Neusprech: Service

„Auch bei der Telekom erhalten Sie als Kunde einen sehr umfangreichen und ausgewogenen Service. Sie haben die Möglichkeit bei einem Problem jederzeit auf einen umfassenden Telekom Service zurückzugreifen.“

– Deutsche Telekom

Das schwammige Plastikwort „Service“ erreicht bei der Suchmaschine google ungefähr 6.000.000.000 Ergebnisse. Es ist eines der absolut zentralen Begriffe der ökonomischen Lebenswelt. Er bezeichnet die Dienstleistung am und für den Kunden. Es gibt Service-Zentralen, Service-Management, Service-Mitarbeiter, Service-Rufnummern und vieles mehr. Stets suggerieren Kundennähe, Kundenpflege und Kundenorientierung, dass man die Wünsche und Bedürfnisse des Verbrauchers ernst nehmen würde. Mit der Realität hat das meist wenig zu tun.

Die Betreuung von Kunden sollte für Unternehmen keine Zusatzleistung, sondern eine existenzielle Zielsetzung sein. Wer seine Kunden schlecht behandelt und bei Problemfällen schwer zu kontaktieren ist, dessen Ruf und Image nimmt Schaden. Dennoch ist Deutschland in weiten Teilen immer noch eine „Servicewüste“. Endlose Telefon-Warteschleifen mit automatischen Spechansagen, Gängelungen und Schikanen bei der Kündigung von Verträgen, Massenabfertigungen, Abo-Abzocke, Personalmangel sowie unhöfliche und unfreundliche Mitarbeiter sind vielfach an der Tagesordnung. Ob bei Garantie, Reklamation, Gewährung oder Umtausch: oft begegnet man unfreundlichen und wenig kooperativen Service-Mitarbeitern. Nicht selten hat man hier Probleme oder Konflikte, wenn man sein Recht als Verbraucher in Anspruch nehmen will.

Unternehmen und Konzerne in der „marktkonformen Demokratie“ geht es einzig und allein um den Profit. Um dieses Ziel zu erreichen, wird gekürzt und gespart, gelogen und betrogen, behauptet und propagiert, Arbeits- und Produktionsprozesse werden beschleunigt oder automatisiert, Mitarbeiter unter Leistungsdruck gesetzt und Produkte werden vorsätzlich einem geplanten Verschleiß unterzogen. Zwar betonen PR-Soldaten immer wieder, dass der Kunde König sei, mit der alltäglichen Realität hat das meist wenig zu tun.

Der Service-Begriff ist viel zu häufig mit dem Marketing verzahnt. Kundenservice wird angekündigt, genauso wie die vermeintliche Qualität des Produktes oder der Dienstleistung. Am Ende bleibt häufig vor allem eines: die Lüge.

7 Gedanken zu “Neusprech: Service

  1. Übersetzt ist bei „Service“ von „Dienst“ die Rede, und bei „Dienst“ und beim „Dienen“ ist zumindest davon die Rede, dass jeder noch so läppische Handgriff unter „Arbeit“ gefasst wird – womit sich für jedes kleine Nichts unter dem Titel des Service dann die Kurve kratzen lässt, hin zum Rechtfertigungsbrimorium in calvinistisch-protestantischer Tradition, wonach der Mensch zu seiner besonderen Rechtschaffenheit vor allem mittels eines unablässigen Tuns und seiner Werke geadelt sei.

    So kann sich der Opportunist mit einer einfachen Vokabel billig in die gedankenlose Mühle eines umfassenden Rechtfertigungszirkusses einkaufen. Leicht kann er sich damit stromlinienförmig in der Mitte eines Konsens wähnen, wo hernach keine weiteren Fragen gestellt werden, egal welcher ganz normale stinkige Mist nun schon wieder gebaut wird.

    Der zeichenverarbeitende Zweibeiner wird solchen Konstrukten immer wieder auf den Leim gehen, das ist Teil seiner Natur und die Befreiung von derlei Unpässlichkeit wäre leider nur erst eine ganze kleine Gedankenecke weiter erhältlich, wofür der Trott der täglichen Verrichtungen den meisten zu wenig Freiheit lässt, zu wenig Kraft, oder zu magere Perspektive, angesichts umfassender Flimmerkinobelustigung.

    Nichts neues also, bis es plötzlich knallt, in der Tretmühle des stupiden Bienenfleißes, und eine ganze Kiste mit all den schönen Rechtfertigungen zerbröselt. Nicht aber, dass man sich vor anderen Kisten, mit anderen selbstherrlichen Dauerrechtfertigungen, als derjenigen der blinden Selbstläufer, nicht ebenso fürchten müsste.

  2. Service – zusammengehöriges Eßgeschirr; aus frz service „Dienst,Dienstleistung; Tafelgerät, Tischgeschirr; aus lat. servitium „Dienst“ zu servire „dienen“, zu servus – SKLAVE !

    so meine Denkweise…

    im übrigen, wo Profit (Gewinnmaximierung ) herrscht, und das ist überall, gibt es keine Menschlichkeit mehr… leider,leider

  3. Nicht zu vergessen: Service Center, WC-Center oder die Jobcenter.

    Zentren sind es eigentlich alle nicht.

  4. Am liebsten mehr @dorengba folglich meinetwegen mehr vom unerquicklichen davor.
    Allen sei gesagt: was dich plagt, ist meist eine Tat. Drum‘ lass‘ was du später hast!

  5. wss die telekom betrifft, so warte ich seit jahren auf eine hilfe, also darauf, dass mir gesagt wird, wie ich meine mails direkt auf die festplatte bekomme, ohne mich erst bei t-online einloggen zu müssen.

  6. @klaus baum: falls das jetzt kein Jux sein sollte,…
    wie wär’s mit nem eMail-Client? Z.B. Thunderbird. Ist zwar auch nicht wirklich direkt -logischerweise, aber wesentlich angenehmer als sich immer über ne Website einloggen zu müssen. Die Grundkonfiguration ist mittlerweile auch recht unproblematisch.

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