Geschwätz von gestern?

»Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak– und Spirituosenindustrie« (Philipp Mißfelder, CDU)

»Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job« (Kurt Beck, SPD)

»Hartz4-Empfänger sind Parasiten« (Wolfgang Clement, ehemalig SPD)

»Nur wer arbeitet, soll auch essen« (Franz Müntefering, SPD)

»Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein« (Guido Westerwelle über Hartz4, FDP)

»Eine große Zahl an Arabern und Türken hat keine produktive Funktion, außer für den Obst und Gemüsehandel« (Thilo Sarrazin, SPD)

»Soziale Gerechtigkeit muss künftig heißen, eine Politik für jene zu machen, die etwas für die Zukunft unseres Landes tun: die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitsplätze schaffen, kurzum, die Leistung für sich und unsere Gesellschaft erbringen. Um die – und nur um sie – muss sich Politik kümmern« (Peer Steinbrück, SPD)

18 Gedanken zu “Geschwätz von gestern?

  1. Ich finde es immer wieder erstaunlich, welch ein abstruses Menschenbild unsere Politiker haben.
    Dabei sind diese Typen in der Regel selbst überbezahlte Alimenteempfänger des Staates, d.h. wir alle — auch die HartzIV-Empfänger — zahlen dafür, daß sie uns auch noch beleidigen dürfen. Jemand, der von staatlicher Stütze lebt, wie Politiker und Beamte, der hat kein Recht, sich über andere, die das auch tun — tun müssen — zu erheben und diese zu kritisieren.

    Jede Bürgerin und jeder Bürger leistet allein schon durch seine Existenz etwas für diese Gesellschaft! Ich frage mich, worin die Leistung eines Westerwelles, Steinbrücks oder Clement besteht? Sind die Schäden, die diese Figuren im Namen des Volkes anrichten, nicht um ein Vielfaches größer als alles, was ein HartzIV anrichten kann?

  2. Guido Westerwelle, Bundesaußenminister, hat seither hinlänglich bewiesen, dass unsere selbsternannten »Eliten« diejenigen sind, die »spätrömische Dekadenz« vorleben — Im Umgang mit dem sogenannten »arabischen Frühling«, und Waffenlieferungen an Dikaturen, die diese arabische Revolution bekämpfen wollen — Mir kam da gestern ein ganz ketzerischer Gedanke: Ist es nicht derselbe Umgang, nur diesmal international, den FDP-Politiker an HartzIV-EmpfängerInnen, und sonstigen Arbeitslosen, getestet haben? Frei nach dem Motto: Zuckerbrot und Peitsche? Während Westerwelle Tunesien und Ägypten verhätschelt, liefert er in Libyen einen Kriegspolitiker ab, und unterstützt die saudi-arabische Diktatur — fdp-schizophrenie eben, die man nun eben statt im Inland im Ausland auslebt — als FDP-Mensch namens Guido Westerwelle.
    Gruß
    Bernie

    PS: Merkel, und ihre CDU, ist auch nicht besser, aber mir geht es hier nur um die FDP-Dekadenz.

  3. Noch was:

    »Spätrömische Dekadenz« — Auch im alten Rom war die Außenpolitik sicher genau dieselbe die Guido Westerwelle/Angela Merkel uns nun im Umgang mit dem »arabischen Frühling« zeigen — Römische Diadochenstaaten wurden unterstützt, auch wenn die Diktaturen waren, Freiheitsbestrebungen auch, wenn es »Rom« genützt hat, aber ansonsten....spätrömische Dekadenz eben......

    Sogar der Fall Arminius, besser bekannt als römischer Söldner namens Hermann der Cherusker, hat erschreckende Parallelen zur heutigen Außenpolitik — Man rüstet Verbündete hoch, die sich — mit römischem Niveau — von einem abwenden, und eine ganze Legion vernichten......Wer denkt dabei nicht an den Anti-Sowjetkrieger Osama Bin Laden und die USA, incl. westliche Allianz, die diesen Terroristen erst hochgezüchtet hat — übrigens auch ein Saudi — und den nun ermorden ließ, als er sich endgültig vom Westen abgewandt hat — Wurde nicht auch Arminius ermordet? Von mit Rom verbündeten Stammesgenossen? Tja, erstaunliche Parallelen, die die Menschheitsgeschichte uns da liefert — Übrigens auch für Römer galt Arminius mit absoluter Sicherheit als »Terrorist«.

    Gibt einem zu denken? Auch wenn man ein Feind des internationalen Terrorismus ist, wie ich und andere hier. Oder?

    Gruß
    Bernie

  4. @invisibelle

    Da stimme ich Dir vollkommen zu! Die Mehrheit der Bevölkerung denkt leider genauso wie viele unserer korrupten und menschenverachtenden Politiker.

  5. @ epikur 20. Juli 2011 um 10:29

    Was ich mich frage: denken unsere Politiker vielleicht deswegen (weil die Bevölkerung so denkt) so? Kann die Politik viel human(istisch)er sein, als es das Bewußtsein der Masse ist?

    Mich ermüdet die Politiker- und Elitenschelte.

    Die ganze Politik des Sozialabbaus ist von der Mehrheit gewählt und, so müsste man folgern, gewollt. Sollte dem nicht so sein, dann ist unsere Gesellschaft nicht reif für die Demokratie.

  6. »[...]Mich ermüdet die Politiker– und Elitenschelte[...]«

    Weißt Du was mich ermüdet?

    Das jahrelange »blaming the victim« seit der Einführung der unsozialen »Reformen« in Deutschland.

    Frei nach dem Motto:

    Nicht der Mörder ist schuld, sondern der Ermordete, dass er umgebracht wurde — um es mal etwas überspitzt zu sagen (beim Umgang mit dem Holocaust/der Shoa sehen es ja viele deutsche Konservative ja mittlerweile sogar so, davon soll die Diskussion um den angeblichen »linken Antisemitismus« ablenken — vom eigenen konservativen Antisemitismus).

    »[...]Die ganze Politik des Sozialabbaus ist von der Mehrheit gewählt und, so müsste man folgern, gewollt. Sollte dem nicht so sein, dann ist unsere Gesellschaft nicht reif für die Demokratie[...]«

    Die »Mehrheit« ist doch diejenige die überhaupt noch zur Wahl geht, die wirkliche Mehrheit sind die Nichtwähler, denen die ewige Ver.... am A... vorbeigeht.

    Unsere Gesellschaft war noch nie eine Demokratie.

    Wie nennt man etwas wo nur einige wenige, die nicht einmal gewählt sind ‑vom ganzen »Volk« — bestimmen wo es lang geht?
    Ich glaub da mal was anderes als Demokratie gelesen zu haben — man müßte es wohl eher Oligarchie, oder noch besser Plutokratie nennen, aber ganz sicher nicht mehr Demokratie (= Herrschaft des Volkes; Volksherrschaft — aus dem griech. übersetzt).

    Gruß
    Bernie

  7. @epikur

    »[...]Die Mehrheit der Bevölkerung denkt leider genauso wie viele unserer korrupten und menschenverachtenden Politiker[...]«

    Könnte es nicht an einem »Stockholm Syndrom« durch Dauerpropaganda liegen, den unsere »korrupten und menschenverachtenden Politiker« ausnutzen?

    Leider sind doch die »Mehrheit der Bevölkerung« immer noch manipulierbar — Man merkt es beim Umgang mit der Krise, und der Dauerpropaganda vom angeblichen »Aufschwung«, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen.....

    Dazu kommt, dass die Mainstream-Medien durchaus befangen sind was den Umgang mit Politikern und Wirtschaftsbossen angeht — man kennt sich, und hilft sich.......korrupt eben.....und menschenverachtend..... nicht allein die Politiker, auch die Medien- und Wirtschaftsbosse......die wirklich Mächtigen in unserer Plutokratie in Deutschland.....

    Gruß
    Bernie

  8. Die ganze Politik des Sozialabbaus ist von der Mehrheit gewählt und, so müsste man folgern, gewollt.

    So einfach würde ich es mir dann auch nicht machen wollen. Es bestehen immer noch große Unterschiede zwischen den Wahlankündigungen bzw. dem Parteiprogramm und dem was die Parteien und Politiker dann konkret umsetzen. Rot/Grün unter Schröder haben das Volk verarscht. Anders kann man das nicht sagen. Die Hartz4-Massenproteste zeigen deutlich, dass das Volk dem Sozialabbau nicht zugestimmt hat. Auch die Afghanistan-Intervention sowie die Privatisierung öffentlicher Infrastrukturen trifft in der Bevölkerung auf wenig Zustimmung.

  9. das ist ganz einfach asoziales Gesindel und das sind Schwerverbrecher weil menschenverachtende Subjekte — ekelhaft

  10. @Hunsrückbäuerlin

    Stimme völlig überein.

    Leider ist, um es mit StarWars zu schreiben: »Die Macht mit denen« :-(

    Gruß
    Bernie

  11. Heute fiel im deutschen Landfunk infolge eines Interviews zu Herrn Murdochs Anhörung und dem gnadenlosen Filz seines Umfeldes der Satz; »Was für eine verachtenswerte Elite«.

    Wer weiß. Früher oder später, kommt man vielleicht drauf, dass das Problem größer ist wie die Insel.

  12. Das Hartz IV-Gesetz war wenige Monate alt, als Super-Minister Clement ob
    der explodierenden Kosten, ALGII-Berechtigte als Parasiten geißelte
    und sein Pamphlet »Vorrang für die Anständigen« veröffentlichte.
    Andere Politiker sprachen von »Mitnahmementalität«, man müsse ja nicht
    alles »mitnehmen« was möglich ist.
    Inzwischen hat sich z.B. herausgestellt, daß nur etwa die Hälfte der Berechtigten
    von der Möglichkeit der GEZ-Befreiung Gebrauch macht.

    Ich bin überzeugt davon, daß die öffentliche Herabwürdigung der Betroffenen zur
    Manifestierung der Langzeitarbeitslosigkeit beigetragen hat.
    Welcher Personalchef möchte schon Sozialbetrüger und faule Parasiten einstellen.

    Uwe

  13. Der »Geschwätz von gestern«-Artikel erinnert mich an eine Methode der Manipulation, welche auf einer der Zeitgeist Websites beschrieben wird [http://www.zeitgeistlos.de/propaganda/propaganda.html].

    1. Aus dem Zusammenhang reißen. Die gängigste und am häufigsten angewandte Methode der verzerrten Darstellung von Sachverhalten in den Medien, ist das gezielte Herausschneiden. Häufig werden so ganze Hintergründe und Kontexte aus dem Zusammenhang gerissen, weggelassen oder erscheinen in einem neuen Licht. Bekannte Beispiele solcher Methoden ist das gezielte Herausschneiden eines Politiker-Zitates.

    Was soll man dazu noch sagen...selfowned!

  14. @Jürgen

    Freut mich, dass Sie auch auf unserer Hauptseite lesen!

    Womöglich sind nicht wenige unserer vermeintlichen »Elite« noch viel asozialer, als ich das hier mit einigen Zitaten darstellen konnte. Insofern habe ich tatsächlich Sachverhalte verzerrt. ;)

  15. @epikur

    Es scheint so, dass Du in ein Hornissennest gestochen hat, und es einigen Leuten im Netz überhaupt nicht passt, dass jemand schreibt wie asozial unsere »Eliten« aus Wirtschaft, Politik und Medien wirklich geworden sind.

    Ich halte mich übrigens nicht allein an Zitate, die unsere PolitikerInnen, Wirtschaftsbosse und Medienvertreter direkt als Nachfolger des NS-Staates outen, und zwar queerbeet über alle Parteibücher hinweg — einzige Ausnahme derzeit (noch) die Linkspartei, die man aber mit hanebüchenen Antisemitismusvorwürfen (ich bleib dabei, die einzigen Antisemiten in Deutschland sind die CDU/CSU/FDP/SPD/Grünen»realos« und sonstige Neoliberale) mit ins Boot hohlen will — sondern auch an Taten der Politik-; Medien- und Wirtschaftsbossvertreter, und die sprechen auch Bände über die sogenannte »Neue Rechte« (queerbeet über alle Gesellschafts- und Parteigrenzen hinweg, wie bereits erwähnt) in Deutschland.

    Hieß es nicht einmal:

    »Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!«

    Tja, dass mit dem Krieg haben wir, dank imperialistischer dt. Politiker und Konzernbosse, wieder, und das mit dem Faschismus kriegen die, zynisch ausgedrückt, auch wieder hin.

    Der Fehler anno 1945 war, dass die Nazis nicht durch ein Implodieren ihrer Ideologie (wie z.B. der autoritäre Staatskommunismus der DDR, des Ostblocks und der Sowjetunion) besiegt worden sind, und die »Eliten« immer noch dieselben geblieben sind wie unter Wilhelm, Luddendorf und Hitler (bis heute 2011 — deren Enkel und Urenkel) —

    Besser ausgedrückt:

    Mit der DDR-Vergangenheit wurde, eben weil es hier einen Volksaufstand gab, rigoros aufgeräumt, und zwar bis ins letzte Glied.

    Die Nazi-Ideologie, und deren Anhänger, wurden nicht durch einen Volksaufstand hinweggefegt, und das NS-Gedankengut wabbert genau deswegen immer noch in dt. Köpfen herum. :-(

    Gruß
    Bernie

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