Die gespaltene Gesellschaft

Raucher gegen Nichtraucher, Frauen gegen Männer, Reiche gegen Arme, Gesunde gegen Alte, Arte gegen RTL2, Eltern gegen Erzieher, Vegetarier gegen Fleischesser, Deutsche gegen Ausländer, Autofahrer gegen Autofahrer, Erwerbstätige gegen Erwerbslose, Großkonzerne gegen Mittelstandsunternehmen, Studenten gegen Hauptschüler, Christen gegen Moslems, Lehrer gegen Schüler, Popstars gegen DSDS, Saturn gegen Media Markt, Burger King gegen McDonalds, Nachbar gegen Nachbar, Blogger gegen Printmedien — und umgekehrt!

Ein Riss geht quer durch alle Gesellschaftsschichten. Die deutsche Gesellschaft ist so gespalten wie nie zuvor. Gelebt werden Konkurrenz und Wettbewerb. Jeder ist mit seinen ganz privaten Kleinkriegen so sehr beschäftigt, dass er den Blick für das große Ganze verliert. Harmonie und Solidarität werden belächelt, als utopisch abgestempelt. Spalten heisst die Devise. Eine Gemeinschaft, die auf Freiheit und Gerechtigkeit aufgebaut werden soll, muss zunächst Spaltungstendenzen entschärfen und überwinden. In Deutschland passiert seit Jahren das glatte Gegenteil.

5 Gedanken zu “Die gespaltene Gesellschaft

  1. Die Aufzählung gefällt mir und das »und umgekehrt« am Ende ist sehr wichtig ;)
    Aber Saturn vs. Media Markt passt nicht so, das ist ja ein Konzern und somit nur ein Schaukampf. Vielleicht lieber Saturn gegen Amazon. Das passt doch ganz gut.

    Blogger gegen Blogger wäre leider auch sehr passend.

  2. Gar nicht so einfach das Thema. Dieser Wunsch nach der endlosen Harmonie, ist mir ehrlich gesagt genauso unheimlich, wie der totale Grabenkrieg über Polarisationen. Und auch hier merkt man wieder, das man ein »mittiges« Wesen ist.

    Demokratie misst sich entgegen anderer Visionen am Reifegrad der Menschen. D.h. an der Akzeptanz seiner Unperfektion und Vielfalt. Gäbe es die absolute Harmonie, wäre ich wahrscheinlich der erste dem dabei das Gruseln kommt. Endlose Grabenkriege sind das Gegenteil davon.
    Somit sollte eine vielfältige Streitkultur, ohne Feindschaft, eigentlich schon akzeptiert werden. Was bei mind. fünf Parteien in unserem Lande zumindest aus politischer Sicht, sich in einen äußerst homogenen Marktkontext mit ein wenig Geplänkel verwandelt hat, während draußen mitunter offene Feinschaft tobt.

    In unserer Mediendemokratie war der Schritt ziemlich klein, eine gesunde politisch demokratische Streitkultur in diplomatische political‐correctness zu vewandeln, und stattdessen die Bevölkerung über Grabenkriege Stellvertreterkriege führen zu lassen. Die Abgabe der Vertretung vom Vertreter zurück an die welche die Vertretung gewählt haben. Aber auch dies ist keine zulässige Allein‐Erklärung. Einer der Gründe warum die Extremismustheorie (leider nicht öffentlich), angezweifelt wird, ist dieser Hang zur absoluten Polarisation der sich entwickelt hat. Wenn sich eine Mitte mainstreammäßig überbewertet, werden die Ränder unbewusst von dieser Mitte als minderwertig betrachtet. Darüber kann man eine Mitte immer weiter spalten. Was auch geschieht. Die Medien haben das Spiel mitgemacht, hauptsächlich darum, weil mit Grabenkriegen aus der Mitte heraus, herrlich langfristig andauernde Aufreger produziert werden können. Was den Grabenkriegern eigentlich schon ausreichen müsste, ein Werturteil über die Seriösität der gelieferten Informationen abzugeben. Bei den zwei großen Klimakriegen sowohl in den 80igern, wie auch im letzten Jahrzehnt ist nichts anderes passiert als Glaubensfütterung von Eitelkeiten über polarisierende Meinungsbildung, bei welchem jede andere Meinung direkt in eine der beiden Gräben auf der Gegenüberseite verortet wurde.

    Eine Demokratie ohne Streit ist nicht möglich. Dann wäre es gar keine mehr. Auch Harmonien und Solidaritäten sind nicht per Schema‐F für alle zu verschreiben. Das würde zu grauenhaftem Fatalismus führen. Eine Orientierung diesbezüglich sollte eigentlich einfach sein. Man orientiert sich an den Opfern und den Ärmsten, anstatt an den Gewinnern und Bestimmern. Die Medien sind auf jeden Fall angehalten sich um Seriösität gegenüber Themen zu bemühen, als ständig diesen »I wish to believe«- Journalismus zu betreiben. Und eine herzerfrischende Streitkultur ohne ständige Homogenisierungswünsche zur Gleichschaltung, — und vor allen Dingen ohne Feindschaften, wäre das, was alle zu lernen hätten.

  3. Die Spaltung ist nicht nur auf der Kommandoebene gewünscht, im Gegenteil. Nicht selten wäre eine Integration von Gruppen erwünscht, durch den einen, während andere wiederum aus Eigeninteressen an der Spaltung arbeiten.
    Die Frage entsteht, wieso die Menschen sich so leicht Spalten lassen. Meiner Ansicht nach, ist das Folge individueller Charakterunreife, die solche Angriffe überhaupt erst möglich macht.
    Der Veganer hasst den Fleischesser ja nicht weil er es befohlen bekommt, sondern weil er sich moralisch höherwertig wähnt und im Fleischesser einen Vertreter einer Gruppe sieht, die seine abgespaltenen Eigenschaften lebt.
    So wie der Rechtsradikale den Linken nicht alleine wegen politischer Gesinnung, sondern insbesondere durch seine rebellische Haltung, durch seinen emotionalisierten rednerischen Geist, seine Forderung an den Herrschenden auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen hasst und ablehnt, weil er genau dieses Einfordern der eigenen Bedürfnisse in seiner charakterlichen Entwicklung aufgegeben hat als er sich den despotischen Forderungen einer Gesellschaft/Eltern unterworfen hat.

    In all dem HickHack des politisch‐sozialen Gegeneinanders ist also insbesondere das Leitmotiv des Individuums ausschlaggebend. Wie sich der einzelne Verhält zu dieser oder jener Unterschiedlichkeit und Ungleichheit zwischen Menschen.
    Nur hier kann ein umfassender Erklärungsansatz folgen, weil ein reifer halbwegs gebildeter Mensch lehnt Spaltereien sowieso ab und ein gutmütiger netter ungebildeter Mensch lehnt sie ebenso ab, weil er irgendwie in sich einen Respekt vor seinem Mitmenschen verinnerlicht hat.

    Daraus folgt, behaupte ich, das die gesellschaftliche Spaltung nur ein Spiegelbild der individuellen Charakterspaltungen ist. Der Selbsthass der Menschen auf eigene Eigenschaften treibt sie dazu, die als Fremd erlebte Gruppe abzuspalten, zu trennen.
    Dahinter spielen noch Eigeninteressen und Habgier eine Rolle, aber ich meine das diese Faktoren insgesamt weniger wirken, als es die grundsätzlichen charakterlichen Spaltungen schaffen. Sie wachsen ja erst auf dem Nährboden der charakterlichen Spaltung, sie können nicht Raum finden im feststehenden Geist reifen liebevollen Miteinanders einer überwiegend aus geistig gesunden Individuuen repräsentierten Gesellschaft. Weil diese nicht die Bereitschaft haben, sich Aufhetzen zu lassen, weil diese den Selbsthass nicht pflegen, der hier dringend nötig ist.

    Beispiel: Nur wer verinnerlicht hat, das ihm von jemand etwas weggenommen wird, nur wer also gierig genug ist, seinen Besitzstand zu wahren, ist auch bereit sich gegen jene aufhetzen zu lassen, die bekommen sollen von diesem Anteil (oder angeblich davon profitieren).

    Ja einige machen sich dieses Wissen zu nutze im Sinne von Manipulation und Herrschaft. Insofern ist der Artikel korrekt, nur klappen kann so etwas nur, wenn es auf den Nährboden einer von krankhaft gespaltenen oder spaltbaren Persönlichkeit trifft.

    MFG

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