Über »Besorgte Bürger«

So sehen Empathie und Mitmenschlichkeit aus:

Anmerkung: Dennoch sollte man die (Abstiegs-)Ängste der Menschen nicht komplett verhöhnen. Es sind realexistierende Ängste. Nicht alle sind deshalb gleich Nazis. Mit solchen Pauschalverurteilungen treibt man sie in die Arme von rechten Rattenfängern.

40 Gedanken zu “Über »Besorgte Bürger«

  1. Oh, epikur ist ein »Mitte«-Versteher...! ;) Äh — so ›nen Relativismus hätte ich jetzt grade hier nicht erwartet! Besonders putzig finde ich, man dürde die Michels (»Ratten«) nicht als Vollpfosten beschreiben, da sie dann ja beleidigt zu den »Rechten« wanderten. Reisende soll man nicht aufhalten...!

    Die größte Angst dieser Leute ist es doch, ihnen aufzuzeigen, dass ihre Angst / ihr vorurteilsverkleistertes Weltbild falsch / unbegründet ist...!

    Nö, dieses dämliche »man muss die Ängste der Bürger ernst nehmen« kann ich nicht mehr hören! Denn genau diese (ja oft auch gezielt geschürten, erst künstlich geschaffenen) »Ängste« sind es, die diese »Gesellschaft« ja erst zu so einem unerträglichen Ort gemacht haben. Kalkofe zeigt hier einmal mehr nichts anderes als »die Mitte«; den großen Teil der total kranken Bevölkerung, der nach oben buckelt und nach unten tritt.

    Muss ich jetzt also auch Verständnis dafür haben, wenn die ganzen Lohnarbeitsknechte aus »Angst« davor, ein »teutscher« Arbeitsloser könne ihnen den Job streitig machen die nächste Verschärfung von Hartz IV begrüßen oder bestenfalls mit der Schulter zucken...!? Muss ich Verständnis dafür haben, dass ein großer Teil inzwischen wieder Angst vor dem vor der Tür stehenden Russen hat...? Muss ich Verständnis dafür haben, dass verzogene Jung‐Ichlinge gegen viel zu viel bekommende Rentner hetzen...!?

    Muss ich generell Verständnis dafür haben, dass Menschen aus »Angst« die größeren Zusammenhänge ignorieren — sondern sich stattdessen jedes Mal auf den auserkorenen Sündenbock stürzen, weil man sich davor ja so schön fürchten kann...!?

    Nä. Muss man nicht. Das Blödeste, was man tun kann, ist es gerade, diese falschen »Ängste«, diese teils schon Paranoia ernst zu nehmen. Man sollte diese Idioten auslachen — weil sie einmal mehr, wie eh und je sich nach dem Motto divide et impera manipulieren lassen! Nicht, weil die Manipulation so unheimlich geschickt wäre — nein, weil die Mehrheit es im Grunde auch nicht anders will! Weil die »fleißigen« Glücksschmiede in Wahrheit doch stinkfaul sind; ihren Finger nur dann rühren und vor allem ihr smartphoneverkrüppeltes Resthirn nur dann anstrengen, wenn ein anderer dran verdienen kann...

  2. @Dennis82

    « Das Blödeste, was man tun kann, ist es gerade, diese falschen »Ängste«, diese teils schon Paranoia ernst zu nehmen. Man sollte diese Idioten auslachen — weil sie einmal mehr, wie eh und je sich nach dem Motto divide et impera manipulieren lassen! Nicht, weil die Manipulation so unheimlich geschickt wäre — nein, weil die Mehrheit es im Grunde auch nicht anders will!«

    Mag sein. Dennoch bin ich mir da ehrlich gesagt, nicht ganz so sicher, ob die Mehrheit der Menschen wirklich unbedingt in Angst und Unsicherheit leben will. Die meisten wollen doch nur den Status Quo erhalten, ihre Familie ernähren und weiter so vor sich hin wurschteln. Das muss man nicht gut finden, aber ich bezweifle langsam einfach, dass es -vor allem der Linken‐ hilft, die Masse als dumme Schafe abzustempeln, statt zu versuchen, sie da abzuholen, wo sie sind. Ansonsten bleibt das »linke Projekt« immer nur ein pseudo‐elitäres, selbstreferentielles Elfenbein‐Projekt.

  3. Ob sich Kalkhofe damit einen Gefallen getan hat... Obwohl, die Leute, die im Originalbeitrag zu Wort kommen, die Empathie hält sich definitiv in Grenzen. Fehlt nur noch, dass einer sagt »Die Rothschilds! Die Babies! Die Dinosaurier! Die Marsmännchen! Alle wollen sie von meinem Kuchen naschen ohne dass ich sie eingeladen habe!« — »das geht doch nicht«, die dümmste Argumentationskette, die man je gehört hat. Was meint man, was so alles geht...
    Der dritte, der in der Parodie dazukommt, bringt es aber auch auf einen guten Punkt: Die Ersten, die schreien, die Ausländer sollen weg (generell), das sind die Ersten, die nicht vor Mittags aus dem Bett zu kriegen sind, und keinen Schulabschluss haben, oder nur einen ziemlich miserablen, dass man ihnen nichts weiter als einen Schaufel zumuten kann, weil alles andere kriegen sie kaputt. Schreien aber zuerst wieder »Deutschland!« — ja, mit bis Mittags im Bett liegen, damit kriegen wir Deutschland erst richtig nach vorn! Der dumme Ausländer steht morgens mit dem Sonnenaufgang auf und geht zur Arbeit, wenn er eine hat, und du liegst bis Mittags faul im Bett und wunderst dich, warum du nicht reicher als die Sozialhilfe wirst und warum deine Umgebung den Bach runter geht!...

    Finde es bloß wieder schade, wenn solche Bilder wieder auf alle Flüchtlingsgegner generalisiert werden. Es sind nicht alle solche dummen Honks, denen man erst mal die Funktionsweise ihres Systems erklären muss.
    Nebenbei mal angemerkt: Wer sich über das heutige »Tal der Ahnungslosen« in Sachsen beschweren will, sollte sich besser an die dortige Landes‐CDU wenden. Seit 1990 sind die »Christdemokraten« nämlich ununterbrochen an der Macht und stellen den Ministerpräsidenten (mal als Alleinregierung, mal in verschiedenen Koalitionen). Wenn einer mal vom »Abfärben« sprechen will...

  4. Ich stehe vermutlich epikurs Standpunkt relativ nahe, sehe aber, im Sinne von Dennis82, ein gewisses Problem mit der Begrifflichkeit »Ängste ernst nehmen«. Vielleicht sollte man diese Begrifflichkeit, die ja auch wieder mal durch Politiker erst in die Welt gesetzt wurde, bewusst vermeiden.

    Denn die hier, zumindest im Video, dargestellten Ängste zeichnen ja schon einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Worauf ich aber immer wieder hinweise — und da bin ich dann sofort wieder bei epikur — sind die (berechtigten) Beschwerden der Leute über die innenpolitischen Entwicklungen. Renten, die zum Leben nicht reichen. Arbeitslosigkeit, gelegentlich unterbrochen von Teilzeitjobs, Leiharbeit. Alle schlecht bezahlt. Ständige Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft, befristete Tätigkeiten, Kettenbefristungen. Ständig steigender Druck. In sämtlichen Bevölkerungsgruppen, auch in den gar nicht mal so schlecht verdienenden.

    Dass die berechtigten Beschwerden der Bürger durch gezielte Meinungsmanipulation durch Medien und Politik in eine häufig fremdenfeindliche Richtung umgelenkt wurden (und werden), dürfte hier unter uns unstrittig sein. Gerade erst wieder deutlich sichtbar an der Ankündigung, die Kosten für die Krankenversorgung der Flüchtlinge der Gesetzlichen Krankenversicherung aufzubürden anstatt sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu behandeln. So macht die Politik Stimmung in der »einfachen Bevölkerung« gegen die Flüchtlinge. Denn die privatversicherten Besserverdiener sind bei einer solchen Vorgehensweise ja außen vor.

    Der Weg sollte also sein, diese »besorgten Bürger« auf die eigentlichen Ursachen der gesellschaftlichen (Fehl-)Entwicklungen zu stoßen. Und zwar solange, bis sie es begreifen.

  5. Ich kann mich dem Posting von Dennis82 (07:57) nur anschließen.

    Noch zwei Gedanken:

    Sollte jemand wirklich massiv Angst vor etwas haben, zB eine Spinnen Phobie, ist es nicht hilfreich seine Angst als begründete Sorge dar zu stellen. Damit wird der Betreffende ja in seiner Angst bestätigt.

    Tatsächlich ist es aber so, dass die »Ängste der besorgten Bürger« in erster Linie ein Vehikel sind um rassistische Ressentiments in die Diskussion ein zu bringen. Ich finde es zutiefst dumm über solche Stöckchen zu springen.

  6. Exakt so sehe ich das auch. Das mit den Sorgen und Nöten ernst nehmen ist oft nix anderes als eine billige Ausrede dafür, sich bei Nazis unterzuhaken und selbst das Ärmchen zu heben. Flüchtlingsunterkünfte abzufackeln als pure Notwehr hinzustellen, ist dann nicht selten der nächste Schritt.
    Zumal man solche Leute auch aus der Verantwortung für ihr Handeln entlässt, wenn man auf das Spielchen einsteigt und sie bloß als arme, sorgengeplagte Opfer wahrnimmt. Genau das möchten Sie nämlich: Für ihr verbrecherisches Reden und Handeln nicht die Verantwortung übernehmen, sondern sie ›denen da oben‹ in die Schuhe schieben. Da sollte man nicht mitmachen.
    Hilfreicher wäre es, solchen Leuten entgegenzuhalten, dass Sorgen und Nöte zuallererst einmal das Problem jedes einzelnen sind und erst recht nicht als Leitlinie der Politik taugen.

  7. Ansonsten bleibt das »linke Projekt« immer nur ein pseudo‐elitäres, selbstreferentielles Elfenbein‐Projekt.

    .... und es wird wohl beim debilen Ungehorsam bleiben :)

    Man kann es drehen und wenden wie man will, letztendlich bleibt da die Crux des Ganzen hängen und wir sollten uns dem auch ganz ehrlich stellen. Ich selber ziehe es auf eine Grundsatzaussage der humanen Ethik herunter, welche ich (zugegeben eigenwillig) folgendermaßen formulieren würde. Bringe Menschen niemals an eine für sie aussichtslose existenzielle Mauer oder in das leere (bis nihilistische) Loch kompletter Wert‐ bis Identitätslosigkeit, an‐ oder in‐, welchem sie die humane Ethik vergessen könnten. Im Besonderen ist es im Sinne der humanen Ethik, gerade dieses Loch, — eben mit humaner Ethik zu füllen. Und da mangelts nun mal heftig. Es geht nicht ohne Vorleben dessen, was man eben gemeinhin als Mitnahmeeffekt bezeichnet. Macht links das nicht, macht es eben rechts. Und zur Zeit, sind die eindeutig erfolgreicher darin. Kurzum, — das Separieren der Dummheit anderer, lässt einem zwar die eigene Seelenruhe des Darüberstehens, — aber damit hat sich’s auch schon.

  8. @eb
    Du willst neuerdings Politiker werden? Einen Absatz mit Worthülsen in Schachtelsätzen zu füllen hast Du schon mal gut drauf. :JAJA:

  9. @Markus
    Nein, ich kann dir versichern, ich strebe sogar keinerlei Karriere an. Trotzdem ich immer noch mehr Worte zusammen bringe, als gar nichts auszusagen.

  10. Ok, — der Moderator in mir siegt dennoch. Auch wenn ich Markus Kommentar einfach nur billig fand. Das mit dem; »gar nichts«, darf man aber als höfliche Umschreibung für etwas ganz Bestimmtes betrachten, was eigentlich schon ewig zur ganz normalen durchschnittlichen linken Kritik gehört. Dennis82, Markus, Stefan.R., — zieht ihr eventuell in Betracht, dass eure Sichtweise auf die Ängste von Menschen, ein bisschen zu arg subjektiv dem eigenen Empfindungsspielraum entsprechen, um darüber tatsächlich Allgemeinplätze schaffen zu können? Mit Spinnenphopien kann man sicher nicht die Welt von Menschen erklären. Allenfalls die von einzelnen. Dazu muss noch erwähnt werden, — es geht nicht darum verstehend zu entschuldigen, — sondern in die andere Richtung mit zu nehmen. Ich finde, — das ist ein Unterschied.

    Und vielleicht noch etwas zum Nachtrag:
    @Markus
    Mach dir mal Gedanken über den Zweiklang und die Möglichkeiten der Assoziationen zwischen »humaner Ethik« und »Worthülse«.

  11. Epikur hat völlig recht , die besorgten Bürger sind meist keine Nazis , es ist in der Tat dumm , sie in diese Ecke zu schieben. Das heißt doch nicht , daß man ja und Amen sagen muß zu den teils behandlungsbedürftgen Aussagen , die oft aus der pegida‐Ecke kommen.
    Ganz im Gegenteil , wer die Sache versucht , so zu sehen , wie sie ist , erwirbt überhaupt erst die Legitimität , die tatsächlichen Motivationen zu kritisieren.
    Auf der linken Seite hat sich da so ein seltsames Denken breitgemacht , daß einer immer erst Nazi sein muß , um ihm in den Arsch treten zu dürfen.
    Nein , muß er nicht — wer Abstiegsängste hat , schön , aber da darf dann schonmal die Frage gestellt werden , ob das nicht auch daran liegt , daß jemand sein Leben aufs Arbeiten und auf den Statusvergleich mit dem noch häßlicheren Nachbarn reduziert hat .

    Ein Recht auf Statuserhaltung gibt es nicht , es gibt aber ein Recht darauf , respektiert zu werden , unabhängig vom Status.
    Wer dann nur paranoide Hetze von sich gibt , braucht sich über seine Machtlosigkeit nicht zu wundern.

    @Stefan R.
    Die brennenden Flüchtlingeheime sind nicht o.k. , die Täter aber sind andere als die feigen Mittelständler der Pegida. Wenn die mal vor Gericht stehen , ist das immer dieselbe Klientel , männlich , weiß , aus miesen Familien , auf deutsch: das untere Ende der Nahrungskette.
    Wer solche Leute im Regen stehen läßt , braucht sich nicht zu wundern über Gewalt — rechtfertigen will ich sie damit nicht , es wäre auch für die Täter besser , ordentlich verknackt zu werden , aber wir leben in einer Gesellschaft , die solche Menschen aktiv mit Dreck bewirft , noch bevor sie zu Tätern werden.
    Gerade die Migrantenverehrung und der Feminismus , die bei Teilen der Linken immer noch heilige Kühe sind , leisten da ganze Arbeit.

    Man stelle sich vor , die Täter wären weiblich oder hätten einen Migrationshintergrund , was würden sie sich überschlagen vor lauter Mitgefühl.

  12. Eigentlich ist es erstaunlich. In den Neunzigern, war es für Sozialarbeiter, (dort gab es diesen Beruf noch), und ganz besonders für die Streetworker darunter, noch gang und gäbe, auch jene noch zu versuchen sozial wieder zu integrieren, (deren Sprachjargon damals), welche vielleicht nicht so sehr dem mittleren Bild eines sozialen Verhaltens entsprachen. Unabhängig von Herkunft, Religion und Nationalität. Irgendwann, — gab es nur noch Sozialpädagogen, — sie fingen an von systemischen Methodiken zu sprechen, von systemischen Kategorien von Menschen, von klar umrissenen Anforderungsprofilen.....
    Das war mal ein linkes Projekt/Konzept.
    Heute, lehnt links‐, genauso wie rechts‐, einfach nur alles ab, was nicht ins selbst gewollte Schema, ins selbst gewollte System‐, in die selbst gewollte Methodik‐, in die selbst gewollte Anschauung passt. Ich suche immer noch danach, — wie tief, — wie unbewusst, dieses merkwürdige neoliberale Konstrukt aus sozialer Marktwirtschaft, Systemtechnokratie und sonstig kategorisierender Einfachheiten, — tatsächlich in auch linke Herzen vorgedrungen ist und seine Schleifspuren nach sich zieht, — ohne dass es ihnen auch in den Feinheiten bewusst sein könnte.

  13. @ eb (zu Kommentar um 21:09)
    Ich finde es mal interessant, das zu lesen, denn gefühlt predige ich seit langer Zeit nichts anderes. Aber mir wird bloß das neumoderne N‐Wort, dass in der Beziehung immer fällt, immer um die Ohren geschlagen, wenn ich in die Richtung gehe »seht doch mal zu, dass ihr das versteht, worüber ihr immer herummotzt«, und es wird mir die Menschenfeindlichkeit unterstellt. Über letzteres Attribut würde ich mich noch nicht einmal beschweren, weil es nicht so abwegig ist, aber mal folgendermaßen gesprochen: Was meint man, die größten Menschenfeinde sind manchmal die, die sich am meisten darum einen Kopf machen, wie man ihre Welt wieder in Ordnung bringen kann, weil sie es selbst anscheinend nicht auf die Reihe kriegen.
    Zumindest ist das immer meine Rede: Seht eine Ebene höher, versucht das ganze System zu verstehen. Und bleibt nicht immer nur auf eurer unteren Ebene stecken, weil die euch so gut gefällt und man sich daran tagtäglich so gut hochziehen kann.
    Dieses emotionale Keilen ist nämlich das, was einen nie weiterkommen lässt.
    Die Leute brauchen keine Oberlehrer, die mit erhobenem Zeigefinger dastehen und ihnen dauernd eingebildet vorpredigen, welche Werte sie zu haben haben, sondern sie brauchen genau die gleichen Dummköpfe wie sie, die sich aber merklich einen anderen Weg durchs Leben suchen. Sowas färbt auf andere ab.
    Wer sagt denn nämlich, dass die Werte, die man selbst pflegt, wirklich solche hohen Güter sind, die ein jeder sich annehmen sollte? Geschweigedenn, dass sie für jede Art von Leben funktionieren? So viel Selbstkritik sollte man dabei schon haben, einzuräumen, dass manches vielleicht auch nur in erster Linie für einen selbst funktioniert und andere sich was anderem annehmen sollten.

  14. Das ist ein interessanter Austausch. Ich muss mich hier Stefan R. von den »Fliegenden Brettern« anschließen. Nach meinem Empfinden hat Kalkofe die »besorgten Bürger« und angeschlossenen Neonazis trefflich karikiert — dem gibt es kaum etwas hinzuzufügen.

    Rassistische, faschistoide Denkweisen sind niemals zu tolerieren oder gar zu relativieren — ganz egal, welche Gründe für derlei Schmonzes auch genannt werden. Schmutz bleibt Schmutz.

    Wenn einmal mehr einige Menschen nicht erkennen, dass nicht »der Ausländer«, »der Flüchtling« oder »der Jude« an ihrer Verarmung schuld ist, obwohl erklärende, fundierte Informationen heute wesentlich leichter zugänglich sind als jemals zuvor, bleibt nichts anderes übrig, als diesen Leuten den Vogel zu zeigen und sie als das zu benennen, was sie sind: Dumpfe, hohlköpfige Rassisten. Das hat Kalkofe getan, und das war richtig und wichtig.

    Es hieß doch immer: »Wehret den Anfängen!« — Was um des Spaghettimonsters Willen soll denn noch geschehen, bis diese existenziell bedeutende Aufforderung ernst genommen wird? — Die »Anfänge« sind inzwischen doch schon längst Vergangenheit. Der Faschismus fasst wieder Fuß in Europa.

    Und wir diskutieren über ein eventuelles Verständnis für »besorgte Bürger« in Deutschland, die offen rechtsradikal auftreten und wieder einmal in gewohnter Dumm‐ und Dumpfheit Minderheiten für den Kahlschlag der kapitalistischen Räuberbande verantwortlich machen? Geht’s noch?

  15. @epikur — du kannst niemanden da »abholen«, wo er ist (um ihn woanders hinzuführen) — weil er nun einmal genau da bleiben will, wo er ist! Weil er grundsätzlich jede Form von Veränderung scheut, er »weiterwurschteln« und (grade von fundamentaler Kritik) »in Ruhe« gelassen werden will. Zerstör den bürgerlichen Hohlköppen ja bitte nicht ihr Weltbild! Kalkofe trifft den Nagel auf den Kopf — du könntest das Feindbild »Ausländer« durch »Arbeitsloser« austauschen — und findest bei der großen Masse die gleichen Einstellungen! Was bitte sonst würde so einen (durchweg von der großen Mehrheit ja akzeptierten und immer noch für zu »lasch« empfundenen) Unterdrückungsapparat wie Hartz IV denn sonst ermöglichen...!? Siehe Heitmeyers »Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit«. Unterhalte dich mit (vor allem niederen) Lohnarbeitsdrohnen über Arbeitslose — dann sollte man ausreichend kuriert sein!

    Für mich persönlich ist ja — wenn ich mir gesellschaftskritische Blogs durchlese — regelm. diese Naivität unbegreiflich, der Mehrheit der Michels immer noch »gute«, also humane Absichten zu unterstellen. Exemplarisch steht dafür ja auch die nicht tot zu kriegende Empörung über die SPD und der Glaube an die »gute Basis«. Hier ist analytisch das »nicht‐wissen‐wollen« auch von linker Seite unheimlich ausgeprägt — siehe das Thema zuvor und Bernies Erwartungen an die Edeka‐Kassiererin. ;) Die Mehrheit ist nicht lieb und nett — sie bildet in der Masse das Rückgrat genau jenes Systems, welches dann gerne als »Kapitalismus« verdammt wird.

    Nö, die durchweg verrohte, neoliberale, menschenverachtende, latent faschistische »Mitte« spielt auch in diesem Zusammenhang keine Rolle; statt dessen wird einmal mehr von »rechten Rattenfängern« fabuliert. Die »Mitte« somit geadelt, es ginge ja offenbar noch »schlimmer«...!? Und einmal mehr ignoriert, was in diesem Land inzwischen eben schon als Politik der »Mitte« durchgeht bzw. als Solche akzeptiert ist. Es braucht keine »Rechten« — die sind bereits seit langer Zeit am regieren...! Art Vanderley schreibt (bitte weniger plenken...):

    epikur hat völlig recht , die besorgten Bürger sind meist keine Nazis , es ist in der Tat dumm , sie in diese Ecke zu schieben. Das heißt doch nicht , daß man ja und Amen sagen muß zu den teils behandlungsbedürftgen Aussagen , die oft aus der pegida‐Ecke kommen.

    Man sieht auch hier, wie wichtig es auch für Linke ist, mit Schubladen und Labels / Etiketten zu arbeiten. Ab wann ist denn nun ein »besorgter Bürger« / Pegidiot ein »Nazi«®™? Wo ist die Grenze, wie definiert — wer legt das fest? Und wem hilft dies eigentlich...!? Das Problem ist ja genau nicht der Punkt, ab dem aus dem Kalkof’schen karikierten Bürgertum‐Muttchen eine waschechte Eva Braun wird. Nein, dass Problem ist, dass genau in dieser bürgerlichen »Mitte« alle »Zutaten« vorhanden sind, die ein (regelm. auch stereotyp überzeichnetes, aber in der Summe auch seltenes) »Extrem« wie den klassischen »Nazi« am Ende erst ermöglichen. Auch während der Hitler‐Zeit wäre die große Mehrheit nicht als »Nazis« durchgegangen — aber sie haben jene am Ende durch ihre Passivität und ihre latent faschistische Einstellung eben gestützt! Und heute...? So lange offenbar keine braun uniformierten mit roter Armbinde durch die Lande marschieren, ist ja alles noch irgendwie okay bzw. nicht ganz so schlimm...

  16. @eb

    »Heute, lehnt links‐, genauso wie rechts‐, einfach nur alles ab, was nicht ins selbst gewollte Schema, ins selbst gewollte System‐, in die selbst gewollte Methodik‐, in die selbst gewollte Anschauung passt. Ich suche immer noch danach, — wie tief, — wie unbewusst, dieses merkwürdige neoliberale Konstrukt aus sozialer Marktwirtschaft, Systemtechnokratie und sonstig kategorisierender Einfachheiten, — tatsächlich in auch linke Herzen vorgedrungen ist und seine Schleifspuren nach sich zieht, — ohne dass es ihnen auch in den Feinheiten bewusst sein könnte.«

    Volle Zustimmung! Wie man die Gesellschaft positiv verändern will, ohne zu versuchen (!), die Menschen da abzuholen, wo sie sind, ist mir ein Rätsel. Und wie will man Menschen für humanistische Werte gewinnen, wenn man sie gleichzeitig als »dumme Schafe« abstempelt?

    Natürlich gibt es »Unbelehrbare«, Idioten und Rassisten. Die wird es immer geben. Und vielleicht ist die große Masse der Deutschen auch im Herzen konservativ, spießig und ausländerfeindlich. Mag alles sein. Gut möglich. Dennoch kann es sich ein »linkes Projekt« nicht »leisten«, auf die Masse zu verzichten. Ich persönlich kenne schon ein paar kleinere »Erfolgsgeschichten«, wo man Menschen mit Humanismus, Nächstenliebe und Empathie erreichen konnte. Wie bitte soll das sonst anders gehen, will man den Menschenfeinden nicht das Feld überlassen? Den Kopf in den Sand stecken, sie alle auslachen und beschimpfen soll etwa helfen, eine menschenfreundlichere Gesellschaft aufzubauen?

  17. Der Versuch, »besorge Bürger« aufzuklären, von der rechten Spur abzubringen, erzeugt nach meinen Erfahrungen immer einen Abwehrreflex. Ich schaffe das ja seit Jahren nicht einmal bei den Linkslutheranern (...äh..) -reformisten von Kleinbloggersdorf. Ganz zu schweigen von dem nahen, familiären und sozialen Umfeld.

    Charlies Texte und meine Erfahrungen bestehen darin, dass die liebe Verwandschaft, zu der man ja auf Familienfeiern wie Geburtstagen und anderen Anlässen einen guten diskursiven Zugang hat, total erkenntnisresistent sind. Da wirst Du im Gespräch ganz schnell zum Außenseiter.

    Anderes Beispiel für ein im Sinne von ZG avisiertes Klientel für Überzeugungsarbeit und gemeinsame Ziele:
    Wenn SPD und GRÜNE am 3. September in Berlin mit gegen die AfD demonstrieren und „Aufstehen gegen Rassismus“ wollen, ist das im Grunde vor allem der Appell an die Straßennazis, doch bitte keine Ausländer totzuschlagen – die könnten schließlich morgen noch nützlich sein und übermorgen ordnungsgemäß abgeschoben werden. Mit dem tausendfachen Tod im Mittelmeer wollen sie beharrlich nichts zu tun haben – obwohl die SPD in der Großen Koalition die Abschottung Deutschlands unmittelbar mitorganisiert und die Grünen in Baden‐Württemberg im Bundesrat die jüngsten Flüchtlingsdeals direkt mitverantworten.

    Die Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen, finde ich als Geste der Überlegenheit übrigens anmaßend und paternalistisch. Es mag arrogant klingen, aber die sollen sich gefälligst selber dort abholen. Es ist ja nicht so, dass es keine zu BLÖD, Spiegel etc. alternativen Informationsquellen gibt.

  18. »Auch während der Hitler‐Zeit wäre die große Mehrheit nicht als »Nazis« durchgegangen — aber sie haben jene am Ende durch ihre Passivität und ihre latent faschistische Einstellung eben gestützt!«

    Das sehe ich ebernso. Und eben genau deswegen ist es so notwendig, mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen. Mit ihnen gemeinsam herauszuarbeiten, wo die eigentlichen Ursachen für ihren Frust, für ihren Hass liegen. Dass eben — zum Beispiel — nicht DER Ausländer daran schuld ist, dass seine KK‐Beiträge angehoben werden (s.o.). Dass er eben nicht ein immer beschisseneres Leben führen muss, voller permanenter Unsicherheit über den nächsten Tag, weil andere Menschen hierher geflüchtet sind, vor Kriegen oder dem puren Elend in ihrem Land. Sondern dass die Politik die Grundlagen dafür gelegt hat, weil sie prekäre Beschäftigung jeglicher Art zugelassen und sogar noch gefördert hat. Weil sie das damals funktionierende Rentensystem zerstört hat. Familien‐ und gesellschaftlichen Zusammenhalt atomisiert hat. So ziemlich jeden Lebensbereich privaten Profitinteressen geöffnet hat. Und und und.

    Das geht aber nur mit Aufklärungsarbeit. Indem man mit diesen Leuten redet. Ihnen diese Zusammenhänge, die wirklichen Ursachen begreiflich macht. Das ist mühsam, oft eine reine Sisyphos‐Arbeit. Aber ansonsten belässt man sie auch weiterhin in den Fängen den rechten Rattenfänger. Und dort bilden sie den Humus für eine weitere Entwicklung in Richtung Faschismus.

    Ich habe jahrzehntelang gegrübelt, wie es damals soweit kommen konnte, dass die Nazis in Deutschland auf so eine breite Welle der Zustimmung bauen konnten. Ich konnte es einfach nicht begreifen. Seit ein paar Jahren steigt mein Begreifen — nicht mein Verständnis ;) — aber immer mehr. So — oder so ähnlich — wie jetzt muss es gewesen sein. Und eben genau deshalb darf man diese Menschen nicht rechts liegen lassen.

  19. Dann wünsche ich viel Erfolg, gegen diese Haltung der Beorgten anzukämpfen und deren Ängste(?) ernst zu nehmen:

    „Ausländer müssten zuerst isoliert werden. Wir sind ja biologisch anders aufgebaut als die und haben keine Abwehrstoffe gegen ihre Bazillen.“ — „Die Befehle kommen alle aus Tel Aviv und Washington, wo die jüdische Lobby regiert. Die finanziert alle Kriege und die ISIS.“ — „Nur weil wir zwei Weltkriege verloren haben, müssen wir nicht Seelsorger für Fremde sein.“ — „Die machen Sachen kaputt, klauen und werden nicht bestraft.“ — „Ich seh’ sie mit Bierflaschen in der Straßenbahn.“ – „Diese Schmarotzer kriegen alles umsonst.“ — „In westdeutschen Städten sind heute 80 Prozent keine Deutschen mehr.“ — „Wir leben in einem besetzten Land.“ – „Ausländer machen hier auf unsere Kosten Urlaub.“ – „Sind wir noch in Deutschland? Überall nur Türken.“ — „Die Islamisierung Europas wird von Brüssel aus gesteuert.“ – „In einer Schulklasse sind 34 Nationen.“ – „Ich berufe mich auf urburschenschaftliche Ideale.“ – „Wir brauchen keine Tunesier, die Asylbewerberheime anzünden.“ – „Meine Frau und ich haben mit Religion nichts zu tun, wir wollen aber nicht eines Tages zu Weihnachten in die Moschee.“

    Aber dafür gibt es ja die Talkrunden im TV.

  20. Der heutige Kommentar von Epikur enthält für mich einige Schlüsselsätze:

    »Wie man die Gesellschaft positiv verändern will, ohne zu versuchen (!), die Menschen da abzuholen, wo sie sind, ist mir ein Rätsel. Und wie will man Menschen für humanistische Werte gewinnen, wenn man sie gleichzeitig als »dumme Schafe« abstempelt?«

    »Dennoch kann es sich ein »linkes Projekt« nicht »leisten«, auf die Masse zu verzichten«

    »... wo man Menschen mit Humanismus, Nächstenliebe und Empathie erreichen konnte. Wie bitte soll das sonst anders gehen, will man den Menschenfeinden nicht das Feld überlassen? Den Kopf in den Sand stecken, sie alle auslachen und beschimpfen soll etwa helfen, eine menschenfreundlichere Gesellschaft aufzubauen?«

    Wirkliche überzeugte Nazis, Rechtsradikale kann man nicht »bekehren«. Die müssen bekämpft werden. Mit rechtstaatlichen Mittel, die es gibt, aber nicht genutzt werden. Gegen Linke schon, da ist Extremismus bereits die Rigaer Str.

    Der latenten Faschismus, die Intoleranz, das einfache und gepflegte »Schwarz/Weiß‐Denken« vieler Bürger wird durch Verachtung nicht verschwinden. Im Gegenteil, eine solche Haltung führt zu noch verhärteteren Fronten, zum »Einigeln« und »jetzt erst recht«.

    Vernünftige Schulausbildung, vernünftig bezahle Arbeit, ein funktionierendes Kranken‐ und Sozialwesen, ausreichende Renten und s.v.m.. würden die meisten Menschen wieder (wie nach 1945)dazu veranlassen, ihre bewusst fehlgeleitete Wut erst gar nicht entstehen zu lassen. enn dadurch hätte man eine Zukunft. Mehr verlangen die meisten Menschen nicht vom Leben.

    All das wollen Politiker, Staat und Wirtschaft nicht mehr bereitstellen, bzw. wieder herstellen, da es die Gewinne der Reichen schmälert.

    Es erfordert Geduld, die meisten Bürger erreichen zu wollen und können, darüber aufzuklären, wer tatsächlich »schuld« ist. Die NDS versuchen das seit 2003. Andere Blogs, klein oder groß, ebenso.

    Weil die Propaganda der Medien einfacher gestrickt ist und einfache Worte, Parolen nachhaltiger wirken, als längere, z. T. wissenschaftliche Texte. Zumal deren Reichweite weitaus größer ist., weil BILD, die Tagesschau, ZEIT, FAZ schon immer »da war«.

    »Simpel« verstehen die meisten eben eher. Dagegen ´wirkungsvoll »anzustinken«, mit langen Erklärungen, ist schwierig.

    Kabarettisten wie Pispers, v. Wagner, Uthoff, Priol, Schramm, Barwasser erreichen auch nur ein spezielles Publikum, die immer wieder lachen, doch nach dem Besuch ihr Leben weiterleben, nicht reflektieren, und genauso weiter wählen, wie zu allen Zeiten.
    Weil Kabarett Unterhaltung ist, die Politik aber eine ernste Angelegenheit.

    Ausgrenzen, abgrenzen, als Dumm etikettieren führt nur zu einer tieferen gesellschaftlichen Spaltung. Die sollte vermieden werden. Auch wenn viele Bürger aus reiner Bequemlichkeit und einem Hang zu rechten, völkischen, nationalistischen Gedanken, den rechten Rattenfängern auf den Leim gehen.

    Auch wenn viele Bürger den Weg des Herabschauens wählen und sich einen suchen, auf den sie selbst noch treten können. Das ist ein Reflex, der leider im Menschen vorhanden ist

    Das ist dumm, aber es ist nicht hilfreich, diesen Menschen zu sagen, sie seien dumm.

  21. @altautonomer

    »Charlies Texte und meine Erfahrungen bestehen darin, dass die liebe Verwandschaft, zu der man ja auf Familienfeiern wie Geburtstagen und anderen Anlässen einen guten diskursiven Zugang hat, total erkenntnisresistent sind. Da wirst Du im Gespräch ganz schnell zum Außenseiter.«

    Geht mir ähnlich. Ich kenne das Problem sehr gut. Dennoch sollte man nicht aufgeben.

    @Lutz Hausstein und @Alles nur Satire

    »Und eben genau deshalb darf man diese Menschen nicht rechts liegen lassen.«

    »Ausgrenzen, abgrenzen, als Dumm etikettieren führt nur zu einer tieferen gesellschaftlichen Spaltung. Die sollte vermieden werden.«

    Das sehe ich ganz genauso.

  22. @Alles nur Satire:

    Kabarettisten wie Pispers, v. Wagner, Uthoff, Priol, Schramm, Barwasser erreichen auch nur ein spezielles Publikum, die immer wieder lachen, doch nach dem Besuch ihr Leben weiterleben, nicht reflektieren, und genauso weiter wählen, wie zu allen Zeiten.

    Blogger wie Berger, Lapuente, epikur, flatter erreichen auch nur ein spezielles Publikum, die immer wieder um den einzig richtigen Weg streiten, doch nach dem Besuch ihr Leben weiterleben, nicht reflektieren und genauso weiter (nicht)wählen, wie zu allen Zeiten! :P

    Keine Ahnung, warum man grade von links immer wieder dem einzigen noch verbliebenen Teil öffentlicher, kritischer Aufklärung ans Bein pissen muss...!? Muss wohl auch der Neid sein, weil einem selbst keiner zuhört — und weil man es nicht schafft, seine Botschaften auch auf eine humoristische, d. h. angenehmere Art an den Mann zu bringen... Meine Güte — was für Luxusprobleme. Wir reden hier über die große Masse an Idioten, die sich sowas wie Kabarett mangels Bildung und Interesse überhaupt gar nicht erst antun. Aber nörgeln über »das Kabarettpublikum«, welches sich da ja eh nur folgenlos belustigen lässt... Man selbst ist da natürlich anders — aber die anderen da, die sind ja alle gleich!

    Das vermeintliche »Herabschauen« ergibt sich schlicht aus den tatsächlichen, nüchtern betrachteten Verhältnisse. »Wenn die Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten«... ;) Warum sollte man Menschen, die sich durchweg und nachweislich in jeder Hinsicht dumm verhalten nicht auch als dumm bezeichnen?

    Und werden hier nicht grade auch noch kackdreist die (stinkfaulen, opportunistischen, nichts wissen wollenden!) Täter zu Opfern gemacht...!? Wie läuft denn diese von dir erwähnte »Spaltung« denn real ab? Der altautonome hat doch »schöne« Beispiele geliefert — du argumentierst dir sachlich (und ausdrücklich ohne beleidigend zu werden) bei der buckligen Verwandtschaft oder dem Freundes‐ / Kollegenkreis den Mund fusselig — und was passiert...!? Du wirst zum Paria... Wer grenzt hier in dieser Irrenanstalt namens Deutschland denn bitte wen systematisch aus...!?

    Verwechselt ihr da was die »dumme‐Schafe‐Kritik« betrifft nicht irgendwie die Meta‐Ebene mit der individuellen Ebene? Natürlich beginne ich ein politisches Gespräch nicht mit »hey, du dummes Schaf — hör mal zu...!«

    Und soso, man darf die Menschen nicht »rechts liegen lassen«. Die liegen aus ihrer Perspektive auch nicht rechts, sondern in der Mitte! Die Erkenntnis, sinnfreie Sisyphosarbeit zu verrichten sollte ja eigentlich zur Einstellung der Selben — und einer Besinnung über sinnvollere Wege der Aufklärung führen. Wie ausgeführt fällt da Humor und Kabarett auch schon mal weg... Stattdessen leben viele Linke lieber ihre Erlöserkomplexe weiter aus; im Glauben daran, diese »lieben« Menschen auf den richtigen Pfad führen zu können und sie vor den Verlockungen der bösen rechten abzubringen. Also sind es doch irgendwie auch aus dieser Perspektive nur Schafe ohne eigenen Willen...!? Auch wenn diese es gar nicht wollen — vor allem, weil sie ein Leben lang gegensätzlich konditioniert wurden, es gar nicht können...! Im Alter von 30 oder 40 wird sich keiner eingestehen, sein Leben lang elementar falsche Ansichten vertreten zu haben!

  23. @Dennis82
    Wird das nicht langsam destruktiv, wenn auch verständlich resigniert? Ich sehe nichts weiter als eine in sich selbst verschraubende Konstruktion aus gegenseitigen Vorwürfen die der jeweils andere auch anderen genauso vorwerfen könnte. Du fängst an dich im Kreise zu drehen. Ich zitiere dich aus einem vorherigem Kommentar von dir.

    ..der Mehrheit der Michels immer noch »gute«, also humane Absichten zu unterstellen.

    Es geht nicht darum, sie zu unterstellen, — es geht darum, sie überhaupt erst mal wieder ins Bewusstsein dringen zu lassen. Das, was verloren gegangen ist, — wieder zu wecken. Dafür bedarf es einiger Bemühungen. Nehmen wir mal eine ganz rudimentäre Logik. Wenn links einnehmen bedeutet und rechts ausgrenzen, links Belohnungsprinzip und rechts Sanktionsprinzip, dann haben wir beim ausreichenden Horchen in den Zeitgeist hinein, — gerade eine Umkehrung der politischen Richtungen vor uns die trotzdem rechts enden werden, weil links dem nichts anderes entgegensetzt, als das, was rechts schon immer getan hat. Damit sind wir Linken ganz praktisch, — nicht glaubwürdig.

  24. Mein Senf:

    Die ›Ängste‹ der besorgten Bürger mögen real sein, sind doch aber nicht erst urplötzlich entstanden, als oder gar weil Ausländer, Nichtdeutsche, Flüchtlinge, Osteuropäer etcpp. nach Deutschland kamen. So etwas hat man in Form von unbewussten und teils auch unerklärlichen Ressentiments (Angst vor Fremden/Fremdem ist erst einmal ein natürlicher Reflex, der dem Erkennen von Freund/Feind/gefährlich/nützlich/harmlos dient — bereits in sich drin. Verstärkt oder abgeschwächt wird das durch Erziehung, soziales Umfeld und die Gesellschaft an sich.
    Das ist grundsätzlich erst einmal etwas Suggestives, das durch Nachdenken in eine Vernunftform gesetzt werden und dadurch als ›Angst‹ überwunden werden kann.

    Wer dagegen auf einer offensichtlich von einem rechten Verein organisierten Veranstaltung antrabt und sich mit seinen persönlichen Emotionen dort gemein macht mit denen, die diese primitiv ansprechen und für ihre eigenen ideologischen und politischen Ziele mißbrauchen, hat bereits entschieden und gewählt. Den kann man nicht mehr abholen oder ernstnehmen, weil er das gar nicht will und weil er eben nicht reflektiert, wie eine Konfliktlösung aussehen könnte, egal ob sie die ›Asymmetrien‹ dieser Gesellschaft gecheckt haben oder nicht — aus meiner Sicht eher nicht, sonst würden sie gerade nicht den rechten Bauern‐ und Rattenfängern auf den Leim gehen und ernsthaft glauben, daß diese tatsächlich die menschliche und klassenbedingte Ungleichheit als das Grundübel des Kapitalismus beseitigen wollen oder gar können. Gerade das Klassenproblem wird ja von den Medien als Sprachrohr verwässert und negiert. genau darauf beruht ja der Glaube an die sogenannte bürgerliche Mitte, die es angeblich geschafft hat und daher auf einmal Abstiegsängste entwickelt. Solange diese Klientel lohnabhängig ist, genügt ein Fingerschnips des Bosses und man ist bis zum Durchrutschen über HartzIV schneller beim White Trash, als man sehen kann und die ach so schöne bürgerliche Existenz ist per du.

    Genau diese Angst wird geschürt und Einwanderer waren schon immer ein fingierter Grund dafür.

    Dieses Klischee wird nicht nur von Rechten weidlich ausgenutzt, sondern findet sich quer durch unsere Qualitätsmedien als Konsens und bereits dadurch werden Vorurteile geschürt — ganz ohne rechten Einfluß. Da genügt schon ein TdM, Strobl, Zensursula und andere Scharfmacher, wie das auch an der aktuellen Debatte um den angeblichen islamistischen Terror in Schland zu sehen ist. Da genügen ein paar Durchgeknallte, die nur medial noch mit den passenden Attributen versehen werden, damit das Bild wenigstens einigermaßen hinhaut und fertig ist die gesellschaftliche Bedrohung durch den Muselmanen, die weiderum alles rechtfertigen soll von Überwachen, Einschränken von Freiheiten usw. im Namen unser aller Sicherheit. Wenn das so weitergeht, brauchen wir gar keine neuen Nazis mehr, dann macht das die etablierte Politik gleich selber und sei es nur wegen 1,5 Wählerstimmen mehr.

    Ich glaube auch nicht, daß diese Klientel tatsächlich Angst im Sinne einer echten Angst hat. Die sieht anders aus. Wer also derart vorurteilsfrei bei Pegida, NPD, AfD und Konsorten mitlatscht, ist nicht mehr abzuholen, sondern pflegt dieses Weltbild. Den brauche ich dann auch nicht mehr ernstzunehmen, so leid es mir tut...

  25. @Sie wurden gelesen.
    Hier hängt sich die Geschichte auf, — ganz klar. Ich sehe auch in den sozialen Netzwerken die Frustration der Menschen, die sich deutlich engagieren, aber immer wieder auf den Punkt stoßen, wo jene Menschen denen sie helfen wollen, sich komplett konterkonstruktiv dort bewegen, wo weder human noch sozial angesagt sind. Das berühmte Beispiel der AFD, wo jetzt selbst Frauke Petry ins neoliberale Horn vom länger Arbeiten und späterer Rente bläst, obwohl eigentlich jedem klar hätte sein können, dass es sich bei der AFD ob ihrer Ursprünge um die vorherige Ideologie hoch zehn, — nur eben im spezifiziert besonders nationalen Kerker handelt. Trotzdem, zieht sie Menschen an, die das nicht mal ansatzweise nachvollziehen‐, sondern nur irgendetwas Protesthaftes gegen alles andere ausdrücken wollen, welches sie selber nicht verargumentieren können. Deshalb widerspreche ich dir an diesem Punkt. Diese Leute haben kein Weltbild. Sie wissen nicht was sie tun. Sie greifen nach Strohhalmen, die ihnen irgendwie noch etwas bekanntes sagen könnten. Sie sind im Grunde hilflos. Sie suchen nach etwas, was ihnen der Nebel der Neoliberalität mit all seinem »sich ständig neu erfinden« nicht bieten kann. Wonach greift jemand als nächstes, — wenn er sich im Nirwana befindet? Nach dem, was ihm als altbekanntes wenigstens einen Halt bietet. Und wenn es ein unmenschlicher Halt ist.

    Dies sollte uns aber auch etwas anderes zeigen. Wir gehen in unserem rationalem Irrsinn immer davon aus, dass die Rationalität im Sinne von Vernunft siegen könnte. Das ist fast schon linke Geschichte, widerspricht aber eindeutig jeder realen Verhältnismäßigkeit gegenüber der tatsächlichen Vielfalt der Irrationalitäten von Menschen. Das ist fast schon ein linkes Psychogramm. Aber unverändert eines, was die Rechten zu nutzen wissen. Deshalb, -once again, — wir Linken müssen endlich das eigene Schlammloch in etwas verwandeln, woran diese Menschen glauben könnten.

  26. @eb

    Aktuelles Beispiel für genau diesen Abstiegs‐Sermon, den ich beschrieb mit den Konsequenzen, aber der falschen Sicht der Ursachen? Und nein — habe ich jetzt gerade erst bei fefe quergelesen:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kapitalismuskritik-was-macht-die-angst-vorm-abstieg-mit-uns-a-1106577.html

    Das ist genau der Quark, auf dem diese angebliche ›Besorgnis‹ und ›Abstiegsangst‹ wächst und die durch solche Beiträge bedient wird.

    Ich sehe das auch nicht als links‐rechts‐Problem. Es gibt genügend Menschen, die sich explizit nicht als links sehen und trotzdem genügend Grind haben, bei der Ursachenfrage ›gesellschaftlicher Abstieg‹ nicht die nationale Karte zu ziehen und sich vorurteilsfrei in Asyl‐, Firedens‐ und ähnlichen Projekten engagieren.

    Warum sollten das also Andere nicht schaffen, die sich wiederum explizit nicht als Rechte definieren und trotzdem auf solchen Veranstaltungen auflaufen, obwohl sie doch sehen und wissen, wer dort das Zepter schwingt?

    Da behaupte ich, sie haben diese Ideologie zumindest akzeptiert, sitzen zwar oft um des persönlichen Vorteils/Nachteils auf, vertreten aber trotzdem im Inneren dieses Weltbild. Ob sie sich jetzt durch solche Dahergelaufene deplatziert und damit minderwertiger fühlen und sich deshalb über den Nationalismus selbst erhöhen wollen/müssen, sei dahingestellt. Man könnte es auch schlicht Neid und noch dazu meist falscher nennen (DIE bekommen alles in den Arsch geblasen). Deshalb werde ich trotzdem nicht von jetzt auf nachher zum ›Asylgegner‹.

    Auf Demos gegen TTIP oder anderen Großveranstaltungen dürfte sich diese Filterblasengesellschaft kaum finden lassen, die schmort lieber im eigenen Sud und bestätigt sich dort ihre Vorurteile.

    Genau deshalb kotzt es mich z.B. immer mehr an, in meine ehemalige Heimat in den Osten zu fahren.Weil man sich dort die ›Gusche fusslig quatschen‹ kann und bei einem Schrank mehr Resonanz hat.

  27. @siewurdengelesen
    Auch das ist erstaunlich. Der Artikel von Eva Thöne entspricht ungefähr der Art von Reflexion, welche sich seit Jahren (mittlerweile über einem Jahrzehnt), linke blogger eigentlich von der sogenannten Qualitätspresse wünschen. Jetzt kommen sie (vielleicht/hoffentlich), — und plötzlich ist es Quark? Hey, — Leute, wisst ihr eigentlich noch, wofür ihr steht? Irgendwas, ist da generell grottenfaul. Möglicherweise ist es die Aufregung über eine Filterblasengesellschaft, welche sich nie ernsthaft damit auseinandergesetzt hat, dass es niemanden ohne Filterblasen gibt, und genau diese reflektive Ehrlichkeit verschweigt.

  28. »entspricht ungefähr der Art von Reflexion, welche sich seit Jahren (mittlerweile über einem Jahrzehnt), linke blogger eigentlich von der sogenannten Qualitätspresse wünschen. Jetzt kommen sie (vielleicht/hoffentlich), — und plötzlich ist es Quark?«

    Nicht die Sicht ist Quark, sondern die im Artikel getroffene Aussage:

    »Wie kann man die Idee des guten Lebens mit einer Wirtschaft verbinden, die demokratisch‐gesellschaftlich gesteuert wird, ohne alles autoritär zu verstaatlichen?«

    Antwort: Keine!

    Solange nur an Symptomen und nicht am Problem gedoktert wird, ist das kalter Kaffee. Dann zieht einem eben der Kapitalismus anders die Hosen aus, aber er zieht sie weiter aus. Außerdem wird im gesamten Artikel fein um die Problematik Klassenkampf herumgesabbert, denn »Klassen« gibt es ja in unserer Wohlstands‐ und Freizeitgesellschaft nicht mehr, sondern eben DIE und UNS, hüstelhüstel...

    ...was nützt ...kritik, wenn sie nicht zu einem Ändern führt?

    Das der Sozialismus einmal gescheitert ist, ist Tatsache. Wie oft ist der Kapitalismus gescheitert und scheitert täglich wieder, wird aber trotz aller Kritik weiter favorisiert, gelobhudelt und über die soziale Marktwirtschaft in ein Ideal gehievt, das er selbst als solche nie war, nie ist und sein wird?

    Die Kunst einer anderen Gesellschaft dürfte darin bestehen, die vielen Lebensentwürfe nebeneinander bestehen zu lassen und doch eine gemeinsame Gesellschaft zu bilden — ohne die Ansage links/rechts, dafür mit Toleranz und ohne den Egoismus der jetzigen Ellbogengesellschaft, der sich immer dann meldet, wenn sich jemand übervorteilt sieht, dafür etwas mehr altruistisch — easy livin´ for all.

    Das dies schon wieder irgendwie ›links‹ ist nach unseren derzeitigen Maßstäben.

    Was wirklich Fakt ist, ist allerdings: Die linke Bewegung ist derzeit im Arsch! Es gibt keinen gemeinsamen Nenner, jede notwendige innere Kritik zumindest auf Parteiebene wird wiederum durch die Medien zerpflückt und als Konflikt an sich personifiziert und über das damit verbundene Rechtfertigen der entsprechenden Personen wirkt so etwas nicht mehr progressiv.

    Dieses Auseinandersetzen sollte man pflegen und dabei trotzdem nach vorne arbeiten, statt sich eine Waffel zu machen, wie man sich als Nächstes bei den Mietmäulern der Journaille entschuldigt.

  29. @Siewurdengelesen
    Antwort: Keine!
    Außer, Ablehnung, Ablehnung, Ablehnung, Ablehnung ....
    Beweis mir das Gegenteil. (Wir reden immerhin auch von Progressivität. Das ist kein Ding, was man mit Positivismus oder Negativismus verwechseln sollte. Möglicherweise, stellst du dir auch die Frage, — warum die linke Bewegung gerade im Arsch ist? Darum geht es nämlich gerade.)

  30. Vielleicht noch ein klein wenig Zusatz.
    »Bewegung« hat etwas mit »bewegen« zu tun. Niemand verlangt eine ultimativ schlüssige Welterklärung ala Weltformel der Wissenschaftler davon. Es heißt »Bewegung«. Gut, — manche haben Schwierigkeiten damit. Nicht jeder ist beweglich oder will sich bewegen, aber ein bisschen Bewegung hat noch niemandem geschadet. Nehmt es einfach mal sportlich, — ohne natürlich gleich einer Leistungsgesellschaft zu verfallen. Aber’n’bissken Bewegung, muss doch einfach drinne sein. Ist das zu viel verlangt?

  31. »Möglicherweise, stellst du dir auch die Frage, — warum die linke Bewegung gerade im Arsch ist?«

    Warum?

    Siehe das Gefasel eines Dazugehörens zur imaginären bürgerlichen Mitte. Eine der Filterblasen, die als ein Ideal vorgegaukelt werden und nie wirklich existiert haben, an die sich aber geklammert wird. Diese dient trotzdem als Kokon, um sich einerseits abzugrenzen und andererseits eben nicht über sich und die gesellschaft zu reflektieren. Der Ball des Ablehnens ohne Alternative liegt da eher im Feld der besorgten Bürger.

    Angesichts der katastrophalen Situation linker Bewegungen, wo soll sich ein ›Linker‹ wiederfinden?

    SPD? Die ist einmal mehr ihrem Ruf als opportuner Kaffeeklatschverein gerecht geworden und wird es weiter trotz Wähler‐ und Mitgliederverlusten.

    Die Linke? Ist ewiges Schmuddelkind der Politik selbst als Opposition und dort nicht als Koalitionspartner gewollt als zwar überholte, aber vermeintlich ewige SED‐Nachfolge‐Organisation.

    Andere linke Parteien wie DKP usw.? Viel zu mau und gesellschaftlich geächtet auch dank der Medien, um wirklich etwas zu bewirken.

    Parteilose Linke wie vermutlich auch ich? Unorganisiert nicht in der Lage, als Masse Druck zu erzeugen oder Andere mitzuziehen außer vielleicht bei Demos gegen TTIP und dergleichen, aber nicht beim Ändern/Überwinden dieses Systems. Vermutlich muß es erst wieder rumpeln, bevor sich tatsächlich ein kurzes Fenster in Richtung Sozialismus/Kommunismus öffnet, den viele mittragen und der nicht die Fehler der vergangenen Ära wiederholt.

    Dank medialen Verdummens und dem ganzen Individualisierungs‐Schnulli rennen zwar viele jedem neuen Hype hinterher und machen sich digital nackt, verschwenden aber keinen Gedanken daran, wie denn diese Gesellschaft zu ändern sei außer, es geht (auch nur scheinbar) durch äußere Einflüsse an den eigenen Allerwertesten. Individualismus=Egoismus und da stört der/das Andere nur. Irgendwo mit tun und gar in einer links angehauchten Bewegung? Um Jottes Willen — nee...

    ...solche Typen wie in Kalkofes Spot sind das Ergebnis dieses Prozesses. Die gehen weder zur Flüchtlingshilfe noch zur Blutspende und engagieren sich vermutlich auch nicht auf kommunaler oder anderer Ebene, um etwas zu verändern. Da kannst Du auch mit humaner Ethik einpacken. Wären sie für diese empfänglich, stünden sie nämlich auch nicht auf so einer Baustelle ;)

  32. @Siewurdengelesen
    Du wurdest gelesen.Der Punkt ist, dass außer deinen eigenen subjektiven Erkenntnissen über die Welt nicht mehr darüber hinaus kommt. Der gleiche Mensch, der anderen vorwirft, über die eigene Vorstellungskraft hinaus zu denken, — mit den Worten der Systemtechnokraten, — das gleiche Objekt, welches über seine Systemebene hinaus denken sollte, — um die gewaltigen Zusammenhänge des Systems, — des Nirwanas, — des was auch immer, irgendwie zu verstehen, — und dem‐entsprechend funktionell zu handeln, — leider nicht hin gehauen hat, — sondern vor dem gleichen Nebel steht wie alle anderen Menschen auch.

    Mein Freund, — daran ist überhaupt nichts Verwerfliches. Du kannst dich entscheiden, — den Perfektionismus den du von anderen verlangst, musst du selbst erst mal beweisen. Zeig ihn mir. Zeig in uns.

  33. »Mein Freund, — daran ist überhaupt nichts Verwerfliches. Du kannst dich entscheiden, — den Perfektionismus den du von anderen verlangst, musst du selbst erst mal beweisen.«

    Du hattest die Stelle mit solchen besorgten Bürgern und dem Schrank schon gelesen? Das nennt sich beratungsresistent.
    Da erreichst Du kurzzeitig Einzelne, in der Menge ist es sinnlos.

    Was bei Dir meine subjektive Sicht ist (ist nicht jede eigene Sicht irgendwie subjektiv?), sind meine Erfahrungen im täglichen Umgang mit solchen Bürgern. Sie sehen zwar irgendwie ihr Abgehängtsein und das dieses System nicht zu ihrem Vorteil ist, aber dann wird es diffus. Verklickere da oder bei den Reichsbürgern, Querfrontlern u.a. Systemzusammenhänge und das noch aus ›linker‹ Perspektive — viel Spaß schon mal, dann lieber Schrank.

    Ich wäre mit dem Brechtschen »Wir wollen nicht den Reichtum abschaffen, sondern nur die Armut.« und das Leben und leben lassen schon ganz zufrieden. Wenn sich dann diese Welt noch aus dem »Immer mehr« auf Kosten Vieler und der Umwelt verabschiedete...

    ...nur stehen da ein paar Männeken im Weg, die blöderweise dieselben sind, welche diesen gesellschaftlichen Konflikt/Widerspruch in ihrem Interesse nutzen, auch über die Medien und solche Bewegungen wie Pegida (Bei einem König war die Justiz z.B. rühriger im Vergleich zu Bachmann). Die dürften nur ihre Stühle nicht ganz so easy räumen wie 89 die Machthaber der DDR.

    Wo in dieser Sicht der aktuellen Situation Perfektionismus liegen soll, erschließt sich mir jedenfalls nicht.

    Apropos — wie lautete Deine perfekte Version des Universums/Nirvanas?

  34. @Siewurdengelesen
    Für mich gibt es keine perfekte Version. In dem Ziel darin, sehe ich allenfalls eines der Hauptprobleme. Man peilt das Ziel an, und schon hat man vergessen, dass es da eine ganze Menge Menschen gibt, die einmal andere Ziele haben und mit dem selben Bestreben vorgehen. Beratungsresistent, sind da alle und man kann hundertprozentig sicher sein, dass die Abneigung gegen Beratung mit dem Beratungswillen steigt. Deshalb berate ich auch nicht. Die Welt ist voller Berater, man kann sich gar nicht mehr retten davor. Beraten, — ist für mich wie Coaching. Ich rede mit Menschen, versuche mich in sie einzufühlen, auf Dinge aufmerksam zu machen, Intoleranzen und Klischees dort aufzubrechen wo sie auftauchen, und wenn es im direkten privaten Umfeld ist, aber dennoch Interesse für die Menschen aufzubringen. Es sind kleine Dinge, die ich dabei erreiche, und manchmal steht man vor Mauern, — aber nichts sagt mir, dass es aussichtslos ist. Schon aus der Angst heraus, dass ich dann so Sätze fallen lassen würde wie; Man kann nichts ändern, Das was schon immer so, etc.usw.usf.

  35. Mitarbeiter einer Betreibergesellschaft für Flüchtlingsunterkünfte:
    « Die Anwälte der Wohnraum‐Koordinatorin Peggy M. erklärten: „Unsere Mandantin steht für eine freie, demokratische und multikulturelle Gesellschaft und lebt auch angesichts ihrer beruflichen Tätigkeit die Willkommenskultur“.

    In der Praxis sah das so aus (veröffentlichter Mailaustausch):

    Hallo zusammen, also die Guillotine finde ich jetzt persönlich einen total guten Vorschlag – bringt uns aber wieder in die Presse und das wollen wir ja nicht“. Die Verfasserin Birgit konnte nicht ahnen, dass der Mailverkehr, zu dem dieses offenherzige Bekenntnis gehört, in der „BZ“ veröffentlicht wurde. Dort konnte man nachlesen, wie die Mitarbeiter der Professionellen Wohn‐ und Betreuungsgesellschaft (PeWoBe), die in Berlin zahlreiche Flüchtlingsunterkünfte betrieben hat, mit den Geflüchteten umzugehen gedächten, wenn sie nur könnten, wie sie wollen. Da finden sich die Vernichtungsphantasien der deutschen Hausfrau, deren größte Sorge sich in der Frage, wer hinterher das ganze Blut wegmacht, ausdrückt. So lesen wir bei Birgits Kollegin Peggy: “Der Darkroom ist zum spielen da und Enthauptungen machen Dreck weil es immer ein bissschen spritzt (ähnlich wie bei Kaffeeautomaten). Dann müsste ich wieder putzen und dass obwohl mir doch nachgesagt wird, dass ich pingelig bin“. Die eigenwillige Rechtschreibung der Verfasserinnen wurde beibehalten. In anderen Mails phantasieren Peggy, Birgit und ihre Kollegen über „ein großvolumiges Krematorium“, das ihnen auch ein Umweltzertifikat bescheren könnte, weil sie „die Abwärme sinnvoll und zielführend“ einsetzen könnten. Die “maximal Pigmentierten“ sollten als erste die optimale „Funktionsfähigkeit“ der Krematorien testen.«

    Rassisten wollen die Verfasser solcher Texte natürlich nicht sein. Denn sie tragen keine Springerstiefel, keine Bomberjacke und haben keine Glatze. Die Damen haben doch nur das formuliert, was an deutschen Stammtischen tagtäglich graunt wird.

    Quelle: http://www.konkret-magazin.de/aktuelles/aus-aktuellem-anlass/aus-aktuellem-anlass-beitrag/items/nazis-im-fluechtlingsheim.html

  36. @Altautonomer
    Das sind dann die Art von Menschen, bei denen sich anhand ihrer Menschenverachtung entsprechend der Ton verschärfen sollte. Dafür braucht man aber keine Artikel mehr. Die trifft man mittlerweile ständig. In älteren Jahren, war es die Form der Bösartigkeit, welche sich gegen Langzeitarbeitslose richtete und jetzt eben gegen die nächst Schwächeren, weshalb sich dabei auch nicht gerade wenige Langzeitarbeitslose gemüßigt fühlen da mit zu machen. Ein sicher frustrierender Zustand, doch auch den Hass‐Hype gegen HARTZ‐IV Empfänger hat man nicht durch Artikel kleiner bekommen, sondern durch Menschen, die sich dem alltäglich von Auge zu Auge gestellt haben. Deshalb sollte auch nicht der Eindruck des überhaupt mittlerweile handelsüblichen Generalverdachts einer durch und durch bösartigen Menschheit gestaltet werden. Es ist zwar extrem wichtig es aufzuzeigen, sollte aber nicht zur Entmutigung missbraucht werden.

  37. @eb: Hass‐Hype gegen HARTZ‐IV Empfänger hat man nicht durch Artikel kleiner bekommen

    Ähm — du lebst schon im selben Universum wie ich (oder der altautonome)...!? Unterhältst du dich auch nur ab und an mal mit genau dieser Sorte »normaler Menschen« über politische Themen, grade Arbeitslosigkeit oder Ausländer...!? Das brutale Unterdrückungsregime Hartz IV existiert seit über 10 Jahren — und es wird stetig verschärft. Der Hass auf Arbeitslose wird derzeit lediglich von der anderen, aktuell durchs Dorf getriebenen Sau überlagert...

    Hartz IV oder die Folgen von Arbeitslosigkeit interessieren schlicht niemanden...! Warum? Weil die zig Mio, die regelm. SPD, Union, Grün, FDP und neuerdings AfD (Hardcore‐Neoliberalismus) ankreuzen ja in Wahrheit doch super‐liebe Menschen sind — die nur von den pöhsen Neoliberalen verführt werden...

    Deshalb sollte auch nicht der Eindruck des überhaupt mittlerweile handelsüblichen Generalverdachts einer durch und durch bösartigen Menschheit gestaltet werden.

    Nein, natürlich nicht. Alles (wie damals bei den Nazis) unschuldige Opfer. Mal sehen, wer sie das nächste Mal von sich selbst »befreit«...

  38. @Dennis82
    Oh, ich lebe sogar absolut im gleichen Universum wie du oder der Altautonome. Auch was die Kritk betrifft. Nur eben nicht darüber, sondern mehr innen drin. Was die Menschen betrifft, jedenfalls. Ansonsten mag ich Raumfahrt auch. Es ist auch in keinem Fall positivistischer Natur, — aber eben auch nicht bis zum Erbrechen negativistisch. Einfach nur ein wenig klischeeloser. Was die Klischees betrifft, — unter denen auch nicht gerade viele Linke leiden, — könnte ich jetzt hier wahrlich viel anfügen, aber das lasse ich mal.

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