Wirtschaftskriminalität

by epikur

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Jahre 2010 ein sog. Bundeslagebild zum Thema Wirtschaftskriminalität veröffentlicht. Für 2011 und 2012 ist leider noch kein Bericht erhältlich. Aber auch das Dokument aus dem Jahre 2010 ist sehr aufschlußreich.

Die Tendenz der Wirtschaftskriminalität in Deutschland, ist, laut polizeilicher Kriminalstatistik (PKS), deutlich steigend. Während im Jahr 2009 durch die Wirtschaftskriminalität ein gesamter wirtschaftlicher Schaden von rund 3,5 Milliarden Euro entstand, waren es im Jahre 2010 schon knapp 4,7 Milliarden Euro. Insbesondere Fälle von Betrug, Anlage‐ und Finanzierungsdelikte, Insolvenzstraftaten sowie Betrug und Untreue bei Kapitalanlagen werden stark zunehmen, so die polizeiliche Kriminalstatistik.

Der Bericht weist mehrfach daraufhin, dass er das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftskriminalität nur bedingt darstellen kann und die Dunkelziffer (z.B. Steuerhinterziehung) sehr hoch ist:

Die polizeilichen Daten können das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftskriminalität nur eingeschränkt wiedergeben. Dies liegt zum einen daran, dass Wirtschaftsstraftaten, die von Staatsanwaltschaften oder von Finanzbehörden unmittelbar und ohne Beteiligung der Polizei bearbeitet wurden, nicht in den polizeilichen Statistiken erfasst sind.

Im Jahr 2010 wurden rund 37.000 Tatverdächtige registriert, vier Prozent mehr als im Vorjahr.  Deutlich angestiegen sind die Betrugsfälle im Internet um fast 200 Prozent von rund 10.000 auf 31.000 Fälle. Bei mehr als jedem vierten Fall von Wirtschaftskriminalität wurde das Internet genutzt. Bei den Arbeitsdelikten ist das Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelten mit rund 11.000 Fällen die größte Straftat. An zweiter Stelle rangiert der Betrug zum Nachteil der Sozialversicherungen mit 280 Fällen. Nicht mit einberechnet werden alle wirtschaftskriminellen Handlungen, die nicht aufgedeckt werden, für die das BKA nicht zuständig ist oder die außerhalb von Deutschland begangen werden.

Der Bericht betont, neben den monetären Schäden, die großen immateriellen Schäden, welche die Wirtschaftskriminalität verursacht:

  1. Wettbewerbsverzerrungen.
  2. Finanzielle Abhängigkeiten.
  3. Gesundheitliche Gefährdungen (Verstöße gegen Lebens‐ und Arzneimittelgesetz, das Arbeitsschutzrecht und das Umweltstrafrecht).
  4. Reputations‐ und Vertrauensverluste.

Das Gesamtschadensvolumen aller Straftaten in Deutschland beträgt 8,4 Milliarden Euro. Die Wirtschaftskriminalität, mit einem Schaden von knapp 4,7 Milliarden Euro, hat damit einen Anteil von 55 Prozent vom wirtschaftlichen Gesamtschaden aller Straftaten in Deutschland.

Ein Gedanke zu “Wirtschaftskriminalität

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.