelt ist der, dass viele die Liebe nicht nur hollywood‐mäßig‐esoterisch als übernatürliche Heilmagie verklären, sondern auch so tun, als wäre der gesamte zwischenmenschliche Emotionsbereich ein komplett privates, vakuumversiegeltes Biotop. Dabei beweist beispielsweise der spunghafte Anstieg allerlei Dating‐Seiten und -Portale, die aus der sozialen Isolation und massenhaften Vereinsamung Profit ziehen, exakt das Gegenteil.

  3. Also meine Beziehungsprognose sieht düster aus, wenn du nicht fähig bist ein wenig mehr Romantik im Terminplan unter zu bringen.“

    Klingt nach TV, ebenso die Sätze am Schluss des Artikels, wie akustische Schnipsel beim Zappen.

    Soaps und Comedies sind doch eigentlich Sprachkurse für diese Ausdrucksweise und Shows die öffentliche Arena für die Inszenierung der Helden dieses Lebensausdrucks.

    Die dieser Ausdruckslogik unterliegende bzw. vorausgehende Weltsicht wird auf verschiedenste Art und Weise, offen und/oder versteckt medial beworben.
    Sie durchzieht die Krimis, Magazine, selbst in diesen dämlichen Tierdokus kann ich mir solche Sätze lebhaft vorstellen bzw. glaube ich dem Sinn nach schon gehört zu haben.

    Und in einer Welt in der der Egoismus als sozial gilt, liegt es doch nahe, ihn auch der Liebe zuzuschreiben.

  4. @hm
    Unbedingt zutreffend. Es macht sogar ultimativ Sinn, mal darauf zu achten, welche Sujets mit welcher Rhetorik zu welcher Zeit so durch’s alltägliche TV (und nicht nur dort) — Angebot geistert, — und fröhlich vom Konsumenten weiter verbreitet wird. Ich glaube, epikur nannte dies mal Kulturimperialismus. Ich selber behaupte gar, dass man bezüglich TV, speziell so seit dem Jahr 2003, auch vom Hoftheater sprechen darf, welches selbst bis in die deutsche Synchronisation amerikanischer und sonstiger Soaps/Krimis etc. reicht.

  5. Die Sprachwaschmaschine fällt mir da ein. Jürgen Trabant entstammt der Ausdruck, heute auf den Nachdenkseiten verwiesen.
    Ja, die Liebe wird auch gewaschen. Was will man auch noch zur Liebe sagen? Ein ausgelutschteres Thema gibt es schlichtweg nicht. In jedem fallen Konnotationen diesbezüglich notwendigerweise anders zusammen zu einer Beschreibung. Und solche Beschreibungen gibt es so viele wie es auf dem Planet Erde Menschen gibt und gegeben hat.
    Vielleicht könnte sie das erste Thema sein, bei dem man sagt: so jetzt reicht es. Die Liebe wird fortan sprachlos gehalten. Es wurde zuviel schon gesagt, jedes weitere Wort verdirbt die Sache.
    Wir sind ja eingeschmolzen in eine Weltsicht, in der es einen Geschichtsgang gibt, der immerzu etwas anderes hervorbringt. Das ist bei allem Anti‐Essenzialismus die gebliebene Inkonsequenz. Das eine Ziel oder Ende der Geschichte gibt es nicht mehr, aber den Geschichtsgang, der im Nachhinein leere Perspektiven‐Schneckenhäuser hinterlässt, den gibt es noch. Wir sammeln ja fleißig dieser Häuser auf und warten hinterm Eck der Zeit, das bald ein neues hervor springt. Dann kramen wir es durch und stellen es ins Museum. Irgendwann wird auch dies unausweichlich langweilig. Und die Langeweile ist bedeutend. Wo das Perspektivenspiel zur Langeweile führt, welche Perspektive soll sich da noch einstellen? Die Langeweile ist ja gewissermaßen die Aufhebung dessen, was operativ Sinn erzeugt. Man holt den Konstruktionskoffer des Sinnes vor sich her und schaut hinein, weil einem langweilig ist. Man schaut nicht darauf was damit gebaut werden könnte und kann, man baut auch gerade nicht aktiv den Sinn mit, es ist ja langweilig, nein man schaut das Werkzeug an. Nach hundert Werkzeugkoffern passiert dann was? Vielleicht findet daher bald eine Entsprachlichung weiter Teile der Existenz statt. Die Frage zum Sinn der Versprachlichung bleibt ohne Antwort. Bedrückend stellt man fest, dass alles bislang Gesprochene umsonst war. Es gibt nichts zu sagen auf der Welt.

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