Neulich unterwegs…

…sah ich diese zwei Plakate:

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Ich weiß ja, dass die Bundeswehr seit dem die Wehrpflicht abgeschafft wurde, verstärkt Werbung und Öffentlichkeitsarbeit betreiben muss, um überhaupt noch devote Befehlsempfänger zu finden. Aber was meinen sie hier mit »wahrer Stärke«? Etwa einen Soldaten mit einem G36 Gewehr? Friendly Fire? Kollateralschäden? Rekruten misshandeln, wie die Ausbilder in der Coesfelder Kaserne (2004)? Sich mit Totenschädeln fotografieren lassen, wie in Afghanistan (2006)? Angriffe auf Zivilisten in Kunduz (2009)? Sauf‐ und Sexpartys auf der »Gorch Fock« (2011)?  Und was soll »was wirklich zählt« bedeuten? Kriege für Absatzmärkte und Rohstoffe führen?

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So so. Soll das die subtile Botschaft für: »Wir töten und bomben für Demokratie und Freiheit« sein? Deutschland am Hindukusch verteidigen? Und womöglich bald noch gegen Demonstranten, Unruhestifter und Flüchtlinge im Innern vorgehen? Mich überzeugt Ihr mit eurem Zynismus nicht. :NENE: Passend: Briefe aus der Friedensbewegung zu »60 Jahre Bundeswehr.«

8 Gedanken zu “Neulich unterwegs…

  1. Den Deutschen gehts halt noch zu gut. Eine Berufsarmee auf Freiwilligenbasis funktioniert in Puncto Rekrutierung dort am besten, wo genügend Menschen so abgehängt sind, dass die einzige Chance, der Verelendung zu entkommen und auf legalem Wege an ein halbwegs ordentliches Einkommen zu gelangen, eine Karriere beim Militär ist. In den postindustrielle Gegenden der USA mit überwiegend schwarzer Bevölkerung ist das so. Beim Bund sind jetzt schon die neuen Länder überrepräsentiert , es ist aber wohl noch Luft nach oben.

  2. Tja, was meinen die mit »Mach was wirklich zählt«. Die dazugehörige Seite dieser Kampagne mit den üblichen Werbefilmchen macht es auch nicht wirklich einfacher.

  3. @Stefan R.

    »In den postindustrielle Gegenden der USA mit überwiegend schwarzer Bevölkerung ist das so. Beim Bund sind jetzt schon die neuen Länder überrepräsentiert , es ist aber wohl noch Luft nach oben.«

    Dann dürfte doch zumindest bei vielen der Militärbegeisterten aus den gar nicht mehr so neuen Bundesländern die Ideologie und das Feindbild grob stimmen.

  4. Bei der DFG‐VK gibt’s einen netten offenen Brief zum »Geburtstag« der Bundeswehr:

    Liebe Bundeswehr,

    wobei, da fangen die Probleme mit Dir ja schon an. Denn lieb bist Du nicht – und warst es nie! Zwar hockten Deine Soldaten und Generäle 35 Jahre lang überwiegend in ihren Kasernen und beschränkten das Erlernen des mörderischen Handwerks auf diesen Bereich (verschlangen aber auch dort unglaublich viel Geld), doch in den letzten Jahrzehnten bist Du dann doch noch aktiver geworden.

    Jetzt jagst Du weltweit Terroristen, belieferst Kämpfer mit Waffen und bildest sie auch gleich noch aus. Deinen im Grundgesetz festgehaltenen Beschränkung auf das Territorium Deutschlands hast Du mit Hilfe von Politik und Gerichten einfach ausgedehnt. Sicherer oder gerechter ist die Welt dadurch nicht geworden. Die Sicherheitslage hier hat sich durch Deine Auslandsinterventionen ebenso verschärft wie auch die Lage der Menschen in den von Dir besetzen Ländern sich nicht verbessert hat.

    Natürlich bist Du getrieben von der Politik, die Deine Aktivitäten forciert. Doch lässt Du es Dir auch anmerken, dass Du sie auch gerne machst. Du wirbst sogar in der Bevölkerung um Zustimmung für die von der Politik vorgegebenen Ziele. Gerade hast Du eine neue Werbe‐Kampagne gestartet um Rekruten zu finden: „Mach, was wirklich zählt“, lautet der Slogan. Wirklich? Kommen Dir nicht manchmal auch Zweifel?

    In Afghanistan sind über 50 Deiner Leute gestorben, ganz abgesehen von denen, die in Deinen Auftrag und mit Deiner Unterstützung umgebracht wurden – heute ist die Situation wie vor 15 Jahren. Seit 1999 bist Du im Kosovo und die Lage dort ist auch noch immer so schlecht, dass die Menschen fliehen. Bei all dem verursachst Du Kosten, die wir in so vielen anderen Bereichen der Gesellschaft nachhaltiger einsetzen könnten. — „Was wirklich zählt“? Glaubst Du wirklich an das, wofür Du vorgibst zu kämpfen? Die öffentlich von der Politik verkündeten Gründe scheinen mir nicht „wirklich“ immer die wahren zu sein. Ökonomische Interessen – dass einige Leute Geld verdienen können – spielen oft wohl eine größere Rolle als Du uns verkündest.

    Bundeswehr, Du bist jetzt 60 Jahre alt — überleg doch mal ein Ende zu setzen.

    Was Du tust ist nicht nachhaltig, bringt nichts für die Sicherheit dieses Landes und den Menschen in anderen Ländern noch dazu viel Leid.

    Ehrlich Bundeswehr, es ist Zeit, dass Du abgeschafft wirst. Wirklich! Das zählt und ist dazu noch richtig!

    Mit friedlichen Grüßen

    Monty Schädel

    Politischer Geschäftsführer der

    Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen

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