Klassentreffen

Klassentreffen sind eine gute Gelegenheit, um zu erkennen, was den meisten Menschen wirklich wichtig ist, um andere einschätzen und beurteilen zu können. In der Regel hat man sich 10 oder 20 Jahre nicht mehr gesehen und meist nur einen Abend Zeit, um sich wieder neu kennen zu lernen bzw. um die Vergangenheit zu reflektieren und mit dem neu gewonnenen Bild zu verknüpfen. Von Interesse ist hierbei die Lohnarbeit, die Wohnung, der Beziehungsstatus (Kinder? Ehe? Wie lange zusammen?) und das Aussehen (dicker oder dünner geworden? Kleidungsstil?). Alle Themen sind mit einer streng materialistisch‐konsumistischen Lebenseinstellung besetzt.

Meine Versuche, Themen wie Philosophie, Kunst, Kultur, persönliches Glück, Leidenschaften, individuelle Neigungen, Medien oder Politik ins Feld zu führen, scheiterten. Entweder sie wurden ignoriert, abschätzig bewertet oder führten wieder zu den oben genannten Lebensbereichen. Es scheint, als sei das wirtschaftspolitische Vorhaben, die Bevölkerung ausschließlich zu Krämerseelen um zu erziehen, ein voller Erfolg.

6 Gedanken zu “Klassentreffen

  1. Mal abgesehen davon, dass du da eh nur mit den Leuten sprichst, nach denen du dich die ganze Zeit über nicht gesehnt hast. Mit Leuten, die dir wichtig sind, hast du ja wenigstens noch einmal im halben Jahr Kontakt...

  2. Ist mir (bei meinem Abi‐Treffen) auch aufgefallen gewesen. Das war so übel, dass ich sehr früh wieder gegangen bin.
    In der Zwischenzeit denke ich aber, diese Themen sind neutral, quasi »sicherer Boden«, um sich zu unterhalten.

  3. Mein Haus , mein Auto...
    Ich glaube aber nicht , daß die Leute dahingehend erzogen werden müssen , die sind einfach so , Statusverhalten nach Art unserer biologischen Vorfahren , und genau da dürfte es auch herkommen.

    Ist schon absurd , wir leben in einer hochtechnisierten Welt , besetzt mit lauter Leuten , die mental noch nicht von den Bäumen runter sind.

    Allerdings dürfte auch der Wohlstand eine erhebliche Rolle spielen , je länger der für zu Viele , zu lange und für die Falschen andauert , desto stärker ist der Hang zum Rückschritt ins Archaische , daß das nicht nur strunzdoof , sondern auch todlangweilig ist , scheint diese Hominiden nicht zu stören.

  4. Ich muss sagen, ich scheine ziemliches Glück zu haben mit meiner Abi‐Klasse. Letztens war es wieder so weit und ich bin, wie jedes Mal, mit gemischten Gefühlen hingegangen, weil ich genau so was befürchte und ich wurde wie jedes Mal positiv überrascht. Klar, man tauscht sich aus, was man so macht, aber die Neugierde überwiegt dabei und Geprotze bzw. Statussymbolpoker ist allgemein verpönt. Oder die, die so was nötig haben, sind die 20 Prozent die zum Glück nicht da waren.

  5. Alles andere hätte mich auch überrascht. Man kann kaum jemandem nach einem gewissen zeitlichen Abstand begegnen, ohne dass nach dem »Hallo« die erste Frage lautet: »Was machst du?« (= wo arbeitest du?).

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